Montag, Dezember 15, 2014

Hinterher das Vorherige bemerken

Ich sitze in meinem Atelier in der Schule, die Beine gemütlich über einen Gymnastikball gelegt, den ich mir letzte Woche für 3.- in der Brocki erstanden habe. Vorher war ich oben in der Küche, mit glutenfreiem Brot und einer Avocado, und kam ins Gespräch mit einer Frau, die Reiswaffeln mit Avocado ass. Stellte sich heraus, dass wir beide möglichst glutenfrei essen, aber auswärts bzw. mit FreundInnen nicht zwingend, weil es sonst zu mühsam wird. Sie lehrt Physik im Departement Konservierung und Restaurierung. Spannend.

Die letzten Wochen waren sehr turbulent. Studium, Arbeit,.. und es kamen grosse Fragen auf, ist der Arbeitsweg noch ok, was ist machbar, was nicht,.... und anderes. Meinen Mann sah ich kaum mehr. Er ging morgens früh aus dem Haus, und ich ging abends arbeiten und kam nach Mitternacht nach Hause. Am Wochenende dasselbe.

So taten wir das wunderbarste, was man tun kann, nämlich schon zwei Monate im Voraus ein Wochenende im Kalender reservieren, Freiwunsch anmelden, nichts abmachen, und dann etwas cooles buchen. Wir hatten noch einen Gutschein für eine Übernachtung auf einem Bauernhof, und dann gönnten wir uns einen Nachmittag in einem Spa in der Nähe: Thermalbad und Saunas. Es war herrlich. Mein erstes Mal eine richtige Sauna. An der Tür zum Sauna-Bereich stand "Nacktzone". Da wir beide Sauna-Neulinge waren, wussten wir nicht recht, wie das nun zu verstehen ist. Also nackt-nackt? Oder wickelt man ein Tüchlein um den ansonsten nackten Körper? Ist man nur nackt in der Sauna, oder auch beim Herumlaufen zwischen den verschiedenen Saunen und der Eisnebeldusche? Ich weiss es bis heute nicht. Wir beobachteten einfach immer, was die anderen taten, und taten es ihnen gleich... hmm

Jedenfalls war es herrlich. Endlich mal nicht frieren!!!!!!! Obwohl die Hitze zum Teil wirklich unerträglich wurde, genoss ich dieses Gefühl des Nichtfrierens.

Auf der Rückfahrt kam mir etwas ins Auge und es brannte unendlich. Nach vielen Tränen und Augentropfen war es draussen, und das Auge schmerzte nicht mehr. Das Gefühl, wenn der Schmerz vorbei ist, ist wunderbar.

Wie man das Nichtfrieren erst hinterher bewusst geniesst, nachdem man bewusst oder unbewusst immer gefroren hat, ist auch die Schmerzlosigkeit des Auges erst dann eine Wohltat, wenn sie vorher gestört war. Die Erholung eines Wochenendes weg von allem zeigt mir auch erst jetzt, wo ich belebt und wohlig zurück bin, wie schön es ist, nicht in der Klaue des Stresses zu leben.

Nun werde ich mich gemütlich in die Stadt begeben, um ein Weihnachtsgeschenk für meinen Gottebub zu kaufen, dann noch Gemüse, Salat, Kokosmilch und WC-Papier, und wieder in die S-Bahn nach Hause.

Heute sah ich die Sonne während einer halben Minute, das war schön.

Montag, Dezember 01, 2014

On a lighter note - Rasieren

Heute mal etwas weniger heftiges.

Mein Initialtrauma, das mich mein Dasein als weiblichen Menschen in der heutigen Zeit erst erkennen liess, geschah am Ufer der Donau in der Nähe von Wien, in einem Jugendlager. Alle gingen baden, und ich realisierte, dass ich der einzige weibliche Teenager war, die ihre Beine nicht rasiert hatte. Ich hatte mein Schweizer Taschenmesser dabei und verbrachte eine lange Zeit damit, mit dem kleinen Scherchen meine Beinhaare zu stutzen.

Fast forward. Inzwischen wurde es normal, gewisse Körperpartien zu rasieren, besonders im Sommer. Damit waren immer die verschiedensten Probleme verbunden, die alle kennen, die sich zum Beispiel die Beine rasieren.

Ausserdem nervt es mich. Es ist ja eine reine Modeerscheinung, und ich mache einfach mit, als ginge es nicht anders. Es ist zeitaufwändig. Diese Zeit kann ich für besseres gebrauchen.
Aber natürlich, auch ich habe dieses Ding in meinem Kopf, dass ich raiserte Beine schöner finde. Wie lange es wohl brauchen würde, bis dies nicht mehr so ist?

Jetzt im tiefsten Winter ist die beste Zeit für Experimente. Ich hatte nämlich mal irgendwo gelesen, dass man weniger schwitzt bzw. weniger stinkt beim Schwitzen, wenn man die Achselhaare sein lässt, wie sie sind. (Ich dachte, hier lesen ja eh fast nur Frauen, also kann ich auch darüber schreiben). Da mir dies einleuchtete und ich sehr häufig T-Shirts wechseln musste und es relativ schnell zu stinken begann, trotz Deo, probierte ich das mal aus. Und tatsächlich!!! Ich stinke überhaupt gar nie mehr! Es ist unglaublich! Aber was mach ich denn, wenn der Sommer und die kurzärmligen Kleider wieder auftauchen?


Donnerstag, November 27, 2014

Frisch von der Leber weg übers Leben sprechen

Es gibt vieles, was mich ständig beschäftigt. Soll ich darüber schreiben? Ich leben mein Leben sehr offen, aber bezahle dafür manchmal den Preis, dass ich auf viel Unverständnis oder zum Teil auch Kritik stosse. Was dann nicht immer einfach ist, weil ich ja einfach nur mein Herz aufgemacht habe und gar nicht eine Diskussion anstossen wollte. Anyway. Es ist auch bereichernd.

Soll ich nun wirklich über Totenauferweckung sprechen?

Anscheinend ist es in China so, dass wenn jemand nicht innerhalb maximal eines Jahres jemanden von den Toten auferweckt hat, hinterfragt wird, ob er oder sie wirklich Christ ist (Quelle: "In China, they say that if you haven’t raised someone from the dead at least within a year, they’re going to question whether or not you’re even a Christian." http://healingisyours.com/new-events/).

Hier ist das ja noch nicht ganz so. Man könnte, wenn man wollte, sogar ganz provokativ sagen, dass wenn jemand es hinterfragt, ob der Tod wirklich so gut ist, weil er uns ja in den Himmel zu Jesus bringt, dieser jemand dann auch gefragt wird, ob er oder sie wirklich Christ sei...

Letzte und diese Woche verbrachte ich einige Zeit in der Aufbahrungshalle. Wir glaubten und beteten für Auferstehung. Gestern war die Beerdigung.

Ich war vor zwei Jahren bei jemandem in einem Wochenend-Training über Totenauferweckung, dessen DRT's (Dead Raising Teams) haben schon 13 Tote gesehen, die wieder zurückkamen. Einer davon war 2 Wochen tot. Ist das das, was Jesus angekündigt hat als er sagte, "ihr werdet grössere Werke vollbringen als ich sie tue"?

Matthäus 10,8: Heilt die Kranken... (das tun wir), ..treibt Dämonen aus.. (tun wir), ..reinigt die Leprakranken.. (tun wir nicht wirklich... aber sollten wir. Heute wären das wohl die Ebola-Kranken. Oder warum nicht auch gleich jede unreine Haut heilen?), ...weckt die Toten auf...

Ja, nach dem Tod ist man im Himmel und alles ist wunderbar, und ich würde wohl auch nicht zurückkommen wollen. Und ja, im Himmel zu sein ist weitaus besser, als krank vor sich hin zu leiden. Aber der Tod ist nicht unser Erlöser. Jesus ist unser Erlöser. Heilung und ganzheitliche Gesundheit, Freiheit und Freisetzung ist das Ziel. Wir sollen den Himmel auf die Erde bringen und nicht uns in den Himmel flüchten. Dein Wille, wie im Himmel, so auf Erden. Im Himmel gibt es keine Gewalt, keine Tränen, keine Krankheit... so auf Erden. Im Himmel gibt es keinen Tod... ...so auf Erden.
Wir müssen nicht mehr durch die Tür des Todes, um in den Himmel zu gelangen. Jesus hat den Weg auch so freigemacht und dem Tod den Stachel gezogen.

Warum die zweifache Mutter nicht aufgewacht ist, ist mir ein Rätsel. Ich werde weiterbeten für jeden Schlafenden, der tot scheint.

Donnerstag, November 13, 2014

Die Politikerin und der nackte Sänger.

1. Mose 1 und so, Paradies, vegan, und verheiratet - ich liebe Nacktheit. Trotzdem habe ich gerade ein Beschwerde-e-mail an unsere grösste Zuganbieterin und an eine Gratis-"Zeitung" geschickt.

Diese Gratis-Papierberge irritieren mich sowieso immer, aber gestern fühlte ich mich richtig belästigt. Auf der Titelseite: eine praktisch nackte Frau. Auf der Rückseite: Eine praktisch nackte Frau. Hallo?? Ich dachte, wir leben im Jahr 2014?!  Gestört hat mich dieser Anblick aus mehreren Gründen:

- Wenn man am Kiosk eine Zeitschrift mit nackten Frauen kauft, dann ist das persönliche Entscheidungssache. Ob man sie dann im Zug liest, auch. Aber eine auflagenstarke Gratiszeitung, die viele PendlerInnen aus Gewohnheit und Langeweile mitnehmen, sollte eine Verantwortung wahrnehmen, denn es ist abzusehen, dass diese Zeitung dann tausendfach im öffentlichen Raum herumliegen wird. Kinder werden sie sehen und auch durchblättern. Ich habe das sehr oft mitansehen müssen. Schulreise, 1.Klässler, oder sonst Kinder: Blättern eine Gratiszeitung mit nackten Frauen oder Frauen in sexuell aufreizenden Positionen durch. Solche Sachen lassen mich auf ein Auto hinsparen und mich über homeschooling informieren.

- Wo bleibt der nackte Mann im String-Tanga auf der Frontseite?
Wie kommt es, dass unzählige Männer so in der Zeitung sind: Als Sportler (angezogen), als Manager und CEO's (angezogen, über 40, übergewichtig), als Politiker (angezogen, über 40, übergewichtig), als Ärzte (angezogen,...you get the picture),...... und daneben halbnackte junge schlange Frauen. Wenn schon möchte ich im gleichen Verhältnis Sportlerinnen, Politikerinnen und Managerinnen und CEO's und Ärztinnen (alle angezogen, über 40, übergewichtig) in der Zeitung sehen, daneben auf der Frontseite und Rückseite einen halbnackten Mann in knappen Unterhosen in unterwürfiger Pose. Bitte!

Bin ich ewiggestrig? Mit 31? Bin ich prüde? Hallo? Nein!!!!!

Gut, hatte ich gestern kein Zündholz dabei. Aber das kann sich ändern.

Mittwoch, November 12, 2014

Gehorsam

Gehorsam. Damit beschäftige ich mich im Moment gerade. Wenn ich gehorsam bin, bin ich dann automatisch auch ungehorsam gegenüber all dem, was das Gegenteil von dem erwartet, dem ich gehorsam bin?

Erich Fromm schrieb ein ganzes Buch darüber. Es geht auch um Adam und Eva, den ersten Ungehorsam, den den Menschen erst zum unabhängigen Menschen machte, aber ihn dafür der Harmonie mit Gott und Natur entriss. Er schreib über einseitige Abrüstung. Darüber, dass wenn man Menschlichkeit will, aber der Staat verlangt Unmenschlichkeit, dass es dann zum Ungehorsam kommen muss. Sofern man weiterhin Menschlichkeit leben will. MachtträgerInnen, die ja immer in der Minderheit waren und sind, sind auf Gehorsam der Mehrheit angewiesen, um an der Macht zu bleiben. Was wäre passiert, wenn bei gewissen Dikatoren niemand gehorsam gewesen wäre?

Und doch getraue ich mich fast nicht, über Ungehorsam nachzudenken. Ein feines Unbehagen; darf ich das? Wurde mir nicht mein Leben lang Gehorsam gelehrt? Steht es nicht in der Bibel?

Die Frage ist eben, Gehorsam gegenüber wem oder was.....

Montag, November 03, 2014

Zuhause, dekonstruiert, und blinder Fleck, rekonstruiert

An meinem 25. Geburtstag zog ich in eine mir nun so lieb gewordene kleine Stadt an einem See, weil ich bereits dort arbeitete, und oft nach einer Abendschicht keinen Zug mehr nach Haus hatte. Auch als ich später dreimal für neun Monate in die USA ging, kehrte ich doch immer wieder zurück. Vergangenes Wochenende kam der Moment, an dem ich wegzog. Nur weil ich immer noch dort arbeite, ertrage ich es.

Nun habe ich bereits zwei Nächte hier, auf der anderen Seite von Bern, in Richtung Berner Alpen, geschlafen, und zwar erstaunlich gut. Es ist schön ruhig hier! Wir haben nun extrem viel weniger Platz, dafür wohnen wir mit lieben Menschen zusammen.

Etwa so schnell ging der Umzug - dank der Hilfe meiner und seiner Familie:

Heute in der Schule sprachen wir über die Wahrnehmung. Wird ein Raum erst dann zum Raum, wenn ich mit meinem Leib - der ja räumlich ist - mich darin bewege? Wenn ich das Glas neben mir nicht wahrnehme, dann ist es gar nicht da, für mich. Dort, wo die Sehnerven die Netzhaut verlassen, gibt es keine Rezeptoren. Dass heisst, dass jeder Mensch etwa in der Mitte des Blickfeldes einen buchstäblich blinden Fleck hat. Bloss sehen wir den nicht, weil unser Gehirn blitzschnell den fehlenden Ausschnitt aufgrund der Informationen darum herum rekonstruiert. Wahnsinnig.
Was bedeutet dies für mich? Ist das, was ich wahrnehme, auch wirklich das, was da ist?

Nach dieser Vorlesung ging ich ganz anders durch den Bahnhof und nach Hause.

Donnerstag, Oktober 16, 2014

Die Gruppe der Coolen und andere Geschichten. Graz.

Vor einer Woche sass ich im Bus nach Graz. Mit einer Gruppe von 45 Studentinnen und Studenten, Dozentinnen und Dozenten. Abfahrt in Bern um 6 Uhr früh, Zwischenhalt und Kunsthausbesuch in München, Ankunft in Graz kurz vor Mitternacht. Dann folgten drei Tage vollgepackt mit Kunst. Ausstellungen, Installationen, Vorträge, Diskussionsrunden, Konzerte, Filme,....

Graz ist wunderschön. Die Altstadt am Schlossberg mit den vielen kleinen Gassen und Strässchen und den unzähligen kleinen Restaurants und Cafés. Die südliche Lage mit 25 Grad und Sonnenschein. Die freundlichen Menschen. Die vielen veganen Verpflegungsmöglichkeiten. Der schöne Fluss. Für all das muss ich mal privat wieder hinfahren. Letzte Woche hatten wir kaum Zeit, auch nur mal einen Kaffee zu trinken.

Wie schon in der Primarschule oder im Gymnasium gibt es auch im Masterstudiengang lustige Klassendynamiken. Es gibt die Coolen, die Streber, die Französischsprachigen, die Netten, die EinzelgängerInnen. Die Gruppe der RaucherInnen macht fast die ganze Gruppe der Coolen aus. Gehöre ich auch ein wenig zu den Coolen? Wo setze ich mich im Bus hin, wenn ich praktisch noch niemanden der Klasse kenne? Ich will weder Signale aussenden, dass ich allein sein will, noch will ich mich jemandem aufdrängen. Dieselbe Schwierigkeit in den Essenspausen. Wem schliesse ich mich an? Oder schliesst sich jemand mir an, soll ich Initiative ergreifen?

Gleichzeitig merke ich auch, dass ich älter geworden bin und ein gewisses Selbstbewusstsein habe, inzwischen, dass ich gut auch zur coolen Rauchergruppe gehen und mit jemandem über die soeben erlebte Ausstellung zu reden beginnen kann. Ich kann auch allein ins vegane Café gehen und die Ruhe geniessen, ohne mich allein zu fühlen. Danach geh ich zurück und bin wieder Teil der Klasse.

Am Schluss ging alles super auf. Es war viel, viel, viel Input und nicht nur ich war jeweils am Abend total hinüber und absolut nicht mehr aufnahmefähig. Was wir sahen, hörten und erlebten, war manchmal naja, aber meistens beeindruckend und inspirierend. Zeitgenössische klassische Musik gehe ich mir vermutlich nie wieder anhören.... dafür weiss ich jetzt, dass ich sicher wieder Raptexte schreiben werde.

Nun bin ich wieder zuhause, in zwei Wochen ziehen wir um und wir müssen ausmisten, packen, planen, organisieren. Gestern hatte ich meine erste richtige Motorradfahrstunde, am Samstag wird der erste Grundkurs stattfinden. Ich fuhr immerhin schon allein ein Stück weit auf der Hauptstrasse und überlebte sogar stockenden Kolonnenverkehr und rote Ampeln, wenn ich mich auch nicht getraute, höher zu schalten als in den zweiten Gang. Und mich dann einen ganzen Nachmittag lang erholen musste, bis mein Herz wieder normal schlug. Keine Ahnung, ob ich diese Prüfung jemals bestehe oder ob es nur ein teures Ausprobieren sein wird.... aber der Fahrlehrer ist sehr zuversichtlich.

Freitag, Oktober 03, 2014

Versagte Planung - geplantes Versagen

Irgendwann in meiner Kalifornien-Zeit, die ich übrigens nach wie vor fast täglich vermisse, also nicht mal Bethel, obwohl das natürlich auch extrem, sondern vor allem auch Kalifornien an sich, das Klima, die Landschaften, den warmen Wind, die Vogelschwärme, die kanadischen Wildgänse,........, irgendwann in meiner Kalifornien-Zeit also, sagte mal jemand, ich erinnere mich nicht mehr, wer das war, "fail to plan - plan to fail". Versage, zu planen - plane, zu versagen.

Bäm. Während andere, spontane, extrovertierte, unternehmungslustige Menschen diese Aussage wohl lächerlich finden, fand sie bei mir sofort Anklang.

Ich liebe es, zu planen. Mein Top-Berufswunsch wäre es - nebst Rapperin oder Schreiberin zu sein - als PA zu arbeiten. Persönliche Assistentin. Den ganzen Tag lang planen. Organisieren. Herrlich.

Immer wieder bin ich frustiert, wenn wir in einer Gruppe (ab 2 Personen aufwärts) irgendwohin gehen, und jemand anderes hat es initiiert und ist somit von mir aus gesehen verantwortlich, und dann finden wir uns irgendwo, ohne zu wissen, wo lang es geht, oder wo man essen könnte, oder wann die Züge fahren. Dann muss ich mir jeweils ganz bewusst sagen: Es ist ok! Man kann es auch so machen und es gut haben dabei.

Was ja auch stimmt. Das hab ich ja auch schon x mal gemacht.

Trotzdem. Gerade jetzt, wo ich mich vegan ernähre, oder wo ich allgemein gesund essen will, wird ein gewisses online-rekognoszieren noch wichtiger. Nächste Woche fahren wir mit der Schule nach Graz. Jeden Tag besuchen wir tausend Ausstellungen an vielen verschiedenen Standorten, und haben dann jeweils kurz Zeit, etwas zu Mittag oder zu Abend zu essen. Also suche ich mir jetzt schon Adressen heraus, notiere mir, welche gesund-vegan-Optionen nahe an den jeweiligen Standorten sind. Schreibe schon jetzt an das Hotel und frage nach dem Frühstücksbuffet.

Anyway, das sind nur Nebensächlichkeiten.

Die Frage ist: Kann man das Leben allgemein planen??? Kann man planen, eine gute Ehe auch noch in 20 Jahren zu haben? Ich denke Ja und Nein. So wie man auch planen kann, auch noch in 20 Jahren ein top funktionierendes Fahrrad zu haben: Man trägt ihm Sorge, verbringt regelmässig Zeit mit der Reinigung und Wartung, man ölt die Kette, ersetzt die Bremsen, bringt es in den Service,...... die Ehe ist leicht komplexer, natürlich. Aber man versteht, wo ich hinwill.
Andere Sachen kann man schon planen....... aber der Plan ist dann nicht einfach so umsetzbar. Oder schon? Wenn ich zum Beispiel plane, in zwei Jahren Kinder zu bekommen. Und dann werde ich nicht schwanger. Was ist dann mit dem Plan?

Wäre es deshalb besser, gar nie zu planen, sondern immer offen zu bleiben für die Umstände, die gerade da sein werden? Ja und nein. Ohne dass ich eine abgeschlossene Antwort darauf hätte, plane ich zumindest schon meine Grundsätze und Überzeugungen ein. Ich glaube, dass Gott uns gesund und fruchtbar erschaffen hat. Wenn es dann nicht so wird, so habe ich zumindest schon etwas, mit dem ich gegen die Umstände kämpfe. Bzw. für das ich hoffe, bete, ausprobiere, Schritte mache. Anstatt zu sagen: Es sollte wohl nicht sein.

Apropos Kinder: Da habe ich überhaupt in letzter Zeit immer wieder interessante Diskussionen mit Freundinnen und Freunden. Einige sagen, man müsse überhaupt nicht verhüten, denn Gott wisse schon, wann es der richtige Zeitpunkt sei. Andere - wie ich - vertreten den Standpunkt, dass Gott uns den freien Willen und ein Hirn gegeben hat, und so können wir eben selbst frei entscheiden. Wieder andere sehen ihre Überzeugungen irgendwo in der Mitte (für mich nur schwer nachvollziehbar), wie zum Beispiel: Wir haben einen freien Willen, aber Gott entscheidet doch auch mit.


Jedenfalls plane ich jetzt, langsam diesen Blogeintrag abzuschliessen. Nicht dass es noch im Desaster endet.

Samstag, September 27, 2014

Von Unfällen und vom mutig und geduldig sein

Das war eine lange online-Absenz. Mein Vollzeitstudium hat angefangen, daneben arbeite ich noch 80% - da bleibt nicht viel Zeit übrig.......

...unser Motorrad war nach zwei Wochen kaputt und nicht mehr reparierbar. Hätten wir vorsichtiger sein sollen mit einem Kauf auf einer online-Auktionsplattform? Sicher. Aber handkehrum hätten wir dann niemals ein Motorrad gekauft. Womöglich wirklich niemals. Wir hätten einiges an Geld eingespart. Zumindest auf den ersten Blick. Aber, wenn auch nicht immer ganz überzeugt, ich bin dennoch froh, haben wir das gewagt. Wer nichts wagt, gewinnt nichts, heisst es immer so schön. Ein Auto lässt sich nur steuern, wenn es fährt. Und so.

Wir sassen also auf unserer sauteuren Ausrüstung fest - brandneue Helme, Schutzbekleidung, Versicherung,... - und überlegten, was wir tun könnten und wollen. Nach langem Hin- und Her beschlossen wir, etwas leicht Verrücktes zu machen. Wir kauften noch einmal ein Motorrad. Auch gebraucht. Aber diesmal von einem Händler, mit Garantie, nach top-Service. Das kostet auch etwas. Was wir nicht einfach so haben. Obwohl wir Schulden nicht gut finden, haben wir uns das Geld vorschiessen lassen, innerhalb der Familie, und können es nun in Ruhe zurückzahlen.

Das Neue ist ein Riesending. 955ccm. Sauschwer. Auf meiner allerersten Lernfahrt ging alles ganz gut auf dem Parkplatz. Erster Gang, hin und her. Zweiter Gang. Alles super. Also ab auf die Strasse. Auch dort ging alles gut. Es war ja auch im Industriegebiet, abends. Ich probierte den dritten Gang, mehr Tempo. Yeah! Und dann kam plötzlich eine Ampel. Eine AMPEL! Auf rot! Und nach der Ampel eine richtige, befahrene Strasse! Mit Autos! P A N I K ! Ich konnte anhalten, aber vor lauter "wie schalte ich runter, wo muss ich bremsen, was mach ich jetzt, wohin bieg ich ab, oh nein es ist schon grün und alle warten auf mich" fiel ich einfach auf die Seite. Päm! Der Riesentöff am Boden, ich konnte noch grad wegspringen.                   ...                    ....               am Ende ging alles gut aus. Ein nettes Paar ging Gianni suchen und holen, einige nette Jungs hievten den Töff wieder in eine aufrechte Position, und dann fuhr mich mein Mann nach Hause. 
Ja, ich muss geduldig sein. Ein Mix von mutig und geduldig.

Jetzt muss ich ins Bett. Morgen hab ich Frühschicht. Nur noch die Süsskartoffeln aus der Pfanne nehmen, in ein Tupperware packen, und dann ab ins Gästebett. Denn unser Schlafzimmer muss erst dekontaminiert werden. Vor zwei Wochen zerbrach mir (wieder) ein Quecksilberthermometer...

So bleibt das Leben spannend. Gute Nacht!

Mittwoch, August 27, 2014

Über die Brücke fahren und auf der Strasse bleiben

Als ich Autofahren lernte, bläute uns der Fahrlehrer ein, immer dorthin zu schauen, wo man hin-/durchfahren will, und nicht auf die entgegenkommenden Autos, oder zur Klippe, oder an die Mauer. Kurz darauf gab es ausserhalb unseres Dorfes einen Unfall: Ein Auto war über eine etwas enge Brücke gefahren, und dabei voll in die Seitenmauer hinein. Hatte sich die Fahrerin oder der Fahrer wohl zu fest darauf konzentriert, NICHT in die Mauer zu fahren?

Ich habe Freundinnen mit Kleinkindern. Und ein vierjähriges Patenkind. "Aber gell, nicht verschütten", "schau, dass du nicht nass wirst", "nicht die Treppe runterfallen",............. es kommt einem eher zum Mund raus als dass man denken kann. Dabei, so las ich kürzlich, hören dann die Kleinkinder "verschütten", "nass", "Treppe runterfallen",.......

Vorgestern hörten mein Mann und ich eine Predigt von Kris Vallotton (ibethel.tv (english) oder Podcast (englisch, hoffentlich bald übersetzt)), in der er sich selbst sehr verletzlich macht und offen davon erzählt, wie Gott ihn darauf aufmerksam machte, dass er oft nicht "da" ist. Nicht hier. Anwesend zwar, aber innerlich schon am nächsten Ort, bei der nächsten Person. Im Rahmen dieser Predigt war ein Punkt auch, dass viele Christen vor allem viele NEIN's leben: Ich trinke keinen Alkohol, ich habe keinen Sex vor der Ehe, ich gehe nicht fremd, ich fluche nicht.... Dabei, hätte man ein genug grosses JA, bliebe gar keine Zeit und Energie mehr für neins. Wenn ich ein riesiges JA für meinen Mann habe, so fällt mir nicht im Traum ein, fremd zu gehen. Somit ist es so viel besser, sich um die JA's zu kümmern, als ständig die Nein's vor Augen zu haben und dann in die Mauer zu fahren.

Ich selbst habe auch gerade einen neuen Prozess zum heil und whole werden angefangen. Gianni fiel auf, dass ich häufig als erste Variante das Negative befürchte. Er geht arbeiten, ohne mich vorher zu umarmen. Liebt er mich wohl nicht mehr? Hab ich etwas getan? Wir bekommen Post vom Steueramt. Ist es eine grosse Rechnung?? (Dabei ist es die Ankündigung, dass wir viel Geld zurückbekommen) Und so weiter. Ein Teil davon ist sicher meine Gabe, vorauszuplanen, strategisch zu sein. Aber ein Teil ist schlichtweg nicht gut, nicht dienlich, und kontraproduktiv. Nun ist die Negativität entlarvt, und ich konzentriere mich bewusst immer wieder auf Positivität. Das Gute erwarten. Im Alltag und im Weltgeschehen. In unserer Beziehung und auf der Arbeit.

Zum Schluss noch etwas, was garantiert im Kampf gegen die Negativität auf der Reise in die Positivität hinein hilft: Dankbarkeit! (das hab ich auch von Kris Vallotton gelernt). Try it out.

Montag, August 18, 2014

Der perfekte Tag

Für den perfekten Tag habe ich verschiedene Versionen. Eine sieht vor, dass ich früh erwache (das setzt voraus, dass ich früh schlafen gegangen bin), mich gleich bereit mache, anziehe, und aktiv werde. Die andere Version ist häufig, vor allem deswegen, weil dieser Tag oft nach mehreren Tagen mit Abendschicht kommt. Dann schmerzen meine Beine, ich schlafe in den Tag hinein und will dann nicht sofort aufstehen, weil eben die Beine schmerzen. Dann kommt das, was den Tag perfekt macht:

- Ich muss nicht aus dem Haus. Ich habe keine Termine, keine Verabredungen.

- Ich kann zeitaufwendige Dinge tun wie: Selber Hummus machen, sowie Pflanzenmilch herstellen. Heute hab ich einen Liter Haselnuss-Mandelmilch gemacht und einen Liter Sojamilch. Und eben den Hummus. Mit viel, viel, sehr viel Knoblauch. Einfach herrlich.

- Ich kann lesen. Und am besten auf dem Balkon an der Sonne. Allerdings verschwindet die Sonne dort am frühen Nachmittag um die Hausecke. Aber für eine halbe Stunde hats noch gereicht, das ist auch grad das Minimum für Vitamin-D-Zufuhr.
Lesen allgemein: Ich kann mich stundenlang vertörlen im irgendwas auf Internet entdecken, nachforschen, nachgehen. Zum Beispiel kann ich mich locker stundenlang über eine Methode zur Kleinkindererziehung bilden, auch wenn ich noch weit davon entfernt bin, dies selbst anzuwenden. Oder ich lese Blogs über alternativen Lebensstil. Oder ich lese einen interessanten Artikel über einen Aspekt des Christenlebens. Oder ich sinniere über einem Bibelvers.

- Ich tue irgendwas für meine Bewegung. Zum Beispiel ein easy peasy Holy Yoga Video. Oder einen Spaziergang (so geschehen gestern Abend spät, ganz allein, herrlich).

(- Ich kann Ding erledigen. Küche putzen, e-mails beantworten, Rechnungen bearbeiten, mich fürs Studium in Kurse einschreiben). (dies folgt meist am Tag nach dem Erholungstag)

- Ich kann bloggen. Aaaaaahhhhh, erst aus der Ruhe heraus kommt die Energie und kommen die Einfälle zum bloggen.

So, jetzt muss ich aber mal duschen (gefühlte 2 Minuten) und Haare waschen (gefühlte 2 Stunden), dann darf ich mir in meinem Restaurant eine Flasche Wein aussuchen gehen (Geschenk meiner Chefin zu unserem ersten Hochzeitstag, der gestern war), dann koche ich irgendwas feines, für wenn mein Mann nach Hause kommt. Und dann gehen wir hoffentlich noch ein Gelato essen. Wir entdeckten nämlich kürzlich, dass die beste Gelateria der Stadt immer 1-3 Sorten Sojaeis anbietet, und alle Sorbets sind auch vegan. Glory!

Tiere

Tiere sind ja schon etwas komisches. Warum gibt es sie? Sie wurden ja nicht ursprünglich dazu geschaffen, von uns gegessen zu werden. Pflanzen wurden unter anderem zu diesem Zweck in diese Welt gepflanzt. Tiere hingegen.. wozu? Viele halten die Welt und uns am Leben - Bienen bestäuben Pflanzen, so dass wir Früchte und Gemüse essen können. Unzählige Insekten bauen totes Gewebe ab, so dass wir nicht davon umgeben sind, sondern damit nun neues Leben wachsen kann. Aber zum Beispiel ein Zebra? Wozu? Oder Nachtfalter? Vögel? Zu unserer Freude und zur Freude des Schöpfergottes?

Kürzlich war ich im Restaurant am arbeiten, als sich eine Biene hineinverirrte. Sie surrte im Zeugs herum, um die Kaffeemaschine herum, in die Wand, am Boden entlang, der Decke entlang. Ich war am Servietten falten, aber nach ein paar Minuten fand ich es genug, und sagte zur Biene: "Du kannst jetzt wieder zurück in die Veranda fliegen, wo du herkamst. Einfach dem Licht entlang". Sofort flog die Biene in die Veranda. Ich: "Super, nun nach links". Die Biene flog nach rechts. Ich: "Nein, die andere Seite, zur Tür". Die Biene flog nach links, zur Tür, aber prallte knapp daneben ans Glasfenster. Ich: "Sorry, ein bisschen mehr zur Mitte hin, dort ist offen". Die Biene holte noch einmal Anlauf und flog nach draussen.

Hab ich dieses Geschichte nicht schon erzählt? Vielleicht.

Einige Tage darauf war ich zuhause in der Küche. Wir haben im Küchenfenster die Möglichkeit, ein kleines Mittelviereck zu öffnen, ohne dass gleich das ganze Fenster offen sein muss. Dieses Fensterchen war geöffnet, und herein flog eine dieser grossen Brumm-Fliegen, die sich ziemlich blöd anstellen und einen Saulärm veranstalten. Ich war irgendwas am Computer am machen und hatte keine Lust, mich jetzt um die Fliege zu kümmern. Sie war nie in der Nähe des Fensters sondern brummte hinten in der Küche zwischen Kühlschrank und Wand herum. Nach etwa 10 Minuten nervte es mich dennoch. Ich stand auf, ging zur Fliege und sagte: "So, jetzt ist langsam genug. Schau, dort ist das kleine Fensterchen, flieg wieder hinaus". Die Fliege flog anstandslos hinaus.

Heute sass ich auf unserem Balkönchen und war am Tagebuch schreiben (Ich habe vor zwei Wochen wieder angefangen mit Tagebuch schreiben, nach vielen Jahren!). Plötzlich sah ich in meinem Augenwinkel etwas und schaute aufs Geländer gleich neben meiner linken Schulter. Dort sass ein Insekt, wie ich es noch nie gesehen hatte: Grosse schwarze Augen, ein knallpinker "Oberkörper" und ein knallgrünes Hinterteil!! Nach einigem Schmunzeln fiel mir auf, dass ich auch so angezogen war: Pinke Trainerhosen und ein grünes (nicht knallgrün, aber minzgrün) Jäckchen. Das Insekt verbrachte einige Zeit um mich herum, jedoch flog es immer fort, wenn ich ein Foto machen wollte.

Bei den Ameisen im Frühling funktionierte es leider leider nicht so gut. Wir arbeiten noch daran. Ebenfalls mit anderen wilden Tieren. Als Gianni und ich vor ein paar Wochen von einer Alp hinunterliefen, sahen wir plötzlich eine ganze Gämsenfamilie. Vater, Mutter, und etwa vier Kinder. Herrlich. Gianni wollte ihnen noch sagen, dass wir Veganer sind und damit für sie, nicht gegen sie, aber sie eilten schon auf und davon.

Wäre es nicht schön, wenn all die wunderbaren Tiere nicht mehr die Furcht vor uns Menschen bräuchten, die Gott nach dem Landen der Arche auf sie gelegt hat, damit sie überleben können? Ich fände das toll. Bis es soweit ist, versuche ich es schonmal im kleinen Mass in meinem Einflussbereich.

Samstag, August 16, 2014

Kellnerinnenleben

Meine Güte. Gestern hab ich doch tatsächlich 15-einhalb Stunden gearbeitet, mit zweimal einer halben Stunde Essenspause. Feier"abend" war um 05.30 Uhr in der früh. Es war eine Hochzeitsfeier. "Ab 01 Uhr werden nur noch ein paar Freunde da sein, dann könnt ihr nach Hause gehen und sie allein lassen, sie haben ja das ganze Hotel gemietet", hiess es. "Es braucht 60 Liter Bier, aber wir haben sicherheitshalber noch 20 Liter mehr bestellt", hiess es. "Es wird kein Besäufnis geben", hiess es.

Um Mitternacht waren die 80 Liter Bier weg. Bis 05 Uhr morgens wurde ständig nachbestellt. Als wir gingen, waren weit über 100 Liter Bier weggetrunken worden. Dazu Wodka. Whisky. Rum. Und natürlich Wein.

Besoffene Männer und eine übermüdete Salome resultierten in einigen lauten und aggressiven Konfrontationen:
- "Gib mir noch einen Drink!"
- "Sorry, die Kasse ist zu, ich bin am abrechnen"
- "Jetzt gib mir noch einen Shot. Nur einen!"
- "Sorry, ich bin seit über 14 Stunden hier, es ist fertig"
- "Das ist mir sch***egal"
- "Weisst du was? Wenn dir das sch***egal ist, dann ist mir dein Drink auch sch***egal!!!!"

Ups.

Jetzt bin ich immer noch am erwachen, und muss schon wieder los zur Arbeit. Lord Jesus!

Alles wird gut.

Freitag, August 08, 2014

Prost, Gesundheit!

Zu einem Leben voller Gesundheit bzw. einem gesunden Leben gehören essentielle Dinge dazu wie:

Schlaf

Wasser

Ausgewogene, lebensbringende Ernährung

Sonne

Bewegung


Gott sei Dank ist Einschlafen für mich kein Problem. Das Problem sind eher meine Arbeitszeiten. So komme ich praktisch nie vor Mitternacht ins Bett und habe dann morgens, wenn es hell wird, einen unruhigen Schlaf. Darum schlafe ich mit einer Augenbinde.

Wasser - ich arbeite daran, mehr zu trinken. Seit ich mit Kaffee aufgehört habe, ersetzte ich mein morgendliches Kaffee-Ritual mit dem Kochen von einem Liter Grüntee. Den trinke ich dann ziemlich schnell, weil er so lecker ist - mit Mandelmilch, zum Beispiel. Auch gehört ein grüner Smoothie zu fast jedem Morgen. Die Herausforderung ist dann, das Trinken den Tag durch weiterzuziehen.

Sonne. Definitiv eine Herausforderung. Mindestens 20 Minuten sollte man täglich an der Sonne sein. Gerade als Veganerin (Vitamin D). Ich jedoch bin eine glückliche Stubenhockerin. Durch meine Hochsensibilität bin ich zuhause eingemauert am glücklichsten. Ausserdem kann ich dort den ganzen Tag lesen. Einkaufen verschiebe ich auf die letztmöglichste Minute... An den See gehen? Soooo viele Leute dort... Definitiv ein Bereich, in dem ich noch stark wachsen kann. Ich hoffe, dass sich das mit meinem Studienbeginn im Herbst ändert. Dann muss ich zwangsläufig häufiger in die Stadt und kriege hoffentlich mehr Sonne ab.

Ernährung. Da stehe ich sehr, sehr gut da. Täglich Gemüse und Früchte. Sehr viele Nahrungsfasern. Kein, absolut kein Cholesterin. Wenn Süsses, dann dunkle Schokolade. Praktisch alles bio, regional, fast nichts genmanipuliertes.

Bewegung. BEWEGUNG. Glücklicherweise bewege ich mich auf der Arbeit viel. Aber trotzdem fehlt mir ein richtiger workout. Ich muss ja nicht mal mit dem Velo zu Arbeit fahren, da ich grad nebenan wohne. Ich unternehme kleine, alltägliche Schritte, wie z.B. Treppe statt Rolltreppe. Aber ich will mehr. Deshalb habe ich Bewegung zu meinem wichtigsten Gesundheitsprojekt erkoren. Angefangen habe ich mit einem kleinen, äusserst einfachen und noch überhaupt nicht anstrengenden Programm: einem 30-Minuten "Holy Yoga" Video. Ich freue mich auf mehr. Einerseits habe ich weitere DVD's bestellt, weil ich das Zuhause bleiben nicht als Hinderungsgrund für keine Bewegung haben will. Andererseits werde ich als Studentin ab Mitte September ein riesiges Angebot vom Unisport nutzen können. Kraftraum, Fussball, Pilates, Fitboxen,.................... Zusätzlich liebäugle ich damit, in ein Frauenfussballteam zu gehen. Die Trainings finden Montagabends statt, also dann, wenn ich immer frei habe. Zwei Kolleginnen von mir spielen bereits dort, und es ist nicht extrem zeitraubend.

Etwas weiteres, was ich entdeckt habe, ist das "erden", auch earthing oder grounding genannt. Wir sind positiv aufgeladen, die Erde negativ. Wenn wir keinen direkten Hautkontakt zur Erde haben, können wir uns nie erden. So werden Entzündungen gefördert oder können weniger gut heilen. Viele andere Krankheitssymptome nahmen in Studien schon ab, wenn regelmässig geerdet wurde. Da es in der Stadt nicht ganz einfach ist, besonders im Winter, regelmässigen Bodenkontakt zu haben mit Gras/Erde, ist dies auch ein Fokuspunkt von mir. Ich kam ursprünglich durch Beni Johnson darauf (siehe Foto unten), später durch diesen Blogeintrag von Ashley



Ich werde jeden kleinen Schritt in die richtige Richtung feiern und freue mich auf den Herbst!

Dienstag, August 05, 2014

Essen, trinken, schlafen

Gäste sind tendenziell um 5 vor 12 am aggressivsten zu mir. Sobald sie am essen sind, verwandeln sie sich in freundliche Menschen. Ich beobachte dies vor allem bei Frauen. So auch bei mir. Dasselbe mit Schlaf bzw. Mangel davon. Gianni und ich hatten praktisch alle unsere schlimmen Momente morgens um 2 im Bad, vor oder nach dem Zähneputzen. Und zwar nicht von ihm ausgehend..

Ich weiss also, dass ich am nettesten, friedfertigsten, positivsten lebe, wenn ich genug geschlafen, gegessen und getrunken habe. Und nicht friere. Schon mehrmals hatte ich spätnachts eine richtige Lebenskrise und schrie zu Gott, und der Heilige Geist antwortete jeweils einfach mit "schlaf jetzt mal ein..". Am nächsten Morgen war alles wieder supergut.

Es gibt diverseste Studien über die Wirkung von Schlaf. Schlafentzug ist eine Foltermethode. Babies schreien sehr oft, wenn sie Schlaf oder Nahrung brauchen.

Warum würde Gott die Nacht und den Schlaf einrichten, wenn er nicht nötig wäre für uns? Als das beste der Welt entstand - Beziehung und Freundschaft - war der erste Mensch in tiefen Schlaf versetzt. Jesus schlief im grössten Sturm. Der Herr gibt's den seinen im Schlaf.

Meine Fragen zu all dem: Gilt Schlafmangel bzw. Hunger als Ausrede oder Entschuldigung für Aggression, Negativität, verletzendes Verhalten? Natürlich haben wir immer, immer, Verantwortung wahrzunehmen. Dazu gehört auch die Verantwortung, frühzeitig für Nahrungsversorgung (gerade als Veganerin unterwegs...) zu sorgen, oder in einer Pause ein Nickerchen zu machen. Gleichzeitig habe ich persönlich grosses Verständnis, wenn ich nicht gut behandelt werde von jemandem, der oder die eindeutig übermüdet, hungrig oder hormonell durcheinander ist. Wir sollten alle besser essen, mehr trinken und mehr schlafen. Und uns körperlich betätigen!!

Das ist überhaupt mein nächstes Projekt als Beitrag zu einem langen, gesunden Leben: fit werden.

Damit verabschiede ich mich und mache mich bereit fürs Bett, bevor mein Mann nach Hause kommt, nicht dass noch etwas blödes geschieht..

Mittwoch, Juli 30, 2014

Fast leer ≠ genug voll

Es wird einem nie langweilig.

Nach dem verhältnismässig billigen Kauf unseres Töffs gaben wir ein vielfaches davon aus für die passende Kleidung. Wir hatten Kleider ausgeliehen/geschenkt bekommen, aber alles so XL-Sachen für uns zwei, die wir ja erst grad 7-10kg abgenommen haben... Das wäre kein Problem, aber die Schoner in den Kleidern sitzen dann nicht dort, wo sie sollten. Und wenn man so im Regen über die Autobahn brettert, realisiert man schon, dass das anders ist als im Auto... ohne irgendwelchen Schutz, wenn man fallen würde oder angefahren... Darum entschieden wir uns, viel Geld zu investieren in einen Helm, der auch sitzt, und eben weitere Schutzkleidung. Die können wir schliesslich ein Leben lang behalten.

Was wir aber noch brauchten, waren Seitentaschen. Uns wurde ein Laden angegeben, der in 10 Minuten Fahrt erreichbar ist und in einer halben Stunde schliessen würde... Ich hatte noch keine Schutzhose, weil die erst noch bestellt werden muss, aber für 10min würde das schon gehen... nichts wie hin. Kaum angekommen sahen wir, dass dort Betriebsferien sind... hmm... wir wussten aber noch von einem anderen Laden, der eine halbe Stunde entfernt in der Nähe von Bern ist, und der noch länger geöffnet ist... sollen wir hin? Auch ohne meine Motorradhose? Ja ok, machen wir.  Schliesslich haben wir die nächsten paar Wochen kaum mehr gemeinsame freie Tage. Wir nehmen aber nicht die Autobahn, sondern fahren über Land.

Natürlich verfuhren wir uns. Anstatt in einer halben Stunde, kamen wir nach einer Stunde Fahrt an... Das mit den Seitentaschen wurde leider nichts, dafür kauften wir eine Aktions-Tanktasche - also für vorne auf dem Tank, zwischen Fahrer und Lenkrad.

Es war inzwischen 20 Uhr, und Regenwolken zogen auf. Wir prüften, ob wir noch Benzin haben, und sahen, dass es noch hat. Wie lange es reicht, wussten wir noch nicht, wir haben ja noch kaum Erfahrungswerte. Der Vorbesitzer sagte uns, ein Tank reiche für 180km.... seit dem letzten Tanken waren wir 80km gefahren. Aber der Tank war schon ziemlich leer... wir beschlossen, auf der Rückfahrt sicherheitshalber irgendwo tanken zu gehen...

Wiederum wollten wir auf Hauptstrassen zurück, aber um die Stadt Bern zu umfahren beschlossen wir, für diesen Abschnitt die Autobahn zu benutzen. Ich in Jeans, und meine Leuchtweste hatte ich auch nicht dabei wie sonst immer wenn es regnerisch/dunkel wird... man ahnt, was jetzt kommt:

Mitten auf der Autobahn, auf der linken Überholspur, begann das Motorrad zu stottern und der Motor stellte bald ganz ab.... Pannenlicht gibt's ja nicht.... hinter uns brausen Autos und Lastwagen heran..... wir so "ähm.... mal irgendwie auf den Pannenstreifen rollen?!".... unversehrt kamen wir dort an, phu... was könnte das Problem sein???? Ein Schaden? Oder doch nicht etwa....... ...Benzin???? Es musste fast das Benzin sein...

Glück im Unglück: Wir befanden uns in der Nähe einer Ausfahrt, am Stadtrand. Es hatte zwar weit und breit keine Tankstelle, aber ich beschloss, mal loszulaufen, während Gianni beim Töff blieb.. Da wir keine FreundInnen mit Auto haben, wollte ich gerade einen Bekannten mit Auto anrufen (mit praktisch leerem Akku), ob er mich eventuell abholen könnte, und genau da hielt ein Auto neben mir an mit zwei Engeln: "Brauchst du Hilfe?"  - "äh ja, kennt ihr grad eine Tankstelle in der Nähe?" - ...sie sagten mir, ich solle einsteigen, und fuhren durch die halbe Stadt zu einer Tankstelle, die auch noch einen geöffneten Shop hatte, so dass ich auch einen Kanister kaufen konnte. Es hatte noch genau EINEN Kanister!!!! Mit zittrigen Händen füllte ich die 5 Liter rettendes Benzin hinein, ging mit zitternden Händen bezahlen (ich konnte kaum den Pin-Code meiner Karte eingeben, so sehr zitterte ich), und dann fuhren die zwei Frauen doch tatsächlich aus der Stadt heraus, um auf die Autobahn zu gelangen, so dass sie kurz darauf direkt vor unserem Motorrad halten konnten.

Wir füllten etwa 3 Liter Benzin in den Tank, die andern 2 Liter flossen daneben (das Verhältnis war wohl etwas besser, fühlte sich aber so an), und dann kam die Stunde der Wahrheit: .........und der Motor sprang an!!!!!!!!!!!!!!!!

Wir verabschiedeten unsere Retterinnen, fuhren los, und nahmen gleich die nächste Abfahrt, um volltanken zu gehen. Es begann zu regnen und es war dunkel. Ich kaufte somit auch eine Leuchtweste, und wir entschieden uns für die Autobahn: Wir wollten nur noch nach Hause. Im Regen fuhren wir die 30-40min nach Hause, ich in Jeans, aber egal, nur nach Hause.

Uff.. alles gut gegangen. Jetzt kennen wir wenigstens das Limit unseres Tanks.

Sonntag, Juli 27, 2014

Motorradreise durch die Schweiz

Wie die Jungfrau zum Kind kamen wir zu einem Motorrad. Mitten während des Abendmahls im Gottesdienst. Nur war das Motorrad ziemlich weit weg, und der ganze Papierkram musste auch noch erledigt werden. Gestern war es dann soweit. Am Morgen fuhren wir mit dem Zug in die Ostschweiz, kamen am Mittag an, und nach dem Bezahlen und einer Testrunde fuhren wir los. Es schiffte. Es regnete in Strömen. Es regnete wie aus Kübeln. Es regnete stark.


Ich war in Redding mal bei meinem Mitbewohner hintendrauf mitgefahren, aber hatte ansonsten keine wirkliche Motorraderfahrung. Gianni hatte zwar den Ausweis, war aber noch nie eine so grosse Maschine gefahren... Ich hielt mich fest an ihm, was bedeutete, dass bei jeder Gangschaltung, jedem Bremsen, und jedem Gasgeben mein Helm in seinen Helm hineinknallte. Also etwa alle 2 Sekunden.

Wir hatten Motorradkleidung von Bekannten geliehen/geschenkt bekommen, und diese vorher nicht mehr imprägniert, nein, warum auch..... hmpf. Auch hatten wir noch keine Töffschuhe. Nach dem ersten Kilometer war Gianni, vorne am Lenkrad sitzend, durchnässt. Meine Schuhe und Handschuhe waren getränkt. Nach einer Stunde sahen wir ein Einkaufszentrum: Unsere Rettung! Wir kauften Socken und fragten an der Kasse für vier kleine Plastiksäcke: Füsse trocknen, Socken an, Plastiksack darüber, und ab in die nassen Schuhe. Ich glaube, solche Tricks lernte ich auf dem Freakstock Festival... Für etwa 100km hielt es ganz gut. Ausserdem kaufte ich mir so Handschuhe, die man zum Abwaschen oder Putzen anzieht. Damit in meine durchnässten Handschuhe....

Weiter gings nach Winterthur, die vegane Haupstadt der Schweiz. Zuerst gingen wir veganen Döner Kebap essen, anschliessend in einem anderen Stadtteil vegane Brownies und sonstige Backwaren; es war herrlich.

Dann galt es ernst: Kurz nach Winterthur intensivierte sich der Regen massiv! Ich betete inständig, gebot dem Regen, bat darum, die Sonne sehen zu können, was zu diesem Zeitpunkt total utopisch schien. Wir fuhren vorsichtig, nur auf Haupstrassen, durch Käffer hindurch in einer Region, in der wir noch nie gewesen waren. Schliesslich liess der Regen nach und hörte zwischendurch fast auf. Unsere Füsse waren wieder nass und auch sonst einiges... Es war nun schon 18 Uhr. Unsere Rettung nahte in Form eines Altersheims: Plötzlich war da ein Schild an der Strasse: Café offen. Sofort deutete ich Gianni, dort einzubiegen. Der Parkplatz war bis auf zwei, drei Autos, leer, und ein Koch schaute uns aus dem Fenster nach. Wir wateten in den Eingangsbereich: Ahhh, Wärme! Trockenheit! Und sahen, dass das Café seit einer Stunde geschlossen war.... In einiger Entfernung sassen vier alte Frauen und beäugten uns.... aber grad um die Ecke waren Toiletten!!! Ein Geschenk Gottes!


Und wieder raus auf die Strasse... Inzwischen waren wir irgendwo im Kanton Aargau unterwegs, fuhren der hier riesigen Aare entlang, wieder im Regen, frierend, nass. Dann kam Aarau. Wir folgen den Schildern nach Olten, bis wir plötzlich ein "Bern"-Schild entdeckten, und dem folgten. Etwa 20 Minuten später waren wir plötzlich wieder im Stadtzentrum, wo wir uns schon zuvor verfahren hatten.... Nach einigen Runden mehr entschieden wir uns, diesmal den Richtungsangaben für "Luzern" zu folgen. Endlich schafften wir es aus der Stadt hinaus und lernten wunderschöne kleine Aargauer Dörfer kennen. Und plötzlich war da eine helle runde Scheibe zwischen den Wolken - die Sonne! Noch verdeckt durch grau, aber schon erkennbar als Sonne. Ich dankte Gott.

Inzwischen probierte ich mal aus, mich hinten am Sitz an extra Griffen festzuhalten. Ausserdem erfand ich Lieder und betete mal für dieses, mal für jenes.

Nach 6 Stunden Fahrt, als es schon fast am eindunkeln war, entschieden wir uns, uns nun auf die Autobahn zu wagen. Wir wollten nur noch nach Hause. Um mich motiviert zu halten, malte ich mir in meinen Gedanken aus, wie sich das heisse Bad zuhause anfühlen würde.

Die Autobahn war brutal: Bei 80km/h war der Gegenwind heftig! Zudem wir nun wirklich komplett durchnässt waren... Aber irgendwann kam unsere Ausfahrt, und ich reckte jubelnd meine Faust in die Luft. Nur noch durch das Stadtzentrum, zweimal abbiegen, und hinein in unser verheissenes Haus.

Das heisse Bad wurde dann nicht mehr Realität. Wir schafften es knapp noch, alles auszuziehen und aufzuhängen, Pizza zu bestellen, und fielen nach dem Essen erschöpft, aber glücklich, ins Bett.

Morgen wird das Fahrzeug noch geprüft, mein Lernfahrausweis kommt hoffentlich auch bald an, und dann gehen wir uns bessere Kleidung kaufen (oder Imprägnierspray) und fahren wieder los.

Mittwoch, Juli 09, 2014

TraumGebetRaum, Lachen und Weinen

Ich liebe es, zu beten, und trotzdem tue ich es fast nie. Natürlich bin ich ständig in Kontakt und Austausch mit Gott, einfach so "richtige" Gebetszeiten habe ich nicht mehr. Früher dachte ich, man muss sich einfach überwinden, das einbauen, früher aufstehen, es einplanen. Ist vielleicht auch so. Aber ich weiss es nicht. Ich merke, je langsamer und gedankenvoller ich etwas angehe, umso längerfristiger bleibt es dann. Auch hier gibt es natürlich keine Regel.

Ich glaube nicht an Leistung aus Schuldgefühl heraus. Es funktioniert, natürlich. Und es kann helfen, Freude bringen und ein Erfolgsgefühl. Aber es gibt einen besseren Weg. Ja, manchmal wird man wachgerüttelt, aufgewühlt, angefeuert, inspiriert. Aber manchmal muss etwas wachsen, und das passiert oft unter der Erde, im Winter, wenn nichts spriesst und blüht.

In mir dreht es sich um Frieden, um das Vater unser. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Heute morgen erwachte ich aus dem Traum, in dem Krieg herrschte und eine Familie auseinandergerissen wurde, und ich war mittendrin und schrie, nein, nein, trennt euch nicht auf, bleibt zusammen. Es war ein Traum und ich durfte daraus erwachen, mich an meinem Mann festhalten, bis es mir dämmerte, dass ich in meiner sicheren Schweiz lebe und Krieg hier unwahrscheinlich ist, aber in grossen Teilen der Welt ist mein Traum Alltag. Wir haben die Hoffnung, die Gott ist, sagte mein Mann. Aber wir sind Gottes Hände und Füsse, und was tue ich den ganzen Tag? Mich um meine Belanglosigkeiten sorgen, erwiderte ich, und Tränen strömten endlos über mein Gesicht, so dass ich kaum mehr reden konnte.

Aber ich bin im Besitz der Waffe des Gebets. Ich liebe den Begriff Waffe nicht, es muss einen anderen Ausdruck geben für das, was Gebet ist. Natürlich verstehe ich unter Gebet nicht, dass ich Gott anflehe, er möge Frieden bringen. Dazu fällt mir ein Cartoon ein, den ich mal auf Internet sah. Dort sitzt ein junger Mann auf einer Parkbank, neben ihm ist Jesus. Der junge Mann so: Jesus, warum um alles in der Welt lässt du all diese Kriege und das Elend zu? Jesus so: Lustig, genau das wollte ich gerade dich fragen.

Wir können mit Gott partnern. Er hat die Pläne und die Lösungen. Ich kann ihn fragen, was ich genau beten, freisetzen, aussprechen und tun soll.

Einmal sah ich den "Lach-Raum" im Himmel. Der Himmel ist ja riesig, der Lach-Raum hingegen war winzig klein mit einer kleinen Tür, einfach so ein Raum im All. Ich öffnete die Tür und innen war es vollgepackt mit Engeln, und die waren alle am Lachen. Es war SOOOOO lustig!!! Ich wollte nichts mehr, als mich auch noch hineinquetschen.

Ein anderes Mal war ich in einer Klasse über Soziale Gerechtigkeit, und wir hatten per Skype Unterricht von einer Pastorin und NGO-Leiterin. Sie erzählte uns, dass Gott ihr mal seinen "weeping room" gezeigt hat. Dort, wo Er hineingeht, und überall hat es Fenster, durch die er das ganze Elend der Welt sieht. Dort weint er dann. Soweit ich mich erinnere sagte sie, wir können die Welt nicht ändern, wenn wir nicht auch mal in diesen weeping room gehen. Ich dachte, niemals will ich dort hinein. Lieber in den laughing room, den ich schon kannte. Heute, zwei Jahre später, habe ich ein kleines bisschen weeping room erfahren, und es war schön, obwohl es schlimm war. Es hat mich die Liebe und das Herz Gottes erfahren lassen. Es hat mich feurig gemacht, zu beten, so dass ganze Kriegsgebiete in Lachgebiete verwandelt werden, irgendwann, irgendwann.

Ich will mich berühren lassen, ich lasse mich berühren, ich weine, ich schaue hin, und dann suche ich den Ort, wo Gottes Gegenwart ist, gerade hier, gerade bei mir, warte, bis ich mir seiner Gegenwart bewusst werde, sein Friede, seine Worte... die ich dann bete.

Freitag, Juni 20, 2014

1.Mose 1 - Veganerin

Seit wenigen Tagen habe ich ein neues Projekt. Oder ein Ventil. Eine Plattform.

Da ich mich bekanntlich mit Gesundheit und Ernährung befasse, las ich einige Blogs über Veganismus und dergleichen (Rohkost z.B.). Immer wieder stolperte ich dabei über Bemerkungen gegen den christlichen Glauben oder über atheistische Zitate. Und fast am meisten Unverständnis bekam ich von Christen zu spüren. Dabei ist für mich mein Glaube und meine Beziehung zu Gott der wichtigste Grund, warum ich meine Ernährung umstellte auf pflanzliche Kost.

Darum habe ich nun einen zweiten Blog: www.genesisonevegan.com (auf deutsch).

Alle Interessierten sind herzlich eingeladen, sich den Blog anzuschauen!

Donnerstag, Juni 19, 2014

HSP - Ausrede oder Erklärung?

Vor ein paar Wochen sagte mir jemand, ich solle doch öfters mal an den See oder Freunde in anderen Städten besuchen. Ich erwiderte, das würde ich prinzipiell gern, aber ich könne einfach nicht, Zeit- und Energiemässig. Die Person meinte daraufhin, sie frage sich, ob ich wirklich nicht könne, oder ob ich mich nicht einfach überwinden bzw. entscheiden müsse dafür...

Vor ein paar Jahren hatte ich ab und zu grosse Zusammenbrüche und konnte daraufhin nicht mal mehr das Haus verlassen, um einkaufen zu gehen. Ich hatte schon nur Angst, vom Bett aufzustehen. Ich zeichnete damals, wie ich mich fühlte: Mein Kopf mit einem riesigen Trichter obendrauf, in den tausende von Eindrücken fliessen und fliegen, die dann in meinen Kopf rein gehen. Viel viel mehr, als ich umgehen kann damit.

Inzwischen weiss ich dank Freundinnen, dass ich auch zu dem Fünftel der Menschen gehöre, die weniger Filter haben und viel mehr wahrnehmen als andere. HSP. Hochsensible Personen. Das hat nichts damit zu tun, dass man liebevoller, verletzlicher oder besser als andere Menschen wäre, oder dass man das als Entschuldigung braucht, um wie ein rohes Ei (oder wie Seidentofu) behandelt zu werden. Aber es ist so, dass HSP deutlich mehr wahrnehmen als viele andere. Dies können Gerüche sein, die intensiver sind als für andere. Geräusche, die für andere normal sind, sind für HSP störend und ablenkend. Und so weiter.

Und so ist mein happy place zuhause, und zwar wenn ich ganz alleine zuhause bin, so sehr ich meinen Mann liebe. Ich habe dann keine Musik, habe die Fenster geschlossen, denke nach oder schreibe, und AAAAHHHHHH kann endlich durchatmen und auftanken.

Da ich gleichzeitig auch ein soziales Wesen bin und Menschen liebe, ist es nicht so, dass ich leide, wenn ich um Menschen herum bin. Im Gegenteil - ich liebe es!! Aber ich kenne mich inzwischen Gott sei dank besser, und weiss, dass es mir längerfristig besser geht, wenn ich pro Woche nicht mehr als 1-2 Sachen nebst der Arbeit einplane. Zu oft schon dachte ich "ach, überwinde dich einfach! Sei jetzt nicht so! Wenn du mal dort bist, wird es schon gut sein" und zahlte hinterher einen Preis dafür.

Darum kann ich jetz auch endlich den Kommentar dieser Person verarbeiten und ich weiss, ich muss mich nicht rechtfertigen; ich lebe nach bestem Wissen und Gewissen, wachse und entwickle mich stetig weiter, mit Hilfe vom Heiligen Geist, und mit Geduld und Hilfe meines Mannes, meiner Familie und meiner FreundInnen.

Und dann gebe ich Vollgas. Erholt lebt es sich so viel besser!

Montag, Juni 16, 2014

Gäste im Haus und Gäste im Garten

Wirklich? Einen ganzen Monat lang nicht gebloggt???

So geht das. Wir erhielten Besuch von lieben Freunden aus Polen. Sie wollten zwei Tage bleiben und in dieser Zeit ihr Auto flicken, denn irgendetwas kleines verursachte ein Geräusch. Schlussendlich war es etwas sehr grosses, und ausserdem kamen die Festtage Auffahrt und Pfingsten dazwischen, was die Lieferung der Ersatzteile aus dem Ausland noch weiter verzögerte.. So hatten wir zwei Wochen lang Besuch, daneben lief die Sommersaison voll an, und über Pfingsten kam auch noch ein Teil von Gianni's Familie zu uns... Und das alles mit mir, die ich am liebsten Tage alleine zuhause verbringe und fast nur so erholen und auftanken - und bloggen - kann.....

Die letzten zwei Wochen also voll der Sommerbetrieb. Alles draussen im Garten, ausgebucht, Tische doppelt und teils dreifach belegt pro Abend,... Ich liebe es, so zu arbeiten, aber man spürt es in den Beinen, oh, wie man es in den Beinen spürt!! Und im Kopf! So oft hatte ich die Situation, dass ich nur noch auf den Boden liegen und weinen wollte in den vergangenen Tagen, während der Arbeit. Aber immer gilt die Wahrheit "Jeder Abend geht irgendwie vorbei".

Eine Herausforderung ist hauptsächlich die mentale Einstellung. Wenn wir 39 Gäste haben und 35 davon waren absolut zufrieden: Warum soll ich mich von den 4 anderne so stressen lassen? Manchmal ist es schon ungerecht: Da rennen wir wie wild den halben Abend, und grad wo wir denken, jetzt haben wir das Gröbste geschafft, und grad wo die Küche schliessen will, kommt jemand um 21.40 Uhr angeschlendert und fragt, ob sie nicht noch Fisch essen können bei uns? Sie würden sich SOOOOO freuen!!! Obwohl niemand von uns mehr mag, am wenigsten der Koch, nehmen wir sie noch und setzen sie an einen Tisch, der gerade erst frei geworden ist. Eine halbe Stunde später räumen wir die Teller ab und auf dem einen liegt der Fisch praktisch unberührt noch da. Es sei "langweilig" gewesen und sie seien "enttäuscht". Ah ja?? Und das, nachdem wir Abend für Abend lauter schwärmende Gäste verabschieden? Hmm... die hätten wir auch besser nicht mehr angenommen...

...oder der Herr, der allergisch ist auf gluten, laktose, Sellerie und Erdbeeren. Wir geben uns extrem Mühe, im grössen Stress, rennen extra in den Keller um glutenfreies Brot zu holen, stellen die Karte um, bieten verschiedenste Optionen und stellen sicher, dass alles reibungslos funktioniert. Er bestellt den teuersten Wein, und es ist eigentlich eine sympatische Begegnung. Als zweitletzter Tisch gehen sie, ohne auch nur einen Rappen Trinkgeld zu hinterlassen. Waren wir so schlecht? Machten wir etwas falsch? Oder hat er es einfach vergessen?

Ich bin gern sehr freundlich und warm an den Tischen, so dass sich die Gäste wohlfühlen. Manchmal jedoch, im Stress, kommen auch andere Seiten zum Vorschein... zum Beispiel wenn ich mehrere Tische gleichzeitig habe, zuhinterst im Garten, und ich in der linken Hand das Servicetablett mit 3 Litern Wasser und 7 Gläsern balanciere, und rechts noch eine Suppe und ein Körbchen Brot trage. Es ist klar ersichtlich, dass viel zu tun ist: Viele Gäste überall, und meine Hände sind voller Ware, die ich an verschiedenen Tischen ablade. Ich stelle das Brot auf einen Tisch, der soeben die Suppe erhalten hat. "Unsere Getränke haben Sie nicht vergessen, gell?", fragt die Dame. Ich habe ihre Getränke schon bereitgestellt, muss nur noch zurückrennen, sie holen gehen. Ich gebe leicht genervt zurück: "Nein, vergessen nicht, aber ich habe auch nur zwei Hände!". Ups. Sofort bereue ich den Tonfall und die Wortwahl und bin den Rest des Mittagsservices ausgesprochen freundlich zu ihnen....

Morgen Frühstücksschicht, Pause, Mittagsservice, Pause, Abendservice. Ich gehe jetzt besser mal schlafen.

Mittwoch, Mai 14, 2014

Von der Kunst, trotz und mit oder auch wegen Kindern Kunst zu machen.

Ich wurde in den Masterstudiengang aufgenommen!!!

Wie schon verschiedentlich erwähnt, ging meiner Bewerbung für den MA eine lange Zeit des Abwägens voraus: Wäre es nicht vernünftig, einen richtigen Berufsabschluss / ein vernünftiges Studium zu machen? Was, wenn wir in den nächsten Jahren Kinder kriegen und beide als Aushilfen im Stundenlohn arbeiten? Ist es überhaupt ok, auf die Karte "Schreiben" zu setzen, oder gilt das höchstens als Hobby?

Ich informierte mich konkret über verschiedene alternative Möglichkeiten: Von Hebamme über Internationale Beziehungen, Dolmetscherin und Ernährungsberaterin bis hin zum Wirtepatent prüfte ich allerlei Optionen eingehend, sehr eingehend sogar.

Alle diese Wege würde ich gerne beschreiten und in einem dieser Berufsfelder arbeiten. Aber am meisten lebendig werde ich, wenn ich schreibe, vorlese, oder Rap-Auftritte habe.

Nun war ich heute an einer Diskussionsrunde meiner früheren und zukünftigen Hochschule, zum Thema Vereinbarkeit von künstlerischer Berufstätigkeit und Familie. Es sprachen zum Beispiel ein aktueller Bachelorstudent (Literarisches Schreiben), der seine heute 8-jährige Tochter grösstenteils alleine aufgezogen hat. Und eine 34-jährige Frau, die mit mir zusammen den Bachelor abgeschlossen hat, und die damals eine 8-jährige Tochter hat und heute, wo diese Tochter 15 ist, noch einen siebenmonatigen Sohn hat. Sie arbeitet als freischaffende Autorin. Ausserdem war eine Gleichstellungsbeauftragte anwesend und eine Vertreterin einer Anlaufstelle für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Wie man erahnen kann, waren die anderthalb Stunden äusserst spannend! Und ich fühle, dass ich mutig in die nächsten Jahre gehen kann, mit Studium, mit dem Schreiben, mit einem Mann, der Musiker ist, und mit schwanger werden und Kinder haben.

Obwohl wir so gern möchten, werden wir noch nicht grad loslegen mit Babies, aber es tut gut zu wissen, dass ich wirklich nicht mit Angst partnern muss, und dass es viele andere in ähnlichen Situationen gibt, die öffentlich sagen: Hey, es geht durchaus! Alles kostet immer einen Preis, aber das ist auch ohne Kinder so.

Freitag, Mai 09, 2014

Unsere Mitbewohnerinnen

Wir wohnen in einem tollen, alten Haus. Je nach Windstärke draussen ist es drinnen wärmer oder kälter. Und wie schon letzten Frühsommer haben wir auch dieses Jahr wieder hunderte von kleinen schwarzen Mitbewohnerinnen. Letztes Jahr waren unser Schlafzimmer sowie das Küchenlavabo in.

Dieses Jahr war eines Morgens das ganze Badezimmer voll von ihnen. Und kurz darauf unser Küchenschrank.... Im Badezimmer ganze Autobahnen von Ameisen, mehrspurig, von der Waschmaschine unter die Badewanne und zurück. Niemand weiss warum. In der Küche hingegen kam es nie zu einer Strasse. Einfach jeden Morgen Dutzende von herumirrenden Ameisen. Zwischen den Ölflaschen, hinter den Brotaufstrichen, um die Teller herum, und - der absolute Hit - im Wasserkocher. Zum Teil noch verzweifelt schwimmend, zum Teil schon tot. Mein Tee-Konsum nahm rapide ab.

Jedenfalls haben wir uns nach wochenlangem Kampf so langsam an sie gewöhnt (wir probierten ALLE nichttödlichen Varianten der Vertreibung die es nur gibt, sowie nach unzähligen Misserfolgen auch Gift und Köder - aber das geht ja nicht dort, wo wir Nahrung aufbewahren).

Heute: Ich nehme den Wasserkocher, öffne den Deckel und sage: "Oh!! Schon der zweite Tag in Folge, an dem am Morgen keine Ameisen darin sind. ... ah nein, da ist eine." - Gianni: "Ich denke, sie haben gestern einfach einen Tagesausflug unternommen".

Wie X mal am Tag, versuche ich, eine Ameise irgendwo einzufangen und rauszuwerfen. Ich rette ihr Leben, aber sie bricht in Panik aus und dreht völlig durch. Ich zu ihr "Komm jetzt, Baby! Kleine...! Ich rette dir gerade das Leben!"

Wir sitzen beim Frühstück. Gianni holt den Honig (wir haben noch ein Glas übrig von den Hochzeitsgeschenken... mein Mann isst es noch auf. Ich esse keinen Honig mehr) und stellt ihn auf den Tisch. Dutzende Ameisen fallen vom Glas herunter und fliehen in alle Richtungen. Ich zu Gianni: "Warum hast du die jetzt hierhergebracht?"

Man beobachtet also eindeutig eine Vermenschlichung, die schleichend stattgefunden hat. Eine Moral der Geschicht' gibt's nicht. Das war einfach ein Einblick in unseren Frühsommeralltag.

Freitag, Mai 02, 2014

Ich kann das neue Land nur betreten, wenn ich das Seil loslasse, an dem ich mich hinüberschwinge

Ich bin nun 31-jährig und habe keine Berufsausbildung. Als es darum ging, sich dafür zu entscheiden, war ich in einer schwierigen Lebensphase, voller Unsicherheiten, Identitätskrisen, gleichzeitig voller Idealismus und grosser Träume. Irgendwie schaffte ich das Gymnasium. Und dann ergab das eine das andere.

Heute bin ich plötzlich eine erwachsene Frau, so scheint es. Ich trage zwar lauter gepunktete Kleider - sogar mein Badeanzug ist gepunktet. Doch kürzlich las ich die Frage einer 25-jährigen Frau, ob sie als Erwachsene noch gepunktete Badeanzüge tragen darf. Mir schoss der Gedanke durch den Kopf: "Bin ich auch erwachsen?", als ich daraufhin realisierte, dass dem wohl so ist. Wobei... ist man nicht erst ab 45 erwachsen? Oder ab füfefüfzgi? Anyway, das Darübernachdenken stürzte mich kurz in eine frühzeitige Midlifecrisis. Denn passend zum Thema beschäftige ich mich sowieso schon die ganze Zeit mit Themen wie "wenn ich noch Kinder will - wie früh sollten wir anfangen zu probieren?", "sollte ich nicht doch noch einen Berufsabschluss machen? Aber welchen? Und dann dauert das 3-5 Jahre??".

Ich bin nicht mehr 20. Zum Glück. Aber ich habe auch andere Bedürfnisse ans Leben. Luxusbedürfnisse, klar. Doch wenn ich wählen kann, dann bin ich extremst dankbar für meine Arbeitsstelle, in der ich Verantwortung trage und in der mir vertraut wird. Ich bin ungelernte Serviceangestellte und darf so viel mitprägen, mitdenken, mitgestalten. Wow. Ich darf am Morgen die erste sein, die aufschliesst, und am Abend die letzte, die abschliesst.

Aber dieser Job ist nicht gerade in der Ecke, in der meine Familie, meine Freundinnen und Freunde leben. Ich liebe die Stadt, in der wir wohnen: Die Zweisprachigkeit, der Gemüsemarkt um die Ecke, der grosse und schöne Bioladen drei Gehminuten von hier, der See, die kulturelle Vielfalt und Kreativität. Dennoch merke ich, dass eine Entscheidung vor mir steht, der ich mich früher oder später stellen werden muss: Welchen Stellenwert gebe ich Freundschaften, Familie? Es ist so einfach, sich zu entfremden voneinander, wenn man sich wochenlang nicht sieht, weil man so busy ist im Arbeitsalltag. Kann ich mir vorstellen, meinen geliebten Job aufzugeben und wegzuziehen, ins Unbekannte? Als eine 31-jährige Frau ohne Berufsbildung und mit nicht viel mehr Erfahrung als die einer Serviceaushilfe eine neue Stelle zu suchen in der Hauptstadt oder darum herum? Ich, die ich als tendenziell eher Introvertierte (ich bin etwa gerade halb/halb, aber eher intro..) am liebsten mein vertrautes Umfeld habe..? Aber dafür hätten wir mehr Beziehung, mehr Familie, mehr Zusammenleben.

Wenn ich etwas erreichen will, Träume leben will, dann ist Risiko wohl unumgänglich. Ich kann nur etwas neues ergreifen, wenn ich Altes loslasse. Ein Auto, das nicht fährt, kann auch nicht gesteuert werden.......      All diese Dinge sagte ich einer Freundin, als sie sich überlegte, ihren Job zu künden für etwas Neues. Nun hat sie tatsächlich gekündet, noch ohne eine neue Stelle gefunden zu haben. Mutig oder unweise? Bill Johnson sagte, manchmal kommt Menschenfurcht als Weisheit getarnt daher.. Ich kann gut mein Leben lang als Serviceaushilfe arbeiten. Aber ist das meine Berufung? Doch wenn ich reduziere oder aufhöre, wie bezahlen wir dann unsere Rechnungen? Und wann kommt der Moment, wo wir noch die Kinder bekommen können, an deren Namen wir schon herumdenken?

So bin ich am daran herumdenken, und erfahre in den nächsten zwei Wochen, ob ich für den Master aufgenommen werde (schon wieder Kunst.. nichts "richtiges", hahaha, aber auch meine einzige Option für einen Master). Danach wird sich einiges entscheiden müssen... Wohnort, Job,.. Oh Lord!!

Gut dass ich weiss, dass Gott bis jetzt immer treu war, und Er ist ja derselbe morgen, wie er gestern war und heute ist... Gut dass in der Bibel steht, dass wir von Herrlichkeit zu Herrlichkeit gehen.

Donnerstag, Mai 01, 2014

Eine Hochzeit mit Seidentofu, Parmesan und Ameisen

Wir waren in Italien an der Hochzeit meiner Schwägerin. Etwa 45 Minuten von der Grenze entfernt. Die Braut wünschte sich ein veganes Menu, und bestellte gleich noch ein paar mehr mit, für ihre Mutter, ihre beiden Brüder und deren Frauen, und für zwei andere Gäste. Kein Problem sei dies, sagte der Wirt.

Der Ort war wunderschön, das Wetter perfekt. Ich war angezogen wie im Sommer und das Wetter verhielt sich auch dementsprechend. Sonnencrème, Sonnenbrille, alles gut.

Nach Apérohäppchen - ich musste aus den 7 verschiedenen Angeboten immer das einzig vegane, Couscoussalat, retten, bevor die FleischesserInnen es wegassen - kam ein Buffet mit Vorspeisen. Ich übersprang die lange Käsesektion, schöpfte grosszügig vom gegrillten Gemüse, und verliess die Schlange der Anstehenden noch vor dem riesigen Fleisch-Teil. Mmmmh.

Erster Gang: Pasta. Absolut herrlich. Es gab Pasta mit Fisch für die Mehrheit, und Pasta ohne Fisch für uns. So gut, dass ich gleich noch eine zweite Portion nahm (oje, Gluten...! Stunden später bereute ich es... aber es war es irgendwie wert).

Zweiter Gang: Risotto. Soooo gut! Diesmal bekamen alle dasselbe Risotto, und der Kellner sagte noch extra, dass dies für alle sei - auch für die VeganerInnen. Mein Schwiegervater fragte nach: Ob es Parmesankäse im Risotto habe? Ja, das habe es.            ....ok.....?!........?!

Hauptgang: Irgendein Stück totes Tier Fleisch mit Gemüsespaghetti. Für uns: Tofu mit Gemüsespaghetti. Wir probierten... es schien eindeutig Seidentofu zu sein - den verwendet man eigentlich hauptsächlich für Desserts... für Mousses und so... Ausserdem ist die wunderbare Eigenart von Tofu die, dass er nach nichts schmeckt. Man kann ihn also in alle Richtungen würzen, marinieren, räuchern, braten, bestreuen,........... unser Seidentofu war anscheinend einfach so aus der Packung auf den Teller gestürzt und dann serviert worden...

Ich musste schmunzeln. Nichtsdestotrotz war ich geehrt und glücklich, dass es extra etwas veganes (oder auch nicht?????) für uns gab, und abgesehen vom Seidentofu war es wirklich herrlich.

Gianni und ich hatten dann noch eine Diskussion beim Dessertbuffet (vegane Option: Früchte). Und zwar darüber, ob man jetzt einen "Ausnahme-Tag" machen solle oder nicht. Ich fuhr mit Argumenten auf wie "Ich bin zwar verheiratet, aber ich mache heute einen Ausnahmetag", "Ich bin Christ - aber heute ist mein Ausnahmetag", "Das sind meine Kinder, aber heute ist mein Ausnahmetag". Er fand es extrem. Ich fand es extrem einleuchtend.

Wir lieben uns trotzdem.

Die Hochzeit war wirklich wunderwunderschön!

Und noch eine Szene daraus: Wir sitzen so am Tisch, 9 Personen, inmitten von johlenden und feiernden anderen Gästen. Plötzlich läuft eine Ameise über den Tisch, an meinem Sitznachbarn vorbei. Ich ahne schon, dass jemand versuchen wird, sie zu zerdrücken. Ich bin hin- und hergerissen: Soll ich einschreiten? Oder ist das jetzt "extrem"? Soll ich mich diesmal zurückhalten? So tue ich zuerst nichts. Aber als er mit dem Finger auf sie eindrückt, muss ich wegschauen. Zu meinem grossen Erstaunen rettet ein Engel Gottes das kleine Geschöpf verpasst mein Nachbar sie immer und immer wieder mit seinem Finger. Seine Frau versucht es nun, da die Ameise inzwischen vor ihr ist. Auch sie trifft mehrmals daneben. Ein Wunder. Die Ameise rettet sich unter das gläserne Tisch-Set. Wir schauen, wie sie unten durch krabbelt. Kurz bevor sie am andern Ende wieder rauskommt, kommt mein Moment: "I got this!", rufe ich, schnappe ein Stück Papier, lasse die Ameise darauflaufen, und trage sie hinaus ins Freie. Dann gehe ich zurück zum Tisch und sage zu meinem Mann: Schon wieder ein Leben gerettet.

(Bei uns zuhause rette ich jeden Tag Dutzende von Ameisenleben. Aber es musste auch schon hunderte sterben, weil alles friedliche leider nicht funktioniert hat)

Samstag, April 12, 2014

Die 1-Zutaten-Küche

Und was sind so deine Hobbys? Kürzlich hab ich diese Frage tatsächlich mit "Ernährung" beantwortet. Ich liebe es, in verschiedenen Blogs darüber zu lesen, ob die glutenfreie Ernährung allgemein besser ist, wenn ja warum, oder wenn nein, warum nicht.

Einkaufen wird zum Abenteuerparcours: Mmmh, Reiswaffeln mit Schokolade. Sicher nicht vegan. Oh, doch, tatsächlich: Kakaomasse, Kakaobutter, Rohrohrzucker. Und nebendran gibts noch die fairtrade-zertifizierten. Einmal mit Milchschokolade, und einmal mit Zartbitterschokolade. Fairtrade und bio. Glutenfrei. Voller Freude beginne ich damit, die Zutatenliste abzuchecken: Kakaomasse, Kakaobutter, Rohrohrzucker, MILCHZUCKER.   !!! Nein!! Warum???? Warum muss jetzt hier noch Milchzucker rein?

Apropos Zutatenliste. Kürzlich las ich von der "1-ingredient-kitchen". Also dass man mit lauter Sachen kocht, die nur ETWAS in der Zutatenliste haben. Karotte. Enthält: Karotten. Cashew-Kerne. Enthalten: Cashew-Kerne.

Mich fasziniert das. Seit ich ständig die ganze Zeit immer und überall die Zutatenlisten lese, bin ich mir erst bewusst, was überall reingeworfen wird... Konservierungsmittel sind da noch heilig. Geschmacksverstärker, tierische Bindungsmittel, Zucker, Farbstoffe, Aromen,..... bei soooo vielen Dingen, bei denen man es nie erwarten würde, hat es dann noch Sachen wie "Volleipulver (Bodenhaltung, EU)"  oder "Speisefettsäure" (oft tierischer Herkunft, muss nicht deklariert werden) drin.

Aber wenn wir am Morgen als erstes einen Fruchtsalat mit mindestens 4 verschiedenen ganzen Früchten pro Person essen, zusammen mit Kernen, Samen, Nüssen, ist das doch ein ganz anderes Erlebnis als "Kellogs Fruit Flakes, fettreduziert". Seit wir vermehrt Rohkost essen und unsere Ernährung mehr und mehr nach der "Thrive Diet Pyramid" richten, haben wir definitiv das "Problem", dass wir uns eine deutlich grössere Salatschüssel kaufen müssen. Heute assen wir zu zweit drei ganze Salatköpfe, 2 Lauch (Läuche?) und einen Bund Frühlingszwiebeln zum Zmittag. Mit Kernen, Sesam und Nüssen. Und einer selbstgemachten Salatsauce.

Klar, immer mal wieder benutzen wir Dinge wie "Reis Cuisine" (Reis-"Sahne") oder glutenfreies Brot, deren Zutatenliste ziemlich lang ist.. aber wir versuchen, so reine Zutaten wie nur möglich zu verwenden.

Jetzt im Frühsommer macht das auch richtig Spass. Heute Vormittag ging ich auf den Gemüsemarkt und praktisch alles, was ich kaufte, war vom Biobauern zwei Dörfer weiter. Seine Angestellten packten es in eine Kiste, ich nahm es von dort direkt in meine Tasche, ohne Plastiksack dazwischen, und trug es nach Hause, zur Weiterverarbeitung. Was für ein Segen, was für ein Privileg!!!!!!

Wir essen so viel Grünzeugs, so viele Bohnen, Linsen, Kichererbsen, Tessiner Reis, Amaranth oder Kartoffeln, dass uns Pasta gar nicht mehr so fehlt. Aber heute machte ich Bärlauchpesto, und jetzt muss ich schnell die glutenfreien Spaghetti abgiessen.  yipppiiiiiehhhhh

Hier noch die Info zur Erwähnten Thrive Diet. Die Pyramide und die Links zum Buch in deutsch und in english. Und wenn wir schon grad dabei sind, ein wunderbares Kochbuch (english): RAW FOOD.



Donnerstag, April 10, 2014

180 Seiten später

Heute feierte ich eine Premiere! Das erste Mal in meinem Leben - soweit ich mich erinnern kann - gab ich etwas 4 Tage vor dem Abgabetermin ab.

Mit meinem Bachelorabschluss bin ich für genau einen Masterstudiengang qualifiziert - und da habe ich mich jetzt beworben. Ein "Ausführlicher Lebenslauf", eine mehrseitige und möglichst genaue Projektskizze, und ein mindestens 20-seitiges Dossier mit Auszügen aus meinem Schreiben. Dies alles druckte ich heute aus und aus und aus und schickte es in fünffacher Ausführung ab.

Uff!! Vor einem Monat war ja schon der vermeintliche Abgabetermin. Mitten in der Nacht war ich noch am Texte zusammentragen.. bis ich zufällig sah, dass die Frist um einen Monat verschoben worden war!

Nun arbeitete ich gestern intensiv an meinem Dossier, und irgendwann hatte ich so genug vom ewigen umformulieren und Absätze ausschneiden und an andern Orten wieder einfügen, dass ich beschloss, es einfach abzuschicken.

Hinterher die grosse Erleichterung!! Feiern!!! Endlich wieder unbeschwert leben!

Und hinter dem her die grosse Panik: Hätte ich nicht besser dieses und jenes nicht erwähnt, und dafür diese drei anderen Punkte notiert? Was reichen wohl die anderen BewerberInnen ein? Wird die Jury für mein Projekt nur ein müdes Lächeln übrig haben? Achchchchchch!!

Aber nein, ich muss mich jetzt entscheiden. Ich stehe zu dem, was mich interessiert, und ich will noch lernen, darum bewerbe ich mich ja für eine Schule. Wenn sie mich nehmen, dann stelle ich mich der Herausforderung - oder noch besser, ich stürze mich kopfvoran hinein. Wenn sie mich nicht nehmen.... dann waren die 300.- Anmelde- und Prüfungsgebühr immerhin den Versuch wert, und ich hab meine besten Karten wenigstens zum Einsatz gebracht.

So. Mein Mann ging für drei Tage weg. Jetzt räume ich besser noch ein bisschen auf, bevor er nach Hause kommt...

Mittwoch, April 02, 2014

Gestörte Aura

Heute hatte ich nach einem (emotional) eher stressigen Arbeitstag eine sogenannte Stille Migräne: Alles fing damit an, dass mich plötzlich das Licht von draussen enorm blendete und ich weisse Flecken im Sehfeld hatte, wie nachdem man in die Sonne geschaut hat. Da es bereits das dritte Mal in anderthalb Jahren vorkam, wusste ich sofort, was jetzt kommt.

Heute war es aber ganz stark: Stark eingeschränktes Sichtfeld, verschwommenes Sehen, Schwindel, Taubheit/Kribbeln in den Händen und vor allem Fingern, allgemeine Schwäche, starke Lichtempfindlichkeit. Nach etwa einer halben Stunde wurde es besser, aber danach war mein Sprachzentrum gestört... ich konnte Worte einfach nicht finden. Ich konnte einfachste Texte nicht mehr lesen. Ich wollte Gianni etwas über eine Firma fragen, deren Name "electronics" beinhaltet. Ich konnte es NICHT aussprechen!!!!!!!! Es ging schlichtweg nicht. Dieses Wort machte überhaupt keinen Sinn. Endlich, mit grösster Anstrengung, konnte ich Buchstaben um Buchstaben sagen: E-L-E-CT-RO-NI-C-S. Da ich es aber völlig falsch betonte, musste Gianni herkommen und es selbst lesen. So begleitete er mich dann in die Apotheke, wo ich ein Medi bekam, das eigentlich gar nicht mehr im Umlauf ist..... hmm..

Eine äusserst komische Erfahrung.

Allerdings hatte ich 3 Nächte hintereinander nur ganz wenig Schlaf, und jeden Tag viel los. Zudem eine emotional herausfordernde Zeit in einigen Lebensbereichen. Und heute trank ich vor lauter Stress fast nichts... Lesson learned.

Trotzdem machten wir etwas aus unserer "Date night" und gingen ein veganes Curry essen. Unser 3.Curry in 24 Stunden.. :-)  Anschliessend noch die Steuererklärung abschliessen, und Schokopudding essen.

Jetzt aber besser ins Bett....

Mittwoch, März 26, 2014

Warum vegan?

Nach etwa vier Monaten mit rein pflanzlicher Ernährung (mit Ausnahme der Spinne, die heute in unserem Salat war), hier eine Auflistung von Gründen, warum ich von einer Fleischliebhaberin zu einer Pflanzenliebhaberin wurde:

Leben
Es ist möglich, mich zu ernähren, ohne dass dafür ein Lebewesen getötet wird* - yes, ich bin dabei! Ich liebe das Leben und ich liebe den, von dem alles Leben kommt.

Über die Schöpfung herrschen
Ich verstehe unter diesem Auftrag von Gott an die Menschen ein Bewahrungsauftrag. Erstens sind wir im Ebenbild Gotttes geschaffen. Somit sollen wir so zu seiner Schöpfung schauen, wie Er selbst es würde. Und würde Gott Tiere in aller Vielfalt erschaffen und mit Gefühlen (inkl. der Fähigkeit, zu leiden, und sich ihrer Familie verbunden zu fühlen) ausstatten, wenn Tiere hauptsächlich dafür da sind, getötet und gegessen zu werden? Am Anfang sagte Gott, dass er uns alle Pflanzen zur Nahrung gibt. Nach der Sintflut gab er die Erlaubnis, Fleisch zu essen, aber "alles ist erlaubt, nicht alles ist gut" könnte auch hier passen. Zweitens, wenn Jesus von Herrschen spricht, dann ist Herrschen immer mit Dienen verbunden.

Unnötig
Wir müssen kein Fleisch und keine Tierprodukte essen. Alles, was wir brauchen, ist in Pflanzen vorhanden. Ja, auch Eisen und ja, sogar B12. Beim B12 ist einzig das Problem, dass es nicht mehr gross an den Pflanzen dran ist, weil sie unterwegs beim vielen Waschen verloren gehen, oder weil die B12-bildenden Bakterien in zu sauberen Treibhäusern etc. gar nicht mehr vorkommen. Ein grosses Thema.. ich nehme aktuell zusätzlich B12 ein, aber mein Hausarzt findet, es sei nicht nötig, sofern man sich vielseitig ernährt als VeganerIn.


Gesundheit
Ja, es gibt auch Gegenstudien und Gegenmeinungen. Aber ich habe zu viele Studien, Dokumentationen und Zeugnisse gehört, dass tierisches Protein unserem Körper schadet. Ausserdem: Tierische Fette, Cholesterin, und Hormone. Eine schwangere Kuh produziert ganz viele Wachstums und weibliche Hormone, und Milchkühe sind meistens schwanger. Diese Hormone trinken und essen wir dann. Menschenmilch ist für Menschenkinder perfekt, Katzenmilch für Katzenkinder, Hundemilch für Hundewelpen, und Kuhmilch für Kälber,........

Es gibt zahlreiche Berichte von Menschen, deren verkalkte Arterien wieder gesund wurden nach einer Umstellung auf rein pflanzliche Kost. Zum Beispiel bei Bill Clinton. Es gibt Berichte, wonach Krebs verschwunden ist nach einer Nahrungsumstellung. Leute, die auf pflanzliche Kost umgestiegen sind, berichten von Gewichtsabnahme (ich z.B.), allgemein besserem Wohlbefinden (ich z.B.), besserer Verdauung (ich z.B.), weniger Kopfweh, weniger Bauchweh, tieferem Cholesterin, besserem Schlaf, weniger Müdigkeit, besseren Blutwerten (ich z.B.), Verschwinden von Schleim in Hals und Nase (mein Mann), besserer Durchblutung, etc. etc. etc. etc. etc. etc. Leute, die buchstäblich auf dem Sterbebett waren und von ihren Ärzten aufgegeben worden waren, stellten auf vegan um und lebten noch weitere 20 Jahre mehr.

Menschenliebe
Ich bin froh, wenn wegen mir weniger Leute in riesen-Schlachthöfen arbeiten müssen, wenn es Menschen gesundheitlich besser geht, wenn es mehr Arbeitsstellen gibt, bei denen der Mensch kein Tierleid verursachen und mitansehen muss.

Tierliebe
Es ist nicht so populär, aber ja, ich liebe einfach alles Leben. Ich liebe alle Menschen, und auch alle Tiere. Ich könnte selbst keine ein-Tag-alten Küken schreddern, und bezahle deshalb auch niemanden dafür, indem ich Eier esse. Ich könnte selbst nicht einer Kuh ihr vor wenigen Tagen geborenes Kalb wegnehmen, und will deshalb auch niemanden dafür bezahlen. Nicht zu reden vom töten der Tiere.



Die Bibel
"Du sollst nicht töten" ist nur einer von unzähligen Versen. Schon im Alten Testament gibt es Tierschutzgesetze. Zu Beginn der Schöpfung ist nirgends davon die Rede, Tiere zu essen. Gott rettet Tiere (Psalm 36,7). Alles ist erlaubt, nicht alles ist gut. Etc.

Christliche Tradition
Viele der frühen Kirchenväter, z.B. Hieronymus, Basilius der Grosse, waren Vegetarier (Veganer?). Viele der ersten Christen waren Vegetarier (Veganer?). Jesus und seine Jünger assen das Passamahl im Haus eines Esseners - das waren strenge Vegetarier. Daniel im AT....

Umwelt
Mit dem Wasserverbrauch, der für die Produktion von 1kg Rindfleisch anfällt, könnte man ein Jahr lang duschen. Für den Anbau von Kraftfutter für das Vieh werden Regenwald abgeholzt, entstehen Monokulturen und dann Wüsten, werden Menschen enteignet, müssen flüchten,... Methangas (der Nutztiere) verstärkt den Treibhauseffekt stärker als alle Autos zusammen. Etc. etc... hier gibts mehr Infos.

Verantwortung / Bewusster Konsum
Wir haben den Herrscher-/Bewahrungsauftrag. Ich will einmal Kinder haben, die nach mir hier leben und vielleicht auch Kinder haben werden - meine Grosskinder. Ich habe eine Verantwortung. Ernährung ist ein grosser Teil davon. Jede Woche kaufe ich viel viel ein, so dass ich leben kann. Mit jedem Einkauf bestimme ich mit, wie die Nahrung hergestellt wird. Saisonale, pflanzliche Produkte aus der Region verursachen am wenigsten Umweltverschmutzung und am wenigsten Leid.

Gesundheit 2 / Bewusster Konsum 2
Wenn ich einfach esse, was grad so überall angeboten wird, dann esse ich, was für die Industrie und den Handel das einfachste ist. Und da gehört fairtrade, Umweltschutz, und allgemein soziale Gerechtigkeit nicht dazu. Seit ich mich mehr achte, was ich kaufe und esse, esse ich SO viel abwechslungsreicher, gesünder, ausgewogener, und köstlicher. Ich habe keine Mangelerscheinungen mehr.

Jede dieser Kategorien könnte ein kleines Buch füllen... ich lass es jetzt mal so bewenden. Merci fürs Interesse - ich geh jetzt was essen.



*"Für Milch und Eier muss ja kein Tier getötet werden?" - Das ist leider nicht so. Damit wir Milch und Milchprodukte haben können, müssen Kühe ständig wieder geschwängert werden. Von den dann geboreren Kälbern sind nur rund die Hälfte weiblich, und auch von denen werden nicht alle Milchkühe. Alle männlichen Kälber plus ein paar Weibliche werden als Nebenprodukt der Milchindustrie gemästet, getötet und als Fleisch verkauft. Bei den Eiern ähnlich: Legehennen müssen ersetzt werden, doch nicht aus allen Eiern schlüpft ein Weibchen. Die männlichen Küken werden an ihrem ersten Lebenstag vergast oder lebendig geschreddert - auch bei Bio-Betrieben.

Montag, März 24, 2014

Zimmerstunde mit Tränen, und Stunden im Zimmer um Tränen zu vermeiden

Vor dem heutigen Wintereinbruch hatten wir richtig schönes Wetter. Doch ich freute mich über den Regen und Schnee..... - Pause vom Terrassenwetter, das zwar herrlich ist zum arbeiten, aber zeitweise auch streng... Am Freitagmittag wurden wir völlig überrannt von Gästen. Wir waren noch am aufdecken. Ich blinzelte einmal und - wusch! - war jeder Tisch besetzt.

Sprechen wir nicht mehr darüber.

Das war auch eines der einzigen Male, wo ich in der Zimmerstunde nach Hause ging und weinte. Das letzte Mal war mir so etwas passiert, als ich im Speisewagen arbeitete. Da stand der Zug am Genfer Flughafen und wartete 20 Minuten, bevor er zurück fuhr. Ich lag am Boden und weinte. Danach wusch ich himalayagrosse Berge von Geschirr. Mit meinen Tränen.

Anyway. Ich bin daran, mich für einen Masterstudiengang zu bewerben. Ausserdem sind nächste Woche Wahlen, und ich finde mich vor einem Haufen Papiere, die alle voller Köpfe, Namen, Kurz-Steckbriefe sind. Wen wählen, wenn man keine kennt? Hilfe brachte erst smartvote, und im Zweifelsfall weiss ich: Der mit dem fetten Bart, den wähle ich!

Eine der wichtigsten Lektionen, die ich in den vergangenen Jahren für mich gelernt habe, ist es, an Anlässen nicht teilzunehmen. Gerade in Redding liefen jeden Abend mindestens drei Sachen, bei denen ich gerne dabei sein wollte. Und regelmässig kam ich im Anschluss an so etwas nach Hause und rastete Freundinnen gegenüber aus, war völlig am Ende, oder schloss mich für einige Zeiten in meinem Zimmer ein. Auch plagten mich Fragen wie "bin ich zuwenig sozial, wenn ich lieber 40min mit dem Velo heimfahre, als 10min zu warten und dann mit FreundInnen mit dem Auto mitzufahren?"

Endlich endlich, durch zwei Blog-Leserinnen, kam ich auf das Thema Hochsensibilität. Jetzt weiss ich, dass auch wenn es hart ist, bei vielem Nein zu sagen und meistens nicht dabei zu sein, so ist es doch das Gesündeste für mich und meine Ehe. Manchmal, ja, da muss ich mich überwinden, und es wird super. Aber ich tappte bereits zu oft in diese Falle, und endete dann in einem emotionalen Desaster. Mehr als ein Anlass pro Woche liegt kaum drin... 

So ist meine Herausforderung in diesem Thema, dass ich Beziehungen liebe, gerne dabei bin, aber dass ich mich nur bödelen kann, auftanken und mich ausrichten kann, wenn ich alleine bin. Das bin ich aktuell grad, und drum schreibe ich auch endlich wieder mal einen Blogbeitrag.

Mittwoch, März 05, 2014

Was tun, wenn es ganz ganz schlimm ist?

Gestern las ich im Magazin der Süddeutschen Zeitung einen ganz ganz schlimmen Bericht über die Folterung von Tausenden von MigrantInnen in der ägyptischen Wüste, womit deren Familien erpresst werden. Ich blieb zurück mit unauslöschbaren Bildern im Kopf, die einem nicht mehr loslassen wollen, mit einer riesen Wut und einer noch viel grösseren Trauer im Bauch, Kopf und Herzen, und mit dem Wissen, dass ich, wenn ich nicht alles ändern kann, zumindest etwas tun muss.

Geld spenden. Aber an wen oder was? Das muss ich noch herausfinden. Aber ich beschloss, zu beten. Und hatte heute die Gelegenheit dazu, als ich während einer Stunde ohne Gäste am arbeiten bzw. Regale abstauben war.

Ich betete, dass vielen dieser Gefangenen die Flucht gelingt. Dass sich Ketten lösen, Türen öffnen, und dass sie auf der Flucht beschützt sind und unerkannt bleiben. Ich betete, dass die Folterer eine Begegnung mit Gott haben. Ich setzte Liebe, Gottes Gegenwart, Frieden frei über den Gefängnissen. Ich betete für Mut für Regierungen, PolitikerInnen, MinisterInnen, PräsidentInnen - Mut, das Thema anzusprechen, anzugehen, Konsequenzen folgen zu lassen. Denn Bescheid wissen sie alle. Ich betete für übernatürliche Heilung, für Totenauferweckung, und dafür, dass sichere Länder die Entkommenen aufnehmen und pflegen (dazu gehören auch wir).

Dies einfach als Ermutigung, dass wir etwas tun können. Ich will nicht in 50 Jahren von meinen Kindern und Grosskindern hören "was, du hast davon gewusst, und nichts getan??". So bin ich jetzt am Organisationen suchen, die ich unterstützen könnte, und halbwegs eine Reise am planen.


Nachtrag:
 Schon habe ich eine Organisation gefunden, die ich unterstützen kann- und du auch, wenn du möchtest: Es ist ein Hilfscenter für Frauen aus Eritrea, die unterwegs in solchen Folterlagern gefangen waren und das allerschlimmste durchgemacht haben, und die jetzt in Israel als Flüchtlinge leben, beinahe völlig ohne Rechte und schlimmst traumatisiert. Hier mehr Infos.

Samstag, Februar 15, 2014

Sterben loslassen

Ende letztes Jahr reichte ich folgenden Text in einem Essaywettbewerb ein, zum Thema Sterben/Ewiges Leben. Da er es wie erwartet nicht unter die ersten drei schaffte (aus 272 Texten..), veröffentliche ich ihn nun hier:

Sterben loslassen

Ich solle meinen Frieden mit dem Tod schliessen. Ich schliesse nicht meinen Frieden mit dem Tod.

2013. Ich begann, mich glutenfrei zu ernähren, und wurde zuerst zur Vegetarierin, dann zur Veganerin. Nein, ich muss das anders formulieren: Ich entdeckte, dass es die Möglichkeit gibt, mich zu ernähren, ohne dass etwas wegen mir getötet werden muss. Das mit dem Töten wollte ich nicht mehr, seit ich mich intensiver mit dem Leben auseinandersetzte. Wie alles begann, weiss ich nicht genau. Aber ich habe meinen Frieden mit dem Leben geschlossen.

Ich wurde geboren und wurde zu einem Kind, das weinte, wenn andere Kinder Wasser in Ameisennester gossen, und das nach einem sommerlichen Platzregen die vertrocknenden Regenwürmer auf dem Schulhausplatz einsammelte und in den rettenden Schatten des Apfelbaumes des Abwarts legte.

Aber erst als ich vor einigen Monaten in der Bibel über Matthäus 10,8 stolperte, begannen sich mir Fragen aufzutun, in die ich immer noch hineinblinzle wie ein Neugeborenes in die Welt. „Heilt Kranke, weckt Tote auf, macht Aussätzige rein, treibt Dämonen aus. Was ihr umsonst bekommen habt, das gebt umsonst weiter“, sind die Worte von Jesus an seine Jünger an dieser Stelle. Den christlichen Glauben hatte ich bis dahin immer mit Nächstenliebe und ja, auch mit Wundertaten und Heilungen in Verbindung gebracht. Aber wenn jemand starb, hörte ich Tröstungen wie „Sein Leben war abgeschlossen“, „Gott hat sie heimgerufen“ oder „Alles hat seine Zeit; Leben hat seine Zeit, Sterben hat seine Zeit“. Ich jedoch hatte zum Sterben keine Zeit. Ich hatte Hunger aufs Leben, und beklagte mich immer wieder, dass ich mindestens drei Leben bräuchte, um alle Projekte zu verwirklichen, die in mir schlummerten oder bereits erwacht waren.

Mehrere Menschen in meinem näheren Umfeld waren gestorben. Ich hatte die Zerstörung erlebt, die Krebs in einem Körper anrichtete bis hin zum Tod. Meine Tante wollte ihr Leben nicht mehr und setzte ihm ein Ende. Mein texanischer Freund wurde einige Meter von mir entfernt unter Polizeischutz zum Herzstillstand gebracht, und meine Mutter sehnte sich nach dem Himmel, wo alles gut wäre. Mich trieb die Frage, was es jenseits des Existierens noch gibt, und ich wollte das Leben schlucken.

Lebten wir alle ewig, was würden wir dann tun? Wenn alle Kriegstoten wieder auferweckt würden, würden ihre Feinde sie wieder und wieder abschiessen? Würden wir Kind bleiben bis 80, wenn uns 400 Lebensjahre bevorstünden? Gäbe es Liegebänke in Liften, weil sie so lange fahren müssten in den Wolkenkratzern die wir bräuchten, um alle Menschen unterzubringen? Bekämen wir überhaupt ein Platzproblem oder hätten wir in der Zwischenzeit Lösungen gefunden, die Sahara grün und bewohnbar zu machen? Wie sähe unsere Entwicklung in 100, 200, 500 Jahren aus, wenn die Entwicklung von Menschen kommt, die das Leben umarmt haben?

Dies führt mich zu meiner nächsten Frage: Könnte man noch nach der „Nach mir die Sintflut“-Mentalität leben, wenn es gar kein „nach mir“ mehr gibt, weil man einfach ewig bleibt? Wenn es kein nach mir mehr gibt, gilt höchstens noch: Mir die Sintflut.

Ich selbst lebte eine Zeit lang danach. Ich war die Sintflut, ich surfte die Sintflut. Leben war nicht mehr noch nicht und noch nicht nicht mehr. Aber dann begann ich, das Leben zu umarmen, und ich schloss Frieden mit ihm. Ich entdeckte die Liebe zum Leben; und der Tod ist mir heute so fern wie noch nie zuvor.

Sterben – so etwas absurdes; warum sollte man sterben müssen? Der Mensch war ursprünglich nicht zum Sterben geschaffen worden, sondern zum Leben. Erst später wurde die Lebenszeit auf 120 Jahre begrenzt, und auch die wurde bis heute bereits mehrmals überschritten. Als Jesus von den Toten auferstand, hatte er damit den Tod selbst besiegt. Schon vorher hatte er seine Jünger im oben zitierten Matthäus 10 Vers 8 angewiesen, die Toten aufzuwecken.

Wenn es einen Gott gibt, der Schöpfer ist, der Leben erschafft und gibt, wie fern von ihm muss dann Krankheit, Zerstörung und Tod sein. Im Hof des Friedens scheinen die Toten zu liegen, dabei sind sie schon lange nicht mehr dort, und ich liege schon gar nicht dort. Ich bin zu beschäftigt, zu erforschen, was mich am Leben erhält. Ein saures Klima ist nicht gut für meinen Körper, lese ich, höchstens Krebszellen entwickeln sich prächtig dort. Also suche ich nach basischer Nahrung und lerne, dass alles tierische sauer ist. Mein Mann zeigt mir Filme über Weizen, und wie dieser soviel anders war vor Hunderten von Jahren. Wir steigen um auf Hirse und Quinoa. Ich bestelle Bücher über Sprossenzucht, studiere stundenlang die Waren im Bioladen, und zerbreche mir den Kopf über der Frage, ob Quinoa aus Südamerika oder Weizen vom Nachbardorf besser ist. Währenddessen sterben tausende von Menschen in Syrien, im Sudan, auf den Philippinen. Und doch habe ich ein Leben, mein Leben, hier in der sicheren Schweiz; was mache ich nun damit? Ich arbeite weiter, serviere Kalbsschnitzel und Bielerseefelchen, lese mich anschliessend durch Weltgeschehen und Rohkostartikel, und hoffe inständig, alle würden aufhören zu rauchen.

Sie müsse loslassen können, wird meiner Grossmutter nach dem Tod ihres Mannes gesagt. Hänge ich am Leben, oder kann ich erst leben, wenn ich das Sterben loslasse?