Kapitel 3: Was weiter geschah
Das Sirren war regelmässig wie von einer Maschine, pulsierend wie die Bewegung des Ozeans zwei Meter unter der Wasseroberfläche, heiss dampfend wie ein Vulkan, obwohl ich noch nie einen Vulkan aus der Nähe gesehen hatte, ja, noch nicht mal aus der Ferne. Ein Dampfen und Blitzen drang durch die vor mir stehenden Bäume hindurch zu mir. Und wie ich weiterging, keuchend, blutend, schwitzend, vernahm ich plötzlich in all dem Lärm wieder das Zirpen, welches ursprünglich durch den Wald zu mir gedrungen war. Es war ein liebliches Geräusch. Es war mehr ein Singen denn ein Zirpen, ich fühlte mich zurückversetzt in meine Kindheit, in der ich oft mitten in einer Wiese gesessen war, in der rings um mich unzähliche Grillen gezirpt hatten jeden Abend. Und dann wurde der Dampf lichter, drangen Lichtstrahlen von oben durch den Dampf zu mir, es waren Sonnenstrahlen, wie ich sie noch nie gesehen hatte. Ein singendes Zirpen umgab mich, es pulsierte in meinen Adern anstelle von Blut, es war in meinen Lungenbläschen anstelle von Luft, es war in meinem Kopf, ich hörte es singen und zirpen unter meinen Zehennägeln, fühlte es singen auf der ganzen Fläche meiner Kopfhaut, das Singen und Zirpen war überall, es gab nichts anderes mehr, ich selbst war ein vibrierendes Singen und Zirpen geworden. Um mich herum standen keine Bäume mehr, obwohl da noch Bäume zu sehen waren. Aber auch sie zirpten, pulsierten im Rhythmus des Dampfes, der nun nur noch zu erahnen war. Und als ich selbst ein Zirpen geworden war, sah ich mich angekommen an der Quelle davon: Vor mir lag ein Becken, und das Becken war gefüllt mit einer dampfenden Flüssigkeit, welche in einer welligen Aufruhr war und zeitweise überschwappte. Daher also der Dampf, dachte ich, nein, ich zirpte den Gedanken. Hier musste die Welt entstanden sein, durchfuhr es mich plötzlich mit einem hellen Klirren wie von unzähligen Glöckchen. Ich sah keine Engel, ich schien vielmehr allein zu sein und überhaupt der erste Mensch, der je an diesem Ort war. Ich war mir unschlüssig, ob ich meine Hand in die Flüssigkeit tauchen sollte. Also blieb ich noch eine Weile dort stehen, ich schätze, dass es gegen drei Tage und drei Nächte gewesen sein mussten. Allerdings gab es dort weder Tag noch Nacht, es gab nur den Dampf und diese Sonnenstrahlen, die dadurch hindurch drangen zu mir und mich wärmten mit einer zirpenden Wärme. Vielleicht war dies das Paradies, dachte ich eine Weile. Eine andere Weile lang dachte ich, dass dies vielleicht ein nuklearer Reaktor war, aber dann müsste es mehr Sicherheitsmassnahmen geben, wie einen Zaun darum herum, und das hatte es nicht. Also dachte ich auch einmal kurz daran, dass das Becken vielleicht eine Vision war von einer zukünftigen Energiequelle. Denn das Becken war voll von einer Energie, dass es nur so zirpte und klirrte, so sehr, wie ich es sonst noch nirgends vergleichbar erlebt hatte. Es gab auch Momente, in denen ich mir nicht sicher war, ob ich nicht auch schon selbst Dampf ausstiess.