Vor einer Woche sass ich im Bus nach Graz. Mit einer Gruppe von 45 Studentinnen und Studenten, Dozentinnen und Dozenten. Abfahrt in Bern um 6 Uhr früh, Zwischenhalt und Kunsthausbesuch in München, Ankunft in Graz kurz vor Mitternacht. Dann folgten drei Tage vollgepackt mit Kunst. Ausstellungen, Installationen, Vorträge, Diskussionsrunden, Konzerte, Filme,....
Graz ist wunderschön. Die Altstadt am Schlossberg mit den vielen kleinen Gassen und Strässchen und den unzähligen kleinen Restaurants und Cafés. Die südliche Lage mit 25 Grad und Sonnenschein. Die freundlichen Menschen. Die vielen veganen Verpflegungsmöglichkeiten. Der schöne Fluss. Für all das muss ich mal privat wieder hinfahren. Letzte Woche hatten wir kaum Zeit, auch nur mal einen Kaffee zu trinken.
Wie schon in der Primarschule oder im Gymnasium gibt es auch im Masterstudiengang lustige Klassendynamiken. Es gibt die Coolen, die Streber, die Französischsprachigen, die Netten, die EinzelgängerInnen. Die Gruppe der RaucherInnen macht fast die ganze Gruppe der Coolen aus. Gehöre ich auch ein wenig zu den Coolen? Wo setze ich mich im Bus hin, wenn ich praktisch noch niemanden der Klasse kenne? Ich will weder Signale aussenden, dass ich allein sein will, noch will ich mich jemandem aufdrängen. Dieselbe Schwierigkeit in den Essenspausen. Wem schliesse ich mich an? Oder schliesst sich jemand mir an, soll ich Initiative ergreifen?
Gleichzeitig merke ich auch, dass ich älter geworden bin und ein gewisses Selbstbewusstsein habe, inzwischen, dass ich gut auch zur coolen Rauchergruppe gehen und mit jemandem über die soeben erlebte Ausstellung zu reden beginnen kann. Ich kann auch allein ins vegane Café gehen und die Ruhe geniessen, ohne mich allein zu fühlen. Danach geh ich zurück und bin wieder Teil der Klasse.
Am Schluss ging alles super auf. Es war viel, viel, viel Input und nicht nur ich war jeweils am Abend total hinüber und absolut nicht mehr aufnahmefähig. Was wir sahen, hörten und erlebten, war manchmal naja, aber meistens beeindruckend und inspirierend. Zeitgenössische klassische Musik gehe ich mir vermutlich nie wieder anhören.... dafür weiss ich jetzt, dass ich sicher wieder Raptexte schreiben werde.
Nun bin ich wieder zuhause, in zwei Wochen ziehen wir um und wir müssen ausmisten, packen, planen, organisieren. Gestern hatte ich meine erste richtige Motorradfahrstunde, am Samstag wird der erste Grundkurs stattfinden. Ich fuhr immerhin schon allein ein Stück weit auf der Hauptstrasse und überlebte sogar stockenden Kolonnenverkehr und rote Ampeln, wenn ich mich auch nicht getraute, höher zu schalten als in den zweiten Gang. Und mich dann einen ganzen Nachmittag lang erholen musste, bis mein Herz wieder normal schlug. Keine Ahnung, ob ich diese Prüfung jemals bestehe oder ob es nur ein teures Ausprobieren sein wird.... aber der Fahrlehrer ist sehr zuversichtlich.
Donnerstag, Oktober 16, 2014
Freitag, Oktober 03, 2014
Versagte Planung - geplantes Versagen
Irgendwann in meiner Kalifornien-Zeit, die ich übrigens nach wie vor fast täglich vermisse, also nicht mal Bethel, obwohl das natürlich auch extrem, sondern vor allem auch Kalifornien an sich, das Klima, die Landschaften, den warmen Wind, die Vogelschwärme, die kanadischen Wildgänse,........, irgendwann in meiner Kalifornien-Zeit also, sagte mal jemand, ich erinnere mich nicht mehr, wer das war, "fail to plan - plan to fail". Versage, zu planen - plane, zu versagen.
Bäm. Während andere, spontane, extrovertierte, unternehmungslustige Menschen diese Aussage wohl lächerlich finden, fand sie bei mir sofort Anklang.
Ich liebe es, zu planen. Mein Top-Berufswunsch wäre es - nebst Rapperin oder Schreiberin zu sein - als PA zu arbeiten. Persönliche Assistentin. Den ganzen Tag lang planen. Organisieren. Herrlich.
Immer wieder bin ich frustiert, wenn wir in einer Gruppe (ab 2 Personen aufwärts) irgendwohin gehen, und jemand anderes hat es initiiert und ist somit von mir aus gesehen verantwortlich, und dann finden wir uns irgendwo, ohne zu wissen, wo lang es geht, oder wo man essen könnte, oder wann die Züge fahren. Dann muss ich mir jeweils ganz bewusst sagen: Es ist ok! Man kann es auch so machen und es gut haben dabei.
Was ja auch stimmt. Das hab ich ja auch schon x mal gemacht.
Trotzdem. Gerade jetzt, wo ich mich vegan ernähre, oder wo ich allgemein gesund essen will, wird ein gewisses online-rekognoszieren noch wichtiger. Nächste Woche fahren wir mit der Schule nach Graz. Jeden Tag besuchen wir tausend Ausstellungen an vielen verschiedenen Standorten, und haben dann jeweils kurz Zeit, etwas zu Mittag oder zu Abend zu essen. Also suche ich mir jetzt schon Adressen heraus, notiere mir, welche gesund-vegan-Optionen nahe an den jeweiligen Standorten sind. Schreibe schon jetzt an das Hotel und frage nach dem Frühstücksbuffet.
Anyway, das sind nur Nebensächlichkeiten.
Die Frage ist: Kann man das Leben allgemein planen??? Kann man planen, eine gute Ehe auch noch in 20 Jahren zu haben? Ich denke Ja und Nein. So wie man auch planen kann, auch noch in 20 Jahren ein top funktionierendes Fahrrad zu haben: Man trägt ihm Sorge, verbringt regelmässig Zeit mit der Reinigung und Wartung, man ölt die Kette, ersetzt die Bremsen, bringt es in den Service,...... die Ehe ist leicht komplexer, natürlich. Aber man versteht, wo ich hinwill.
Andere Sachen kann man schon planen....... aber der Plan ist dann nicht einfach so umsetzbar. Oder schon? Wenn ich zum Beispiel plane, in zwei Jahren Kinder zu bekommen. Und dann werde ich nicht schwanger. Was ist dann mit dem Plan?
Wäre es deshalb besser, gar nie zu planen, sondern immer offen zu bleiben für die Umstände, die gerade da sein werden? Ja und nein. Ohne dass ich eine abgeschlossene Antwort darauf hätte, plane ich zumindest schon meine Grundsätze und Überzeugungen ein. Ich glaube, dass Gott uns gesund und fruchtbar erschaffen hat. Wenn es dann nicht so wird, so habe ich zumindest schon etwas, mit dem ich gegen die Umstände kämpfe. Bzw. für das ich hoffe, bete, ausprobiere, Schritte mache. Anstatt zu sagen: Es sollte wohl nicht sein.
Apropos Kinder: Da habe ich überhaupt in letzter Zeit immer wieder interessante Diskussionen mit Freundinnen und Freunden. Einige sagen, man müsse überhaupt nicht verhüten, denn Gott wisse schon, wann es der richtige Zeitpunkt sei. Andere - wie ich - vertreten den Standpunkt, dass Gott uns den freien Willen und ein Hirn gegeben hat, und so können wir eben selbst frei entscheiden. Wieder andere sehen ihre Überzeugungen irgendwo in der Mitte (für mich nur schwer nachvollziehbar), wie zum Beispiel: Wir haben einen freien Willen, aber Gott entscheidet doch auch mit.
Jedenfalls plane ich jetzt, langsam diesen Blogeintrag abzuschliessen. Nicht dass es noch im Desaster endet.
Bäm. Während andere, spontane, extrovertierte, unternehmungslustige Menschen diese Aussage wohl lächerlich finden, fand sie bei mir sofort Anklang.
Ich liebe es, zu planen. Mein Top-Berufswunsch wäre es - nebst Rapperin oder Schreiberin zu sein - als PA zu arbeiten. Persönliche Assistentin. Den ganzen Tag lang planen. Organisieren. Herrlich.
Immer wieder bin ich frustiert, wenn wir in einer Gruppe (ab 2 Personen aufwärts) irgendwohin gehen, und jemand anderes hat es initiiert und ist somit von mir aus gesehen verantwortlich, und dann finden wir uns irgendwo, ohne zu wissen, wo lang es geht, oder wo man essen könnte, oder wann die Züge fahren. Dann muss ich mir jeweils ganz bewusst sagen: Es ist ok! Man kann es auch so machen und es gut haben dabei.
Was ja auch stimmt. Das hab ich ja auch schon x mal gemacht.
Trotzdem. Gerade jetzt, wo ich mich vegan ernähre, oder wo ich allgemein gesund essen will, wird ein gewisses online-rekognoszieren noch wichtiger. Nächste Woche fahren wir mit der Schule nach Graz. Jeden Tag besuchen wir tausend Ausstellungen an vielen verschiedenen Standorten, und haben dann jeweils kurz Zeit, etwas zu Mittag oder zu Abend zu essen. Also suche ich mir jetzt schon Adressen heraus, notiere mir, welche gesund-vegan-Optionen nahe an den jeweiligen Standorten sind. Schreibe schon jetzt an das Hotel und frage nach dem Frühstücksbuffet.
Anyway, das sind nur Nebensächlichkeiten.
Die Frage ist: Kann man das Leben allgemein planen??? Kann man planen, eine gute Ehe auch noch in 20 Jahren zu haben? Ich denke Ja und Nein. So wie man auch planen kann, auch noch in 20 Jahren ein top funktionierendes Fahrrad zu haben: Man trägt ihm Sorge, verbringt regelmässig Zeit mit der Reinigung und Wartung, man ölt die Kette, ersetzt die Bremsen, bringt es in den Service,...... die Ehe ist leicht komplexer, natürlich. Aber man versteht, wo ich hinwill.
Andere Sachen kann man schon planen....... aber der Plan ist dann nicht einfach so umsetzbar. Oder schon? Wenn ich zum Beispiel plane, in zwei Jahren Kinder zu bekommen. Und dann werde ich nicht schwanger. Was ist dann mit dem Plan?
Wäre es deshalb besser, gar nie zu planen, sondern immer offen zu bleiben für die Umstände, die gerade da sein werden? Ja und nein. Ohne dass ich eine abgeschlossene Antwort darauf hätte, plane ich zumindest schon meine Grundsätze und Überzeugungen ein. Ich glaube, dass Gott uns gesund und fruchtbar erschaffen hat. Wenn es dann nicht so wird, so habe ich zumindest schon etwas, mit dem ich gegen die Umstände kämpfe. Bzw. für das ich hoffe, bete, ausprobiere, Schritte mache. Anstatt zu sagen: Es sollte wohl nicht sein.
Apropos Kinder: Da habe ich überhaupt in letzter Zeit immer wieder interessante Diskussionen mit Freundinnen und Freunden. Einige sagen, man müsse überhaupt nicht verhüten, denn Gott wisse schon, wann es der richtige Zeitpunkt sei. Andere - wie ich - vertreten den Standpunkt, dass Gott uns den freien Willen und ein Hirn gegeben hat, und so können wir eben selbst frei entscheiden. Wieder andere sehen ihre Überzeugungen irgendwo in der Mitte (für mich nur schwer nachvollziehbar), wie zum Beispiel: Wir haben einen freien Willen, aber Gott entscheidet doch auch mit.
Jedenfalls plane ich jetzt, langsam diesen Blogeintrag abzuschliessen. Nicht dass es noch im Desaster endet.
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