Um 15 Uhr 30 Uhr stand ich im beinahe strömenden Regen mit "Zürich"-Schild an der Autobahnauffahrt in Biel. Nach wenigen Sekunden schon hielt eine junge Frau an, die mich mitnehmen konnte bis zur allseits beliebten Raststätte Deitingen. Leider waren sowohl Parkplatz wie auch Tankstelle leer, aber dafür fiel mir spontan ein Lied ein, das ich singen konnte ohne dass jemand blöd schaute. Gottes Güte erfüllte mich und gut, konnte ich mich gerade noch auf den Beinen halten. Nach etwa 5-10 Minuten kam ein kleines Auto gefahren, darin sassen zwei Jungs im Alter von etwa 14 Jahren. 14?? Am Steuer?? Sie fuhren an mir vorbei, hielten an und fuhren rückwärts zurück. Der Fahrer kurbelte das Fenster runter und sagte, sie könnten mich mitnehmen. Ich musste mich zusammenreissen, um nicht nach seinem Führerausweis zu fragen. Die Situation fand ich aber so lustig (ich, die ältere Dame, mit den zwei fahrenden Teenagern), dass ich einstieg.. Es stellte sich heraus, dass sie Landmaschinenmechanikerlehrlinge (was für ein Wort) sind und für ihre Abschlussarbeit unterwegs waren. Mit wie alt schliesst man eine Lehre ab? Jedenfalls fuhren sie mich sicher bis zur Raststätte Kölliken bei Aarau. Auf der war ich noch nie gewesen. Sie wurde gerade umgebaut und war deshalb zu. Na bravo! Zum Glück funktionierte die Tankstelle noch. Es befanden sich zwei (2) Autos auf der ganzen Raststätte, im einen schlief der Fahrer.. Ich blieb zuversichtlich, immer noch erheitert vom vorherigen Erlebnis und voll von Gottes Gegenwart. Tatsächlich setzte sich auch schon das andere Auto - ein Offroader - in Bewegung, fuhr auf mich zu und hielt an! Ein grauhaariger, sehr sympathisch wirkender Mann war am Steuer. Ein Thurgauer. Wir unterhielten uns wunderbar, er war wirklich einer der nettesten Fahrer, den ich je gehabt hatte. Da er an Zürich vorbei in den Osten fuhr, stieg ich beim Fressbalken aus. Würde ich hier ein Auto finden, das mich in die City fuhr? Da mein netter Fahrer noch tanken musste, stieg ich an der Zapfsäule aus. Vor uns stand ein Auto mit ZH-Nummernschild, die junge Fahrerin in einer FlightAttendant-Uniform war grad am tanken. Ich sprach sie an und sie sagte, sie fahre zum Flughafen, ich könne gern mitkommen, wenn ich wolle, und dort die S-Bahn oder das Tram nehmen. Ich wollte unbedingt mit einer Flight Attendant mitfahren! Und den Flughafen liebe ich auch! It's about living, baby, not about achieving goals (=pünktlich sein). Also los. Kaum eingestiegen, bot sie mir diverse Früchte an und fragte, ob die Kabinentemperatur, äh, die Temperatur im Auto ok sei für mich (!). Sie erzählte mir von ihrem Job, sie arbeitet nämlich für Charterflugzeuge, also Wenigplätzer, und bedient nationale und internationale PolitikerInnen, ManagerInnen, Militärs. Ich bekam Einblicke in eine völlig fremde Welt - das ist es, warum ich trampe. Super. Am Flughafen erledigte ich meine üblichen Rituale (Flughafebeck, Postkarte verschicken) und erwischte dann ohne zu Hetzen in der letzten Sekunde einen Zug, der direkt in den Stadtteil fuhr, in den ich musste.