Kürzlich wurde ich gefragt, was ich hier so am meisten lerne dieses Jahr. Eines der Dinge, die in meinem dritten Jahr hervorgehoben wurden, ist Beziehungen/Persönlichkeitsstile. Nicht überraschend, wenn man bedenkt, dass wir uns Anfang Schuljahr verlobten, ich dieses Jahr das Zimmer teile und in einer WG wohne, die viel mehr ein Zusammenleben ist, als es die letzten zwei Jahre der Fall war. Zudem wurde mein Knie schon in den ersten Monaten verletzt, so dass ich nicht mehr unabhängig mit dem Velo umherfahren kann seit da.
Warum komme ich nach Redding, wo es Goldstaub und Krebsheilungen gibt, und lerne über Beziehungen? Weil sogar Gott mit sich selbst eine Dreierbeziehung lebt. Und weil Er es so eingerichtet hat, dass Mann und Frau eins werden können. Und weil die zweite Hälfte des obersten und wichtigsten Gebotes lautet "liebe deinen Nächsten wie dich selbst". Und weil das gesamte Neue Testament voll ist mit dem Aufruf, einander zu lieben.
Ich bin also sachorientiert und schnell in Entscheidungen+Handlungen (meistens zu schnell), und plane eine Hochzeit mit drei Leuten, die alle eher easygoing sind, sich weniger stressen, und die mehr personenorientiert sind. Ich glaube, ich muss das Bild gar nicht mehr weiter malen....
Ich wohne zusammen mit drei Frauen, die alles SEHR gerne VIEL Besuch da haben. Ausserdem sind zwei davon 9 und 6 Jahre jünger als ich, und ihre Kollegen (meistens männlich) auch erst so um die 20. Somit gibt es also viele Abende, an denen eine Gruppe sehr nette junge Menschen in unserer nicht isolierten, dünnwandigen Wohnung sind - und ich bin von meiner Persönlichkeit so, dass ich auftanken bzw. abschalten kann, wenn es ruhig ist und ich allein bin. Weil ich die ganze Zeit Gefühle und Atmosphären von anderen Menschen spüre und noch nicht gelernt habe, damit umzugehen. Resultat: Anspannung, Interessenskonflikt,....
Andere, mir nahestehende Menschen, können wochenlang etwas mit sich herumtragen, es im Kopf und Herzen verarbeiten, und danach kommen klare, gefilterte, angenehme Worte heraus. Bei mir gibt es ein Gefühlserdbeben, das einen Geysir an die hübsche Oberfläche sprudeln lässt, und dann komme ich mit verschiedenen Sieben, fahre durch das aufgewühlte Wasser, und versuche herauszufischen, was Sinn macht. Bloss: Die Menschen, die oben in der Blumenwiese sitzen und kontemplieren, die haben das Erdbeben nicht gespürt und sind dann überfordert mit dem Geysir. Was soll ich tun? Auf 10 zählen nützt da nicht viel..... Wir arbeiten daran. Und soooooo schlimm ist es ja hoffentlich auch nicht.
Das wichtigste, was ich bisher gelernt habe, lautet: Kommunizieren, kommunizieren, kommunizieren. Ruhig erklären, SOBALD man etwas merkt. Dinge bis auf den Grund klären. Einander zu verstehen versuchen, um jeden Preis.
"Wenn du das tust, dann fühle ich mich so" anstatt
"Du machst das falsch".
"Was brauchst du jetzt gerade?" fragen.
Das schönste daran: Es gibt verschiedene "normal". Mein "normal" ist nicht sein "normal", aber sein normal ist auch normal. Und: Ich darf meine Bedürfnisse mitteilen. Und: Ich mache Dinge nicht nicht, weil es ungerecht ist, sondern ich mache sie, weil es das Bedürfnis der Person ist, die ich liebe. Sei es meine Mitbewohnerin oder mein Verlobter.
Und dann, am anderen Ende, hat man eine wunderbar tiefere Verbindung.
Zum Glück lebe ich für immer und ewig; somit habe ich genug Zeit, das zu lernen.