Mittwoch, März 26, 2014

Warum vegan?

Nach etwa vier Monaten mit rein pflanzlicher Ernährung (mit Ausnahme der Spinne, die heute in unserem Salat war), hier eine Auflistung von Gründen, warum ich von einer Fleischliebhaberin zu einer Pflanzenliebhaberin wurde:

Leben
Es ist möglich, mich zu ernähren, ohne dass dafür ein Lebewesen getötet wird* - yes, ich bin dabei! Ich liebe das Leben und ich liebe den, von dem alles Leben kommt.

Über die Schöpfung herrschen
Ich verstehe unter diesem Auftrag von Gott an die Menschen ein Bewahrungsauftrag. Erstens sind wir im Ebenbild Gotttes geschaffen. Somit sollen wir so zu seiner Schöpfung schauen, wie Er selbst es würde. Und würde Gott Tiere in aller Vielfalt erschaffen und mit Gefühlen (inkl. der Fähigkeit, zu leiden, und sich ihrer Familie verbunden zu fühlen) ausstatten, wenn Tiere hauptsächlich dafür da sind, getötet und gegessen zu werden? Am Anfang sagte Gott, dass er uns alle Pflanzen zur Nahrung gibt. Nach der Sintflut gab er die Erlaubnis, Fleisch zu essen, aber "alles ist erlaubt, nicht alles ist gut" könnte auch hier passen. Zweitens, wenn Jesus von Herrschen spricht, dann ist Herrschen immer mit Dienen verbunden.

Unnötig
Wir müssen kein Fleisch und keine Tierprodukte essen. Alles, was wir brauchen, ist in Pflanzen vorhanden. Ja, auch Eisen und ja, sogar B12. Beim B12 ist einzig das Problem, dass es nicht mehr gross an den Pflanzen dran ist, weil sie unterwegs beim vielen Waschen verloren gehen, oder weil die B12-bildenden Bakterien in zu sauberen Treibhäusern etc. gar nicht mehr vorkommen. Ein grosses Thema.. ich nehme aktuell zusätzlich B12 ein, aber mein Hausarzt findet, es sei nicht nötig, sofern man sich vielseitig ernährt als VeganerIn.


Gesundheit
Ja, es gibt auch Gegenstudien und Gegenmeinungen. Aber ich habe zu viele Studien, Dokumentationen und Zeugnisse gehört, dass tierisches Protein unserem Körper schadet. Ausserdem: Tierische Fette, Cholesterin, und Hormone. Eine schwangere Kuh produziert ganz viele Wachstums und weibliche Hormone, und Milchkühe sind meistens schwanger. Diese Hormone trinken und essen wir dann. Menschenmilch ist für Menschenkinder perfekt, Katzenmilch für Katzenkinder, Hundemilch für Hundewelpen, und Kuhmilch für Kälber,........

Es gibt zahlreiche Berichte von Menschen, deren verkalkte Arterien wieder gesund wurden nach einer Umstellung auf rein pflanzliche Kost. Zum Beispiel bei Bill Clinton. Es gibt Berichte, wonach Krebs verschwunden ist nach einer Nahrungsumstellung. Leute, die auf pflanzliche Kost umgestiegen sind, berichten von Gewichtsabnahme (ich z.B.), allgemein besserem Wohlbefinden (ich z.B.), besserer Verdauung (ich z.B.), weniger Kopfweh, weniger Bauchweh, tieferem Cholesterin, besserem Schlaf, weniger Müdigkeit, besseren Blutwerten (ich z.B.), Verschwinden von Schleim in Hals und Nase (mein Mann), besserer Durchblutung, etc. etc. etc. etc. etc. etc. Leute, die buchstäblich auf dem Sterbebett waren und von ihren Ärzten aufgegeben worden waren, stellten auf vegan um und lebten noch weitere 20 Jahre mehr.

Menschenliebe
Ich bin froh, wenn wegen mir weniger Leute in riesen-Schlachthöfen arbeiten müssen, wenn es Menschen gesundheitlich besser geht, wenn es mehr Arbeitsstellen gibt, bei denen der Mensch kein Tierleid verursachen und mitansehen muss.

Tierliebe
Es ist nicht so populär, aber ja, ich liebe einfach alles Leben. Ich liebe alle Menschen, und auch alle Tiere. Ich könnte selbst keine ein-Tag-alten Küken schreddern, und bezahle deshalb auch niemanden dafür, indem ich Eier esse. Ich könnte selbst nicht einer Kuh ihr vor wenigen Tagen geborenes Kalb wegnehmen, und will deshalb auch niemanden dafür bezahlen. Nicht zu reden vom töten der Tiere.



Die Bibel
"Du sollst nicht töten" ist nur einer von unzähligen Versen. Schon im Alten Testament gibt es Tierschutzgesetze. Zu Beginn der Schöpfung ist nirgends davon die Rede, Tiere zu essen. Gott rettet Tiere (Psalm 36,7). Alles ist erlaubt, nicht alles ist gut. Etc.

Christliche Tradition
Viele der frühen Kirchenväter, z.B. Hieronymus, Basilius der Grosse, waren Vegetarier (Veganer?). Viele der ersten Christen waren Vegetarier (Veganer?). Jesus und seine Jünger assen das Passamahl im Haus eines Esseners - das waren strenge Vegetarier. Daniel im AT....

Umwelt
Mit dem Wasserverbrauch, der für die Produktion von 1kg Rindfleisch anfällt, könnte man ein Jahr lang duschen. Für den Anbau von Kraftfutter für das Vieh werden Regenwald abgeholzt, entstehen Monokulturen und dann Wüsten, werden Menschen enteignet, müssen flüchten,... Methangas (der Nutztiere) verstärkt den Treibhauseffekt stärker als alle Autos zusammen. Etc. etc... hier gibts mehr Infos.

Verantwortung / Bewusster Konsum
Wir haben den Herrscher-/Bewahrungsauftrag. Ich will einmal Kinder haben, die nach mir hier leben und vielleicht auch Kinder haben werden - meine Grosskinder. Ich habe eine Verantwortung. Ernährung ist ein grosser Teil davon. Jede Woche kaufe ich viel viel ein, so dass ich leben kann. Mit jedem Einkauf bestimme ich mit, wie die Nahrung hergestellt wird. Saisonale, pflanzliche Produkte aus der Region verursachen am wenigsten Umweltverschmutzung und am wenigsten Leid.

Gesundheit 2 / Bewusster Konsum 2
Wenn ich einfach esse, was grad so überall angeboten wird, dann esse ich, was für die Industrie und den Handel das einfachste ist. Und da gehört fairtrade, Umweltschutz, und allgemein soziale Gerechtigkeit nicht dazu. Seit ich mich mehr achte, was ich kaufe und esse, esse ich SO viel abwechslungsreicher, gesünder, ausgewogener, und köstlicher. Ich habe keine Mangelerscheinungen mehr.

Jede dieser Kategorien könnte ein kleines Buch füllen... ich lass es jetzt mal so bewenden. Merci fürs Interesse - ich geh jetzt was essen.



*"Für Milch und Eier muss ja kein Tier getötet werden?" - Das ist leider nicht so. Damit wir Milch und Milchprodukte haben können, müssen Kühe ständig wieder geschwängert werden. Von den dann geboreren Kälbern sind nur rund die Hälfte weiblich, und auch von denen werden nicht alle Milchkühe. Alle männlichen Kälber plus ein paar Weibliche werden als Nebenprodukt der Milchindustrie gemästet, getötet und als Fleisch verkauft. Bei den Eiern ähnlich: Legehennen müssen ersetzt werden, doch nicht aus allen Eiern schlüpft ein Weibchen. Die männlichen Küken werden an ihrem ersten Lebenstag vergast oder lebendig geschreddert - auch bei Bio-Betrieben.

Montag, März 24, 2014

Zimmerstunde mit Tränen, und Stunden im Zimmer um Tränen zu vermeiden

Vor dem heutigen Wintereinbruch hatten wir richtig schönes Wetter. Doch ich freute mich über den Regen und Schnee..... - Pause vom Terrassenwetter, das zwar herrlich ist zum arbeiten, aber zeitweise auch streng... Am Freitagmittag wurden wir völlig überrannt von Gästen. Wir waren noch am aufdecken. Ich blinzelte einmal und - wusch! - war jeder Tisch besetzt.

Sprechen wir nicht mehr darüber.

Das war auch eines der einzigen Male, wo ich in der Zimmerstunde nach Hause ging und weinte. Das letzte Mal war mir so etwas passiert, als ich im Speisewagen arbeitete. Da stand der Zug am Genfer Flughafen und wartete 20 Minuten, bevor er zurück fuhr. Ich lag am Boden und weinte. Danach wusch ich himalayagrosse Berge von Geschirr. Mit meinen Tränen.

Anyway. Ich bin daran, mich für einen Masterstudiengang zu bewerben. Ausserdem sind nächste Woche Wahlen, und ich finde mich vor einem Haufen Papiere, die alle voller Köpfe, Namen, Kurz-Steckbriefe sind. Wen wählen, wenn man keine kennt? Hilfe brachte erst smartvote, und im Zweifelsfall weiss ich: Der mit dem fetten Bart, den wähle ich!

Eine der wichtigsten Lektionen, die ich in den vergangenen Jahren für mich gelernt habe, ist es, an Anlässen nicht teilzunehmen. Gerade in Redding liefen jeden Abend mindestens drei Sachen, bei denen ich gerne dabei sein wollte. Und regelmässig kam ich im Anschluss an so etwas nach Hause und rastete Freundinnen gegenüber aus, war völlig am Ende, oder schloss mich für einige Zeiten in meinem Zimmer ein. Auch plagten mich Fragen wie "bin ich zuwenig sozial, wenn ich lieber 40min mit dem Velo heimfahre, als 10min zu warten und dann mit FreundInnen mit dem Auto mitzufahren?"

Endlich endlich, durch zwei Blog-Leserinnen, kam ich auf das Thema Hochsensibilität. Jetzt weiss ich, dass auch wenn es hart ist, bei vielem Nein zu sagen und meistens nicht dabei zu sein, so ist es doch das Gesündeste für mich und meine Ehe. Manchmal, ja, da muss ich mich überwinden, und es wird super. Aber ich tappte bereits zu oft in diese Falle, und endete dann in einem emotionalen Desaster. Mehr als ein Anlass pro Woche liegt kaum drin... 

So ist meine Herausforderung in diesem Thema, dass ich Beziehungen liebe, gerne dabei bin, aber dass ich mich nur bödelen kann, auftanken und mich ausrichten kann, wenn ich alleine bin. Das bin ich aktuell grad, und drum schreibe ich auch endlich wieder mal einen Blogbeitrag.

Mittwoch, März 05, 2014

Was tun, wenn es ganz ganz schlimm ist?

Gestern las ich im Magazin der Süddeutschen Zeitung einen ganz ganz schlimmen Bericht über die Folterung von Tausenden von MigrantInnen in der ägyptischen Wüste, womit deren Familien erpresst werden. Ich blieb zurück mit unauslöschbaren Bildern im Kopf, die einem nicht mehr loslassen wollen, mit einer riesen Wut und einer noch viel grösseren Trauer im Bauch, Kopf und Herzen, und mit dem Wissen, dass ich, wenn ich nicht alles ändern kann, zumindest etwas tun muss.

Geld spenden. Aber an wen oder was? Das muss ich noch herausfinden. Aber ich beschloss, zu beten. Und hatte heute die Gelegenheit dazu, als ich während einer Stunde ohne Gäste am arbeiten bzw. Regale abstauben war.

Ich betete, dass vielen dieser Gefangenen die Flucht gelingt. Dass sich Ketten lösen, Türen öffnen, und dass sie auf der Flucht beschützt sind und unerkannt bleiben. Ich betete, dass die Folterer eine Begegnung mit Gott haben. Ich setzte Liebe, Gottes Gegenwart, Frieden frei über den Gefängnissen. Ich betete für Mut für Regierungen, PolitikerInnen, MinisterInnen, PräsidentInnen - Mut, das Thema anzusprechen, anzugehen, Konsequenzen folgen zu lassen. Denn Bescheid wissen sie alle. Ich betete für übernatürliche Heilung, für Totenauferweckung, und dafür, dass sichere Länder die Entkommenen aufnehmen und pflegen (dazu gehören auch wir).

Dies einfach als Ermutigung, dass wir etwas tun können. Ich will nicht in 50 Jahren von meinen Kindern und Grosskindern hören "was, du hast davon gewusst, und nichts getan??". So bin ich jetzt am Organisationen suchen, die ich unterstützen könnte, und halbwegs eine Reise am planen.


Nachtrag:
 Schon habe ich eine Organisation gefunden, die ich unterstützen kann- und du auch, wenn du möchtest: Es ist ein Hilfscenter für Frauen aus Eritrea, die unterwegs in solchen Folterlagern gefangen waren und das allerschlimmste durchgemacht haben, und die jetzt in Israel als Flüchtlinge leben, beinahe völlig ohne Rechte und schlimmst traumatisiert. Hier mehr Infos.