Mittwoch, Juli 30, 2014

Fast leer ≠ genug voll

Es wird einem nie langweilig.

Nach dem verhältnismässig billigen Kauf unseres Töffs gaben wir ein vielfaches davon aus für die passende Kleidung. Wir hatten Kleider ausgeliehen/geschenkt bekommen, aber alles so XL-Sachen für uns zwei, die wir ja erst grad 7-10kg abgenommen haben... Das wäre kein Problem, aber die Schoner in den Kleidern sitzen dann nicht dort, wo sie sollten. Und wenn man so im Regen über die Autobahn brettert, realisiert man schon, dass das anders ist als im Auto... ohne irgendwelchen Schutz, wenn man fallen würde oder angefahren... Darum entschieden wir uns, viel Geld zu investieren in einen Helm, der auch sitzt, und eben weitere Schutzkleidung. Die können wir schliesslich ein Leben lang behalten.

Was wir aber noch brauchten, waren Seitentaschen. Uns wurde ein Laden angegeben, der in 10 Minuten Fahrt erreichbar ist und in einer halben Stunde schliessen würde... Ich hatte noch keine Schutzhose, weil die erst noch bestellt werden muss, aber für 10min würde das schon gehen... nichts wie hin. Kaum angekommen sahen wir, dass dort Betriebsferien sind... hmm... wir wussten aber noch von einem anderen Laden, der eine halbe Stunde entfernt in der Nähe von Bern ist, und der noch länger geöffnet ist... sollen wir hin? Auch ohne meine Motorradhose? Ja ok, machen wir.  Schliesslich haben wir die nächsten paar Wochen kaum mehr gemeinsame freie Tage. Wir nehmen aber nicht die Autobahn, sondern fahren über Land.

Natürlich verfuhren wir uns. Anstatt in einer halben Stunde, kamen wir nach einer Stunde Fahrt an... Das mit den Seitentaschen wurde leider nichts, dafür kauften wir eine Aktions-Tanktasche - also für vorne auf dem Tank, zwischen Fahrer und Lenkrad.

Es war inzwischen 20 Uhr, und Regenwolken zogen auf. Wir prüften, ob wir noch Benzin haben, und sahen, dass es noch hat. Wie lange es reicht, wussten wir noch nicht, wir haben ja noch kaum Erfahrungswerte. Der Vorbesitzer sagte uns, ein Tank reiche für 180km.... seit dem letzten Tanken waren wir 80km gefahren. Aber der Tank war schon ziemlich leer... wir beschlossen, auf der Rückfahrt sicherheitshalber irgendwo tanken zu gehen...

Wiederum wollten wir auf Hauptstrassen zurück, aber um die Stadt Bern zu umfahren beschlossen wir, für diesen Abschnitt die Autobahn zu benutzen. Ich in Jeans, und meine Leuchtweste hatte ich auch nicht dabei wie sonst immer wenn es regnerisch/dunkel wird... man ahnt, was jetzt kommt:

Mitten auf der Autobahn, auf der linken Überholspur, begann das Motorrad zu stottern und der Motor stellte bald ganz ab.... Pannenlicht gibt's ja nicht.... hinter uns brausen Autos und Lastwagen heran..... wir so "ähm.... mal irgendwie auf den Pannenstreifen rollen?!".... unversehrt kamen wir dort an, phu... was könnte das Problem sein???? Ein Schaden? Oder doch nicht etwa....... ...Benzin???? Es musste fast das Benzin sein...

Glück im Unglück: Wir befanden uns in der Nähe einer Ausfahrt, am Stadtrand. Es hatte zwar weit und breit keine Tankstelle, aber ich beschloss, mal loszulaufen, während Gianni beim Töff blieb.. Da wir keine FreundInnen mit Auto haben, wollte ich gerade einen Bekannten mit Auto anrufen (mit praktisch leerem Akku), ob er mich eventuell abholen könnte, und genau da hielt ein Auto neben mir an mit zwei Engeln: "Brauchst du Hilfe?"  - "äh ja, kennt ihr grad eine Tankstelle in der Nähe?" - ...sie sagten mir, ich solle einsteigen, und fuhren durch die halbe Stadt zu einer Tankstelle, die auch noch einen geöffneten Shop hatte, so dass ich auch einen Kanister kaufen konnte. Es hatte noch genau EINEN Kanister!!!! Mit zittrigen Händen füllte ich die 5 Liter rettendes Benzin hinein, ging mit zitternden Händen bezahlen (ich konnte kaum den Pin-Code meiner Karte eingeben, so sehr zitterte ich), und dann fuhren die zwei Frauen doch tatsächlich aus der Stadt heraus, um auf die Autobahn zu gelangen, so dass sie kurz darauf direkt vor unserem Motorrad halten konnten.

Wir füllten etwa 3 Liter Benzin in den Tank, die andern 2 Liter flossen daneben (das Verhältnis war wohl etwas besser, fühlte sich aber so an), und dann kam die Stunde der Wahrheit: .........und der Motor sprang an!!!!!!!!!!!!!!!!

Wir verabschiedeten unsere Retterinnen, fuhren los, und nahmen gleich die nächste Abfahrt, um volltanken zu gehen. Es begann zu regnen und es war dunkel. Ich kaufte somit auch eine Leuchtweste, und wir entschieden uns für die Autobahn: Wir wollten nur noch nach Hause. Im Regen fuhren wir die 30-40min nach Hause, ich in Jeans, aber egal, nur nach Hause.

Uff.. alles gut gegangen. Jetzt kennen wir wenigstens das Limit unseres Tanks.

Sonntag, Juli 27, 2014

Motorradreise durch die Schweiz

Wie die Jungfrau zum Kind kamen wir zu einem Motorrad. Mitten während des Abendmahls im Gottesdienst. Nur war das Motorrad ziemlich weit weg, und der ganze Papierkram musste auch noch erledigt werden. Gestern war es dann soweit. Am Morgen fuhren wir mit dem Zug in die Ostschweiz, kamen am Mittag an, und nach dem Bezahlen und einer Testrunde fuhren wir los. Es schiffte. Es regnete in Strömen. Es regnete wie aus Kübeln. Es regnete stark.


Ich war in Redding mal bei meinem Mitbewohner hintendrauf mitgefahren, aber hatte ansonsten keine wirkliche Motorraderfahrung. Gianni hatte zwar den Ausweis, war aber noch nie eine so grosse Maschine gefahren... Ich hielt mich fest an ihm, was bedeutete, dass bei jeder Gangschaltung, jedem Bremsen, und jedem Gasgeben mein Helm in seinen Helm hineinknallte. Also etwa alle 2 Sekunden.

Wir hatten Motorradkleidung von Bekannten geliehen/geschenkt bekommen, und diese vorher nicht mehr imprägniert, nein, warum auch..... hmpf. Auch hatten wir noch keine Töffschuhe. Nach dem ersten Kilometer war Gianni, vorne am Lenkrad sitzend, durchnässt. Meine Schuhe und Handschuhe waren getränkt. Nach einer Stunde sahen wir ein Einkaufszentrum: Unsere Rettung! Wir kauften Socken und fragten an der Kasse für vier kleine Plastiksäcke: Füsse trocknen, Socken an, Plastiksack darüber, und ab in die nassen Schuhe. Ich glaube, solche Tricks lernte ich auf dem Freakstock Festival... Für etwa 100km hielt es ganz gut. Ausserdem kaufte ich mir so Handschuhe, die man zum Abwaschen oder Putzen anzieht. Damit in meine durchnässten Handschuhe....

Weiter gings nach Winterthur, die vegane Haupstadt der Schweiz. Zuerst gingen wir veganen Döner Kebap essen, anschliessend in einem anderen Stadtteil vegane Brownies und sonstige Backwaren; es war herrlich.

Dann galt es ernst: Kurz nach Winterthur intensivierte sich der Regen massiv! Ich betete inständig, gebot dem Regen, bat darum, die Sonne sehen zu können, was zu diesem Zeitpunkt total utopisch schien. Wir fuhren vorsichtig, nur auf Haupstrassen, durch Käffer hindurch in einer Region, in der wir noch nie gewesen waren. Schliesslich liess der Regen nach und hörte zwischendurch fast auf. Unsere Füsse waren wieder nass und auch sonst einiges... Es war nun schon 18 Uhr. Unsere Rettung nahte in Form eines Altersheims: Plötzlich war da ein Schild an der Strasse: Café offen. Sofort deutete ich Gianni, dort einzubiegen. Der Parkplatz war bis auf zwei, drei Autos, leer, und ein Koch schaute uns aus dem Fenster nach. Wir wateten in den Eingangsbereich: Ahhh, Wärme! Trockenheit! Und sahen, dass das Café seit einer Stunde geschlossen war.... In einiger Entfernung sassen vier alte Frauen und beäugten uns.... aber grad um die Ecke waren Toiletten!!! Ein Geschenk Gottes!


Und wieder raus auf die Strasse... Inzwischen waren wir irgendwo im Kanton Aargau unterwegs, fuhren der hier riesigen Aare entlang, wieder im Regen, frierend, nass. Dann kam Aarau. Wir folgen den Schildern nach Olten, bis wir plötzlich ein "Bern"-Schild entdeckten, und dem folgten. Etwa 20 Minuten später waren wir plötzlich wieder im Stadtzentrum, wo wir uns schon zuvor verfahren hatten.... Nach einigen Runden mehr entschieden wir uns, diesmal den Richtungsangaben für "Luzern" zu folgen. Endlich schafften wir es aus der Stadt hinaus und lernten wunderschöne kleine Aargauer Dörfer kennen. Und plötzlich war da eine helle runde Scheibe zwischen den Wolken - die Sonne! Noch verdeckt durch grau, aber schon erkennbar als Sonne. Ich dankte Gott.

Inzwischen probierte ich mal aus, mich hinten am Sitz an extra Griffen festzuhalten. Ausserdem erfand ich Lieder und betete mal für dieses, mal für jenes.

Nach 6 Stunden Fahrt, als es schon fast am eindunkeln war, entschieden wir uns, uns nun auf die Autobahn zu wagen. Wir wollten nur noch nach Hause. Um mich motiviert zu halten, malte ich mir in meinen Gedanken aus, wie sich das heisse Bad zuhause anfühlen würde.

Die Autobahn war brutal: Bei 80km/h war der Gegenwind heftig! Zudem wir nun wirklich komplett durchnässt waren... Aber irgendwann kam unsere Ausfahrt, und ich reckte jubelnd meine Faust in die Luft. Nur noch durch das Stadtzentrum, zweimal abbiegen, und hinein in unser verheissenes Haus.

Das heisse Bad wurde dann nicht mehr Realität. Wir schafften es knapp noch, alles auszuziehen und aufzuhängen, Pizza zu bestellen, und fielen nach dem Essen erschöpft, aber glücklich, ins Bett.

Morgen wird das Fahrzeug noch geprüft, mein Lernfahrausweis kommt hoffentlich auch bald an, und dann gehen wir uns bessere Kleidung kaufen (oder Imprägnierspray) und fahren wieder los.

Mittwoch, Juli 09, 2014

TraumGebetRaum, Lachen und Weinen

Ich liebe es, zu beten, und trotzdem tue ich es fast nie. Natürlich bin ich ständig in Kontakt und Austausch mit Gott, einfach so "richtige" Gebetszeiten habe ich nicht mehr. Früher dachte ich, man muss sich einfach überwinden, das einbauen, früher aufstehen, es einplanen. Ist vielleicht auch so. Aber ich weiss es nicht. Ich merke, je langsamer und gedankenvoller ich etwas angehe, umso längerfristiger bleibt es dann. Auch hier gibt es natürlich keine Regel.

Ich glaube nicht an Leistung aus Schuldgefühl heraus. Es funktioniert, natürlich. Und es kann helfen, Freude bringen und ein Erfolgsgefühl. Aber es gibt einen besseren Weg. Ja, manchmal wird man wachgerüttelt, aufgewühlt, angefeuert, inspiriert. Aber manchmal muss etwas wachsen, und das passiert oft unter der Erde, im Winter, wenn nichts spriesst und blüht.

In mir dreht es sich um Frieden, um das Vater unser. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Heute morgen erwachte ich aus dem Traum, in dem Krieg herrschte und eine Familie auseinandergerissen wurde, und ich war mittendrin und schrie, nein, nein, trennt euch nicht auf, bleibt zusammen. Es war ein Traum und ich durfte daraus erwachen, mich an meinem Mann festhalten, bis es mir dämmerte, dass ich in meiner sicheren Schweiz lebe und Krieg hier unwahrscheinlich ist, aber in grossen Teilen der Welt ist mein Traum Alltag. Wir haben die Hoffnung, die Gott ist, sagte mein Mann. Aber wir sind Gottes Hände und Füsse, und was tue ich den ganzen Tag? Mich um meine Belanglosigkeiten sorgen, erwiderte ich, und Tränen strömten endlos über mein Gesicht, so dass ich kaum mehr reden konnte.

Aber ich bin im Besitz der Waffe des Gebets. Ich liebe den Begriff Waffe nicht, es muss einen anderen Ausdruck geben für das, was Gebet ist. Natürlich verstehe ich unter Gebet nicht, dass ich Gott anflehe, er möge Frieden bringen. Dazu fällt mir ein Cartoon ein, den ich mal auf Internet sah. Dort sitzt ein junger Mann auf einer Parkbank, neben ihm ist Jesus. Der junge Mann so: Jesus, warum um alles in der Welt lässt du all diese Kriege und das Elend zu? Jesus so: Lustig, genau das wollte ich gerade dich fragen.

Wir können mit Gott partnern. Er hat die Pläne und die Lösungen. Ich kann ihn fragen, was ich genau beten, freisetzen, aussprechen und tun soll.

Einmal sah ich den "Lach-Raum" im Himmel. Der Himmel ist ja riesig, der Lach-Raum hingegen war winzig klein mit einer kleinen Tür, einfach so ein Raum im All. Ich öffnete die Tür und innen war es vollgepackt mit Engeln, und die waren alle am Lachen. Es war SOOOOO lustig!!! Ich wollte nichts mehr, als mich auch noch hineinquetschen.

Ein anderes Mal war ich in einer Klasse über Soziale Gerechtigkeit, und wir hatten per Skype Unterricht von einer Pastorin und NGO-Leiterin. Sie erzählte uns, dass Gott ihr mal seinen "weeping room" gezeigt hat. Dort, wo Er hineingeht, und überall hat es Fenster, durch die er das ganze Elend der Welt sieht. Dort weint er dann. Soweit ich mich erinnere sagte sie, wir können die Welt nicht ändern, wenn wir nicht auch mal in diesen weeping room gehen. Ich dachte, niemals will ich dort hinein. Lieber in den laughing room, den ich schon kannte. Heute, zwei Jahre später, habe ich ein kleines bisschen weeping room erfahren, und es war schön, obwohl es schlimm war. Es hat mich die Liebe und das Herz Gottes erfahren lassen. Es hat mich feurig gemacht, zu beten, so dass ganze Kriegsgebiete in Lachgebiete verwandelt werden, irgendwann, irgendwann.

Ich will mich berühren lassen, ich lasse mich berühren, ich weine, ich schaue hin, und dann suche ich den Ort, wo Gottes Gegenwart ist, gerade hier, gerade bei mir, warte, bis ich mir seiner Gegenwart bewusst werde, sein Friede, seine Worte... die ich dann bete.