Dienstag, Oktober 13, 2015

Neues Leben

Meine Güte! 8 Wochen ist es her!
Schwierig, mit einer Hand Blogeinträge zu verfassen... die andere Hand hält:

GIOSUÈ Emanuele Kabod, geboren am Dienstag, 18. August um 6:16 Uhr bei uns zuhause.





Samstag, August 08, 2015

Umziehen, Einziehen: Nestbau und Windelsysteme

Zuerst musste ich packen... dann kam das Zügeln.. dann war alles in Schachteln.. ist immer noch.. besonders mein Computer-Ladekabel - irgendwo verschollen und noch in keiner Kiste aufgetaucht bis jetzt.. zudem hatten wir noch kein Internet, weil wir zur zufällig nach vielen Tagen herausfanden, dass der eine Telefonanschluss im Wohnzimmer gar nicht funktioniert, und wir einen anderen benutzen müssen. Aber JETZT hab ich zumindest das Ladekabel meines Mitbewohners ausleihen dürfen, hab somit wieder einen Computer, und auch Internet. Hallo Blog!

Seit letztem Mittwoch hat meine Hebamme Rufbereitschaft für uns. Das heisst: Das Baby dürfte theoretisch jeden Moment kommen, ohne dass wir notfallmässig ins Spital müssten. Der "Geburtstermin" ist in zweieinhalb Wochen. Aber was lernte ich über den Geburtstermin? Beachte ihn nicht. Das Baby soll dann kommen, wenn es soweit ist, ob das nun zwei Wochen vorher oder zwei Wochen nachher ist, oder irgendwann dazwischen.

Gestern dachte ich schon, es sei soweit. Ich war ziemlich aktiv, aber fand nicht, ich hätte übertrieben. Am frühen Abend fing es dann an mit den "Harten Bäuchen", den Übungswehen... aber dann kamen sie so häufig und regelmässig, eigentlich fast andauernd, und auch noch zum Teil schmerzhaft, dass ich mir nicht mehr sicher war, ob das noch eine Übung ist oder nicht.. Was mich sehr stresste!! Ich bin noch überhaupt nicht parat!! Innerlich nicht, aber vor allem von den Umständen her:

Zuerst will ich zumindest meine Kleider im Schrank haben, der erst noch aufgebaut werden muss. Die Bücherkisten sollen wenigstens bei den noch aufzubauenden Gestellen sein, damit es Platz gibt für den Wickeltisch. Und bis vor drei Tagen hatte ich die Babykleider, die ich bekommen hatte, noch nicht mal ausgepackt, geschweige denn gewaschen und (aus-)sortiert. Zudem: Wir haben noch gar kein Möbel für die Babykleider. Ich wasche sie also, und dann wohin damit? Inzwischen beschloss ich, ein anderes Möbel vorerst umzufunktionieren für Babysachen.

Dasselbe mit den Windeln: Aus ökologischen, gesundheitlichen und finanziellen Gründen wollen wir mit Stoffwindeln wickeln. Das bedeutet aber: Eine grosse Anfangsinvestition! Aber bereits beim zweiten Kind werden wir theoretisch NULL Franken ausgeben müssen fürs Wickeln. Nun, wir bekamen zwei Schachteln voller gebrauchter Stoffwindeln, zum Teil waren die schon für zwei Generationen benutzt worden. Sie sind weder fleckig noch stinken sie, aber sie sind deutlich benutzt. Dafür sind sie umso saugfähiger. Nichtdestotrotz ist dieses altbewährte System eher "klobig", gross,.. - unschön. Es gibt heute so wunderschöne, herzige und unterschiedliche Stoffwindelsysteme, dass man am liebsten grad alles kaufen würde.

Was also tun? Endlich hatte ich mal Zeit, mir alles in Ruhe anzuschauen. Alles uralte, das mich fast ein wenig grauste, sortierte ich direkt aus. Ich konnte aber zum Teil den Saugkern - häufig ein Gazetuch - rausnehmen und waschen. Das werde ich dann zusammen mit dem Neuen wiederverwenden. Anderes war zwar deutlich gebraucht, aber immer noch gut, praktisch, und perfekt kombinierbar mit neuen Überhöschen. Bloss sind sie zu gross für ein Neugeborenes. Unsere Kompromisslösung:

- Für den Beginn brauchen wir das "Faltwindelsystem": Das heisst, das Baby macht sein Geschäft auf eine saugkräftige Einlage - "Nuscheli", Baumwoll/Bambus/Hanf-Einlage. Diese Einlage wird ja dann nass und schmutzig. Sie ist also umhüllt von einem Überhöschen, welches alles Nasse drinnen behält. Wir hatten Plastik-Überhöschen erhalten, die schon seit gefühlt 1792 in Gebrauch waren. Weg damit! Wir bestellten uns nun für ein halbes Vermögen neue, die aber erstens viel besseres Material sind - angenehmer für alle - zweitens sehr hübsch und herzig aussehen mit ihren verschiedenen Mustern und Farben, und drittens sehr gut im Schnitt sind: Nicht so riesig und doch bequem und satt anliegend. Von diesen haben wir nun genug, bis das Baby so 4.5 kg. schwer ist. Für die Einlagen bestellten wir ein paar neue, aber benutzen vor allem all die Sachen, die wir bekommen hatten. Die wurden und werden alle noch von mir gewaschen und dann schön vorgefaltet.
- Wenn das Baby grösser ist - und es wird schnell 4.5kg erreicht haben - steigen wir um auf das "Höschensystem". Das sind fertige Stoffwindeln, von denen wir ziemlich viele erhalten haben und wohl keine oder nur wenige dazukaufen müssen. Über die kommen auch Überhöschen, die wir noch neu bestellen müssen, weil wir ja die grössere Grösse brauchen werden.  Danach sollten wir aber ausgerüstet sein, und da wir alles in neutralen Farben bestellen, werden wir es auch für die nächsten paar Kinder weiterbenutzen können!

Zudem werden wir probieren, auf die Zeichen des Babys zu achten. Merken wir, dass es mal muss, vor allem gaglen, ziehen wir die Windel aus und halten es über ein Töpfchen. Ich hab schon von einigen Bekannten gehört, dass es oft sehr gut funktioniert, und dass Neugeborene sich nicht gern entleeren, wenn sie dann darin liegen müssen. Das ist wie natürlich angeboren. Das in-Windeln-machen wird eigentlich anerzogen, und muss dann später wieder aberzogen werden. Wir werden's sehen! Aber je öfter das Abhalten funktioniert, desto weniger Windeln werden wir brauchen und desto weniger Wäsche haben.

Eine komplett neue Welt für mich, aber so langsam langsam beginne ich, mich damit auszukennen..

Dienstag, Juli 14, 2015

Die schnellste Kellnerin der Welt

Am Freitagabend gingen wir alle zusammen auswärts essen. Der Produzent nahm uns in dieses Untergrund-In-Restaurant irgendwo in Portland unter einer Autobahnbrücke, vollgepackt mit den unterschiedlichsten Menschengruppen: Familien mit Babies, tätowierten biertrinkenden Männern, verliebten Pärchen, Geburtstage,..  Wir waren eine Gruppe von 8 Leuten, und ich sass ganz am Rand, während unsere Konversation am entgegengesetzten Ende zentriert war. Somit musste ich mich immer richtig reinlehnen, um überhaupt etwas zu verstehen. Das gute daran war, dass ich viel Zeit hatte, das Restauranttreiben zu beobachten. Was mich als Serviceangestellte immer interessiert. Schon recht bald stach mir eine bestimmte Kellnerin ins Auge. Sie schien mehr eine Art "Unter-Kellnerin" zu sein, denn alles was sie tat, war, überall Wasser nachzuschenken (das ist Standard in praktisch allen Restaurants: Gratis Hahnenwasser) und leere Teller abzuräumen.

Sie schien extrem jung, vielleicht 17, aber das täuschte vielleicht auch, weil sie so klein und dünn war. Sie hatte lange, braune, leicht gelockte Haare, die zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden waren. Während alle anderen Kellner und Kellnerinnen herumliefen, bewegte sie sich in einer Mischung aus Rennen und Tanzen fort. Ihr Pferdeschwanz wippte wild auf und ab. Tanzen wohl deshalb, weil sie sich in Windeseile um entgegenkommende oder zu langsam ihr vorangehende Leute herumschlängelte.

Noch nie habe ich eine Kellnerin wie sie gesehen. Sie nahm ihren Job derart ernst, dass ich kaum meinen Blick von ihr abwenden konnte. Das Restaurant war recht gross und jeder Platz besetzt, mit einer Warteschlange draussen. Dennoch konnte ich kaum mehr als zwei Schluck Wasser trinken, bevor sie schon herangewippt kam, um nachzuschenken. Dies tat sie mit soviel Schwung, dass regelmässig ein grosser Gutsch Wasser daneben ging und das Tischtuch tränkte. Und wenn nicht, dann war das Glas wirklich bis zum obersten Rand voll. Ich übertreibe nicht! Ich schaffte es nie, das Glas halbleer zu trinken, so oft ich es auch versuchte, grad extra. Am Ende musste ich so dringend auf Klo, dass ich meine Versuche bereute.

Auch beim Abräumen war sie eine Wucht: Kaum hatte man die letzte Gabel voll in den Mund gesteckt, war die junge Dame schon zur Stelle und riss den Teller weg. Sie hatte auch keinerlei Hemmungen, direkt auf dem Tisch alles auf- und ineinanderzubeigen, was irgendwie leer aussah, und es dann auf ihre schon mit leerem Geschirr vollen Arme raufzubugsieren, so dass man Angst hatte, der Berg dreckigen Geschirrs würde gleich auseinanderbrechen. Aber sie schaffte es jedesmal. Meine Tischnachbarn wehrten sich.. Sie wollte ein praktisch leeres Weinglas abräumen - das Paar war noch mitten am essen - als die Frau es packte und zur Kellnerin sagte, es habe imfall noch einen kleinen Schluck drin. "Sorry". Die Frau zog die Augenbrauen hoch und sagte zu ihrem Partner: "She's going for it..!". Und kaum hatte sie den letzten Tropfen Wein getrunken, war die Kellnerin da und schnappte sich das Glas. Bevor sie wieder mit einem übervollen Krug Wasser heranbrauste und uns allen überfliessend und in atemberaubendem Tempo einschenkte.

Auch wenn dieser Text das Potential hat, sie lächerlich darzustellen oder zu übertreiben - nichts davon ist meine Absicht. Ich war einfach extrem fasziniert von ihr und konnte es kaum glauben. Ich glaube, ich habe noch nie jemanden schneller arbeiten sehen.

Als ich am Schluss so dringend auf Klo musste, und es nicht fand, war sie plötzlich neben mir und zeigte mir den Weg. Ich drehte mich um und strahlte sie an: "You are the most amazing waitress I have ever seen!"

Montag, Juli 13, 2015

Northwest is best

Amerika. Hin- und hergerissen bin ich in meinen Gefühlen. Wenn ich Zeitungsberichte lese über Polizeibrutalität und Gefängnisrealität hier, dann möchte ich nie mehr wieder hier einreisen. Aber wenn ich da bin und durch die Strassen laufe, Menschen hier begegne, möchte ich nie mehr wieder weg. Ich bin hier ja nie in derselben Realität wie diejenigen, die hier wohnen. Ich muss nicht arbeiten und verdienen gehen. Ich kann gemütlich ein paar Blocks rauflaufen und mir einen iced decaf soy latte kaufen in der lokalen kleinen Kaffeerösterei, und dann den ganzen Tag herumhängen, wenn ich will. Und das mache ich. Wann war das letzte Mal, wo ich so wenig gearbeitet habe? Es fühlt sich komisch an. Ein Kind zu wachsen ist in diesem Monat meine Hauptbeschäftigung. Und es wächst - der Bauch ist schwer geworden, ich kann mich nicht mehr auf meinen Knien aufstützen beim Sitzen, auf dem Rücken liegen tut weh, auf der rechten Seite liege ich dem Kind auf dem Kopf und es reklamiert, zudem rutscht dann das ganze Baby schmerzhaft in meine rechte Seite hinein und zieht alles mit sich. Auf der linken Seite geht noch am besten, aber mit der Zeit zieht es auch dort alles mit sich nach links, das Kind rutscht in die Mitte. Lustig, mal sowas zu erleben.

Von meinem Fenster aus sehe ich, wie ein obdachloser Mann die Mülltonnen nach Pfandflaschen und -dosen durchforstet. Was kann ich tun, was soll ich tun?

Ich schaue auf google maps nach, welche Gemeinden es in meiner Umgebung hat. Inzwischen bin ich nämlich ganz alleine hier. Zufällig entdecke ich eine Vineyard church, die erst noch sehr gut per Bus erreichbar ist. Im Bus sitze ich mit Leuten, denen es so egal ist, was andere von ihnen denken. Wie sie angezogen sind, wie sie ihre Haare tragen. 60-jährige Männer mit schulterlangem Haar und Bart, Jeans-Gilet und extravaganten Ketten, diskutieren, wie sie damals nach ihrem Gefängnisaufenthalt per Autostop herumgereist sind. Der Busfahrer ist auch Teil ihrer Unterhaltung. Ich ziehe am Seil, das innen an den Seitenwänden des Busses entlangführt. Der Bus hält an und ich steige aus.

In der church, die hier sehr klein ist, falle ich natürlich sofort als Neue auf und werde angesprochen. Am Ende des Gottesdienstes habe ich eine ganze Zeile neuer Freunde, die allermeisten davon sind über 60. Mit einem extrem herzigen Paar, das seit 56 Jahren verheiratet ist, gehe ich noch mittagessen.

Heute will ich es mal wagen, per Bus nach Portland zu fahren. Ohne Strassenkarte, ohne Internet unterwegs. Ich habe mir die wichtigsten Strassen mit Kugelschreiber in mein Notizheft gezeichnet und die Bus-Abfahrtszeiten. Am Abend werde ich packen und morgen abfliegen.

Grüsse aus dem Pazifik-Nordwesten!

Montag, Juli 06, 2015

Verrücktes Unternehmen als Musikerfrau

Die Worshipband meines Mannes, in der auch meine anderen beiden MitbewohnerInnen und zwei Freunde sind, ist gerade das Wunder am erleben, dass sie dank einem erfolgreichen Crowdfunding ihr zweites Album in den USA aufnehmen können. USA, weil ihr Wunschproduzent dort ein Studio hat und mit ihnen zusammenarbeitet. Gianni's Onkel wollte die Band auch unterstützen und ihnen seine vielen Flugmeilen abtreten, die er durch Geschäftsreisen gesammelt hat. Aber genau im Zeitraum, wo die Band fliegen musste, hatte es keine Meilentickets mehr. Also nutzte ich die Gunst der Stunde, und buchte einen Flug für mich... eine Woche später als die Band, und drei Tage nach der Band zurück. Kurz vor der Woche, ab der die meisten Fluggesellschaften keine Schwangeren mehr mitnehmen.

CRAZY!!!!

Unglaublich, Ende letztes Jahr spinnten wir mit der Band herum, wie krass es doch wäre, mit diesem Produzenten zusammenzuarbeiten. Wenn man unglaublich verrückt wäre, könnte man ihn ja mal anschreiben.. Und aus dieser ersten verrückten Kontaktaufnahme entwickelte sich dann so viel! Zuerst ein Skype-Coaching für's Songwriting, dann die Idee, ihn einzufliegen, und schlussendlich der Schritt aus dem Boot aufs Wasser, Geld zu sammeln, um die ganze Band nach Portland, Oregon, zu fliegen. Wir alle wussten, das geht nur, wenn es gehen soll, wenn Gunst dabei ist, wenn es übernatürlicherweise möglich wird. Und das Geld kam zusammen. Noch nie habe ich in so kurzer Zeit so viel Grosszügigkeit erlebt! Nur etwa 100 Personen brachten den Betrag zusammen, was ziemlich krass ist. Mehrere gaben 1'000.-, jemand 2'000.-, jemand gar 5'000.-, aber ich bin auch berührt von der Person, die 5.- gab, oder die vielen 25.- im CD-Vorverkauf.

Und jetzt sitze ich hier im Studio, höre den Song, dessen Entstehung ich in den letzten Monaten von Anfang an miterlebt habe, von der ersten Idee bis zu einem Entwurf für die Melodie. Wir brüteten über dem Text, zählten Vokale, die Autorin verschanzte sich stundenlang und probierte diverse Wörter, Zeilen aus. In der WG diskutierten wir über die Theologie gewisser Songs, daraufhin wurden manche Wörter ausgewechselt, anderes hervorgehoben. Heute wird der Song eingespielt. Nach dem ersten Durchgang tigert der Produzent im Studio herum.. "ok guys, let's try some things out". Er schlägt eine andere Gitarre vor, stellt Effekte ein, geht zum äusserst attraktiven Pianisten und studiert an der Notenfolge herum. Absolut faszinierend für mich, das mal live mitzuerleben. Ich merke, wieviel Arbeit hinter einer CD steckt oder stecken kann.

Und das Reisen als Hochschwangere? Ich musste mir selbst eine Thrombose-Prophylaxe-Spritze in den Oberschenkel jagen, was auf einem WC im Pariser Flughafen besser ging als erwartet. Dann stand ich zuhinterst in der Schlange für ins riesige A380-Flugzeug, als plötzlich eine Sicherheitsangestellte auftauchte: "are you pregnant? Come with me!". Ups, dachte ich, jetzt will sie mich interviewen, ob ich vorhabe, das Kind in den USA zu bekommen... aber nein, keine zwei Minuten später sass ich als eine der allerersten schon im Flugzeug, und der Flugbegleiter brachte mir sofort ein zweites Kissen, damit ich es zwischen Bauch und Gurt klemmen könne. Ich verbrachte die nächsten zwölf Stunden damit, unglaubliche Mengen an Wasser zu trinken, mindestens 10x die Toilette aufzusuchen und dort auf engstem Raum alle möglichen und unmöglichen Gymnastikübungen zu machen. Ausserdem schaute ich drei Filme, darunter "12 years a slave", in dessen Verlauf ich mehrmals Szenen vorspulen musste, weil es so schrecklich war, und an dessen Ende ich tränenüberströmt und in mein Taschentuch schluchzend dasass.

In San Francisco wartete schon mein Cousin, und fuhr mich in dreieinhalb Stunden nach Redding. Nach Hause. Ich musste fast weinen, und wollte nie mehr wieder weg. Freitagabend, direkt ins Bett, Samstag traf ich drei Freundinnen, es war der 4. Juli, Nationalfeiertag, am Abend ein RIESEN Feuerwerk, so liess ich es mir erzählen, ich hörte noch ein paar dumpfe Explosionen als ich ins Koma fiel. Die Band war inzwischen von Portland runtergefahren (7h). Sonntagmorgen: Gottesdienst in Bethel, wo ich bitterlich den Tod eines Bekannten beweinte, endlich beweinen konnte, der am Freitag in Deutschland beerdigt worden war.

Dann Mittagessen, Einkauf für die Reise, und eine 8-Stunden-Fahrt in den Norden. Als wir um Mitternacht ankamen, war ich so durch mit meinen Kräften, dass ich nur noch den Tränen nahe herumklagte, es wäre besser gewesen, ich wäre einfach in der Schweiz geblieben, und überhaupt war alles schrecklich, ich musste ständig auf Klo und hatte Rückenschmerzen. Heute Morgen sah dann alles anders auf, als ich als andere Person aufwachte :-)


Liebe Grüsse aus Portland!


Donnerstag, Juni 18, 2015

Eine Reise an die Aussengrenze und zurück

Malta. Bevor wir unseren Flug dorthin buchten, war mir ehrlich gesagt nicht 100% klar, dass das ein eigener Staat ist. Also schon. Aber irgendwie doch nicht wirklich?
Doch. Im Laufe der Zeit von unterschiedlichesten Gruppen, Kulturen, Religionen und Ländern besucht und besetzt, bis vor einigen Jahrzehnten dann britische Kolonie, ist Malta heute unabhängig. Landessprachen Maltesisch und Englisch. Maltesisch klingt wie arabisch mit einem süditalienischen Einschlag. Malta besteht aus drei Inseln: Malta, Gozo und dem kleinen Comino, das in der Mitte zwischen den beiden andern liegt. Alle drei nahe beieinander. Manche Gegenden Maltas sind zu Partyorten verkommen, England's Ibiza, billige Easyjet-Partyboot-Kompaktferien. An anderen Orten sind Abgeschiedenheit, wilde Natur und Ruhe zu finden. Ganz besonders auf Gozo. Dort ist alles etwas entspannter, einfacher, natürlicher. Was uns das Buchen einer Unterkunft einfach machte.

Der erste Tag in Malta war eher stressig. Nach dem Abholen des Mietautos, das nur so spottbillig zu haben war, weil wir uns gegen die 29 Euro pro Tag Versicherung entschieden (dafür das ganze Risiko trugen..), mussten wir uns erst einmal an den Linksverkehr gewöhnen. Zudem sind die Strassen in Zuständen, die ich bisher in Europa noch nie erlebt hatte. Auch ist innerorts, auf engsten, kurvigen Gässchen, zwar überall "SLOW" auf dem Boden markiert, aber dies immer gleichzeitig mit einem "60 km/h"-Geschwindigkeitsschild...  Wir fanden aber schlussendlich unseren Weg in den Süden der Insel. Ich wollte so nah wie nur möglich an Afrika ran. Wir fuhren durch so kleine Strässchen, zwischen einmeter hohen Mauern aus aufgeschichteten Steinen hindurch, dass unser kleines Auto links und rechts von Gestrüpp verkratzt wurde und wir durch die Schlaglöcher richtig durchgeschüttelt wurde. Mir war noch Tage danach übel. Irgendwie erreichten wir den südlichsten, allersüdlichsten Punkt der Hauptinsel. Praktisch kein Punkt Europas - ausser einer kleinen, unbekannten griechischen Insel - ist so nah an Afrika dran wie der Fleck Erde, auf dem wir standen. Ich schaute aufs Meer und wusste, irgendwo da draussen treiben vermutlich jetzt gerade hunderte von Flüchtlingen, ohne Trinkwasser, ohne Nahrung, Männer, Frauen, Kinder. Schwangere. Mit kleinen Bauchbabies, so wie meins, das gerade kickt. Wir verbrachten eine Zeit damit, zu beten, Busse zu tun, auch stellvertretend, und Segen auszusprechen.



Am Abend befanden wir uns schon auf Gozo, ganz im Norden. Wir hatten eine kleine, einfache, und nicht ganz saubere Einzimmerwohnung zur Verfügung, mit einer einzigen verbeulten und verbrannten Pfanne, deren Stiel fast abfiel. Aber wir waren froh, hier sein zu dürfen, kochen zu können, uns erholen zu können. Mein erster richtiger Urlaub seit 2004, als ich in Korsika war, oder 2006 in den USA. Gut, dann nochmal eine Woche in Polen. Anyway.

Jeden Tag nahmen wir es gemütlich. Meist verliessen wir die Wohnung erst am Nachmittag. Wir wollten nicht stressen, um möglichst alles anschauen zu können. Lieber genug schlafen, ausgiebig frühstücken, versuchen, ein offenes wifi von einem Nachbarn zu erwischen, uns überlegen, was wir heute tun möchten. Wir besuchten steile und adrenalinauslösende Klippen, wo ich meine Serie "Pinkeln mit bester Aussicht" weiterführte (bisher: Blick auf den Pazifik in Kalifornien, und Blick von der Alp in den Nationalpark im Graubünden).


Wir besuchten DIE Touristenattraktion der Insel, die wirklich äusserst schön war. Besonders schön war, dass dort nichts ausgeschildert war; man musste über schroffe Felsen klettern, halb durch Wasser waten, und nirgends gab es Zäune oder Warnhinweise. Herrlich. Gleich am nächsten Tag kauften wir uns so Wasserschuhe, die absolut beste Investition für diese Insel, auf der es nur gerade drei kleine Sandstrände gibt.

 Noch ohne diese Schuhe entdeckten wir auch per Zufall eine abgelegene, klitzekleine Bucht, nur durch runterklettern erreichbar. In Flipflops wateten wir ins stille und klare Wasser hinein, immer am aufpassen, nicht auf einen Seestern zu treten. Magisch. Dann ging Gianni schnorcheln und ich beobachtete für die nächste Stunde, wie Vogeleltern abwechselnd Futter zu ihren Jungen im Nest brachten. Faszinierend.

Auch nach Comino gingen wir, das sei ein absolutes Muss, dort gäbe es eine blaue Lagune, unvergleichlich schön. Ok, sie war wunderschön. Aber vollllller Touristen. Man sass sozusagen übereinander in der prallen Mittagssonne. So suchten wir uns ein Plätzchen abseits, aber die Bucht war voller grosser Partyboote, auf denen billige Technomusik lief und halbnackte Teenager tanzten, grölend und irgendwas trinkend. Von all diesen Atmosphären hatte ich irgendwann so genug, dass wir das nächste Boot zurück nach Gozo nahmen. Ich war total frustiert ob dieser Zeit- und Geldverschwendung. Zum Glück fanden wir danach einen ganz kleinen Strand, auf dem ich die Ruhe und den Frieden richtig spürbar aufsaugen konnte. Etwas Gutes hatte der Ausflug nach Comino jedoch. Eigentlich wollten wir vor dem grossen Ansturm schon am Vormittag hinfahren. Schliesslich wurde es aber 13 Uhr. Auf unserem Boot mit etwa 20 Plätzen waren aber nur 4 Leute. Wasser spritzte rein, somit setzte ich mich auf die andere Seite neben eine fremde Frau, und wir kamen ins Gespräch. Es war nur eine 10-minütige Überfahrt, aber ich erfuhr, dass sie aus New York hierhergekommen war, weil sie gerade ihre Chemotherapie beendet hatte und Erholung brauchte. Auf Comino angekommen verabschiedeten wir uns, und ich sagte ihr noch so "..and no more cancer!!". Darauf sie so, nun, ihre Art Krebs sei unheilbar, und jede Therapie sei höchstens lebensverlängernd, aber sie habe maximal noch 10 Jahre, wenn's gut gehe. Es sei Blutkrebs, somit bestehe sie eigentlich aus Krebs, haha, tja.. Eine riesen Bitterkeit war zu spüren. Wir waren zu dem Zeitpunkt schon auf einem engen Pfad inmitten von hunderten von Touristen eingepfercht.  Ich fragte sie, ob ich jetzt gleich für sie beten könne. Sie bejahte und sagte, gerade vor zwei Monaten habe sie sich taufen lassen!! (Vor drei Monaten bekam sie die Diagnose). Ich legte ihr die Hand auf die Schulter und betete, setzte die Heilkraft ihres Schöpfers frei, befahl dem Krebs, zu gehen. Dann verabschiedeten wir uns, beide tief gerührt, also jedenfalls ich, aber ich glaube, sie auch. Wow... Susann heisst sie..


In der Hauptstadt gab es einen Bioladen, dort deckten wir uns mit tonnenweise Gemüse und Früchten ein. Ausserdem kauften wir uns ein Tupperware, und kochten somit jeden Vormittag für uns, brachten dann das Essen mit und assen es irgendwo unterwegs. Super.

Gegen Ende unserer Zeit lief uns eine Hündin zu, die herren- und obdachlos zu sein schien. Sie brauchte weniger Nahrung/Wasser, aber vielmehr Zärtlichkeit und Liebe. Dies versuchten wir ihr so gut wie möglich zu geben... ..ohne dass wir sie richtig aufnehmen konnten. An unserem letzten Tag verbrachten wir Stunden damit, ein Tierheim ausfindig zu machen. Inklusiv Besuch bei der Polizei, was wirklich amüsant war, da vor uns am Schalter ein älterer Mann zusammen mit dem Besitzer eines Brillengeschäfts war, und die beiden vor dem Beamten ihre unterschiedlichen Standpunkte vorbrachten, wer jetzt wem warum 380 Euro schuldet. Das Tierheim fanden wir, aber es waren nur Hunde dort, die laut bellten, kein Mensch weit und breit, also mussten wir wieder abziehen. Zum Glück fanden wir dann heraus, dass unsere nette Nachbarin die Hündin auch entdeckt hatte und ihr sogar regelmässig Futter brachte, und sie kontaktierte dann das Tierheim. Es ist zur Zeit voll, und das Risiko ist natürlich, dass sie die Hündin, sollte sie nicht adoptiert werden, irgendwann einschläfen werden. Was wir alle nicht wollten! Hmm.. was ist besser? Sie auf der Strasse lassen und gelegentlich füttern? Oder Tierheim mit dem Risiko, dass sie irgendwann getötet wird? Schwierig... Gianni und ich würden sie liebend gerne adoptieren. Es ist immer noch eine Option. Einfach nicht jetzt gerade, kurz vor unserem Umzug, kurz vor dem Baby,......

Auf dem Rückweg zum Flughafen landeten wir total zufällig in einer historischen, touristischen kleinen Stadt. Und wer kam gleichzeitig mit uns an, mit einem Tross von etwa 20 schwarzen Limousinen und Kastenwägen, vielen Polizeiautos und zuhinterst einer Ambulanz mit Blaulicht, dazu unzähligen Polizeimotorräder? Der Sekretär der kommunistischen Partei Pekings, also einer der absolut mächtigsten Männer Chinas. Wow. Er lief zweimal etwa 2m vor mir vorbei, mit einer ganzen Schar von chinesischer Delegation, Übersetzern, maltesischen Politikern, Sicherheitsleuten, Journalisten, Stadtführerinnen,.... eindrücklich.

Die berührendste Begebenheit aber hatten wir zurück in der Schweiz. Ich wollte ja vor allem auch nach Malta, weil mich die Schicksale der Flüchtlinge so berühren, die ihr Leben riskieren, um nach Europa zu gelangen. Auf Malta konnte ich beten. Ich sah auch MigrantInnen, aber hatte keine wirkliche Begegnung mit ihnen. Zurück in der Schweiz fuhren wir von Zürich nach Bern. Der Kontrolleur kam, und die Frau vor uns im Abteil hatte kein Billet. Auch keine Papiere zur Identifikation. Und an Geld nur 10 Euro. Spätestens da wurde mir klar, um was es wahrscheinlich geht... sie war schwarzer Hautfarbe, hatte an Gepäck nur eine kleine Tasche bei sich. Sie war etwa 25-30 Jahre alt und reiste allein. Der Kondukteur verhielt sich extrem respektvoll, ehrend und so menschlich wie auch professionell. Er müsse wohl in Bern die Polizei beiziehen, da sie sich nicht ausweisen könne und keine Schweizer Adresse habe, ob das ok sei für sie? Sie nickte. Gianni und ich beratschlagten währenddessen und ich ging dann zum Kondukteur und fragte ihn leise, ob wir nicht ihr Ticket plus die Busse bezahlen können. Er sagte sofort, das sei super, somit sei nämlich das Thema erledigt und die Busse würde er nicht berechnen. Ahh! Er ging zu ihr und erklärte ihr die neue Situation, und fragte sie, von wo bis wo sie reise. Sie sagte, sie sei aus Italien gekommen. Und wohin fahren Sie? Sie zuckte mit den Schultern. Sie wisse nicht, wohin. Wow. Der Kontrolleur kam dann zu uns und sagte, in dem Fall sei es wohl auch für sie das beste, wenn er sie der Polizei übergebe. Somit käme sie in ein Erstaufnamezentrum und habe zumindest einen Ort, um sein zu können. Wir stimmten mit ihm überein, auch wenn uns ihr Schicksal zutiefst berührte und wir sie am liebsten einfach zu uns genommen hätten, aber wir haben ja nicht mal ein Gästezimmer. So setzte ich mich danach noch zu ihr, hiess sie herzlich willkommen in der Schweiz, und sagte ihr, dass Gianni und ich ihr alles Beste wünschen hier, dass es ihr gut ergeht bei uns, und Gottes Segen. Sie begann zu weinen, ich auch fast, und dann kamen wir auch schon in Bern an. Ich möchte gar nicht daran denken, was sie schon alles durchgemacht haben muss, bevor sie in Bern landete.

So reisten wir an die Aussengrenze Europas und die Grenze reiste dann mit uns zurück ins Herzen der Schweiz, wo sie ebenso existent ist, wo aber auch Berührungen von Menschen unterschiedlichster Herkunft und Geschichte jederzeit möglich sind.

Merci für's Lesen!

Sonntag, Juni 07, 2015

Wenn es still ist innen

Seit einigen Wochen fühle ich richtig gut, wie sich das Baby im Bauch bewegt. Ich weiss zwar nie, war das jetzt ein Tritt, ein Boxschlag, oder Schluckauf? Das komischste ist, wenn es sich irgendwie dreht. Dann macht die halbe Bauchdecke Wellenbewegungen. Ganz am Anfang begann ich das Baby dann zu spüren, wenn ich ruhig im Bett lag oder im Zug sass. Auch später hatte es dann am meisten Party, wenn ich mich hinlegte. Oder halb im Verlauf einer Mahlzeit. Oder nachdem ich meine Blase entleert hatte.

Gerade darum genoss ich es immer, mich abends ins Bett zu legen und das Schauspiel zu geniessen. Zu connecten. Ein bisschen zurückzudrücken. Versuchen, herauszufinden, wie es gerade liegt. Wobei ich einfach nur wusste, hier ist "Baby", aber nicht unterscheiden konnte zwischen Po, Kopf, Rücken, Fuss,...

Am Freitag, als ich von der Hitze erschlagen im Bett lag, fiel mir auf, dass ich es sehr wenig spüre. Auch am Freitagabend, als ich zuerst eine richtig hammerfeine Falafel ass, dann auf eine Party ging und mich später hinlegte, spürte ich es sehr sehr wenig. Am Samstag arbeitete ich (draussen) und spürte es dann auf der Heimfahrt im Zug wider Erwarten gar nicht, und komischerweise auch nicht, als ich daheim ein kühles alkoholfreies Bier trank. Auch nicht, als ich ins Bett ging. Auch nicht, als ich leicht nervös wurde und tief in meinen Bauch drückte und das Baby "schüttelte" und mich halb auf den Bauch legte... ok, bei letzterem reklamierte es ein bisschen. Aber nicht so wie sonst, wenn es stüpft, wenn ich schon nur ein Buch auf dem Bauch abstütze. Hmmm... ich war ein bisschen beunruhigt, aber schlief dann ein.

Am Sonntag ging es grad so weiter. Ich erwachte früh - nichts - rannte auf den Zug - eine Stunde Zugfahrt lang nichts - lief zur Arbeit, trank dort extra einen kalten Orangensaft - nichts. Ich schüttelte meinen Bauch, liess eine Klingel vor dem Bauch läuten, ging auf Klo.... nichts. Langsam machte sich Panik breit. Aber ich musste anfangen, zu arbeiten.

Im Verlauf des Vormittags arbeitete ich viel und musste schnell sein, aber in mir drin war ein Kampf. "Ruhig bleiben, vertrauen" - "aber was wenn etwas ist??? Hab ich was falsch gemacht?" - "Nicht mit Angst partnern, Gott vertrauen, meinem Körper und Baby vertrauen" - "soll ich ins Krankenhaus? Was, wenn es dann Kaiserschnitt gibt?"  etc. etc.

Schliesslich hatte ich genug und rief meine Hebamme an. Die riet mir, es zeigen zu gehen, vor allem, da ich morgen in die Ferien fahre! Also rief ich auch noch im Spital an. Die sagten auch, ich solle baldmöglichst vorbeikommen, einfach zur Sicherheit. Ich musste aber noch meine Schicht fertig machen, schliesslich war ich allein in der Küche, meine Vertretung weit weg, und draussen 40+ Gäste am brunchen.

Ich schwankte zwischen Ruhe und Zuversicht und Tränen in den Augen mit Panikanflug. Die netten Servicefrauen halfen mir dann beim Verräumen, so dass ich kurz nach Brunchende schon im Zug nach Bern sass. Kaum im Spital angekommen, begann das Baby, sich zu bewegen. Was mich nicht erstaunte. Das passiert mir ständig, solche Arztbesuchgeschichten. Es folgte ein kurzer Untersuch, ein Gespräch und ein CTG, wo während einer halben Stunde die Herztöne und eventuelle Wehen aufgezeichnet wurden.






Alles ok! Es gab auch noch einen Ultraschall, wo auch alles ok war. Es könne die Hitze sein, oder einfach eine Phase, oder es hat sich gedreht und ich spürs deshalb weniger. Uff! Ich hatte zwar schon gedacht, dass wohl alles in Ordnung sein würde, war dann aber schon sehr beruhigt. So kann ich jetzt guten Gewissens in die Ferien fliegen! Mittelmeerinsel, wir kommen!

Mittwoch, Juni 03, 2015

Auf Pünktlichkeit abfahrende Gäste und pünktliche Fahrgäste

Der Sommer ist ja ausgebrochen. Dementsprechend verändert sich auch der Mittagsservice, und man muss einfach dran sein, dran sein, dran sein. Das Telefon läutete zwei Stunden lang durch, zwei Stunden lang liessen wir es läuten, nachdem ich es um 12.05 noch kurz beantwortet hatte, weil ich dachte, vielleicht will ja noch jemand reservieren (wir hatte noch einen freien Tisch). Aber nein. Am anderen Ende hiess es: "Ja, hallloooo?!?! Hier ist X.Y. aus Dööitschland, und ich hätte da mal ne Fraaaage" - "äh, ja?" - "Hätten Sie vielleicht noch ein Doppelzimmer frei für am Samstag?" (Wir sind seit Wochen ausgebucht) - "Ich muss Sie enttäuschen, nein" - "Ach so, schaaaaade. Hmm. Tja. Also, dann auf Wiederhören".  Danach liess ich das Telefonläuten Telefonläuten sein und kümmerte mich ums Servieren und Abräumen der Speisen und Getränke.

Und wie das so ist, wenn man zu zweit ist und 35 Gäste hat, draussen im Garten und drinnen auf zwei Räume verteilt, gibt man sein bestes und es ist trotzdem nicht gut genug. So sehr ich auch am 5er Tisch drinnen den Damen Rotwein nachschenken will, immer läutet gleichzeitig grad die Küche und heisse Teller müssen schnellstmöglich nach draussen getragen werden - am besten noch zuhinterst in den Garten. Und dann auf dem Rückweg - diesmal aber wirklich zu den Damen - laufe ich an drei Tischen vorbei, die leer gegessen haben und mich um einen Espresso und die Rechnung bitten; sie müssen wieder arbeiten gehen. Und dann, als ich endlich verschwitzt zu den Damen hetze, haben sie schon selbst nachgeschenkt... Jedenfalls bestellen sie dann auch noch Dessert und Espresso - aber bitte den Espresso ZUM Dessert!! Und zwar NUR ZUM Dessert, sonst will ich keinen!
Ich lege also die Dessertbestellung zusammen mit drei anderen in die Küche, und bereite hinter der Bar schon mal die Unterteller, Kaffeerahm und Zucker vor, und decke den Frauen das Dessertbesteck. So kann ich, wenn die Küche läutet, nur noch das Süsse servieren und dann gleich die Espressi rauslassen. Während ich wohlgemerkt 30 andere Leute, die dasselbe wollen oder zahlen müssen, warten lasse. Die Küche läutet, 7 Desserts stehen bereit, meine Kollegin bringt vier davon zu den Damen, während ich die Espressi in die Tässchen laufen lassen. Und ja, man ahnt es: Eine der Frauen ist so nervös, dass ihr Espresso nicht zeitgleich MIT dem Dessertschälchen vor sie hingestellt wird, dass sie bei meiner Kollegin "ich nehm noch einen Espresso dazu" bestellt. Zum Glück merken wir es beide. Ich bin ein bisschen eingeschnappt, ehrlich, bringe ich doch keine 10 Sekunden später den Espresso zu ihr! Und so kann ich es nicht lassen, nach einer halben Minute nochmal zur Frau zu gehen und zu fragen "entschuldigung, Sie haben bei meiner Kollegin nochmal einen Espresso bestellt; möchten Sie wirklich zwei?".

... ups ... vielleicht nicht das unkindischste Verhalten, aber ich fühlte mich danach besser.

Apropos unkindisch. Zugfahren ist manchmal bereichernd, belustigend, berührend, oder aber nervig. Zum Beispiel, wenn schon morgens um 5.30 Uhr jemand soo laut Musik hört - schon mit Kopfhörern, aber das nützt nichts - und zwar erst noch irgendwas ganz nerviges um diese Uhrzeit, wie Heavy Metal oder AggroRap (frauenfeindlich) oder geschmacklosen Techno - dass ich dazu gezwungen bin, selbst auch Musik zu hören, obwohl ich sonst einfach gern noch den Morgen geniessen möchte. Oder aber Zug fahrende Teenagergruppen. Wie heute: Drei Teenager in einem Abteil. Keine Ahnung, warum die so laut reden müssen. Dazu furzen und rülpsen sie noch regelmässig laut. Und spielen irgendwelche "lustige" Videos von ihren Handys ab, auch in einer Lautstärke, dass es jeder im ganzen Zug mitbekommt. Bloss, dass ich nicht irgendwo im "ganzen Zug" sitze, sondern direkt hinter ihnen. Vier lange Stationsabstände lang werweise ich hin und her, ob ich was sagen soll, oder nicht. Und wenn ja, was. Und falls sie in irgendeiner frechen Art reagieren, wie ich mich dann verhalte. Als ich mich endlich dazu durchringe, sie vielleicht einfach nett zu bitten, die Videos leiser zu stellen, steigen sie aus. AAAAAAAHHHHHHHHHHHH!!!!!!!!

Zum Abschluss noch was schönes, das auch mit Zugfahren zu tun hat. Meistens komme ich mit dem 18-Uhr Zug von der Arbeit nach Hause. Aus diesem Zug steigt auch immer eine dunkelhäutige Frau aus, die dann immer oben an der Treppe von ihrem etwa dreijährigen dunkelhäutigen Sohn und ihrem weissen Mann erwartet wird. Der Sohn freut sich immer soooooooooooooo fest, als habe er sie ein halbes Jahr lang nicht gesehen. Der Mann freut sich auch immer. Und die Frau sieht zwar müde aus, scheint sich aber auch richtig zu freuen. Diese Szene bringt mich jedesmal zum Lächeln und macht mich ganz froh. Und nun das beste: Diese Familie ist in unser Haus eingezogen! In die unterste Wohnung. Und da wir direkt neben dem Bahnhof wohnen, sah ich heute Sohn und Vater am Fenster kleben, als die Mutter und ich zum Hauseingang liefen, und kaum war die Haustür auf, standen die beiden auch schon in ihrer Wohnungstür und strahlten um die Wette. Einfach herrlich. Bloss schade, dass ich in zwei Monaten wegziehe. Aber bis dahin werde ich die Szenerie bestimmt noch häufig geniessen dürfen.

Donnerstag, Mai 07, 2015

Fallen in Zürich

Heute war ich an einer Lesung in Zürich. Lydia Davis. Ich kannte sie überhaupt nicht, aber war sofort hin und weg von ihr als Person und von ihrem Schreiben. Da ich aber morgen Abgabetermin habe und ausserdem abends schnell müde bin und die Reise von Zürich bis nach Hause doch noch dauert, hatte ich schon im Voraus ein Sparbillet gekauft. So musste ich früher raus, und mit mir zwei andere. Wir hatten uns geschickt in der Nähe der Tür platziert.

Zwei Minuten, bevor wir unseren stillen Abgang geplant hatten, stand plötzlich eine Frau in der Mitte des Raumes auf, lief schnell nach vorne und öffnete die Tür, ohne auch nur zu probieren, leise zu sein. Die Frau verschwand aus meinem Blickfeld, die Tür aber öffnete sich vollständig und schlug gegen den Kassentisch, der draussen stand. Man hörte einen dumpfen Knall und Plastikbecher auf den Boden fallen. Die vorderste Reihe blickte mit erschrockenem Gesicht und teils mit der Hand vor den offenen Mund gedrückt zur Tür hinaus. Die Schriftstellerin hatte das Gesicht verzogen und biss sich auf die Unterlippe. Die Organisatorin stürzte hinaus. Hinter ihr der Mann der Frau, und er sagte "es ist ihr schlecht geworden". Die Tür schloss sich.

Wir waren alle still, und die auf der Bühne - der Moderator, die Autorin und die Schauspielerin, die die Texte auf deutsch las - wussten nicht, was machen. Da stand noch einmal ein Mann auf und eilte nach draussen. Vielleicht war er Arzt. Eine Zuschauerin rief in schlechtem englisch der Autorin zu, das sei jetzt wieder so eine Geschichte aus dem Leben, die sie, die Autorin, nun schreiben könne. Miss Davis verstand es akkustisch und wegen dem starken Akzent nicht, so dass die Frau es dreimal wiederholen musste, bevor sie dann sagte "sorry, it's a bad joke". Ein paar Leute lachten verschämt. Die Schauspielerin begann, weiterzulesen.

Und genau das war der Moment, in dem wir wirklich gehen mussten, wollten wir den Zug nicht verpassen. Einen dooferen Moment, um unauffällig rauszuschleichen, hätten wir uns nicht aussuchen können. Ich spürte die Blicke des ganzen Saales inkl. Bühne in meinem Rücken. Draussen lag die Frau auf einem Sofa, die Beine hochgelegt, bei Bewusstsein. Wir rannten still die Treppe hinunter, drei Stockwerke, bevor wir draussen die Anspannung bei Lachen und mehrfachem lautem Aufpusten loswurden. Dann erwischten wir den Zug und alles wurde gut.

Übrigens war auch ich heute in Zürich umgefallen. Ich war im Tram, hatte keine Ahnung, wo genau ich war, irgendwo auf einem Hügel. Ich wusste nur, dass ich bei der nächsten Haltestelle aussteigen musste. Das Tram war voll, ich sass und ass einen Apfel, vor mir standen Studenten und sprachen italienisch zusammen. Das Tram fuhr um die Kurve und die Haltestelle kam plötzlich in Sicht, ja, sie war schon da. Schnell stand ich auf, wollte zur Tür, die Studenten sahen das nicht und standen im Weg, das Tram stoppte abprupt, ich musste nach hinten ausweichen, aber hinter mir war ein Treppenabsatz - - - - - dieser Moment folgte, wo man in Schräglage ist und weiss, jetzt falle ich dann grad und ich kann nichts mehr machen. Dazu kam noch, dass ich unbedingt aussteigen wollte, dass ich nicht vor Publikum fallen wollte, dass ich bereits Rückenschmerzen hatte, dass ich das Baby im Bauch beschützen wollte, dass mein Computer im Rucksack war... - BÄM! War ich auf meinem Rücken bzw. Rucksack und Rücken gelandet, mitten im Tram, das nun angehalten hatte und dessen Türen sich bereits wieder am schliessen waren. Ich rappelte mich auf, so gut es ging, die Studenten hatten sich erschrocken umgedreht, ich sagte "Sorry!", ging zur Tür hinaus, biss in meinen Apfel als ob nichts passiert wäre, und sah mein Anschluss-Tram davonfahren. Mein Rücken schmerzte extrem und ich sah mich schon mit Blutungen auf der Notfallstation enden. Aber nur kurz. Dann erholte ich mich wieder.

Zürich und ich. Werden wir wohl jemals Freundinnen? Vor zwei Jahren hatte ich einen bösen Skateboard-Unfall gehabt in dieser Stadt, auch vor Publikum.... Naja, besser als an einer Lesung ohnmächtig zu werden.

Samstag, Mai 02, 2015

Alles illegal

Kennst du das? Du hörst jemanden etwas sagen und bist dir dann nicht sicher, ob du dich jetzt grob verhört hast, oder ob die Person das wirklich gerade gesagt hat.

So kürzlich geschehen als ich in ein Einkaufszentrum hineinlief: Vor mir eine Angestellte und eine Kundin, beide halten ein Kosmetikprodukt in den Händen. Gerade, als ich vorbeilaufe, meint die Angestellte zur Kundin: "Also, es ist völlig illegal, welches der beiden Sie nehmen. Vom Geschmack her würd ich sagen...."  -  hat sie das wirklich grad gesagt? Illegal statt egal? Ich bin mir SICHER, dass es so passiert ist. Aber das glaubt mir ja keiner...

Herzig auch meine Arbeitskollegin, die noch fleissig am deutsch lernen ist: "Der Schlussel ist bei den Versicherungen" (Sicherungen)

Und mein Schwager, der eine Zeitlang regelmässig davon gesprochen hat, dass er "fröh" sei. Froh vs. fröhlich - ist ja wirklich verwirrlich.

Mein Italienisch steht dem sicher in nichts nach. Schon nur "cugina" (Cousine) und "cucina" (Küche) - ich glaub, ich spreche beides etwa gleich aus, oder immer grad so, dass es das andere heisst.

Wenn man einander gut gesinnt ist und Missverständnisse mit Humor nehmen kann, dann sind eigentlich alle Sprachbarrieren illegal.

Donnerstag, April 30, 2015

Vorbereiten vs. Loslassen, oder Vorbereiten = Loslassen (Ängste loslassen)

Nun hat die 24. Schwangerschaftswoche angefangen. Schon die letzte Woche des 6. Monats. Ich spüre das Baby immer stärker und immer häufiger. Noch ist es ein eher angenehmes Zappeln und stupsen - ich habe schon von anderen gehört, dass es später sogar schmerzhaft werden kann. Ein Babybauch existiert und manchmal spüre ich ihn stark (Treppenlaufen, auf den Zug rennen), aber handkehrum vergesse ich manchmal immer noch völlig, dass ich schwanger bin.

Neun, beziehungsweise zehn Monate Schwangerschaft sind eigentlich eine lange Zeit. Fast ein Jahr... Und nun bin ich schon gut über der Halbzeit..


Nachdem ich auf sozialen Medien dieses Foto von all meinen Schwangerschafts-, Geburts- und Eltern-Büchern veröffentlichte, hörte ich von verschiedenen Seiten, ich solle vor allem auf meinen Körper hören und nicht so sehr mit dem Kopf wollen (= lesen). Hmm.. ich verstehe diese Einwände, finde es aber schade, wenn mir aufgrund eines Fotos unterstellt wird, ich würde Dinge kontrollieren wollen. Anyway. Sorry. Das musste raus.

Es geht mir nicht darum, perfekt vorbereitet zu sein. Sondern darum, gut informiert zu sein, und zwar von der Seite, die Schwangerschaft und Geburt nicht als Risiko und potentiell gefährlich ("man weiss nie, was passieren kann") ansieht, sondern als natürlich und gut von der Natur eingerichtet. Ja, Tiere lesen keine Bücher und gebären trotzdem problemlos, aber die hören auch nicht von allen Seiten Horrorstories, so dass sie schon Angst vor der Geburt haben, Jahre bevor sie überhaupt ans schwangerwerden denken....! Alles, was ich über Geburt wusste (bevor ich ein Buch dazu auch nur von weitem angeschaut hatte) war, dass es sich um schier unerträgliche Schmerzen handelt, wo man sterben will oder NIE MEHR ein Kind zeugen, wo man schreit und meistens eine Leitung ins Rückenmark gelegt haben will, damit die Schmerzen weggenommen werden. Jetzt, nach einiger Lektüre, weiss ich, dass hauptsächlich Angst und Stress Schmerzen verursacht, da Angst und Stress den Körper verkrampfen lassen, und versuch mal, verkrampft und gestresst schon nur eine Nummer 2 auf dem WC rauszulassen, geschweige denn ein Kind zu gebären! Das hängt übrigens beides zusammen, ist derselbe Schliessmuskel. Es ist vielleicht TMI (too much information), aber eine Atem- und Entspannungstechnik, die ich in einem Buch gelernt habe, übe ich schon jetzt auf dem Klo, und es ist also erstaunlich!!!!, wie man von mühsam zu ohne Aufwand gelangen kann, bloss durch atmen und sich etwas vorstellen.

Ich bin mir sehr wohl bewusst, dass eine Geburt sich wahrscheinlich viel anders anfühlen wird, als ich es mir vorstelle, und auch, dass es Schmerzen - auch schlimme - geben kann. Aber ich bin enorm froh, auf eine Geburt zugehen zu können im Wissen, dass ich das kann - ich wurde dazu geschaffen!

Mittwoch, April 22, 2015

So Gott will und wir leben / oder: Gott will - wir leben / oder: Wir leben - Gott will

Gottes Wille
Der Wille Gottes
So Gott will
Inscha'allah

So grob gibt es wohl zwei Richtungen, was den Willen Gottes angeht:
- Gott gab uns einen freien Willen, und so egal es ihm ist, ob wir nun Falafel oder Curry essen, genau so hat er auch keine Meinung dazu, wen ich heirate, welchen Beruf ich wähle, in welche Gemeinde (und ob) ich gehe, was ich mit meinem Geld mache, etc.  Das wichtige ist die Herzensverbindung, sein Herz ist sein Wille: Güte, Barmherzigkeit, Grosszügigkeit, Heiligkeit,...
- Gott weiss, was das beste für mich ist, darum hat er auch eine Meinung dazu, ob ich das blaue oder das rote Auto kaufen soll, ob ich in diese oder jene Wohnung ziehe, ob ich ein Studium anfange oder weiterjobbe, ob ich jetzt schwanger werden soll oder noch warten (oder gar nicht schwanger werden soll), etc. ...und, in manchen Kreisen: ob ich krank oder gesund sein soll, leben oder sterben soll.

Als ich frustriert war, als es nicht gleich im ersten Zyklus klappte mit schwanger werden, hörte ich einige Male, dass Gott schon wisse, wann der beste Zeitpunkt sei für eine Schwangerschaft. Hmmm. Dann bräuchte man auch nicht mehr verhüten.

Ich persönlich glaube an einen freien Willen des Menschen, der sich für das entscheidet, was sich richtig anfühlt, was sich auch in der Bibel - im Leben von Jesus zum Beispiel - wiederspiegelt, was mit Gottes Wort übereinstimmt. Den Rest finde ich relativ egal. Soll ich jetzt nach Redding fliegen oder das Geld für die Armen spenden? Tja, das sind so Fragen... aber ich glaube nicht, dass Gott in einem solchen Fall eine Meinung dazu hätte im Sinne von "kein Amerika. Spenden" oder umgekehrt.

Oder Fehlgeburten. "Es sollte wohl nicht sein". "Es war nur ein Engel, der uns kurz hallo sagen gekommen ist". "Es war wohl etwas mit der DNA nicht gut, darum ist es besser so", undsoweiterundsofort. Ich: undsofortweiter. Nein. Gott, der perfekte Gott, nach dessen Ebenbild wir (auch alle Embryos) geschaffen sind, richtet seine Schöpfung doch nicht so ein, dass ein Drittel aller befruchteten Eizellen DNA-technisch nicht gut ausgebildet sind und nach 3, 7, 12 Wochen absterben? "Ach, wir haben's mal versucht", würde Gott im Himmel dann sagen, "eines der nächsten Male klappt's sicher". Hallo? Ich kann und will das einfach nicht glauben. Klar war etwas mit der DNA nicht gut und das Kind nicht lebensfähig, aber das würde doch niemals der Wille Gottes sein!

Anderes Thema: Wir haben genug Probleme und können nicht Milliarden ausgeben, um Schleppern quasi in die Hände zu spielen, damit die seeuntüchtige Boote vollstopfen und wir die Leute dann retten. Zudem können wir ja auch nicht alle aufnehmen, wo würden wir den ganz Afrika bei uns unterbringen können, und überhaupt, Jobs gibt es ja nicht mal für uns genug. - - - Heisst das, dass es dementsprechend auch die beste Entscheidung ist, keine Resourcen zu organisieren, um Menschenleben im Mittelmeer zu retten? Was wäre jetzt Gottes Wille hier? Natürlich ist das Problem Komplex und die Ursachen woanders (hmm, ja, nochmal ein anderes Thema, ich fange jetzt lieber nicht an), aber ganz konkret stehen unsere Regierungen (von uns gewählt und an der Macht gehalten) vor der Entscheidung: Leben retten oder nicht. Um jeden Preis oder nicht. Da ist für mich der Wille, das Herz Gottes, klar. Sternenklar. Sonnenklar. Und dementsprechend auch meine Meinung.

Anyway, es ist ein riesiges Thema. Und es schliessen sich Subthemen daran an, zum Beispiel "Gebet". Wie bete ich, wenn es Gott relativ egal ist, was ich jetzt konkret mache? Wie bete ich, wenn ich an himmlischen Örtern sitze und unbeschränkten Zugang zum Kühlschrank habe? Bei mir wurde es dann fast so, dass ich fast gar nicht mehr betete, weil ich verzweifelte, langweilige Gebete so leid war. Zum Glück gibt es auch andere Formen. Mit Gottes Herz in Verbindung kommen ist dann meist schon das Gebet, finde ich. Oder auch nur den Psalm einer Person lesen, die vor tausenden Jahren mit Gottes Herz in Verbindung gekommen ist. Daraus lese ich dann manchmal auch wieder Seinen Willen ab. Was zu einer Entscheidung meinerseits führt.

Samstag, April 18, 2015

Wieder und noch einmal in den Ausgang (Ausgehen)

Gestern waren Gianni und ich am Konzert der neuseeländischen Künstlerin Brooke Fraser. Und das kam so:
Vor einigen Wochen sahen wir, dass sie in Bern spielen würde. Wir freuten uns riesig, bemerkten aber auch den Eintrittspreis: 33.- im Vorverkauf, 36.- an der Abendkasse.. Huch. (für meinen Mann weniger ein Problem als für mich). Wir schrieben es mal in unsere Agenda und liessen die Zeit vergehen. Am Donnerstagabend sah ich, dass das Konzert am nächsten Tag wäre, wusste aber auch um unsere Finanzen und dass wir gerne diesen Sommer noch ein letztes Mal zusammen in die Ferien gehen würden, bevor das Baby kommt. Darum liess ich innerlich das Konzert los... in dem Moment hatte ich das Gefühl, dass der Heilige Geist mir sagt: "Ihr könnt imfall an das Konzert gehen". Ich war nicht wirklich überrascht, dass Er das sagen würde, beachtete es aber nicht weiter und vergass es schnell wieder, ohne es Gianni erzählt zu haben.

Am Freitagvormittag schrieb mir Gianni eine sms, ob ich nun an das Konzert gehen möchte oder nicht. Ich schrieb zurück, es wäre ja schon schön, aber auch etwas teuer..... er fand dann, komm, wir gehen dennoch. Dann begann meine Arbeitsschicht und ich schaute erst wieder am späten Nachmittag auf mein Handy. Dort warteten diverse sms auf mich, im Sinne von: "Im Radio haben sie gerade gesagt, dass sie 2 Tickets für Brooke Fraser verlosen" - - - "Mein Arbeitskollege hat für mich angerufen" - - - "Wir haben gewonnen!!!!! Wir haben zwei Tickets für heute Abend!!".  Da fiel mir dann auch wieder ein, was der Heilige Geist mir am Abend zuvor gesagt hatte, und musste schmunzeln. Das war ja wiedermal typisch. Er schafft es immer wieder, mich zu überraschen!!!!

Dazu kam dann noch, dass Gianni ein Auto für uns organisierte und ich sofort dachte "oh nein, Auto! Parkplatzsuche ohne Ende!" aber sofort spürte, dass Gott sagt, er habe auch einen Parkplatz für uns. Ok, ein bisschen widerwillig und undankbar, obwohl ich sehr dankbar war, aber vielleicht weisst du was ich meine, fuhren wir mit dem Auto nach Bern. Ich glaube, es war mehr das Ding, dass ich manchmal das Bedürfnis habe, Recht zu haben. Auch wenn es noch so blöd ist. Und wenn ich denke, dass Autos prinzipiell blöd sind, da sie die Umwelt verschmutzen und die Strassen verstopfen, und dass es keine Parkplätze gäbe, dann wäre es ja "blöd", wenn wir einfach gemütlich vor die Hütte fahren und parkieren könnten. Dann wären meine negativen Voraussagen nicht eingetroffen. So schlimm!!!!!! Anyway. Trotzdem war ich froh, nicht mehr durch den Bahnhof zu müssen und auf einen Bus warten etc. Wir begannen also, einen Parkplatz zu suchen. Wie ich gedacht hatte: Alles voll, voll, voll, und X andere Autos suchend am herumkurven. Ich sagte aber nichts, da ich ja von Gott gehört hatte.... nach einiger Zeit konnte ich es aber nicht lassen... "vielleicht habe ich falsch gehört.." .... "mit dem öffentlichen Verkehr wären wir schon längst dort" .... (ui ui ui). Und schlussendlich: "Ich glaube, ich habe falsch gehört" (wobei mich das erstaunen würde). Und just da biegen wir um die Kurve und was sehen wir? Einen freien Parkplatz, und zwar sage und schreibe nur genau 5 Autos vom Konzertlokal entfernt!!! Näher würde es fast nicht gehen! Es war sogar ein Parkplatz am Ende der Reihe, so dass sogar das einparken ein Kinderspiel war. Einfach perfekt!

Das Konzert war super. Ich kannte die Sängerin eigentlich gar nicht wirklich, und war dann umso beeindruckter von ihr. Sie hatte es nicht nötig, tiefe Ausschnitte und kurze Kleider zu tragen. Sie war einfach sich, frei, stark, wunderschön, selbstbewusst. Und sie war schwanger, hatte etwa denselben Bauch wie ich. Einmal musste sie während einer Ansage sich kurz vom Mikrofon wegdrehen  - "excuse me" - und rülpsen. Herrlich.


Da sie auch Christin ist (aber nicht in dem Sinn "christliche Musik" macht), waren wir natürlich gespannt, ob wir Leute aus unserer Gemeinde treffen würden. Und tatsächlich. Schlussendlich waren wir ein ganzes Grüppchen. Das halbe ICF war auch da und wohl auch viele andere Glaubensgeschwister..  

Im Anschluss taten wir noch etwas, was in den letzten Jahren total untypisch für mich geworden war: Wir gingen mit einer Gruppe von Leuten, die wir dort getroffen hatten (wir kannten nur eine), und die alle etwa 8-10 Jahre jünger waren als ich, ein Bier trinken. Also wir waren die einzigen, die Bier tranken, alkoholfrei natürlich. Anyway, es wurde spät, ziemlich spät, und dann mussten wir auch noch durch den strömenden Regen zum Auto laufen und hatten auf der Heimfahrt einen Disput über Verkehrsregeln, aber nichtsdestotrotz war es toll, wieder mal so einen Abend erlebt zu haben. Ich schätze es gleich viel mehr, jetzt wo ich weiss, dass wir das mit dem Baby wohl nicht mehr so bald machen werden können....

Brooke's neues Album "Brutal Romantic" kann nur empfehlen, oder natürlich auch ihre älteren Sachen. 12 Franken auf itunes. Lohnt sich auf jeden Fall.

Freitag, April 10, 2015

Früh nach Hause, spät ins Bett

Es gibt Menschen, die geniessen einen Anlass, ein Treffen, eine Unterhaltung,.... in vollen Zügen, und dann geht es weiter mit dem Leben. Mir geht es manchmal auch so. Meistens aber geniesse ich einen Anlass, ein Treffen, eine Unterhaltung..... und denke gleichzeitig schon "wenn ich nicht in 10 Minuten den Zug nehme, bin ich zu spät zuhause, um noch 8 Stunden schlafen zu können". Oder so ähnlich. Und gehe dann. Ist das langweilig? Normal ab 30? Erwachsen? Ängstlich? Egal. Ich lebe irgendwie lieber so.

Dann bin ich zuhause, habe schön eine Stunde Zeit, um mich Bettbereit zu machen, und setze mich noch hurti vor den Computer. Ans iphone. Checke dies. Und das. Und nochmal dies. Nichts neues. Nochmal das. Auch nichts neues. Also zurück zu diesem. Oha, etwas neues, wenn auch nicht aufregend. Ich schaue auf die Uhr. Eine Stunde um.

Gute Nacht!

Donnerstag, April 09, 2015

Erfahrung in einem mehrbesseren Hotel-WC

Heute fuhren MitstudentInnen und ich in die grosse Stadt Z., weil wir da bei einem Kunstwettbewerb mitgemacht und es in die letzte Runde geschafft hatten - Jurypräsentation. Die Präsentation vor der Jury - Architekt, Kuratorin,..... - fand in einem mehrbesseren Hotel (Zimmerpreise ab 315.-) in einem Konferenzraum statt. Wir waren viel zu früh dran und gingen noch auf Klo. Tür auf: Wow! Die ganze linke Wand besteht nur aus Fensterglas, vier Stockwerke weiter unten strömt ein Fluss vorbei. Darüber Sicht auf die Stadt. Die einzelnen WC-Kabinen sind geräumig, sauber und indirekt beleuchtet. Das Farbkonzept ist angenehm. Vor dieser Glaswand nun stehen drei einzelne "Säulen", die Lavabos. Darüber perfekt ausgeleuchtete Spiegel. Und jetzt der Hammer: Es gibt eine Art Kasten, auf dessen einen Seite kleine Becherchen gestapelt sind. Man kann sich so einen ziehen und unter den Kasten halten. Eine blaue Flüssigkeit strömt in das Becherchen: Mundspülung!! So spülen wir alle unsere Münder und fühlen uns danach perfekt erfrischt, um in die Runde zu lächeln und unser Projekt vorzustellen. Ob es was genützt hat, erfahren wir nächste Woche.

Sonntag, April 05, 2015

Hallo April

Erst ein mail der treuen Frau Vorgarten reisst mich aus meinem aktuellen Alltag und zurück zur Besinnung. Wie unangenehm ich inaktive Blogs finde - und nun wird meiner auch so einer? Nein, nein, nein. Danke, Frau Vorgarten!!

Unzählige Male forschte ich in den vergangenen vier Monaten der Schwangerschaftsübelkeit nach. Wie lange sie normalerweise dauert. In welcher Woche sie meistens nachlässt. Und wann spätestens (die Ausnahmen, die bis zur Geburt hin dauern, klammern wir mit dieser Klammer aus). Überall hiess es, spätestens in/nach der 16. Woche sollte sie abklingen. Auch mein Hausarzt, der mich zeitenweise gar zu 100% arbeitsunfähig schreiben musste, prophezeite eine Wende in dieser Woche. Und es kam so. Irgendwann in der 16. Woche hatte ich plötzlich mehr Energie und Appetit. In der 17. Woche kaufte ich mir endlich einen homöopatischen Spray - man mag davon halten, was man will, ich inklusive - den mir meine Hebamme schon lange lange vorher empfohlen hatte. Enzian. Er schmeckte bitter wie mein lieblingsalkoholisches Getränk, Suze. Nun weiss ich nicht, ob es der Spray war oder schlichtweg die 17. Woche, wahrscheinlich vor allem letzteres - aber das Elend löste sich auf wie Frühnebel in der Morgensonne.

Mir ist immer noch manchmal schlecht, aber das Elend ist weg. Weg, weg, weg!!!! Hallelujah!!

Nun bin ich in der 20. Woche, in wenigen Tagen wird bereits die Hälfte der Schwangerschaft vorbei sein. Unglaublich.

Gibt es für mich noch andere Themen als Schwangerschaft und Baby? Ja und nein. Ich denke jeden Tag die ganze Zeit an diesen Themen herum. Gleichzeitig kam mit der neuen Energie auch viel anderes in Schwung. Ich konnte wieder schreiben, wieder aktiv werden im Studium, ging wieder arbeiten, packte bei weiteren Projekten mit an - darum auch die Bloginaktivität, so sehr ich mich ihrer schäme.

Durch meinen wachsenden Bauch wird gerade für die Umwelt meine Schwangerschaft viel realer.  Ich werde vermehrt darauf angesprochen. Es wird nachgefragt. Sich mitgefreut. Weiss ich schon das Geschlecht? Haben wir schon einen Namen? Lustig, dabei vergesse ich jetzt manchmal schlichtweg, dass ich schwanger bin, bloss weil die Übelkeit weg ist. Dabei haben die anderen typischen "Beschwerden" angefangen. Heute bei der Arbeit zum Beispiel: Ich kehre den Boden und will am Schluss das Häufchen Dreck mit Schaufel und Besen aufnehmen. Äh, schwieriger als gedacht. Der Bauch, so klein er auch noch ist, ist im Weg. Dasselbe mit Schuhe binden. Für die kommenden Monate muss ich definitiv auf Modelle umsteigen, in die ich einfach hineinschlüpfen kann. Und das Schlafen!!!! Erstens tun mir sowieso die Beine ständig weh und der untere Rücken, trotz regelmässiger chiropraktischer Behandlung. Meine Lieblingsposition, auf dem Bauch, fällt weg. Empfohlen ist die linke Seite. Aber ich finde mich immer wieder auf dem Rücken wieder, wenn ich alle zwei Stunden erwache, um pinkeln zu gehen.

Seit etwa einer Woche spüre ich das Baby. Ein unglaubliches Gefühl!! Noch ist es ganz sanft, fast wie Luft, die sich in meinen Gedärmen bewegt. Manchmal schläft es den ganzen Tag und ich werde fast ein bisschen besorgt. Aber meine befreundete Hebamme winkt ab. Ach, in der 20. Woche! Das sei sowieso noch früh, um es wirklich zu spüren.

Ich plange auf den Sommer, weil es mir einfach zu kalt ist. Der kommt schon bald. Heute sass ich in der Sonne, als es plötzlich zu schneien begann. Hallo April!

Apropos April. Es war ja klar, dass meine Familie mir nicht glauben würde, dass es Zwillinge sind, die man komischerweise im letzten Ultraschall vor zwei Monaten nicht entdeckt hatte. Nächstes Jahr muss ich mir etwas besseres ausdenken. 

Samstag, Februar 14, 2015

Telefonieren im Zug

Etwas, was mir seit Jahren ein Rätsel ist, ist das Telefonieren im Zug. Ich hab es auch schon getan und werde bestimmt auch wieder in dieser Situation sein. Aber es ist mir immer unangenehm, und ich versuche, so leise wie möglich zu sprechen, sowie das Telefonat möglichst kurz zu halten. Ich störe mich auch nicht an allen Telefonaten im Zug. Es geht nicht mal gross um's Stören - wobei, manchmal schon! Vor allem frage ich mich einfach, wie einige Leute das tun können?? Im vollgepackten Feierabendverkehrszug in voller Lautstärke sich mit jemandem über etwas unterhalten, als ob man zusammen in einer Bar bei einem Bier sitzen würde und den ganzen Abend Zeit hätte. "JA, ICH MACHE JETZT EBEN NOCH DAS FISCHERPATENT........ DAS FISCHER..... DAS FISCHERPATENT. BIS JETZT DURFTE ICH JA NUR MIT EINEM HAKEN FISCHEN (angeln) GEHEN... (...) (5 Minuten später) ..UND KANNST DU GLAUBEN, DASS DIESE IDIOTEN JETZT NEU VORSCHREIBEN, DASS DIE FORELLEN MINDESTENS 45 CM GROSS SEIN MÜSSEN? DIE FORELLEN... MINDESTENS 45 CM...  IMMER DIESE SCHEISS BEVORMUNDUNG!! (...) (usw. usf.)".

oder

"...JAA, MEINE FREUNDIN HAT JETZT EBEN AUCH LANGSAM CELLULITE. WIR HABEN JETZT ABGEMACHT, DASS WIR MEHR SPORT MACHEN WERDEN. WAHRSCHEINLICH GEHEN WIR HEUTE ABEND MAL INS HALLENBAD WORB; SCHWIMMEN SOLL JA NOCH GUT SEIN BEI CELLULITE.."

Ich schreibe das fettgedruckt, weil beim Telefonieren oft das Bedürfnis verspürt wird, ins Telefon zu schreien, da die andere Person ja weit weit weg ist und man sicher gehen will, dass sie einem auch hört.

Diese Personen sitzen echt in einem Zugwagen, der bis auf den letzten Platz besetzt ist, wo kein Mensch sonst eine Unterhaltung führt, und breiten ihr Privatleben für alle gut hörbar aus.

Es ist mir einfach ein Rätsel...... 

Dienstag, Februar 10, 2015

Auch schon mal mit Pinguinen geflogen?

Heute morgen früh, noch vor 5 Uhr, erwachte ich ob einem Schrei. Oh, das war ja ich, die am schreien war. Was war geschehen?

Zu Beginn des Traumes befand ich mich an einem Anlass in der Gemeinde, in der ich aufgewachsen war. Gleich nebenan fand das Freakstock statt. Ich schaute zum Fenster hinaus aufs Festivalgelände und war zugleich überrascht, dass es schon jetzt lief, als auch erfreut darüber. Endlich musste ich mal nicht weit reisen!

Schnitt. Nun befand ich mich in einem altehrwürdigen Zimmer mit den anderen Bundesräten und Bundesrätinnen - ich war eine davon. Uns waren soeben die Departemente zugeteilt worden, und ich hatte das Departement des Inneren erhalten. Bundesrätin S.Sommaruga war ebenfalls dem EDI zugeteilt, wir feierten das mit einem Handschlag, und ich war schon noch froh, dass ich mit ihr zusammen Innenministerin sein werde. Gleichzeitig fand ich, dass alles auch etwas zuviel war: Zwei Studiengänge (?), Arbeiten im Restaurant, plus Bundesrätin. Ich würde irgendwas streichen müssen. Aber was?

Dann sass ich in unserer Wohnung am Küchentisch, mit meiner Mutter und meiner Schwester. Ich war völlig ratlos, was ich denn als Innenministerin zu tun hatte oder tun sollte. Plötzlich der Blitzgedanke: Natürlich!!! Ich werde die Subventionen, die bisher an swiss beef und an Emmi (Milchkonzern) gegangen waren, umlenken zu gescheiteren Projekten und Nöten. Meine Schwester war unsicher, ob das ok ist. Ich ergeusterte mich: "Aber natürlich!! Das sind MILLIARDEN!!!! MILLIARDEN, die jeden Tag in die Fleisch- und Milchindustrie fliessen!!".

Nun gab es eine High Tech Präsentation an einem grossen Bildschirm. Das Fürstentum Liechtenstein solle verschoben werden, so dass die Schweiz grösser werden könnte. Und zwar sollte Liechtenstein komplett umplatziert werden auf der Weltkarte. In der Präsentation sah man das Fürstentum, riesig aufgeblasen, über die Weltkarte fliegen und an der Westküste von Südamerika platziert werden. Man sprach von Brasilien, obwohl das ja auf der anderen Seite liegt.

Und nun wurde es fantastisch: Meine Schwester und ich FLOGEN über den Atlantik auf Südamerika zu und über Südamerika hinweg. Ohne Flugzeug oder irgendwas, wir konnten einfach frei fliegen. Hinter uns flog eine Gruppe von etwa 10-15 Zwergpinguinen (ca. 70cm gross) her. Ich so zu meiner Schwester: Das ist ja wunderschön hier, ich würde lieber die Schweiz hierhin platzieren als Liechtenstein!! Wir landeten in einer wunderschönen Lagune: Das Wasser kristallklar, warm, und ruhig. Die Pinguine gesellten sich sofort zu lokalen Pinguinen, die vor einer Höhle am Wasser waren. Unsere kleine Bucht war auf allen Landseiten umgeben von hohen, geraden Felsen, wie eine Wand. Zudem waren die auch überhängend, bzw. es war wie überdacht. Bloss an einer Stelle hatte es ein grosses rundes Loch in der "Decke".

Während meine Schwester an Land blieb, begab ich mich ins Wasser. Ich bin auch im echten Leben keine gute Schwimmerin, und so hatte ich mein kleines Kissen, auf dem ich seit meiner Kindheit jede Nacht schlafe, unter meinem Bauch - es wirkte wie ein Luftkissen. So war es angenehm, zu schwimmen. Ich stellte fest, dass die Wände voller roter Graffiti waren. Zuerst dachte ich, dies sei eine menschenleere Insel, aber dann sah ich, dass oben am Loch zwei Kinder sassen - ihre Beine baumelten durchs Loch hinab.

Gerade als ich mir überlegte, ob ich vielleicht besser aus dem unbekannten Gewässer nach oben fliegen sollte, und abzuschätzen versuchte, ob ich im steilen Winkel durchs Loch fliegen könnte, zog es plötzlich mein Kissen und dann mich nach unten ins Wasser hinab. Ein riesen unterirdischer Strudel!!!! Ich wurde mit starker Kraft immer weiter und schneller nach unten gesogen und realisierte zwei Dinge: 1. "DARUM gibt es hier unten keine Menschen!!!" und 2. "Dies ist mein Ende. Unmöglich, hier rauszukommen". Aufgrund der Aussichtslosigkeit meiner Lage bemühte ich mich auch nicht mehr, meine Luft anzuhalten. Und obwohl ich wusste, dass ein Unterwasser-Schrei kaum gehört werden würde, liess ich meine letzte Luft in einem langen Schrei heraus. Davon erwachte ich.


Im ganzen Rätseln darum, ob dieser Traum wohl irgendetwas bedeutet oder nicht, bin ich vor allem fasziniert davon, was unser Hirn alles für absurde Ideen und Bilder kreieren kann! Mit Pinguinen fliegen!!!! Darauf muss man erst noch kommen! Und nein, ich hatte in der letzten Zeit überhaupt gar nichts über Pinguine geschaut oder gelesen.. hmmm..

Samstag, Januar 31, 2015

Umständlich in anderen Umständen rumstehen

Während ich dies schreibe, kaue ich leicht angewidert an Kartoffelstock herum, obwohl ich mega hungrig bin. Seit über einem Monat sind essen und trinken eine grosse, tägliche Herausforderung. Grosse Abneigung bis hin zu Brechreiz beim blossen Gedanken an Nahrungsmittel und Gerichte - oder auch nur Wasser. Dies zu schreiben kostet mich Überwindung, weil es sich schon wieder um Essen dreht.

Ich bin schwanger. Wie kann ich einen Blogeintrag schreiben, ohne dies zu erwähnen? Schliesslich drehen sich meine Gedanken jetzt fast ausschliesslich um Themen, die mit Schwangerschaft zu tun haben. Natürlich bin ich total happy über die Schwangerschaft. Nichtsdestotrotz muss ich sagen, dass die letzten Wochen schwierig zu ertragen waren. Müdigkeit, Schlappheit und Schwindel sind ja noch nachvollziehbar - schliesslich baut mein Körper in rasendem Tempo einen Menschen und lässt ihn wachsen! -(Gestern beim Einschlafen überkam mich eine solche demütige Dankbarkeit, dass ich eine Frau sein darf! Was für ein Privileg, das Bauen und Heranwachsen eines neuen Menschen beherbergen und bewirten zu können und zu dürfen!)-  Aber Übelkeit?? Es gibt diverse Erklärungen, genau weiss man es aber nicht. Anscheinend ist es aber ein gutes Zeichen, weil mein Körper auf etwas "Fremdes" reagiere und lerne, damit umzugehen. Eine andere Erklärung ist, dass bis zur 16. Woche fleissig an der Plazenta gearbeitet wird. Nachdem die mal ganz ihre Arbeit aufnehme, soll die Übelkeit bei den allermeisten Frauen weggehen - manchmal von einem Tag auf den andern, mal schon in der 12. Woche, oder eben erst in der 16. Bei manchen bleibt sie die ganze Schwangerschaft, aber solche Gedanken weise ich entschieden weg.

Stichwort Gedanken wegweisen. So eine Frühschwangerschaft ist ja das beste Übungsfeld dazu. Man muss sich das mal vorstellen: Der positive Schwangerschaftstest, die grosse Freude! Die engsten Freundinnen werden sofort informiert. Ich rechne den vermutlichen Entbindungstermin aus und suche online nach Infos zur aktuellen Schwangerschaftswoche. Dann folgt irgendwann der erste Arztbesuch (Hausarzt). Er als erstes auf meine Bemerkung, dass ich übrigens kürzlich einen positiven Ss-Test gehabt habe: "Und das ist gut für Sie? Wollen Sie austragen?" (das erinnert mich gerade an eine andere Episode, als ich ins Unispital anrief, und zwar eine Nummer für "Soziale Beratung bei emotionalen,...,finanziellen Herausforderungen durch eine Schwangerschaft". Ich rief dort an, weil ich spezifische Fragen zu Mutterschutz und Arbeit/Kündigung hatte, und mich auch finanziell herausgefordert fühlte mit der Schwangerschaft. Ich schilderte meine Fragen. Als allererstes wurde ich gefragt, ob ich austragen wolle. Ich bejahte. "Dann sind Sie hier falsch. Wir beraten nur Frauen, die einen Abbruch in Betracht ziehen. Hmm, ich weiss gar nicht, an welche Stelle ich Sie verweisen könnte?"  - Das ist wirklich passiert!!!!!!). Zurück zu meinem Hausarzt und seiner Frage, ob ich austragen wolle. Ich kann das ja noch verstehen, weil seine tägliche Realität offensichtlich so aussieht, dass nicht alle glücklich über eine Schwangerschaft sind. Aber dann sagt er: "Behalten Sie es am besten noch für sich, denn ein Drittel aller Schwangerschaften enden in einer Fehlgeburt". Dies mag ja auch eine von ihm oft erlebte Realität sein. Aber wirklich? Da kann man sich ja direkt vorstellen, wie ich aus der Praxis rausgehe...... Es brauchte im Anschluss einigen Aufwand, nicht mit Angst zu partnern. Ich kann noch so deklarieren und Hände auflegen und das reiskorngrosse Mini-Leben segnen mit Schutz und Gesundheit - wenn ich das aus Angst heraus tue, suche ich besser mal die Gegenwart und den Frieden Gottes auf.

Also hab ich grad EXTRA vielen Leuten von der Schwangerschaft erzählt. Vor Monaten hatte ich mal ein Buch namens "Pregnancy in His Presence" gelesen, und die Autorin machte eine Aussage, die mich beeindruckte. Sie lautete etwa so: "Jedesmal, wenn du jemandem sagst 'ich bin schwanger', sprichst du damit gerade Leben in die Schwangerschaft hinein, bestätigst sie".

Meistens konnte ich den Frieden und Fokus behalten. Das Menschlein ist hier, es ist gekommen, um zu leben und um zu bleiben. Das Herz schlägt. Gott kenn schon jeden Tag seines zukünftigen Lebens. Im Himmel gibt es keine Fehlgeburt. Ich bin versetzt an himmlische Örter; das Reich Gottes ist nahe herbeigekommen und in Reichweite, also reiche ich tief hinein und rieche daran.

Nach vielen Wochen hatte ich das erste Mal den Mut, diesen Fehlgeburtsstatistiken nachzuforschen. Viel fand ich bis jetzt nicht, aber man kann auf gar keinen Fall einfach so kategorisch sagen "jede 3. Ss endet schlecht" !!!

Darum schreibe ich jetzt auch extra vor der 12. Woche diesen Blogeintrag :-)   Ich bin gerade Ende der 10. Woche. Anscheinend. Nach meinen Berechnungen wäre ich 10 Tage weiter. Ich weiss nämlich genau, in welchem 3-Tages-Zeitraum der Eisprung gewesen sein muss. Aber beim ersten Ultraschall wurde das kleine Himbeerchen vermessen (1,5cm) und gemäss Ärztin war ich dann plötzlich erst bei Woche 7+5, anstatt wie von mir berechnet 9+irgendwas. Es ist mir ein Rätsel. Naja, egal, jedenfalls hörte ich bei dieser Gelegenheit den Herzschlag dieses mini-Lebens!! 1,5cm gross und solch einen Herzschlag! Schnell und kräftig. Ich kann wirklich sagen, dass das in etwa der bewegendste Moment meines Lebens war, vergleichbar höchstens mit Momenten, in denen Gottes Gegenwart extrem stark wahrnehmbar ist.

Dieser Blogeintrag wird ewig lang, aber schliesslich muss ich ja all die bloglosen Wochen aufholen..

Das mit der Übelkeit ist auch so ein Ding. Leute beteten zwar für mich, dass die Übelkeit weggeht, aber ganz unter uns: Ich hielt mich krampfhaft an ihr fest und wollte nicht, dass sie geht. Es ist komisch. Die Übelkeit ist eins meiner einzigen Zeichen, dass ich schwanger bin. Vom Baby spüre ich noch lange nichts. Einen Bauch habe ich noch nicht wirklich und wenn, dann vor allem, weil meine Darmtätigkeit arg reduziert ist durch die Hormone, und ich einfach gebläht bin. Zweitens ist ja die Übelkeit ein gutes Zeichen - statistisch gesehen haben Frauen mit Schwangerschaftsübelkeit weniger Fehlgeburten. Hmmmmmm - vertraue ich der Übelkeit mehr, als ich Gott vertraue, oder meinem Körper, oder dem, was ich meine, zu glauben? Predige ich Wein und trinke Wasser? Intensiv hab ich in den vergangenen Tagen darüber nachsinniert, wieder angestossen von einem wunderbaren kleinen Büchlein namens "Supernatural Childbirth" (oh ja - ich habe noch viele mehr solche Bücher auf Lager!). Ich hab mich also gestern Abend in einer meiner vielen Stunden auf der Toilette (eben, eingeschränkte Darmtätigkeit) mal am Riemen gerissen und mich zu ein paar klaren Gedanken durchgerungen - schwierig, wenn man sich nonstop ELEND fühlt... man wird total passiv-depressiv.. - und sprach dann tatsächlich über mir aus, im Glauben - klein, aber vorhanden-, dass es mir nicht schlecht sein muss, so dass mein Baby gesund und munter weiterwächst.

Jetzt beginnt ja dann sowieso die 11. Woche, und es sollte bessern. Wir werden's sehen. Schön wärs!

Morgen werd ich 32. Ich versuche jetzt mal, einen Kuchen zu backen.

Donnerstag, Januar 08, 2015

Katzen haben sicher nie Halsschmerzen

Heute Morgen sagte mir mein Mann, er habe Halsweh. Ich wollte ihm einen guten Ratschlag geben und fragte ihn auf englisch: "Wie sagt man dem auf italienisch (*gurgelndes Geräusch*)??" - er antwortet mit einem Ausdruck auf italienisch und fragte, warum? Ich erwiderte: "Mach das mit Salzwasser, das hilft total". Nach einigen Sekunden Stille dreht er sich um und ruft, ahaaa, du meinst gurgeln?? Ich dachte, du meinst Schnurren wie eine Katze!

Sonntag, Januar 04, 2015

Wintergedanken

Winter war jeweils super, wenn ich warm angezogen in tiefem Schnee spielen oder später spazieren konnte. Man blieb warm durch Bewegung, hatte all die wasserdichten Stiefel und Hosen, hatte Zeit, baute Iglus und Schneemänner und überall waren kleinere und grössere Hügel, die man auf Schlitten / Skiern / Plastiksäcken runterrutschen konnte.

Fast forward 20 Jahre. Matsch in der Stadt. Bräunliche salzige Masse überall. Es schneit, mit wässrigen Fäden durchmischt. Winterjacke ist uncool, Winterschuhe sind uncool; ich schaue mich um: Alle anderen Frauen laufen mit schicken Stiefeletten herum, einer Bluse und darüber evtl. eine leichte Herbstjacke. Ich krieg schon Rückenschmerzen von meiner verkrampften Haltung, die ich der Kälte wegen unbewusst eingenommen habe.

Solange ich nicht wieder aufs Land ziehe, bin ich definitiv für den Sommer gemacht. Immerhin war der Schnee schön anzuschauen, und die Tage werden wieder länger.