In 23 Stunden und 52 Minuten werde ich 31.
Als ich das realisiere, beschleicht mich anfänglich ein depressives Gefühl. Hallo, du Jahrzehnt vor 40! Definitiv tschüss, ihr 20er Jahre!
Doch dann beginne ich weiterzudenken. Wie alt möchte ich denn sein? 21? Oh Gott, nein! Bloss nicht wieder dorthin zurück! 25? 27? ....irgendwie bin ich doch froh, diese Jahre mitsamt allem, was dazugehört, vorbei zu wissen. Jedes Jahr meines Lebens wurde bisher besser als das vergangene. Unendlich grosse Dankbarkeit.
Und in was bin ich jetzt gerade drin? Es geht nicht mehr darum, herauszufinden, was ich tun möchte im Leben. Heute versuche ich mich zu entscheiden, was ich denn von all den Möglichkeiten wirklich in Angriff nehme. Oder noch viel mehr: Welche der sich mir bietenden Möglichkeiten sind die angenehmsten? Klar würde ich gerne Internationale Beziehungen studieren. Aber nach Genf? Mich anstrengen, hineingeben müssen wie verrückt und kein Leben mehr haben für die nächsten paar Jahre? Nein danke. Das hab ich schon hinter mir. Nun wäge ich ab zwischen: Ich trete aufs offene Meer hinaus, um meine Träume zu verwirklichen, oder Ich versuche, meinen Aushilfsjob solide auszubauen. Langweilig? Schon haben wir prophetische Worte, die anderes vorahnen lassen. Und ich erinnere mich an die unzähligen (!) prophetischen Worte, die noch so viel mehr versprechen, als ich mir je erträumen liesse. Es geht nun darum, herauszuspüren, ob ich in der Saison bin, diese Worte aktiv Wirklichkeit werden zu lassen, oder ob ich noch in der Vorbereitungszeit bin und da lerne, wo ich gerade bin. Baue am Mauerstück, das gerade vor dir liegt.
Gleichzeitig diese Herausforderung, nach drei Jahren BSSM, wo ich merke, dass es nicht schwierig ist, in eine Leichenhalle zu gehen und für Auferstehung zu beten. Es ist auch nicht ein Problem, auf der Strasse wildfremde Leute anzusprechen und ein Wort der Erkenntnis auszuprobieren. Hingegen gehe ich arbeiten und komme ernüchtert nach Hause, weil ich wegen Stress und Umständen schlechte Laune bekam und dies an anderen ausliess. Oder ich behandle meinen Mann nicht so, wie er es verdient, und zwar öfter, als man denken würde. Ich bin gestresst wegen Geld - wirklich? Nach SO vielen Wundern und der so oft erlebten Treue Gottes und Grosszügigkeit von Mitmenschen? Ich spreche negative Dinge aus über mir, andern und der Zukunft - wie ist dies möglich, nachdem ich Stunden in einer Goldstaubwolke verbracht hatte? Dies sind die Herausforderungen.... in der Zeitung vom Krieg zu lesen, und gleichzeitig mich über den nicht gemachten Abwasch aufzuregen.
Dann schaue ich Predigten von wunderbaren Frauen und Männern und denke: Aber sollte ich jetzt auch jeden Tag stundenlang beten und singen? Wie geht denn das zusammen mit meinem Alltag? Und ich merke, dass ich gar keine Lust mehr habe, Bibel zu lesen oder mit Gott zu reden. Ich entscheide mich bewusst dagegen, diese zwei Dinge nur deshalb zu tun, weil ich gelernt habe, dass es gut und wichtig ist. Ich will sie tun, weil ich nichts lieber mache, selbst wenn ich glaube, dass es besser ist, sie zu tun, als nicht. Aber dann erzähle ich Gott alles, still in meinem Herz, dass ich jetzt gar nicht Bibel lesen mag und auch nicht beten. Der Druck geht weg. Und am nächsten Tag bete ich kurz vor dem zur Arbeit gehen für drei Dinge: Dass wir heute Abend coole Gäste haben, dass wir Geld reinkriegen, um unsere Ausgaben zu decken, und dass ich es gut haben werde mit der neuen Mitarbeiterin. 10 Minuten später erscheine ich zur Arbeit und meine Chefin zieht mich freudestrahlend ins Büro: "Schau mal was soeben passiert ist! Seit Mitte 2012 versuche ich, diese Firma zu erreichen, weil sie eine Rechnung von fast 2'000.- nicht bezahlt hat, und nie konnte ich sie erreichen. Nun haben sie tatsächlich gerade meinen Anruf entgegen genommen, und werden nun die Rechnung bezahlen!". Anschliessend haben wir einen super Abend mit super Gästen, und am Schluss sagt die neue Mitarbeiterin, sie habe so gern mit mir zusammengearbeitet - was ich ihr auch grad sagen wollte.
Ich bin immer noch auf dieser Reise, wie jeder Mensch, der nicht gerade ums Überleben kämpft. Ich will nicht unbedingt das Reich Gottes überall hinbringen. Aber ich will so gelassen und normal wie nur irgendwie möglich mich selbst sein, indem ich in Gott hineinlehne, und dann werde ich die Bibel lesen, weil es ist, als würde Gott sie mir vorlesen, und ich werde beten, weil ich weiss, dass es direkt die Welt verändert. Ich bin fasziniert vom Paradies, vom Garten Eden, als die Menschen einfach lebten, und am Abend mit Gott zusammen rumhingen. Daneben gaben sie den Tieren Namen, und bestimmten dadurch, was diese Tiere tun werden. Ich will auch mit Gott zusammen rumhängen und den Dingen Namen geben. Meiner Ehe, meinem Arbeitsort, meiner Stadt, Syrien, und dem Polareis. Ich liebe das Entdecken von gesunder Nahrung, bin dankbar, dass wir bio einkaufen können und frisch kochen dürfen jeden Tag, ich bin jede Minute beschenkt von meinem liebevollen, geduldigen und in Gott lehnenden Mann, von meiner Familie und meinen FreundInnen.
Somit sind es nun 23 Stunden und 52 Minuten vor dem Ändern dieser Jahreszahl, doch ändern wird sich nichts, weil gar nichts konstant ist ausser der Güte und Liebe Gottes, die immer und überall am Wirken ist. Und wer bis hierhin durchgehalten hat mit Lesen, hat meinen Respekt...
Freitag, Januar 31, 2014
Montag, Januar 27, 2014
Ein Tagesausflug
Mein Mann fuhr mit seinem Bruder und dessen Frau für zweieinhalb Tage ins Tessin. Ich konnte wegen meinen Arbeitsschichten nicht mit dem Auto mitfahren, aber eine Zug-Tageskarte für Sonntag ergattern. Also erlebte ich heute 4h10min Hinfahrt, 6 Stunden im Tessin, und wieder die Rückfahrt.
Anfangen tat alles nach bloss 5 Stunden Schlaf nach einem strengen Arbeitsabend.. Ich hatte ein Buch, die Bibel, und ein iphone ohne Kopfhörer dabei. Bis nach Zürich sinnierte ich über Gott und die Welt nach und tat nichts produktives.
Von Zürich bis Lugano sassen direkt hinter mir ein Mann und eine Frau, die zusammen in der Nähe von Lugano wandern gehen wollten, und die sich intensiv unterhielten, und zwar jeden Moment der Fahrt... ich weiss nicht, ob sie atmeten. Das erste Wort des nächsten Satzes der einen Person kam immer zeitgleich mit dem letzten Wort des aktuellen Satzes der andern Person. Da ich keine Kopfhörer hatte, konnte ich nicht anders, als zuzuhören. Ich weiss nun bestens Bescheid über die Berghütte des Mannes (sie hat einen Turm, in dem das Klo ist), kenne die Gefahren der Fallwinde am Flughafen von Madeira, ich schmunzelte, als es darum ging, wie "natürlich" die vegane, die vegetarische oder die omnivore Ernährung ist, und staunte, als es um die Argumentation bei der kommenden Abstimmung über Abtreibungsfinanzierung ging. Zudem kenne ich nun leider, leider ganz grausliche Details von Leichenverbrennungen in Indien. Oje.. hoffentlich vergesse ich sie wieder. Währenddessen fuhren wir rauf in die verschneiten Berge, durch den Gotthard-Tunnel, auf der andern Seite durch noch viel mehr Schnee und an hübschen kleinen Tessiner Steindörfen vorbei, und wieder runter ins sonnige und warme Tal.
In Lugano angekommen verabschiedeten sich die Zugchefs ganz stereotyp-tessinerisch mit "Ciao Mauro, buona giornata!" - "Ciao Paolo, buon viaggio!". Und natürlich schien die Sonne und es war 12 Grad warm.
Nachdem wir ein wunderbares italienisches Essen genossen hatten, ging es auf einen Besuch in der Nähe von Locarno. Ein dreistöckiges, hundertjähriges Steinhaus, davor ein kleiner Gemüsegarten und darunter ein Bienenhaus. Links ein Rebberg, und überall Palmen. Die Aussicht auf eine grüne Ebene, auf der andern Seite schneebedeckte Berge. Rechts ein See.
!!!
Das Tessin, wie wir es kennen und lieben.
!!!
Und mein Mann verliess es, um zu mir zu ziehen.
Die Rückfahrt verschlief ich halb. Die andere Hälfte bestand aus wirklich komischen Typen im Zug.. es war mir unangenehm zumute.. Komisch, bisher hatte mir so etwas nie gross etwas ausgemacht. In Biel regnete es in Strömen, dazu blies ein eisiger Wind. Da ich noch die Tageskarte hatte, und weit und breit niemand mehr war, dem oder der ich sie hätte weitergeben können, so kurz vor Mitternacht, wartete ich auf den nächsten Bus.... lange Minuten. Ich die einzige Frau in der ganzen Stadt, so schien es. In der Dunkelheit um die Busstation herum waren komische Männergestalten auszumachen. Einer schien auf der andern Strassenseite unter lautem Schreien zu erbrechen. Ein anderer lief auf mich zu, machte dann einen Bogen und war plötzlich nicht mehr zu sehen. Nochmal einer suchte Schutz vor dem Regen, aber ein bisschen zu nah an mir. Vermutlich war es auch einfach meine Müdigkeit und das Fehlen meines Mannes, der doch sonst fast immer an meiner Seite ist.
Die lange Reise war es wirklich wert. Familienzeit, Tessinzeit, Sonne, Freunde, und natürlich il mio marito.
Nun sitze ich in der warmen Küche und überlege, wie der Umzug ins Tessin am besten zu gestalten wäre........
Anfangen tat alles nach bloss 5 Stunden Schlaf nach einem strengen Arbeitsabend.. Ich hatte ein Buch, die Bibel, und ein iphone ohne Kopfhörer dabei. Bis nach Zürich sinnierte ich über Gott und die Welt nach und tat nichts produktives.
Von Zürich bis Lugano sassen direkt hinter mir ein Mann und eine Frau, die zusammen in der Nähe von Lugano wandern gehen wollten, und die sich intensiv unterhielten, und zwar jeden Moment der Fahrt... ich weiss nicht, ob sie atmeten. Das erste Wort des nächsten Satzes der einen Person kam immer zeitgleich mit dem letzten Wort des aktuellen Satzes der andern Person. Da ich keine Kopfhörer hatte, konnte ich nicht anders, als zuzuhören. Ich weiss nun bestens Bescheid über die Berghütte des Mannes (sie hat einen Turm, in dem das Klo ist), kenne die Gefahren der Fallwinde am Flughafen von Madeira, ich schmunzelte, als es darum ging, wie "natürlich" die vegane, die vegetarische oder die omnivore Ernährung ist, und staunte, als es um die Argumentation bei der kommenden Abstimmung über Abtreibungsfinanzierung ging. Zudem kenne ich nun leider, leider ganz grausliche Details von Leichenverbrennungen in Indien. Oje.. hoffentlich vergesse ich sie wieder. Währenddessen fuhren wir rauf in die verschneiten Berge, durch den Gotthard-Tunnel, auf der andern Seite durch noch viel mehr Schnee und an hübschen kleinen Tessiner Steindörfen vorbei, und wieder runter ins sonnige und warme Tal.
In Lugano angekommen verabschiedeten sich die Zugchefs ganz stereotyp-tessinerisch mit "Ciao Mauro, buona giornata!" - "Ciao Paolo, buon viaggio!". Und natürlich schien die Sonne und es war 12 Grad warm.
Nachdem wir ein wunderbares italienisches Essen genossen hatten, ging es auf einen Besuch in der Nähe von Locarno. Ein dreistöckiges, hundertjähriges Steinhaus, davor ein kleiner Gemüsegarten und darunter ein Bienenhaus. Links ein Rebberg, und überall Palmen. Die Aussicht auf eine grüne Ebene, auf der andern Seite schneebedeckte Berge. Rechts ein See.
!!!
Das Tessin, wie wir es kennen und lieben.
!!!
Und mein Mann verliess es, um zu mir zu ziehen.
Die Rückfahrt verschlief ich halb. Die andere Hälfte bestand aus wirklich komischen Typen im Zug.. es war mir unangenehm zumute.. Komisch, bisher hatte mir so etwas nie gross etwas ausgemacht. In Biel regnete es in Strömen, dazu blies ein eisiger Wind. Da ich noch die Tageskarte hatte, und weit und breit niemand mehr war, dem oder der ich sie hätte weitergeben können, so kurz vor Mitternacht, wartete ich auf den nächsten Bus.... lange Minuten. Ich die einzige Frau in der ganzen Stadt, so schien es. In der Dunkelheit um die Busstation herum waren komische Männergestalten auszumachen. Einer schien auf der andern Strassenseite unter lautem Schreien zu erbrechen. Ein anderer lief auf mich zu, machte dann einen Bogen und war plötzlich nicht mehr zu sehen. Nochmal einer suchte Schutz vor dem Regen, aber ein bisschen zu nah an mir. Vermutlich war es auch einfach meine Müdigkeit und das Fehlen meines Mannes, der doch sonst fast immer an meiner Seite ist.
Die lange Reise war es wirklich wert. Familienzeit, Tessinzeit, Sonne, Freunde, und natürlich il mio marito.
Nun sitze ich in der warmen Küche und überlege, wie der Umzug ins Tessin am besten zu gestalten wäre........
Dienstag, Januar 21, 2014
Wenn die Angst in den Stall kommt und die Gedanken davongaloppieren
Da trinkt man extra viel Ingwertee und achtet auf genug Vitamine, und doch erwischt es einen plötzlich mit voller Wucht: Die Grippe! Jetzt ist es eine Woche her, und noch immer bin ich krankgeschrieben. So etwas ist mir glaubich noch nie passiert. Morgen sollte ich aber wieder arbeiten gehen.
Wir praktizieren ja NFP, die Natürliche Familienplanung, also die sympto-thermale Verhütungsmethode. Wie mit vielem, das wir kennenlernen und bei uns anwenden, waren wir so begeistert, dass wir allen davon erzählten. Die Reaktionen waren eher gemischt: "Hm... also ich habe eine Freundin, die hat das auch gemacht, und die hat jetzt 3 Kinder...überraschend"... oder "was?? Jeden Morgen Temperatur messen? Das ist ja so anstrengend!"... oder "...habt ihr schon Kindernamen? hahaha..". Trotz Zweifel und Hohn waren wir glücklich mit unserer Methode. Und nach einigen Monaten kamen dann tatsächlich einige auf uns zu... ihre hormonelle Verhütungsmethode habe einfach zu viele Nebenwirkungen... emotionale Instabilität, Depression, Verlust der Libido,... - ob wir ihnen nicht die NFP genauer erklären könnten?
Wir räumten mit Zweifeln und Ängsten auf und beschrieben, wie unglaublich sicher diese Methode sei. Ich betonte immer wieder, dass halt einfach die Regeln eingehalten werden müssen, und dass die berühmten Paare im Bekanntenkreis, die schwanger wurden, sich wohl einfach nicht daran gehalten hätten. Wir jedoch seien sehr sorgfältig, und hätten darum grosse Sicherheit.
Dann kam der Tag, als meine Mens hätte einsetzen sollen. Weit und breit keine Spur von Schmerzen. Hmm... plötzlich realisierte ich, dass es jetzt wirklich dran wäre... dran gewesen wäre.... Die Zeit zwischen Periode und Eisprung kann sehr variieren und ist stark beeinflusst von Stress, Krankheit, Lebensumständen. Zwischen Eisprung und Periode jedoch vergehen eigentlich immer (!) 12-16 Tage.. ich war nun Tag 17... denn durch die Temperaturmessung und die Symptombeobachtung wusste ich ziemlich genau, wann mein Eisprung gewesen war.
Bin ich schwanger??? Oh mein Gott...!!!! Unsere Pläne, diesen Herbst unser Studium wieder aufzunehmen! Mein Versprechen an meine Chefin, mindestens noch bis Ende Saison voll im Einsatz zu bleiben! Unsere finanzielle Situation! Und das allerallerallerschlimmste: Die Scham vor all den Menschen, denen ich vorgeprahlt hatte, wie unglaublich sicher NFP ist und wie vorbildlich wir es anwenden.
Ich also auf Internet und gegoogelt: Kann die Grippe die luteale Phase, also zwischen Eisprung und Periode, beeinflussen? Nein, lese ich auf mehreren Seiten, kann sie nicht.. Was sind frühe Anzeichen von Schwangerschaft? Und ab wann kann man einen Test machen? Gianni und ich beruhigen uns abwechselnd gegenseitig, wir beschliessen, später noch einen Test kaufen zu gehen, und ich versuche, nicht in Panik zu geraten. Wie würde ich es meiner Chefin sagen? Wie würde meine Mutter reagieren? Wären wir glücklich oder geschockt? So früh schon Kinder?
Jetzt sitze ich mit starken Bauchkrämpfen vor dem Computer und denke, die ganze Aufregung gestern hätte ich mir auch ersparen können....
Wir praktizieren ja NFP, die Natürliche Familienplanung, also die sympto-thermale Verhütungsmethode. Wie mit vielem, das wir kennenlernen und bei uns anwenden, waren wir so begeistert, dass wir allen davon erzählten. Die Reaktionen waren eher gemischt: "Hm... also ich habe eine Freundin, die hat das auch gemacht, und die hat jetzt 3 Kinder...überraschend"... oder "was?? Jeden Morgen Temperatur messen? Das ist ja so anstrengend!"... oder "...habt ihr schon Kindernamen? hahaha..". Trotz Zweifel und Hohn waren wir glücklich mit unserer Methode. Und nach einigen Monaten kamen dann tatsächlich einige auf uns zu... ihre hormonelle Verhütungsmethode habe einfach zu viele Nebenwirkungen... emotionale Instabilität, Depression, Verlust der Libido,... - ob wir ihnen nicht die NFP genauer erklären könnten?
Wir räumten mit Zweifeln und Ängsten auf und beschrieben, wie unglaublich sicher diese Methode sei. Ich betonte immer wieder, dass halt einfach die Regeln eingehalten werden müssen, und dass die berühmten Paare im Bekanntenkreis, die schwanger wurden, sich wohl einfach nicht daran gehalten hätten. Wir jedoch seien sehr sorgfältig, und hätten darum grosse Sicherheit.
Dann kam der Tag, als meine Mens hätte einsetzen sollen. Weit und breit keine Spur von Schmerzen. Hmm... plötzlich realisierte ich, dass es jetzt wirklich dran wäre... dran gewesen wäre.... Die Zeit zwischen Periode und Eisprung kann sehr variieren und ist stark beeinflusst von Stress, Krankheit, Lebensumständen. Zwischen Eisprung und Periode jedoch vergehen eigentlich immer (!) 12-16 Tage.. ich war nun Tag 17... denn durch die Temperaturmessung und die Symptombeobachtung wusste ich ziemlich genau, wann mein Eisprung gewesen war.
Bin ich schwanger??? Oh mein Gott...!!!! Unsere Pläne, diesen Herbst unser Studium wieder aufzunehmen! Mein Versprechen an meine Chefin, mindestens noch bis Ende Saison voll im Einsatz zu bleiben! Unsere finanzielle Situation! Und das allerallerallerschlimmste: Die Scham vor all den Menschen, denen ich vorgeprahlt hatte, wie unglaublich sicher NFP ist und wie vorbildlich wir es anwenden.
Ich also auf Internet und gegoogelt: Kann die Grippe die luteale Phase, also zwischen Eisprung und Periode, beeinflussen? Nein, lese ich auf mehreren Seiten, kann sie nicht.. Was sind frühe Anzeichen von Schwangerschaft? Und ab wann kann man einen Test machen? Gianni und ich beruhigen uns abwechselnd gegenseitig, wir beschliessen, später noch einen Test kaufen zu gehen, und ich versuche, nicht in Panik zu geraten. Wie würde ich es meiner Chefin sagen? Wie würde meine Mutter reagieren? Wären wir glücklich oder geschockt? So früh schon Kinder?
Jetzt sitze ich mit starken Bauchkrämpfen vor dem Computer und denke, die ganze Aufregung gestern hätte ich mir auch ersparen können....
Donnerstag, Januar 09, 2014
Die Rückfahrt: Warschau - Biel/Bienne
Ein Foto der Hinfahrt...
Die Rückfahrt: Warschau - Biel/Bienne:
Warschau - Poznan:
Zuerst probieren wir während 30 Minuten, auf einer Tankstelle einer Stadtautobahn im Norden Warschaus einen Ride zu finden. Nichts... wir stellen uns sogar fast auf die Autobahn selbst...
Danach fährt uns Sylwia zu einer Autobahnauffahrt westlich Warschaus. Gemäss einer Tramper-Homepage gibt es dort eine gute Chance. Dort angekommen sehen wir, dass es für Autos kaum eine Möglichkeit gibt, anzuhalten. Aber an der Ampel sind zwei Aufkleber eines Tramp-Rennens.... also waren schon andere vor uns da - und sind es jetzt nicht mehr: Hoffnung! Wir warten fast 1 Stunde in der Kälte, dann hält tatsächlich einer mitten auf der Strasse an und fährt uns mit 160 km/h auf eine Raststätte kurz vor Poznan - das ist etwa die Hälfte der Strecke bis Berlin. Yeah! Der Fahrer ist Pole, und er kam gerade aus Marokko zurück. Er reist sehr viel und spricht ziemlich gutes Englisch.
Poznan - Berlin:
Aufgrund kaum mehr vorhandener Sprachkenntnisse stellen wir uns einfach mit "Berlin"-Schild hin. Einige Fahrer halten an und sagen uns, es täte ihnen sehr leid - sie fahren nach Berlin, aber seien schon voll... oh, berührend, dass sie extra anhalten!!! Tatsächlich scheinen viele von den Ferien nach Hause zu fahren (6.1. = Feiertag in Polen und in Süddeutschland). Trotzdem hält bald ein Deutscher an, der mit seinem Sohn auf der Rückreise von Warschau ist. Er fährt uns bis Berlin Michendorf und erzählt SEHR VIEL von seiner Arbeit. Das ist zwar wirklich spannend (ich weiss nun alles über den Gotthard-Basistunnel und diverse Minenprojekte in Kasachstan, China und den Spitzbergen), aber mit der Zeit werde ich etwas müde....
Berlin Michendorf - Halle:
Trotz wenig Verkehr auf Michendorf bzw. vor allem lokalem Verkehr (darunter ein netter Polizist und einige sehr unangenehm aussehende Männer) finden wir schnell eine Mitfahrgelegenheit mit einem BWL-Studenten.
Halle - "Fränkische Schweiz" /Bayreuth/Nürnberg:
Sehr schnell kommen wir weiter von dort. Wir treffen einen anderen Autostopper, der bloss noch von der Raststätte nach Halle muss, und er rät uns, vor dem Burger King Leute zu fragen. Nach wenigen Minuten hält ein Auto mit "N"-Kennzeichen, und es ist sogar nur eine Person darin, und auch kein Gepäck zu sehen (Wir sahen SO VIELE Autos, die vollgepackt waren oder voller Leute waren...). Er nimmt uns gerne mit, geht aber zuerst noch einen Burger essen. Kein Problem. Danach verbringen wir 2-3h mit ihm im Auto. Er ist Musiker, hat eine Band, seine Freundin ist in Brandenburg. Somit unterhalten wir uns über Musik, Konzerte, Erfolgsaussichten, und Fernbeziehung. Um 22 Uhr erreichen wir die Raststätte Fränkische Schweiz, wo es ein Hotel hat. Unser Fahrer fährt uns noch über die Brücke auf die andere Seite zum Hotel. Wir sind überglücklich und checken ein, beziehen unser sauberes und erstaunlich ruhiges Zimmer, gehen noch etwas essen (wir sind die einzigen in der ansonsten völlig leeren Raststätte) und schlafen dann tief und fest.
Fränkische Schweiz - Bruchsal/Karlsruhe:
Wieder ein langer Ride! Zuerst duschen wir ausführlich - was für ein riesiger Unterschied zu einer durchgemachten Tankstellen-Nacht! - und essen gemütlich Frühstück. Wir laufen gemütlich auf die andere Seite der Autobahn und warten auf Fahrer. Nach einer halben Stunde oder so kommt ein Auto mit Chemnitzer-Kennzeichen. "Wenn der uns mitnimmt, wird es eine lustige Unterhaltung für mich", sage ich zu Gianni. Und so kommt es. Für die nächsten 280km höre ich reinstes sächsisch, und erfahre allerlei über die Bundeswehrkarriere unseres Fahrers. Er war auch in den Ferien in "Kübo". Was? Wo? "Kübo". Hmmm, kenne ich nicht. Ahhhh, Kuba!!!!!
Bruchsal - Schau ins Land /Freiburg Nord:
Wir haben riesen Hunger und wollen unbedingt was essen!!! Also packen wir Brot und Käse aus, aber da spricht uns schon ein Mann an, wo wir denn hin wollen? Und kurz darauf sitzen wir in seinem Auto und fahren mit knurrendem Magen 155km nach Süden. Unser Fahrer entpuppt sich anfänglich als äusserst interessante Person. Er war in den 60ern ein hohes Tier bei IBM und entwickelte das Internet mit.... e-mailte schon 1968 um die Welt. Spannend! Später aber drückt immer mehr die pessimistische Weltsicht durch.... er will uns weismachen, dass Bürgerkriege ein gutes Mittel gegen Überbevölkerung seien, und dass wir JA NIE Kinder haben sollen.... Hmm. Ich schätze seine Gedanken zur Welt, aber da ich das Ewige Leben namens Jesus in mir habe, sehe ich die Dinge natürlich etwas anders..
Freiburg - Pratteln:
Nun wollen wir aber wirklich essen. Wir verstecken uns ein wenig um die Ecke und essen endlich unsere Sandwiches (für einmal nicht vegan für mich, da meine Einkaufsmöglichkeiten äusserst limitiert waren...). Es hält ein Auto mit Zürich-Nummernschild. Darin zwei Leute, ein Hund, und unendlich viel Gepäck. Wir fragen sie nicht mal, so aussichtslos ist es. Aber sie schauen die ganze Zeit zu uns hin. Schliesslich fragt die junge Frau uns, wohin wir möchten. Und räumt dann das ganze Auto um und bugsiert den armen Hund bei ihrem Sitz vor ihre Füsse..... Sie sind auf der Rückfahrt von Schweden! Sie macht die Lehre zur Bäuerin auf einem bio-dynamischen Hof, und er arbeitet im Sommer als Alphirte. Sehr nette Leute.
Pratteln/Basel - Deitingen/Solothurn:
Nun sind wir in der Schweiz! Was für ein Gefühl! Ich spreche die FahrerInnen in berndeutsch an, herrlich. Weiter drüben sehen wir einen Car, der zum Unternehmen meines Onkels gehört. Ob wir wohl mitfahren könnten? Aber da fahren sie schon ohne uns davon. Kurz darauf finden wir einen äusserst netten, interessanten jungen Mann, der extra für Gianni ins englische wechselt und mit dem wir sehr coole und interessante Gespräche haben über Ernährung, Ehe und Vaterschaft.
Deitingen-Biel:
Fast zuhause! Wir brauchen nur noch ein Auto, das jetzt von dort nach Biel fährt..... die Raststätte ist praktisch leer, und niemand kommt tanken (siehe Bild). Wir könnten easy eine Fahrt nach Bern kriegen, und von dort den Zug nehmen. Aber lieber probieren wir es noch mit Autostop. Plötzlich hält ein Auto vor uns an. Ich will mich der Beifahrertür nähern, doch der Fahrer, der am Telefon ist, fuchtelt wild mit den Armen und deutet mir, noch zu warten. Also warte ich. Als er dann das Fenster öffnet und fragt, wohin wir wollen, ruft er "Vous avez de la chance, je vais à Bienne!" und sagt uns auf französisch, wir sollen schnell einsteigen. Er ist der speziellste aller Fahrer der ganzen Reise... er raucht nonstop, spricht schnelles Französisch, und erzählt nonstop seine Meinung über alles... ich sage eigentlich nur "Oui....... oui...... ......ouai...... je vois........ c'est vrai?..... ouai.... absolument.......". Wenige Meter von unserer Haustür entfernt steigen wir aus! Es ist 20 Uhr, und wir sind überglücklich!
Mittwoch, Januar 08, 2014
Biel - Warschau; die Hinfahrt
Unsere Autostop-Route: Schweiz: A5 - A1 - A2 - Deutschland: A5 - A6 - A9 - A10 - Polen: A2
Knapp 1'500km, 33 Stunden unterwegs, ca. 2-3h Schlaf.
Das Ziel ist, um 22 Uhr zu schlafen, und um 06 Uhr aufzustehen. Dann verschiebt sich alles ein bisschen.. um 09 Uhr laufen wir in Biel los. Es ist der 2. Januar, also immer noch ein Feiertag; und dementsprechend wenig Autos sind auf den Strassen. Etwa um 10 Uhr steigen wir an der Autobahnauffahrt in ein Auto.
Biel - Raststätte Pratteln, Basel:
Ein Bieler Fahrlehrer, auf dessen Homepage ich vor einigen Wochen Informationen zur Motorradprüfung durchgelesen hatte. Nun sind wir Duzis.
Raststätte Pratteln, Basel - Raststätte Renchtal, Karlsruhe:
Nach einiger Wartezeit hält ein deutscher Bautechniker, der auch Gedichtbände schreibt, an, und räumt sein Auto für uns um.
Raststätte Renchtal - Raststätte Bruchsal:
In Renchtal warten wir EWIG. Wir machen den Fehler, nicht sofort Leute an der Tankstelle zu fragen, weil wir auch alle Gäste des Rasthofes erwischen wollen. Somit stehen wir etwa 2h bei der Auffahrt, zeitweise im Regen. Gianni bleibt voller Hoffnung, während meine Frustration steigt. Endlich nimmt uns eine deutsche Psychotherapeutin mit bis zur nächsten, grösseren Raststätte.
Raststätte Bruchsal (A5) - Raststätte Hohenlohe (A6):
Auf Bruchsal treffen wir drei andere Autostopper. Somit müssen wir quasi warten, bis sie weg sind. Der einzelne junge Mann kommt schnell weg. Bleiben noch der Pole und die Polin, die auf dem Rückweg vom Taizé-Treffen in Strasbourg sind. Sie müssen die nächsten paar Hundert Kilometer genau dieselbe Strecke nehmen wie wir. Zum Glück kommen sie recht schnell weg, und dann haben auch wir schon einen Ride mit einem jungen Paar, das gerade am umziehen ist. Wir schaffen den psychologisch wichtigen Sprung um die Ecke auf die A6, welche in den Osten nach Nürnberg führt.
Raststätte Hohenlohe - Raststätte Kammersteiner Land / kurz vor Nürnberg:
Ein sehr sympatisches britisch-tschechisches Paar nimmt uns mit. Als ich ihn anspreche, sagt er sofort "sure!", und öffnet uns die Autotüre. Wir steigen ein, die Frau auf dem Beifahrersitz guckt etwas erstaunt aber freundlich, dann steigt er ein und erklärt ihr "Honey, these two need a ride to Nürnberg", und daraufhin unterhalten wir vier uns wunderbarst über Kulturen und Beziehung.
Raststätte Kammersteiner Land / kurz vor Nürnberg:
Es ist inzwischen nach 20 Uhr, dunkel, und wen treffen wir auf dieser betriebsarmen Raststätte? Die zwei Polen. Zuerst stehen wir alle vier draussen in der Kälte. Die zwei sprechen jeden Autofahrer, jede Autofahrerin an, während wir warten müssen.. Niemand nimmt sie mit. Der Pole erzählt uns, dass er schon mal die ganze Nacht auf einer Tankstelle warten musste, weil einem nachts niemanden mitnehme. Ich will das Negative nicht empfangen und bleibe voller Hoffnung.
Gegen Mitternacht setzen wir uns im Tankstellenshop auf zum Glück bequeme Sessel, und halten Ausschau nach spärlich ankommenden Autos. Wir kaufen ab und zu einen Tee, damit wir auch dort bleiben können.. Irgendwann schlafen einige ein. Wir wechseln uns ab im Wache halten. Zwischen 02 und 05 Uhr bin ich die einzige, die noch Hoffnung hat, und die hinausrennt, wenn zwischendurch mal ein einsames Auto kommt. Aber entweder fährt es in die Stadt hinein, ins Umland, oder nach Prag. Nur zweimal würde eines in unsere Richtung fahren, aber die wollen uns nicht mitnehmen.
Hinter uns sind Spielautomaten, und an denen sitzen die ganze Nacht spielsüchtige Lastwagenfahrer und ein Franzose, dessen schickes Auto draussen vor dem Fenster steht. Ich nicke auch ein paarmal ein, und dazwischen beobachte ich die zwei Tankstellenangestellten... der eine ist anscheinend auch spielsüchtig, und scheint Bier zu trinken... Ich gehe mal die Zähne putzen (jeder WC-Gang kostet 70 Cents) und setze meine Nachtspange ein.
Gegen 06 Uhr kommt langsam Betrieb auf. Die Polen schlafen; Gianni und ich packen unsere Sachen zusammen und stellen uns in die beissende Kälte draussen, wo kein Auto kommt. Endlich finden wir einen Ride! Ein Pole, der nach Südpolen fährt, könnte uns einige Raststätten weit mitnehmen!!! Aber dann realisieren wir, dass seine Route perfekt ist für unsere Freunde drinnen. Also gehen wir sie wecken, und überglücklich steigen sie kurz darauf ins Auto und sind weg. Wenig später haben auch wir einen Ride! Eine Familie (Mutter-Vater-Tochter), die nach Berlin fährt. Wir sitzen zuhinterst im Van, und immer wieder fallen uns die Augen zu und die Münder auf...
Raststätte Am Fichtenplan /Berliner Ring - Tankstelle bei Lodz, Polen:
Erstmal gehen wir Flammkuchen essen! Dann stehen wir in der Sonne und fragen die spärlichen Autos. Und tatsächlich: Eine englischsprachige Frau bittet uns, zu warten, läuft zu ihrem Van und ruft hinein "Ok guys, now you have to squeeze together!". Ich sehe, wie die Grossmutter ein genervtes Gesicht macht. Die zwei Mädchen sind ok mit uns, und der kleine Hund freut sich über neue Gesellschaft. Wir sitzen zuhinterst eingequetscht, und wenn wir nicht ausführlich mit der Mutter sprechen, schlafen wir immer wieder kurz ein und fotografieren einander, wenn dem andern wieder mal der Kiefer runterhängt.. Die Frau ist Polin, verheiratet mit einem Kalifornier, der mit dem ältesten Sohn in Nürnberg wohnt. Die zwei jüngeren Töchter hatten Mühe mit dem deutschen Schulsystem, nachdem sie aus Kalifornien hingezogen waren, und leben darum jetzt mit der Mutter im polnischen Lodz.... wow.
Tankstelle bei Lodz - Warschau:
Es ist dunkel und kalt, und mein Polnisch, das ich vor Jahren so gut konnte, ist spurlos verschwunden und durch Italienisch ersetzt worden. Einige Polen halten an und sagen etwas, das wir nicht verstehen, und fahren dann weiter. Ein streunender Hund will sich uns anschliessen. Ich bin müde und frustriert bzw. verunsichert... Wir sind irgendwo im Nirgendwo, und es ist stockdunkel.. Dann hält ein Autofahrer, der englisch spricht. Er fährt aber leider nur bis 30km vor Warschau in einen Vorort. Wir streunen weiter auf dem Parkplatz herum, hinter uns folgt uns der Hund.. Plötzlich hören wir, wie ein Auto schnell rückwärts fährt. Es ist der Mann von vorhin. Er bietet uns an, uns in seinem Vorort zum Bahnhof zu bringen, von wo aus es mit dem Zug noch 35 Minuten sind. Wir entscheiden uns schnell für diese Variante und steigen ein. Erleichterung pur!!!! Am Bahnhof kaufen wir ein Ticket, und da steht auch schon der Zug, in dessen Wärme wir wohlig nach Warschau wackeln.
Im Stadtzentrum werden wir von unseren Freunden mit einem uralten Auto, das es nur noch 5x in ganz Europa gibt, abgeholt. Ahhhhhh!!! Abendessen, Tee, und dann tiefer Schlaf.
Knapp 1'500km, 33 Stunden unterwegs, ca. 2-3h Schlaf.
Das Ziel ist, um 22 Uhr zu schlafen, und um 06 Uhr aufzustehen. Dann verschiebt sich alles ein bisschen.. um 09 Uhr laufen wir in Biel los. Es ist der 2. Januar, also immer noch ein Feiertag; und dementsprechend wenig Autos sind auf den Strassen. Etwa um 10 Uhr steigen wir an der Autobahnauffahrt in ein Auto.
Biel - Raststätte Pratteln, Basel:
Ein Bieler Fahrlehrer, auf dessen Homepage ich vor einigen Wochen Informationen zur Motorradprüfung durchgelesen hatte. Nun sind wir Duzis.
Raststätte Pratteln, Basel - Raststätte Renchtal, Karlsruhe:
Nach einiger Wartezeit hält ein deutscher Bautechniker, der auch Gedichtbände schreibt, an, und räumt sein Auto für uns um.
Raststätte Renchtal - Raststätte Bruchsal:
In Renchtal warten wir EWIG. Wir machen den Fehler, nicht sofort Leute an der Tankstelle zu fragen, weil wir auch alle Gäste des Rasthofes erwischen wollen. Somit stehen wir etwa 2h bei der Auffahrt, zeitweise im Regen. Gianni bleibt voller Hoffnung, während meine Frustration steigt. Endlich nimmt uns eine deutsche Psychotherapeutin mit bis zur nächsten, grösseren Raststätte.
Raststätte Bruchsal (A5) - Raststätte Hohenlohe (A6):
Auf Bruchsal treffen wir drei andere Autostopper. Somit müssen wir quasi warten, bis sie weg sind. Der einzelne junge Mann kommt schnell weg. Bleiben noch der Pole und die Polin, die auf dem Rückweg vom Taizé-Treffen in Strasbourg sind. Sie müssen die nächsten paar Hundert Kilometer genau dieselbe Strecke nehmen wie wir. Zum Glück kommen sie recht schnell weg, und dann haben auch wir schon einen Ride mit einem jungen Paar, das gerade am umziehen ist. Wir schaffen den psychologisch wichtigen Sprung um die Ecke auf die A6, welche in den Osten nach Nürnberg führt.
Raststätte Hohenlohe - Raststätte Kammersteiner Land / kurz vor Nürnberg:
Ein sehr sympatisches britisch-tschechisches Paar nimmt uns mit. Als ich ihn anspreche, sagt er sofort "sure!", und öffnet uns die Autotüre. Wir steigen ein, die Frau auf dem Beifahrersitz guckt etwas erstaunt aber freundlich, dann steigt er ein und erklärt ihr "Honey, these two need a ride to Nürnberg", und daraufhin unterhalten wir vier uns wunderbarst über Kulturen und Beziehung.
Raststätte Kammersteiner Land / kurz vor Nürnberg:
Es ist inzwischen nach 20 Uhr, dunkel, und wen treffen wir auf dieser betriebsarmen Raststätte? Die zwei Polen. Zuerst stehen wir alle vier draussen in der Kälte. Die zwei sprechen jeden Autofahrer, jede Autofahrerin an, während wir warten müssen.. Niemand nimmt sie mit. Der Pole erzählt uns, dass er schon mal die ganze Nacht auf einer Tankstelle warten musste, weil einem nachts niemanden mitnehme. Ich will das Negative nicht empfangen und bleibe voller Hoffnung.
Gegen Mitternacht setzen wir uns im Tankstellenshop auf zum Glück bequeme Sessel, und halten Ausschau nach spärlich ankommenden Autos. Wir kaufen ab und zu einen Tee, damit wir auch dort bleiben können.. Irgendwann schlafen einige ein. Wir wechseln uns ab im Wache halten. Zwischen 02 und 05 Uhr bin ich die einzige, die noch Hoffnung hat, und die hinausrennt, wenn zwischendurch mal ein einsames Auto kommt. Aber entweder fährt es in die Stadt hinein, ins Umland, oder nach Prag. Nur zweimal würde eines in unsere Richtung fahren, aber die wollen uns nicht mitnehmen.
Hinter uns sind Spielautomaten, und an denen sitzen die ganze Nacht spielsüchtige Lastwagenfahrer und ein Franzose, dessen schickes Auto draussen vor dem Fenster steht. Ich nicke auch ein paarmal ein, und dazwischen beobachte ich die zwei Tankstellenangestellten... der eine ist anscheinend auch spielsüchtig, und scheint Bier zu trinken... Ich gehe mal die Zähne putzen (jeder WC-Gang kostet 70 Cents) und setze meine Nachtspange ein.
Gegen 06 Uhr kommt langsam Betrieb auf. Die Polen schlafen; Gianni und ich packen unsere Sachen zusammen und stellen uns in die beissende Kälte draussen, wo kein Auto kommt. Endlich finden wir einen Ride! Ein Pole, der nach Südpolen fährt, könnte uns einige Raststätten weit mitnehmen!!! Aber dann realisieren wir, dass seine Route perfekt ist für unsere Freunde drinnen. Also gehen wir sie wecken, und überglücklich steigen sie kurz darauf ins Auto und sind weg. Wenig später haben auch wir einen Ride! Eine Familie (Mutter-Vater-Tochter), die nach Berlin fährt. Wir sitzen zuhinterst im Van, und immer wieder fallen uns die Augen zu und die Münder auf...
Raststätte Am Fichtenplan /Berliner Ring - Tankstelle bei Lodz, Polen:
Erstmal gehen wir Flammkuchen essen! Dann stehen wir in der Sonne und fragen die spärlichen Autos. Und tatsächlich: Eine englischsprachige Frau bittet uns, zu warten, läuft zu ihrem Van und ruft hinein "Ok guys, now you have to squeeze together!". Ich sehe, wie die Grossmutter ein genervtes Gesicht macht. Die zwei Mädchen sind ok mit uns, und der kleine Hund freut sich über neue Gesellschaft. Wir sitzen zuhinterst eingequetscht, und wenn wir nicht ausführlich mit der Mutter sprechen, schlafen wir immer wieder kurz ein und fotografieren einander, wenn dem andern wieder mal der Kiefer runterhängt.. Die Frau ist Polin, verheiratet mit einem Kalifornier, der mit dem ältesten Sohn in Nürnberg wohnt. Die zwei jüngeren Töchter hatten Mühe mit dem deutschen Schulsystem, nachdem sie aus Kalifornien hingezogen waren, und leben darum jetzt mit der Mutter im polnischen Lodz.... wow.
Tankstelle bei Lodz - Warschau:
Es ist dunkel und kalt, und mein Polnisch, das ich vor Jahren so gut konnte, ist spurlos verschwunden und durch Italienisch ersetzt worden. Einige Polen halten an und sagen etwas, das wir nicht verstehen, und fahren dann weiter. Ein streunender Hund will sich uns anschliessen. Ich bin müde und frustriert bzw. verunsichert... Wir sind irgendwo im Nirgendwo, und es ist stockdunkel.. Dann hält ein Autofahrer, der englisch spricht. Er fährt aber leider nur bis 30km vor Warschau in einen Vorort. Wir streunen weiter auf dem Parkplatz herum, hinter uns folgt uns der Hund.. Plötzlich hören wir, wie ein Auto schnell rückwärts fährt. Es ist der Mann von vorhin. Er bietet uns an, uns in seinem Vorort zum Bahnhof zu bringen, von wo aus es mit dem Zug noch 35 Minuten sind. Wir entscheiden uns schnell für diese Variante und steigen ein. Erleichterung pur!!!! Am Bahnhof kaufen wir ein Ticket, und da steht auch schon der Zug, in dessen Wärme wir wohlig nach Warschau wackeln.
Im Stadtzentrum werden wir von unseren Freunden mit einem uralten Auto, das es nur noch 5x in ganz Europa gibt, abgeholt. Ahhhhhh!!! Abendessen, Tee, und dann tiefer Schlaf.
Mittwoch, Januar 01, 2014
Per Daumen nach Warschau, das war schlau
Und tatsächlich wird Autostop noch einmal zur Realität! Morgen stöpplen Gianni und ich nach Warschau. Knapp 1'500km. Während er meine Unordnung im Haus aufräumte, verbrachte ich den Tag damit, die Route zu planen. Den Weg bis Berlin kenne ich ja schon ziemlich gut. Berlin-Warschau sind dann nur noch rund 5h Fahrtzeit.
Die Kleider sind gepackt, die Strassenkarten und Polnisch-Sprachführer bereit, gerade bin ich alles, was noch gebraucht werden muss, am verkochen (Kürbis, Blumenkohl, Brokkoli, vegane sowie vegetarische Ravioli), und im Anschluss werde ich noch Sandwiches für morgen machen. Dann sollten wir früh ins Bett, weil wir morgen früh starten.
Yippieh!!!
Die Kleider sind gepackt, die Strassenkarten und Polnisch-Sprachführer bereit, gerade bin ich alles, was noch gebraucht werden muss, am verkochen (Kürbis, Blumenkohl, Brokkoli, vegane sowie vegetarische Ravioli), und im Anschluss werde ich noch Sandwiches für morgen machen. Dann sollten wir früh ins Bett, weil wir morgen früh starten.
Yippieh!!!
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