Das schöne am Erwachsen sein oder am immer erwachsener werden ist diese Ruhe, mit der man zurückschaut auf Vergangenes was so schrecklich war und unangenehm, damals, und was heute lächerlich scheint oder zumindest nur halb so schlimm, wenn nicht gar dienlich für heute.
Ich werde nun bald 25. Bald werde ich von mir sagen können, ich hätte meine Rechnungen im Griff und seie fähig, Lohnausweise bis zum Abschicken der Steuererklärung aufzubewahren, an einem Ort, wo man sie auch findet. Bald einmal werde ich heiraten und schwanger werden. Bald werde ich mein Album aufnehmen und eigene Lesungen halten, werde Konzerte geben und Preise gewinnen. Bald ist ja zum Glück dehnbar.
Nun, manchmal gibt es diese Tage, an denen man sich wünscht, noch einmal Gymnasiastin sein zu können, noch einmal Kind zu sein, unbeschwert von der Verantwortung, die das Erwachsensein mit sich bringt. Manchmal möchte man wieder an Parties gehen können und auch bis in den nächsten Morgen hinein bleiben, möchte man wieder mal saufen können wie damals, als man jung war. Damals, als man jung war, und die Hälfte der Klasse Plättlispangen im Mund hatte. Damals...
Heute, am 22.11. Zweitausendundsieben, war ich beim Zahnarzt. Er hat mich für voll genommen und wie eine Erwachsene behandelt, und hat mir alles schön erklärt. Diese zwei Zähne bissen wohl immer so und so aufeinander, dadurch schliff sich der eine ab, dann rutschten sie so aneinander vorbei, und so, das gab Druck, ta ta taa, und deshalb dies und darum das. Ich war in Gedanken schon halb auf der Arbeit, wo heute eine meiner Lieblingsschriftstellerinnen kommen würde und wir einen grossen Apéro machen werden. Dann sagte mein Zahnarzt folgenden Satz: Das muss mit einer Plättlispange korrigiert werden.
P-L-Ä-T-T-L-I-S-P-A-N-G-E !!!!
Es ist ja schon mit 16 schlimm, oder auch mit 20 oder mira 21, wie ich von meinen Freundinnen weiss. Ich hatte nie eine Spange. Aber mit 25! Gerade dann, wenn ich mein Album aufnehme! Nein! Nein! Nein!