In Zeiten, in denen die meistgekaufte Schweizer Tageszeitung als Tagesschlagzeile fragt, wieviel Deutsche die Schweiz verträgt (siehe Bild unten), schreibe ich an meinen ersten längeren berndeutschen Texten. Berndeutsch habe Zukunft, hörte ich. Da die Angst vor
den Deutschen tatsächlich so gross zu sein scheint, habe ich gute Aussichten auf Bestsellerauflagen meiner Geschichten.
Aber im Ernst: Ich bin zutiefst erschrocken über diese Schlagzeile und die dazugehörige Umfrage. Das klingt wie Nazi-Jargon oder Kim Jong-Propaganda. Solche Angst- und Hass-schürerei sollte verboten sein. Die nächsten Umfragen werden sein: "Wieviel Prozent schwarze Hautfarbe verträgt die weisse Schweiz?" "Wieviele Albaner können wir ausschaffen?". Das erschreckende ist, dass es schon jetzt eine Art stille Übereinstimmung von allen Schweizern darin gibt, dass "wir" zuviele "Ausländer" und dadurch "Probleme" haben. Angst vor "dem Fremden" wird überall geschürt, man muss sich nur mal achten. Da kriege auch ich Angst, wenn ich nicht bewusst versuche, alles aus Distanz und in Zusammenhängen zu betrachten. Holocaustlügner-Freund und Justizminister Blocher regiert immer noch, und Apartheidregime-Waffenlieferer und Finanzminister Merz kann immer noch Geldhahnen öffnen oder eben schliessen..
PS. Der tolle Berner Schriftsteller Guy Krneta (was für ein unschweizerischer Name - ausschaffen!) hat ein Buch auf berndeutsch geschrieben "Zmittst im Gjätt usse". Wenn man es umdreht findet mann - oha - die Übersetzung ins Hochdeutsche "Mitten im Nirgendwo" für unsere
Freunde im Norden.