Mittwoch, Oktober 28, 2009

Aus dem Kellnerinnenleben 2

Gestern bediente ich drei eher obskure Gestalten. Ein sehr sehr netter Deutscher, der mit zwei finster dreinblickenden, gebrochen englisch sprechenden Männern essen ging. Es seien seine Geschäftspartner, sagte er, und tat sein Bestes, dass sie sich wohlfühlten. Der eine sagte während des ganzen Abends kein (!) Wort und als er fertig gegessen hatte, aber die anderen zwei noch bei weitem nicht, winkte er mich an den Tisch und reichte mir seinen Teller zum abräumen - wie gesagt obwohl die andern zwei noch mitten am essen waren.. Andere Länder, andere Sitten, vermutlich. Sein Kollege nebenan trank schon zu Beginn zwei Schnäpse und dann fleissig Weisswein, bevor er wieder zu den Schnäpsen überging. Nach dem Essen wollte er die Hotelzimmer sehen. Zufällig waren fast alle frei (wir sind sonst fast jeden Abend ausgebucht) und so zeigte ich ihm und dem Deutschen die Zimmer. Als wir in der Dachsuite ankamen, sagte der ausländische Kollege zu mir "this would be a good room to make movies.. you know.." und zwinkerte mir zu. Es war sofort klar, welche Art von "movies" er meinte. In den dreieinhalb Jahren, die ich dort arbeite und in denen ich unzählige Male Gäste in die Zimmer geführt hatte, musste ich noch nie auf eine solche Aussage antworten und war dementsprechend überrumpelt. Und abgesehen davon wüsste ich auch nicht, was an diesem Raum sexuell erregend sein sollte. Leider fielen mir alle guten Antworten erst ein, als die Typen schon lange weg waren (und nachdem DER Kollege eben beim Verabschieden noch nach meiner Privatnummer gefragt hatte - HALLO?!?!?!). Ich dachte dann: Mann! Männer! aber das ist fies, denn schliesslich waren die anderen 10 Männer, die an dem Abend bei uns assen, die Freundlichkeit und Anständigkeit in Person.

Samstag, Oktober 24, 2009

Trophäenjagd

Diese hübschen süssen kleinen Kätzchen! Wie sie unschuldig daliegen!

Mitten in der Nacht, auf dem Weg zum Klo...




Kürzlich erwachte ich, weil meine Mitbewohnerin frühmorgens auf dem Weg ins Bad einen Schreckensschrei ausstiess. Sie war auf etwas getreten (barfuss), das sich nacher als Vogelkopf herausstellte.

Donnerstag, Oktober 22, 2009

Ling finden


Seit über anderthalb Jahren wohne ich, wo ich wohne. Dank Jack verschlug es mich diesen Sommer auch ein, zweimal in den Wald in der Nähe. Heute wollte der neue, von mir montierte Pneu an meinem Velo mal einen anderen Untergrund befahren als Asphalt. Also fuhr ich am Waldrand entlang und gelangte bald in eine andere Welt: Weite Äcker, Felder, Wiesen. Ruhe..., und Ausblick in drei Himmelsrichtungen: Links die Alpen im Dunst, geradeaus der See im Dunst, rechts der Jura im Dunst. Ich stiess auf mehrere Schilder aus dem Jahr 1980, die eine Skizze des Waldstücks zeigten, mit den Standorten der vielen Findlinge! Ein Findlingswald - 10 Fahrradminuten von mir entfernt. Ich nehme das als prophetisch und werde wieder hingehen.

Dienstag, Oktober 20, 2009

Gott beim Wort nehmen

Wie aus dem letzten Eintrag gut ersichtlich ist, gibt es auch in meinem (haha) Leben Situationen, in denen ich am Ende meines Lateins bin. Wie Greis rappt:

"Du bisch ei Teil vo dr Lösig oder du bisch ei Teil vom Problem" (Du bist ein Teil der Lösung oder du bist ein Teil des Problems)
.

Und: "Mir si am beschte Ort, zur beschte Zit / Privilegie zieh Verantwortig mit, wäu dini Site" (Wir sind am besten Ort, zur besten Zeit / Privilegien ziehen Verantwortig mit, wähl deine Seite").

Ausserdem lebe nicht mehr länger ich, sondern Er in mir. Das heisst, ich nehme das ernst was er sagt:

"Gütig ist der Herr, eine Zuflucht am Tag der Not; und er kennt die, welche auf ihn vertrauen" (Nahum 1, 7, Schlachter 2000)

Ich nehme Gott beim Wort. Wie gut ist es, nicht selbst eine Lösung finden zu müssen, wenn man selbst keine Lösung finden kann. So ziehe ich mich jetzt zurück an den geheimen Ort und frage Gott, was seine Strategie ist, wie er mich im Leben von Y. brauchen will.

Montag, Oktober 19, 2009

Bürgerrecht im Himmel aber leben in der Welt

Was tust du, wenn du die einzige Person bist, die ein Migrant in Europa kennt? Und du hast ein sicheres, schönes Leben, kannst dir einiges mehr leisten als das, was man zum Leben so braucht. Er weiss nicht mal, wie sich Essen kaufen. Mit dem einzigen Geld, das er hat, ruft er dich an, und sagt, dass er Hilfe braucht, und dass du die einzige Person bist, die er um Hilfe fragen kann.
Du weisst, dass seine Situation so gut wie aussichtslos ist. Du kennst die Gesetzgebung und die gängigen Verfahren ein bisschen. Aber, er ist keine Situation. Er ist kein Fall, nein, du hast ihm in die Augen geschaut und seine Geschichte gehört, du hast seine Tränen gesehen und ja, das tönt jetzt pathetisch. Was tust du, wenn du beschlossen hast, nach dem Herz zu handeln? Kannst du noch länger sagen "ich kann nicht", "geht halt nicht", und dann das Telefon auf lautlos stellen und Parties mit dem Heiligen Geist schmeissen?

Ich bin absolut angewiesen auf jedes einzelne Gebet, auf fachkundige Ratschläge (Anlaufstellen und Asylwesen in Spanien/Frankreich/Schweiz), und noch vielmehr Y. Danke schon jetzt für die vielen kleinen Schritte, die die Welt anders drehen lassen.

Sonntag, Oktober 18, 2009

Musikempfehlung

Nachdem ich dem Rat meines Bruders gefolgt bin und nun das Lied höre, hier ebenfalls eine dringende Aufforderung, sich "Teil vom Problem" von Greis vom Netz runterzuladen. Sofern man berndeutsch versteht.. auch sonst natürlich..

Nachtrag:
Eigentlich ist es eine dringende Aufforderung, sich den Text aufmerksam anzuhören und zu Herzen zu nehmen.

Donnerstag, Oktober 15, 2009

Gute Nachricht von der Grenze

Im April habe ich ihn getroffen, Y., in Marokko, nahe der algerischen Grenze. Wir haben uns einige Tage lang immer wieder gesehen, stundenlang hat er von seiner Reise erzählt, von Ghana durch die Wüste nach Libyen, über das Meer nach Italien, Ausschaffung, nochmal durch die Wüste. Er hat so viele Menschen - Freunde, Kinder, Wegbegleiterinnen - sterben sehen und musste sie liegen lassen. Er hat miterlebt wie die Polizei sein Boot im Meer absichtlich angefahren hat und erst wieder zurückgekehrt ist um ihn und andere aus dem Wasser zu fischen, als die Mehrheit bereits ertrunken war.
Ich kehrte zurück und habe meine Diplomarbeit geschrieben, und Y. kommt ganz oft vor, zu ihm hatte ich den grössten Bezug während meiner Zeit dort.
Heute erreicht mich die Nachricht, dass er es geschafft hat. Er ist in Europa! Er lebt noch! Selten so eine schöne Nachricht gehört!

Dienstag, Oktober 13, 2009

Chum, versuum mi

"..ich achte alles für Schaden gegenüber der alles übertreffenden Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn, um dessentwillen ich alles eingebüsst habe; und ich achte es für Dreck, damit ich Christus gewinne und in ihm erfunden werde.." (Philipper 3, 8+9, Schlachter revidiert)

beziehungsweise:

"Aber alles, was mir früher sonst wie wichtig gewesen ist, bedeutet für mich heute nur einen Haufen Scheisse, wenn ich es mit dem vergleiche, was ich jetzt mit Jesus habe! Mir ist echt klar geworden, dass im Vergleich mit den unbeschreiblichen geilen Sachen, die ich jetzt mit Jesus habe, mir alles andere in der Welt echt am Arsch vorbeigeht. Solange ich Jesus habe, kannst du mir alles andere echt schenken! (...) Es geht mir nur um ihn. Ich möchte immer besser kapieren, wie er drauf ist. Ich will ihn immer besser kennenlernen, möchte immer mehr so werden wie er. Die Kraft, die durch seine Auferstehung freigesetzt wurde, will ich auch erleben" (Philipper 3, 7-10, Volxbibel)


Mir aber ist die Nähe Gottes köstlich.. (Psalm 73, 28, Schlachter revidiert)
..

Aus isch Füdle im Vergliich zu däm!

Sonntag, Oktober 04, 2009

In der Gegenwart, alles

Mal wieder Soaking ausprobiert (beim letzten Mal bekam ich nach 23 Sekunden unbändige Lust, die Brombeeren zu schneiden, und schnitt dann während den nächsten anderthalb Stunden Brombeeren). Vorgestern also: Bisschen liegen, nichts sagen, bisschen die Gedanken kommen und vor allem gehen lassen. Aaah, und dann bin ich irgendwann ganz auf diesen Heiligen Geist ausgerichtet. Und er beginnt zu wirken. Tags darauf irgendwo auf jemanden warten und dabei lesen, und plötzlich diese Herrlichkeit spüren und nicht mehr aufrecht sitzen können, nicht mehr lesen können - die Buchstaben verschwimmen vor meinen Augen - ... uff...wow. Dann arbeiten gehen und mich unendlich aufregen über eine Kleinigkeit. Nach fünf Minuten denken, wie lächerlich diese Aktion doch gerade war. Inzwischen liebe ich es, mich über Sachen wahnsinnig aufzuregen und im Anschluss über diese Enerviertheit zu lachen. Love me and embrace a minefield. Ich habe überall so HeiligGeist-Gegenwarts-Bomben in meinem Leben, und ab und zu geht eine hoch. Dann ist es am tollsten.

Heute erfahren, dass eine junge Frau gestorben ist, jünger als ich, einfach so. Ihre Familie gehört fest zu einer langen Zeitspanne meines bisherigen Lebens. Dann macht sich diese Ohnmacht breit und welche Worte sage ich jetzt, denke ich jetzt.
Die Gitarre nehmen und diese Leere singen wollen, weil nur mit Tönen etwas formuliert werden kann, gerade jetzt. Da gits keni Wort wo häufe, s git kei Wort wo nütze, drum füu du dä Ruum mit dire Gägewart.
Die Gegenwart von Gott ist wieder mal das einzige, was nicht fehl am Platz ist. Diese Heiligkeit bringt immer Frieden und eine Freude, aber genau jetzt ist sie schlicht und einfach grösser und mächtiger als die Trauer und die Leere, obwohl letzteres immer noch da ist, da sein kann und darf. Es bleibt mir keine Option als diese Gegenwart hineinzulassen.