Donnerstag, Mai 07, 2015

Fallen in Zürich

Heute war ich an einer Lesung in Zürich. Lydia Davis. Ich kannte sie überhaupt nicht, aber war sofort hin und weg von ihr als Person und von ihrem Schreiben. Da ich aber morgen Abgabetermin habe und ausserdem abends schnell müde bin und die Reise von Zürich bis nach Hause doch noch dauert, hatte ich schon im Voraus ein Sparbillet gekauft. So musste ich früher raus, und mit mir zwei andere. Wir hatten uns geschickt in der Nähe der Tür platziert.

Zwei Minuten, bevor wir unseren stillen Abgang geplant hatten, stand plötzlich eine Frau in der Mitte des Raumes auf, lief schnell nach vorne und öffnete die Tür, ohne auch nur zu probieren, leise zu sein. Die Frau verschwand aus meinem Blickfeld, die Tür aber öffnete sich vollständig und schlug gegen den Kassentisch, der draussen stand. Man hörte einen dumpfen Knall und Plastikbecher auf den Boden fallen. Die vorderste Reihe blickte mit erschrockenem Gesicht und teils mit der Hand vor den offenen Mund gedrückt zur Tür hinaus. Die Schriftstellerin hatte das Gesicht verzogen und biss sich auf die Unterlippe. Die Organisatorin stürzte hinaus. Hinter ihr der Mann der Frau, und er sagte "es ist ihr schlecht geworden". Die Tür schloss sich.

Wir waren alle still, und die auf der Bühne - der Moderator, die Autorin und die Schauspielerin, die die Texte auf deutsch las - wussten nicht, was machen. Da stand noch einmal ein Mann auf und eilte nach draussen. Vielleicht war er Arzt. Eine Zuschauerin rief in schlechtem englisch der Autorin zu, das sei jetzt wieder so eine Geschichte aus dem Leben, die sie, die Autorin, nun schreiben könne. Miss Davis verstand es akkustisch und wegen dem starken Akzent nicht, so dass die Frau es dreimal wiederholen musste, bevor sie dann sagte "sorry, it's a bad joke". Ein paar Leute lachten verschämt. Die Schauspielerin begann, weiterzulesen.

Und genau das war der Moment, in dem wir wirklich gehen mussten, wollten wir den Zug nicht verpassen. Einen dooferen Moment, um unauffällig rauszuschleichen, hätten wir uns nicht aussuchen können. Ich spürte die Blicke des ganzen Saales inkl. Bühne in meinem Rücken. Draussen lag die Frau auf einem Sofa, die Beine hochgelegt, bei Bewusstsein. Wir rannten still die Treppe hinunter, drei Stockwerke, bevor wir draussen die Anspannung bei Lachen und mehrfachem lautem Aufpusten loswurden. Dann erwischten wir den Zug und alles wurde gut.

Übrigens war auch ich heute in Zürich umgefallen. Ich war im Tram, hatte keine Ahnung, wo genau ich war, irgendwo auf einem Hügel. Ich wusste nur, dass ich bei der nächsten Haltestelle aussteigen musste. Das Tram war voll, ich sass und ass einen Apfel, vor mir standen Studenten und sprachen italienisch zusammen. Das Tram fuhr um die Kurve und die Haltestelle kam plötzlich in Sicht, ja, sie war schon da. Schnell stand ich auf, wollte zur Tür, die Studenten sahen das nicht und standen im Weg, das Tram stoppte abprupt, ich musste nach hinten ausweichen, aber hinter mir war ein Treppenabsatz - - - - - dieser Moment folgte, wo man in Schräglage ist und weiss, jetzt falle ich dann grad und ich kann nichts mehr machen. Dazu kam noch, dass ich unbedingt aussteigen wollte, dass ich nicht vor Publikum fallen wollte, dass ich bereits Rückenschmerzen hatte, dass ich das Baby im Bauch beschützen wollte, dass mein Computer im Rucksack war... - BÄM! War ich auf meinem Rücken bzw. Rucksack und Rücken gelandet, mitten im Tram, das nun angehalten hatte und dessen Türen sich bereits wieder am schliessen waren. Ich rappelte mich auf, so gut es ging, die Studenten hatten sich erschrocken umgedreht, ich sagte "Sorry!", ging zur Tür hinaus, biss in meinen Apfel als ob nichts passiert wäre, und sah mein Anschluss-Tram davonfahren. Mein Rücken schmerzte extrem und ich sah mich schon mit Blutungen auf der Notfallstation enden. Aber nur kurz. Dann erholte ich mich wieder.

Zürich und ich. Werden wir wohl jemals Freundinnen? Vor zwei Jahren hatte ich einen bösen Skateboard-Unfall gehabt in dieser Stadt, auch vor Publikum.... Naja, besser als an einer Lesung ohnmächtig zu werden.

Samstag, Mai 02, 2015

Alles illegal

Kennst du das? Du hörst jemanden etwas sagen und bist dir dann nicht sicher, ob du dich jetzt grob verhört hast, oder ob die Person das wirklich gerade gesagt hat.

So kürzlich geschehen als ich in ein Einkaufszentrum hineinlief: Vor mir eine Angestellte und eine Kundin, beide halten ein Kosmetikprodukt in den Händen. Gerade, als ich vorbeilaufe, meint die Angestellte zur Kundin: "Also, es ist völlig illegal, welches der beiden Sie nehmen. Vom Geschmack her würd ich sagen...."  -  hat sie das wirklich grad gesagt? Illegal statt egal? Ich bin mir SICHER, dass es so passiert ist. Aber das glaubt mir ja keiner...

Herzig auch meine Arbeitskollegin, die noch fleissig am deutsch lernen ist: "Der Schlussel ist bei den Versicherungen" (Sicherungen)

Und mein Schwager, der eine Zeitlang regelmässig davon gesprochen hat, dass er "fröh" sei. Froh vs. fröhlich - ist ja wirklich verwirrlich.

Mein Italienisch steht dem sicher in nichts nach. Schon nur "cugina" (Cousine) und "cucina" (Küche) - ich glaub, ich spreche beides etwa gleich aus, oder immer grad so, dass es das andere heisst.

Wenn man einander gut gesinnt ist und Missverständnisse mit Humor nehmen kann, dann sind eigentlich alle Sprachbarrieren illegal.