Samstag, August 13, 2011

Einblicke



Endlich fand ich beim Zimmer räumen die Negative aus dem Jahr 2002 wieder! Meine herrliche Fotoserie dieses "Erlebnisses", ai ai ai!! Ich war jung. Wie kann man sich nur freiwillig solchen Schmerzen aussetzen?

Ansonsten befinde ich mich in der schönen Lage, als Letzte aus einem Haus auszuziehen, in dem vor mir etwa 10 andere gewohnt haben in den letzten 6-7 Jahren... und die immer einfach ihr Zimmer geräumt haben, nicht jedoch die Wohnung geputzt. Meine drei MitbewohnerInnen haben schon Grossartiges geleistet, und heute nahm ich mich den Siffons an. Nichts einfacher als das! Becken darunter stellen, wegschrauben, Luft anhalten, im Brunnen gut ausspülen. Zusammensetzen... ähm.... wie schon wieder? Und dieser Dichtungsring? Ich verbrachte etwa 45 Minuten mit der Stirnlampe im Küchenschrank unter dem Lavabo, bis alle Rohre wieder verschraubt waren. Übrig blieb ein Dichtungsring, der nirgends reinpassen wollte. Nun ist 23 Uhr, ich habe soeben fertig gearbeitet, und fahre jetzt noch nach Hause für zwei weitere Siffons..

Noch drei Wochen Schweiz. Noch 200 Seiten John G. Lake. Dieses Buch sollte ich auswendig lernen.

Ich musste feststellen, dass es da noch ein Unterbewusstsein gibt und dass dort Dinge ablaufen, ohne mich zu fragen, geschweige denn zu informieren. Plötzlich gibt es eine Eruption aus dem innersten Kern, und dann wird alles in Asche gehüllt und von Lava verbrannt, während ich danebenstehe und entsetzt zuschaue. Was tun? Ja, was tun.

Oder Träume. Vermutlich dieselbe Kategorie. Die ganze Zeit fühle ich mich, als ob ich immer noch irgendwo in einem Traum bin. Und zwar ist es so, als würde ich mich jeweils nachts immer am selben Ort aufhalten; es ist so eine Art Lager. Das habe ich seit Jahren phasenweise. Somebody help me.

Ansonsten ist Gott immer noch extrem gut zu mir. Und auch zu andern. Gott ist einfach gut. Das gibt mir Halt, so dass ich, obwohl manchmal emotional aufgewühlt oder ganz simpel unter Stress, heute dennoch glücklich sein kann, weil Gottes Gegenwart immer da ist und ich das wenigestens in meinem Bewusstsein habe. Ob sich auch das Unterbewusstsein Gottes Gegenwart bewusst ist, ist mir nicht bekannt. Ich kann nur beten, dass Gott auch dort Wohnung nimmt.

Hier noch eine lustige Anekdote: Gestern gingen wir alle nach der Arbeit noch ein Bier trinken. Zwei Köche und 4 Servicefrauen. Ein Koch, der nicht bei uns arbeitet!, erzählte uns, dass seine Chefin ihm ihr grosses Problem geschildert hat! Sie wollte vom tiefen Eurokurs profitieren, weil sie bald nach Deutschland fahren wird. Nur hat sie es verpasst, noch vor Ladenschluss der Bank dort zu sein. Also musste sie beim Automaten Geld abheben, aber das ist sehr blöd, denn ihre TAGESLIMITE ist bei 10'000 (sic!) Franken. Da wird mir grad schwindlig. Meine Monatslimite hat eine Null weniger....

Freitag, August 05, 2011

Nicht mehr dort oder noch nicht?

Décroissance.

Zusammen mit meinen MitbewohnerInnen ist auch das Internet ausgezogen. Seitdem verfüge ich über deutlich mehr Zeit. Und verpasse einige Neuigkeiten und Informationen. Ich liebe definitiv das "deutlich mehr Zeit".

Meine Lebensumstände ändern sich, das Leben, die Welt ändert sich. Kürzlich diskutierten wir auf der Arbeit Gäste, die zum Beispiel beim Mittagsmenu (1 Fleisch oder Fisch, 1 Vegetarisches) die Nase rümpfen "wie, nur Poulet?!!", es dann trotzdem bestellen, aber es kaum antasten. Der Koch meinte, dass er dann schauen will wie solche Gäste reagieren, wenn es einmal kein trinkbares Leitungswasser mehr gibt, sondern nur noch Nestle-Wasser für 7.-. Ich fügte hinzu: "oder noch später nur noch braunes Wasser, das man zuerst abkochen muss...", worauf der Koch anhängte "...von Nestle, für 7.-".

Ja, ich verspüre den Drang, einen Platz ausfüllen zu können. Früher war ich idealistisch und rannte gegen Mauern, bis ich bewusstlos am Boden blieb. Heute bin ich wieder idealistisch und renne auf Mauern zu, im Glauben, dass es dort irgendwo Türen geben muss, für die mir Gott einen Schlüssel geben wird.
Jedenfalls kaufe ich mir schon mal eine französische Monatszeitung, um mit der französischen Sprache vertrauter zu werden. Eine interessante Erfahrung: Ich verstehe sprachlich die Artikel am besten, die mich inhaltlich am wenigsten interessieren. Somit eröffnen sich mir andere Welten als wenn ich mir selbst welche zu eröffnen versuchen würde.

Nach wenigen Stunden Schlaf von der Katze geweckt werden, und dann spontan nach der Bibel greifen und einen der "Kleinen Propheten" lesen. Darüber sinnieren, dass der Autor dieses Buches das, was er aufschreibt, wirklich von Gott gehört hat. Welche Lehren, philosophischen Ansätze, Theologien gab es damals? Kam ihm Gott grösser vor als mir, ihm, der in einer Welt ohne Internet, Flugzeug, Handy und sogar ohne Velo lebte? Und dann begegne ich diesem grossen Gott in einem magischen Moment, wie wenn Wasseroberfläche von einem Gegenstand leicht nach oben gezogen wird, ohne dass der Gegenstand sie berührt. Oder mitten im Servieren. Meine Arbeitskollegin hat schlimmes Kopfweh und bittet mich, ob ich kurz für sie beten könne. Wir stehen beide hinter der Bar (das ist nebenbei der richtige Ort zum beten, hahaha. Have a drink) und nach ein paar Gebetsworten hat sich auch mein Bewusstsein umgestellt oder eingestellt zu Gott hin, und ja, er ist gerade jetzt auch hinter der Bar, zwischen meiner Kollegin und mir, und macht das Kopfweh so klein, dass sie später sagt, es sei ihr ganz entfallen! Das sind Momente der Décroissance, der Entschleunigung, und das klingt alles so furchtbar weleda-eso-wir-spüren-uns, aber irgendwie gefällt es mir dennoch, weil es geht schon sonst alles schnell genug.


Heute in einem Monat bin ich irgendwo über dem Atlantik.

Gerade ist Freakstock und ich bin das erste Mal seit 11 Jahren nicht dabei.

Montag, August 01, 2011

Kolosser 2,10*

Gott ist gut, und er ist gut zu mir!

Noch ein Monat und drei Tage bis zum Rückflug.
Noch ein Monat mit drei freien Tagen, die ich alle dringend brauche zum umziehen, Haus räumen, putzen.

Ich hatte so eine Liste von Dingen im Kopf, die ich mir insgeheim wünschte für den Sommer. Dinge wie "Etwas mit Marroni essen", "in den Jura gehen". Grösstenteils Dinge, die ich versuchte, einzuplanen, und es ging aus Zeitgründen schlichtweg nicht. Und was passierte? Sie passierten grösstenteils trotzdem, völlig überraschend und obwohl es nicht drinliegt.

Kürzlich musste ich bis Mitternacht arbeiten und am nächsten Morgen um 6 aufstehen. Und ausgerechnet in dieser Nacht feierten meine Nachbarn ihre Hochzeit im Garten, direkt neben meinem Zimmerfenster. Während der Arbeit überlegte ich also so, wie ich wohl zu Schlaf kommen könnte. Dann dachte ich "ach, Gott wird mir schon helfen". Keine halbe Stunde später war jemand gekommen und hatte mir einfach so eine Übernachtung im schönsten Hotelzimmer der Stadt geschenkt.



*Und ihr habt an dieser Fülle teil, weil ihr mit Christus verbunden seid - mit ihm, der das Oberhaupt aller Mächt eund Gewalten ist.