Posts mit dem Label Reisen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Reisen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, Januar 27, 2014

Ein Tagesausflug

Mein Mann fuhr mit seinem Bruder und dessen Frau für zweieinhalb Tage ins Tessin. Ich konnte wegen meinen Arbeitsschichten nicht mit dem Auto mitfahren, aber eine Zug-Tageskarte für Sonntag ergattern. Also erlebte ich heute 4h10min Hinfahrt, 6 Stunden im Tessin, und wieder die Rückfahrt.

Anfangen tat alles nach bloss 5 Stunden Schlaf nach einem strengen Arbeitsabend.. Ich hatte ein Buch, die Bibel, und ein iphone ohne Kopfhörer dabei. Bis nach Zürich sinnierte ich über Gott und die Welt nach und tat nichts produktives.

Von Zürich bis Lugano sassen direkt hinter mir ein Mann und eine Frau, die zusammen in der Nähe von Lugano wandern gehen wollten, und die sich intensiv unterhielten, und zwar jeden Moment der Fahrt... ich weiss nicht, ob sie atmeten. Das erste Wort des nächsten Satzes der einen Person kam immer zeitgleich mit dem letzten Wort des aktuellen Satzes der andern Person. Da ich keine Kopfhörer hatte, konnte ich nicht anders, als zuzuhören. Ich weiss nun bestens Bescheid über die Berghütte des Mannes (sie hat einen Turm, in dem das Klo ist), kenne die Gefahren der Fallwinde am Flughafen von Madeira, ich schmunzelte, als es darum ging, wie "natürlich" die vegane, die vegetarische oder die omnivore Ernährung ist, und staunte, als es um die Argumentation bei der kommenden Abstimmung über Abtreibungsfinanzierung ging. Zudem kenne ich nun leider, leider ganz grausliche Details von Leichenverbrennungen in Indien. Oje.. hoffentlich vergesse ich sie wieder. Währenddessen fuhren wir rauf in die verschneiten Berge, durch den Gotthard-Tunnel, auf der andern Seite durch noch viel mehr Schnee und an hübschen kleinen Tessiner Steindörfen vorbei, und wieder runter ins sonnige und warme Tal.

 

In Lugano angekommen verabschiedeten sich die Zugchefs ganz stereotyp-tessinerisch mit "Ciao Mauro, buona giornata!" - "Ciao Paolo, buon viaggio!". Und natürlich schien die Sonne und es war 12 Grad warm.

Nachdem wir ein wunderbares italienisches Essen genossen hatten, ging es auf einen Besuch in der Nähe von Locarno. Ein dreistöckiges, hundertjähriges Steinhaus, davor ein kleiner Gemüsegarten und darunter ein Bienenhaus. Links ein Rebberg, und überall Palmen. Die Aussicht auf eine grüne Ebene, auf der andern Seite schneebedeckte Berge. Rechts ein See.

!!!

Das Tessin, wie wir es kennen und lieben.

!!!

Und mein Mann verliess es, um zu mir zu ziehen.

Die Rückfahrt verschlief ich halb. Die andere Hälfte bestand aus wirklich komischen Typen im Zug.. es war mir unangenehm zumute.. Komisch, bisher hatte mir so etwas nie gross etwas ausgemacht. In Biel regnete es in Strömen, dazu blies ein eisiger Wind. Da ich noch die Tageskarte hatte, und weit und breit niemand mehr war, dem oder der ich sie hätte weitergeben können, so kurz vor Mitternacht, wartete ich auf den nächsten Bus.... lange Minuten. Ich die einzige Frau in der ganzen Stadt, so schien es. In der Dunkelheit um die Busstation herum waren komische Männergestalten auszumachen. Einer schien auf der andern Strassenseite unter lautem Schreien zu erbrechen. Ein anderer lief auf mich zu, machte dann einen Bogen und war plötzlich nicht mehr zu sehen. Nochmal einer suchte Schutz vor dem Regen, aber ein bisschen zu nah an mir. Vermutlich war es auch einfach meine Müdigkeit und das Fehlen meines Mannes, der doch sonst fast immer an meiner Seite ist.


Die lange Reise war es wirklich wert. Familienzeit, Tessinzeit, Sonne, Freunde, und natürlich il mio marito. 

Nun sitze ich in der warmen Küche und überlege, wie der Umzug ins Tessin am besten zu gestalten wäre........

Donnerstag, Januar 09, 2014

Die Rückfahrt: Warschau - Biel/Bienne

 Ein Foto der Hinfahrt...


Die Rückfahrt: Warschau - Biel/Bienne:

Warschau - Poznan:
Zuerst probieren wir während 30 Minuten, auf einer Tankstelle einer Stadtautobahn im Norden Warschaus einen Ride zu finden. Nichts... wir stellen uns sogar fast auf die Autobahn selbst...
Danach fährt uns Sylwia zu einer Autobahnauffahrt westlich Warschaus. Gemäss einer Tramper-Homepage gibt es dort eine gute Chance. Dort angekommen sehen wir, dass es für Autos kaum eine Möglichkeit gibt, anzuhalten. Aber an der Ampel sind zwei Aufkleber eines Tramp-Rennens.... also waren schon andere vor uns da - und sind es jetzt nicht mehr: Hoffnung! Wir warten fast 1 Stunde in der Kälte, dann hält tatsächlich einer mitten auf der Strasse an und fährt uns mit 160 km/h auf eine Raststätte kurz vor Poznan - das ist etwa die Hälfte der Strecke bis Berlin. Yeah! Der Fahrer ist Pole, und er kam gerade aus Marokko zurück. Er reist sehr viel und spricht ziemlich gutes Englisch.

Poznan - Berlin:
Aufgrund kaum mehr vorhandener Sprachkenntnisse stellen wir uns einfach mit "Berlin"-Schild hin. Einige Fahrer halten an und sagen uns, es täte ihnen sehr leid - sie fahren nach Berlin, aber seien schon voll... oh, berührend, dass sie extra anhalten!!! Tatsächlich scheinen viele von den Ferien nach Hause zu fahren (6.1. = Feiertag in Polen und in Süddeutschland). Trotzdem hält bald ein Deutscher an, der mit seinem Sohn auf der Rückreise von Warschau ist. Er fährt uns bis Berlin Michendorf und erzählt SEHR VIEL von seiner Arbeit. Das ist zwar wirklich spannend (ich weiss nun alles über den Gotthard-Basistunnel und diverse Minenprojekte in Kasachstan, China und den Spitzbergen), aber mit der Zeit werde ich etwas müde....

Berlin Michendorf - Halle:
Trotz wenig Verkehr auf Michendorf bzw. vor allem lokalem Verkehr (darunter ein netter Polizist und einige sehr unangenehm aussehende Männer) finden wir schnell eine Mitfahrgelegenheit mit einem BWL-Studenten.

Halle - "Fränkische Schweiz" /Bayreuth/Nürnberg:
Sehr schnell kommen wir weiter von dort. Wir treffen einen anderen Autostopper, der bloss noch von der Raststätte nach Halle muss, und er rät uns, vor dem Burger King Leute zu fragen. Nach wenigen Minuten hält ein Auto mit "N"-Kennzeichen, und es ist sogar nur eine Person darin, und auch kein Gepäck zu sehen (Wir sahen SO VIELE Autos, die vollgepackt waren oder voller Leute waren...). Er nimmt uns gerne mit, geht aber zuerst noch einen Burger essen. Kein Problem. Danach verbringen wir 2-3h mit ihm im Auto. Er ist Musiker, hat eine Band, seine Freundin ist in Brandenburg. Somit unterhalten wir uns über Musik, Konzerte, Erfolgsaussichten, und Fernbeziehung. Um 22 Uhr erreichen wir die Raststätte Fränkische Schweiz, wo es ein Hotel hat. Unser Fahrer fährt uns noch über die Brücke auf die andere Seite zum Hotel. Wir sind überglücklich und checken ein, beziehen unser sauberes und erstaunlich ruhiges Zimmer, gehen noch etwas essen (wir sind die einzigen in der ansonsten völlig leeren Raststätte) und schlafen dann tief und fest.

Fränkische Schweiz - Bruchsal/Karlsruhe:
Wieder ein langer Ride! Zuerst duschen wir ausführlich - was für ein riesiger Unterschied zu einer durchgemachten Tankstellen-Nacht! - und essen gemütlich Frühstück. Wir laufen gemütlich auf die andere Seite der Autobahn und warten auf Fahrer. Nach einer halben Stunde oder so kommt ein Auto mit Chemnitzer-Kennzeichen. "Wenn der uns mitnimmt, wird es eine lustige Unterhaltung für mich", sage ich zu Gianni. Und so kommt es. Für die nächsten 280km höre ich reinstes sächsisch, und erfahre allerlei über die Bundeswehrkarriere unseres Fahrers. Er war auch in den Ferien in "Kübo". Was? Wo? "Kübo". Hmmm, kenne ich nicht. Ahhhh, Kuba!!!!!

Bruchsal - Schau ins Land /Freiburg Nord:
Wir haben riesen Hunger und wollen unbedingt was essen!!! Also packen wir Brot und Käse aus, aber da spricht uns schon ein Mann an, wo wir denn hin wollen? Und kurz darauf sitzen wir in seinem Auto und fahren mit knurrendem Magen 155km nach Süden. Unser Fahrer entpuppt sich anfänglich als äusserst interessante Person. Er war in den 60ern ein hohes Tier bei IBM und entwickelte das Internet mit.... e-mailte schon 1968 um die Welt. Spannend! Später aber drückt immer mehr die pessimistische Weltsicht durch.... er will uns weismachen, dass Bürgerkriege ein gutes Mittel gegen Überbevölkerung seien, und dass wir JA NIE Kinder haben sollen.... Hmm. Ich schätze seine Gedanken zur Welt, aber da ich das Ewige Leben namens Jesus in mir habe, sehe ich die Dinge natürlich etwas anders..

Freiburg - Pratteln:
Nun wollen wir aber wirklich essen. Wir verstecken uns ein wenig um die Ecke und essen endlich unsere Sandwiches (für einmal nicht vegan für mich, da meine Einkaufsmöglichkeiten äusserst limitiert waren...). Es hält ein Auto mit Zürich-Nummernschild. Darin zwei Leute, ein Hund, und unendlich viel Gepäck. Wir fragen sie nicht mal, so aussichtslos ist es. Aber sie schauen die ganze Zeit zu uns hin. Schliesslich fragt die junge Frau uns, wohin wir möchten. Und räumt dann das ganze Auto um und bugsiert den armen Hund bei ihrem Sitz vor ihre Füsse..... Sie sind auf der Rückfahrt von Schweden! Sie macht die Lehre zur Bäuerin auf einem bio-dynamischen Hof, und er arbeitet im Sommer als Alphirte. Sehr nette Leute.

Pratteln/Basel - Deitingen/Solothurn:
Nun sind wir in der Schweiz! Was für ein Gefühl! Ich spreche die FahrerInnen in berndeutsch an, herrlich. Weiter drüben sehen wir einen Car, der zum Unternehmen meines Onkels gehört. Ob wir wohl mitfahren könnten? Aber da fahren sie schon ohne uns davon. Kurz darauf finden wir einen äusserst netten, interessanten jungen Mann, der extra für Gianni ins englische wechselt und mit dem wir sehr coole und interessante Gespräche haben über Ernährung, Ehe und Vaterschaft.

Deitingen-Biel:

Fast zuhause! Wir brauchen nur noch ein Auto, das jetzt von dort nach Biel fährt..... die Raststätte ist praktisch leer, und niemand kommt tanken (siehe Bild). Wir könnten easy eine Fahrt nach Bern kriegen, und von dort den Zug nehmen. Aber lieber probieren wir es noch mit Autostop. Plötzlich hält ein Auto vor uns an. Ich will mich der Beifahrertür nähern, doch der Fahrer, der am Telefon ist, fuchtelt wild mit den Armen und deutet mir, noch zu warten. Also warte ich. Als er dann das Fenster öffnet und fragt, wohin wir wollen, ruft er "Vous avez de la chance, je vais à Bienne!" und sagt uns auf französisch, wir sollen schnell einsteigen. Er ist der speziellste aller Fahrer der ganzen Reise... er raucht nonstop, spricht schnelles Französisch, und erzählt nonstop seine Meinung über alles... ich sage eigentlich nur "Oui....... oui......  ......ouai...... je vois........ c'est vrai?..... ouai.... absolument.......". Wenige Meter von unserer Haustür entfernt steigen wir aus! Es ist 20 Uhr, und wir sind überglücklich!

Mittwoch, Januar 08, 2014

Biel - Warschau; die Hinfahrt

Unsere Autostop-Route: Schweiz: A5 - A1 - A2 - Deutschland: A5 - A6 - A9 - A10 - Polen: A2
Knapp 1'500km, 33 Stunden unterwegs, ca. 2-3h Schlaf.

Das Ziel ist, um 22 Uhr zu schlafen, und um 06 Uhr aufzustehen. Dann verschiebt sich alles ein bisschen.. um 09 Uhr laufen wir in Biel los. Es ist der 2. Januar, also immer noch ein Feiertag; und dementsprechend wenig Autos sind auf den Strassen. Etwa um 10 Uhr steigen wir an der Autobahnauffahrt in ein Auto.

Biel - Raststätte Pratteln, Basel:
Ein Bieler Fahrlehrer, auf dessen Homepage ich vor einigen Wochen Informationen zur Motorradprüfung durchgelesen hatte. Nun sind wir Duzis.

Raststätte Pratteln, Basel - Raststätte Renchtal, Karlsruhe:
Nach einiger Wartezeit hält ein deutscher Bautechniker, der auch Gedichtbände schreibt, an, und räumt sein Auto für uns um.

Raststätte Renchtal - Raststätte Bruchsal:
In Renchtal warten wir EWIG. Wir machen den Fehler, nicht sofort Leute an der Tankstelle zu fragen, weil wir auch alle Gäste des Rasthofes erwischen wollen. Somit stehen wir etwa 2h bei der Auffahrt, zeitweise im Regen. Gianni bleibt voller Hoffnung, während meine Frustration steigt. Endlich nimmt uns eine deutsche Psychotherapeutin mit bis zur nächsten, grösseren Raststätte.

Raststätte Bruchsal (A5) - Raststätte Hohenlohe (A6):
Auf Bruchsal treffen wir drei andere Autostopper. Somit müssen wir quasi warten, bis sie weg sind. Der einzelne junge Mann kommt schnell weg. Bleiben noch der Pole und die Polin, die auf dem Rückweg vom Taizé-Treffen in Strasbourg sind. Sie müssen die nächsten paar Hundert Kilometer genau dieselbe Strecke nehmen wie wir. Zum Glück kommen sie recht schnell weg, und dann haben auch wir schon einen Ride mit einem jungen Paar, das gerade am umziehen ist. Wir schaffen den psychologisch wichtigen Sprung um die Ecke auf die A6, welche in den Osten nach Nürnberg führt.

Raststätte Hohenlohe - Raststätte Kammersteiner Land / kurz vor Nürnberg:
Ein sehr sympatisches britisch-tschechisches Paar nimmt uns mit. Als ich ihn anspreche, sagt er sofort "sure!", und öffnet uns die Autotüre. Wir steigen ein, die Frau auf dem Beifahrersitz guckt etwas erstaunt aber freundlich, dann steigt er ein und erklärt ihr "Honey, these two need a ride to Nürnberg", und daraufhin unterhalten wir vier uns wunderbarst über Kulturen und Beziehung.

Raststätte Kammersteiner Land / kurz vor Nürnberg:
Es ist inzwischen nach 20 Uhr, dunkel, und wen treffen wir auf dieser betriebsarmen Raststätte? Die zwei Polen. Zuerst stehen wir alle vier draussen in der Kälte. Die zwei sprechen jeden Autofahrer, jede Autofahrerin an, während wir warten müssen.. Niemand nimmt sie mit. Der Pole erzählt uns, dass er schon mal die ganze Nacht auf einer Tankstelle warten musste, weil einem nachts niemanden mitnehme. Ich will das Negative nicht empfangen und bleibe voller Hoffnung.

Gegen Mitternacht setzen wir uns im Tankstellenshop auf zum Glück bequeme Sessel, und halten Ausschau nach spärlich ankommenden Autos. Wir kaufen ab und zu einen Tee, damit wir auch dort bleiben können.. Irgendwann schlafen einige ein. Wir wechseln uns ab im Wache halten. Zwischen 02 und 05 Uhr bin ich die einzige, die noch Hoffnung hat, und die hinausrennt, wenn zwischendurch mal ein einsames Auto kommt. Aber entweder fährt es in die Stadt hinein, ins Umland, oder nach Prag. Nur zweimal würde eines in unsere Richtung fahren, aber die wollen uns nicht mitnehmen.

Hinter uns sind Spielautomaten, und an denen sitzen die ganze Nacht spielsüchtige Lastwagenfahrer und ein Franzose, dessen schickes Auto draussen vor dem Fenster steht. Ich nicke auch ein paarmal ein, und dazwischen beobachte ich die zwei Tankstellenangestellten... der eine ist anscheinend auch spielsüchtig, und scheint Bier zu trinken... Ich gehe mal die Zähne putzen (jeder WC-Gang kostet 70 Cents) und setze meine Nachtspange ein.

Gegen 06 Uhr kommt langsam Betrieb auf. Die Polen schlafen; Gianni und ich packen unsere Sachen zusammen und stellen uns in die beissende Kälte draussen, wo kein Auto kommt. Endlich finden wir einen Ride! Ein Pole, der nach Südpolen fährt, könnte uns einige Raststätten weit mitnehmen!!! Aber dann realisieren wir, dass seine Route perfekt ist für unsere Freunde drinnen. Also gehen wir sie wecken, und überglücklich steigen sie kurz darauf ins Auto und sind weg. Wenig später haben auch wir einen Ride! Eine Familie (Mutter-Vater-Tochter), die nach Berlin fährt. Wir sitzen zuhinterst im Van, und immer wieder fallen uns die Augen zu und die Münder auf...

Raststätte Am Fichtenplan /Berliner Ring - Tankstelle bei Lodz, Polen:
Erstmal gehen wir Flammkuchen essen! Dann stehen wir in der Sonne und fragen die spärlichen Autos. Und tatsächlich: Eine englischsprachige Frau bittet uns, zu warten, läuft zu ihrem Van und ruft hinein "Ok guys, now you have to squeeze together!". Ich sehe, wie die Grossmutter ein genervtes Gesicht macht. Die zwei Mädchen sind ok mit uns, und der kleine Hund freut sich über neue Gesellschaft. Wir sitzen zuhinterst eingequetscht, und wenn wir nicht ausführlich mit der Mutter sprechen, schlafen wir immer wieder kurz ein und fotografieren einander, wenn dem andern wieder mal der Kiefer runterhängt.. Die Frau ist Polin, verheiratet mit einem Kalifornier, der mit dem ältesten Sohn in Nürnberg wohnt. Die zwei jüngeren Töchter hatten Mühe mit dem deutschen Schulsystem, nachdem sie aus Kalifornien hingezogen waren, und leben darum jetzt mit der Mutter im polnischen Lodz.... wow.

Tankstelle bei Lodz - Warschau:
Es ist dunkel und kalt, und mein Polnisch, das ich vor Jahren so gut konnte, ist spurlos verschwunden und durch Italienisch ersetzt worden. Einige Polen halten an und sagen etwas, das wir nicht verstehen, und fahren dann weiter. Ein streunender Hund will sich uns anschliessen. Ich bin müde und frustriert bzw. verunsichert... Wir sind irgendwo im Nirgendwo, und es ist stockdunkel.. Dann hält ein Autofahrer, der englisch spricht. Er fährt aber leider nur bis 30km vor Warschau in einen Vorort. Wir streunen weiter auf dem Parkplatz herum, hinter uns folgt uns der Hund.. Plötzlich hören wir, wie ein Auto schnell rückwärts fährt. Es ist der Mann von vorhin. Er bietet uns an, uns in seinem Vorort zum Bahnhof zu bringen, von wo aus es mit dem Zug noch 35 Minuten sind. Wir entscheiden uns schnell für diese Variante und steigen ein. Erleichterung pur!!!! Am Bahnhof kaufen wir ein Ticket, und da steht auch schon der Zug, in dessen Wärme wir wohlig nach Warschau wackeln.

Im Stadtzentrum werden wir von unseren Freunden mit einem uralten Auto, das es nur noch 5x in ganz Europa gibt, abgeholt. Ahhhhhh!!! Abendessen, Tee, und dann tiefer Schlaf.

Freitag, Mai 17, 2013

Abreisen aus Zuhause und uniformierte Engel

Als ich gestern morgen früh um 06.30 Uhr erwachte, war es herrlich kühl. Man konnte gut in kurzen Hosen und Trägershirt draussen sein um diese Zeit. Später würde es dann zu heiss sein dafür. Heute früh, kurz vor 6 Uhr, ist es KALT und es regnet. Ja, ich bin wieder in der Schweiz. Let's just laugh at that...

Packen in Redding, nach drei Jahren.... alles, was nicht in den Koffer oder ins Handgepäck passt, muss weg. Obwohl ich schon in März unglaublich viele Sachen in die Schweiz brachte, musste ich dennoch gestern einige geliebte Kleidungsstücke, Bücher und Tassen wegwerfen bzw. in die Brockenstube geben.

Zwischendurch noch schnell das Auto verkaufen, das auseinandergeschraubte und in eine Box verpackte Velo abholen (20kg), meine Matratze verkaufen, Nahrungsmittel verteilen,... und ab zum Flughafen.

In Frankfurt gibt es an den Lufthansa-Gates gratis Zugang zu Kaffeemaschinen, Heisswasser und Tee. Ich werde ewig dankbar sein.

In Milano hole ich meine zwei Koffer und die Velobox ab. Die Gepäckwägelchen kosten 2 Euro, aber natürlich habe ich keine Euro-Münzen auf mir. Ein wichtig aussehender Mann in Uniform und mit wichtig aussehendem Badge um den Hals sieht mein Problem. Ich frage ihn: Posso pagare con la carta di credito? Das ist einer der wenigen Sätze, die ich beherrsche. Er verneint, aber schleppt meine Velobox durch die ganze Halle und durch den Zoll hindurch, wo er die Zöllner mit Vornamen begrüsst. UFFFFFF.... ich habe nämlich schon gehört, dass ich eventuell viel Zoll bezahlen müsse fürs Velo. Mein uniformierter Freund übergibt die Box meinem draussen wartenden Verlobten, und alles ist gut.

Zwei Nächte praktisch nichts geschlafen, um 23.30 Uhr ins Bett, ab 04 Uhr hellwach.

Ich fühle mich, als ob mein Zuhause weit weg wäre, nämlich in Redding. Es ist, als würde ich einfach hier in die Ferien kommen und Familie und FreundInnen besuchen. Aber nein. Nächste Woche unterschreibe ich einen Wohnungsvertrag und beginne zu arbeiten. Wann wir das Geld haben werden, wieder nach Redding zu fliegen, ist unklar...... Wie lange dauert es, bis man wieder ein Zuhause hat?

Dienstag, Mai 07, 2013

Links sein und ganz rechts leben

Die letzten drei Jahre waren für mich nicht nur geistlich eine interessante Erfahrung, sondern auch in politischer Hinsicht. Während Kalifornien eher demokratisch geprägt ist, ist Redding definitiv eine Republikaner-Hochburg. Schon nur das war für mich neu: Dass hier die allermeisten Menschen sich entweder dem einen oder dem andern Lager zugehörig fühlen. Und die jeweils andere Seite total verachten.

Bis auf ein paar ganz wenige Ausnahmen, die ich an einer Hand abzählen kann, waren alle AmerikanerInnen, mit denen ich zu tun hatte, überzeugte RepublikanerInnen. Eine der Ausnahmen ist die Hausbesitzerin, bei der ich die ersten zwei Jahre lebte: Sie ist überzeugte Tea Party Frau, also noch tausendmal rechter als RepublikanerInnen es sind. Das bedeutet: Der Staat ist nicht nur unnötig, sondern eine direkte Bedrohung von Freiheit. Es gilt, ihn in jeder Hinsicht zu bekämpfen. Am besten legt man gleich Nahrungsmittellager an, falls die Sozialisten übernehmen und es kein Essen mehr in den Supermärkten hat. - kein Witz!!!

Und ausgerechnet ich zog in dieses Haus ein. Ich, die ich bei unzähligen Demos von "Linksextremen" dabeigewesen war und mich selbst oft als "linker als links" bezeichnet hatte. Und ich, die ich zu der Zeit extrem politisch interessiert war, und die ich mir jede Woche die WOZ in dieses Haus schicken liess. Ich, die ich eine politische Diskussion sehr schnell emotional und lautstärkenmässig eskalieren lassen kann..... ask my family.

Ich wusste also, dass es überlebensnotwendig für alle Beteiligten war, wenn ich in diesem Haus gar nicht erst zu diskutieren anfange. Dies bedeutete für mich oft: Rückzug in mein Zimmer..... Mit der Zeit konnte ich es besser nehmen, und liess mir auch einige ihrer Standpunkte erklären. Ich verstand ihre Gedankengänge, aber fand sie natürlich realitätsfremd.

Auch in der Schule und in der Gemeinde wurde ich immer wieder schockiert. Ich merkte immer mehr, wie sehr ich Europäerin bin und die AmerikanerInnen AmerikanerInnen. Dinge wie Irakkrieg, Terrorismus, Waffen und Waffengesetze (RepublikanerInnen und Tea Party Leute nennen das "Waffenkontrolle"), Obama, Krankenkasse, Steuern,...  Was ich überall und jederzeit sah, auch von Leiterinnen und Leitern, die ich äusserst ehre und liebe: Alles staatliche kann eine sozialistische Bedrohung sein, Gesetze zerstören Eigenverantwortung, obligatorische Krankenkasse ist der Anfang vom Untergang der USA, den freien Waffenzugang einschränken zu wollen sowie jegliche polizeiliche Verkehrskontrollen sind Kontrollstaat und beginnender Kommunismus, und alle Steuern sind vom Teufel.

Ahhh..... jetzt brauche ich 10 Minuten Meditation auf dem See.

...

ok. Ich kann nicht ewig so weiterfahren, weil der Blogeintrag sonst ewig dauert. Aber die gute Nachricht ist: Nach drei Jahren habe ich definitiv ein tieferes Verständnis - ja, Verständnis! - für obige Sichtweisen, auch wenn es nicht meine Sichtweisen sind. Aber ich verstehe, wo sie herkommen, und ich kann sogar eingestehen, dass gewisse (ganz wenige, hahaha) Gedankengänge auch Sinn machen. Mein Horizont ist definitiv erweitert. Alle EuropäerInnen haben jetzt Angst, ich werde zur FDP übertreten. NEIN.

Etwas anderes, was mir gut tut, ist zu wissen, dass Jesus über dem allem steht. Wir können unterschiedliche Meinungen haben und uns trotzdem lieben. Ich bin es noch am lernen, in politischer Hinsicht. Aber ich weiss, dass es geht.

Zum Abschluss drei Höhepunkte:
- Ein Schweizer Student, der auch hier ist, gehört in der Schweiz einer rechts-aussen Partei an. Was mich schockierte, denn er war und ist mir äusserst sympatisch. Er fragte mich nach meinen Ansichten zum Asylwesen. Nachdem ich Auskunft gegeben hatte, fragte ich ihn nach seinen Ansichten, obwohl ich Angst hatte, nicht damit umgehen zu können. Aber dann begann er zu erzählen, und ich merkte, dass sein Herz völlig den Menschen - allen Menschen - zugewandt ist, und dass er alle Menschen liebt. Aber dass er gewisse Dinge anders zu lösen versuchen würde. Wow!
- Kurz vor dem Wahlen erzählte eine Leiterin dieser Gemeinde in einem Kurs, dass sie seit immer und ewig registrierte Republikanerin sei. Aber sie habe über diese Wahlen gebetet und werde am Wahltag selbst zur Urne fahren, dort den Heiligen Geist fragen, wen sie wählen soll, und das dann tun, sogar wenn es Obama wäre. Denn nur Gott wisse, welcher der beiden Männer sein Herz in Zukunft für Jesus öffnen werde.
- Eine gute Bekannte von mir, ebenfalls seit sie denken kann Republikanerin, war vor den Wahlen intensiv am beten, dass ein Republikaner gewinnt. Als sie von Obamas Sieg erfuhr, begann sie zu weinen und dachte echt, das sei der Anfang vom Untergang!! Aber dann begann sie, mit Gott zu connecten, und ihr Herz veränderte sich radikal, und seit dem habe ich sie schon mehrmals aufrichtig und voller Liebe FÜR Präsident Obama beten hören.

Trotzdem gut, kann ich wieder in ein Land wohnen gehen, wo nicht jeder Zweite eine Pistole auf sich trägt.

Samstag, April 27, 2013

In der Hitze die Kühle des Tages umarmen

TRANSITION!!!

Wieder einmal eine Übergangszeit. Von Kalifornien in die Schweiz, aus einer Schule bzw. einem Praktikum zu einer Arbeitsstelle, aus dem Single-Leben-in-Fernbeziehung - schliesslich lebe ich ja nebst skypen ein ziemlich unabhängiges Leben - hin zu Zusammen-Wohnung-einrichten und die letzten drei Monate Hochzeitsvorbereitung. Von 35° Sommer zu 10°-30°-es-wechselt-jeden-Tag-Sommer. Von Wieland zu Guida. Von Freundin zu Frau. Von Ausländerin zu Schweizerin.

Man könnte versuchen, es zu verdrängen, aber das lässt den unbewussten Stresspegel dennoch stetig raufsteigen. Somit bleibt nur das Umarmen. Wie schön, "Umarmen". Embracing the transition. Das drückt sich aus in: Jeden Morgen die Kolibris vor dem Fenster bestaunen und auf dem Weg zum Briefkasten bewusst die Sonne und Wärme geniessen, gleichzeitig jeden Tag etwas mehr erledigen, wie z.B. Wohnung kündigen, Auto-Verkaufspreis errechnen, noch einen letzten Ausflug zum See planen.

Ich möchte gähnen können, aber es geht nicht. Somit bleibe ich im Zustand zwischen genug Luft zum Leben haben aber nicht genug zum Atmen.

Tief Luft holen: Schlafen gehen mitten am Nachmittag. Ein neues Buch zu lesen beginnen. An ein Fussballturnier gehen. Einen Bio-Bison-Burger essen gehen, schon nur wegen der Alliteration. Und jetzt konnte ich auch gähnen.

Etwas abschliessen bedeutet auch, neue Pläne zu schmieden oder Raum für neue Ideen zu haben. Soll ich jetzt eine Vernuftsentscheidung machen, und etwas "Richtiges" studieren gehen, oder soll ich das richtige tun und ein Künstlerleben umarmen? Ich sehe, wie Menschen um mich herum etwas Richtiges lernen und arbeiten, und dennoch keine Sicherheit oder nicht unbedingt daraus folgend einen Lebenssinn erfahren. First world problems, ich weiss. Das gut tun, was vor mir liegt. Träume träumen, die gross genug sind, damit ich sie ohne göttliches Wirken nicht ausleben kann. Der Herr wandelte im Garten, als der Tag kühl war, und ich wandle mit Ihm, bleibe cool und plane, coole Dinge zu tun.


Sonntag, Februar 03, 2013

Wenn das vierte Jahrzehnt kalt beginnt, wird es super

Ich habe jetzt also bereits drei Jahrzehnte hinter mir. Erstes Jahrzehnt: Entdecken. Zweites: Jung werden und jung sein. Drittes: Erwachsen werden, heil&gesund werden, gesund leben lernen. Viertes: (Oh Gott, habe ich wirklich soeben "viertes" gesagt?) - Endlich das Leben in vollen Zügen geniessen. Ha!

Ich wurde also reich gesegnet, so dass ich my man, meinen zukünftigen Ehemann, an der Ostküste besuchen durfte. Nach Boston kam New York. Es war EISkalt. Aber wir hörten, bevor wir gekommen seien, sei es NOCH kälter gewesen... Aber es war herrlich. Viel viel laufen, die Subway kennenlernen, und sehr gut essen. Wir unternahmen in zwei Wochen eine Weltreise, in dem wir wie folgt assen: Schweizerisch (Fondue!!), Thai, Italienisch, Polnisch, Türkisch, Amerikanisch, sowie Libanesisch?! (Schawarma).

Am Donnerstag trafen wir uns mit einer Freundin von mir, die Polin ist. Sie zeigte uns einen grossen Teil von New York und danach "Little Poland". Ein Quartier wo alles polnisch ist. Polnisch angeschriebene, original polnische Produkte, Restaurants, Musik,... und die Leute dort sprechen zum Teil nur polnisch, gar nicht englisch. Wir gingen polnisch essen, es war herrlich, und ich bekam erst noch mein Lieblingsbier, Zywiec, dazu.

Am nächsten Tag erhielten wir von ihrem Freund Gratistickets, um zuoberst auf das Rockefeller Center zu können. Normalerweise wäre es 25.- pro Person. Wow. Was für ein umwerfendes Geburtstagsgeschenk. Es war wirklich der schönste Geburtstag ever. Besonders zusammen mit my man Gianni. Um den Tag abzurunden, kauften wir uns im Hummusparadies einen getrocknete Tomaten Hummus und Pitabrot, und schauten Superman in der Hostellobby.

Nun sind wir zurück in Boston, von wo wir morgen zurück in die Schweiz bzw. nach Redding fliegen. Und so geht die Fernbeziehung weiter. Aber jetzt ist es nicht mehr so schlimm.

Weil hier sind noch die Päärlifotos: hier.

Blick in den Süden von Manhattan
Blick in Manhattans Norden

Man entkommt ihr einfach nicht


Mittwoch, Januar 30, 2013

Bostoner Kaffeeparty

Noch 10 Beiträge, und die 1000er Grenze ist überschritten. Noch 199 Tage, und ich bin verheiratet. Noch 2 Tage, und ich bin 30. Noch ein Tag, und ich bin in New York.

Aktuell aber: Boston. Es ist äusserst ungewöhnlich. Bereits zwei Tage ohne Sonne. Da bin ich mir von Redding anderes gewohnt... aber dafür schneite es gestern!!!!! Oh, wie habe ich das vermisst. Kälte, richtige Kälte, nicht so lächerliche 10 Grad, sondern tatsächlich ein paar Minusgrade. Anscheinend war es letzte Woche so richtig tief im minus, aber das haben wir verpasst.... und ich bin schon ein bisschen dankbar dafür.

Ich schlafe in einem Bed and Breakfast auf einer Luftmatraze, und der Kater, den meine Gastgeber haben, ist komisch. Aber er schläft auf meinem Bett, und das macht mich glücklich. Was mich auch glücklich macht: Mit meinem wundervollen Verlobten zusammen in einer alten Kirche auf dem Harvard Campus sitzen und Filme drehen. Mit demselben Mann zusammen Einkäufe in einem Bio-lokalen-alternativen Geschäft tätigen. Oder in der U-Bahn so tun, als würde man sich gerade zum ersten Mal begegnen.

Ausserdem entdeckte ich den Himmel: Der Harvard-Bücherladen. Ich wünschte, ich würde dort ein halbes Jahr lang eingesperrt werden....



Samstag, Oktober 20, 2012

Von Zähnen und im Wind wehenden Mähnen

Wir nähern uns der 1000-Eintrag-Grenze!

Und so wie man 1000 Blogeinträge auch nur erreicht, indem man immer den nächsten Beitrag verfasst, so ist es auch sonst im Leben. Felix, der kürzlich aus der Stratosphäre sprang, sagte, dass er als Jugendlicher nicht wusste, dass er das mal tun würde. Aber er wusste schon immer, dass er fliegen will. Also nahm er immer den nächsten Schritt in Angriff. Wann immer sich ihm eine Gelegenheit ergab, dazuzulernen, oder eine andere Form von Fliegen auszuprobieren, packte er sie beim Schopf.

Und so blickte ich heute Morgen in den Spiegel und sah: Meine Zähne. Und zwar: Die Schaufeln praktisch ganz beieinander. Die untere Zahnreihe nicht mehr wild hinter- und durcheinander, sondern fast perfekt in Reih und Glied. Die beiden Seitenreihen links sind direkt übereinander - fast. ABER: Wenn ich zusammenbeisse, dann passt es noch nicht. Es fühlt sich komisch an, unbefriedigend, ich kann nicht richtig beissen und kauen.
Seit Anfang Februar dieses Jahres trage ich eine Spange. Alle zwei Wochen kommt eine neue Schiene dran, und dann tut es immer am meisten weh. In all den Monaten seit Februar fiel mir nur mehr und mehr auf, dass die Lücke vorne kleiner wurde, und das Beissen schwieriger. Aber ansonsten nahm ich eigentlich nur die mühsamen Begleiterscheinungen der Spange wahr.

Logischerweise gibt es auch hier die Pointe: Durchbrüche sind super - und daneben gibt es auch Umbrüche, deren Effekt nicht weniger toll ist. Aber sie passieren manchmal über so lange Zeit, dass sie einem kaum auffallen. Aber plötzlich stehen Alpen da.

Manchmal ist es auch so: BÄM - Durchbruch: eine Spange auf den Zähnen! Und dann der Prozess der Umsetzung.. das ist der Lebensstil, Gedankenmuster, tägliche Entscheidungen.

Immer wieder geht es auch so: Du schreibst einen Traum auf (ein kleines Flugzeug fliegen - als Pilotin) und denkst dir noch während des Schreibens, ja ja, vielleicht in 25 Jahren mal.. und nichts geschieht, nichts, nichts, nichts, bis 10 Monate später: BÄM:





Sonntag, August 19, 2012

Heim-ab

Noch zwei Wochen Schweiz. Seit zwei Jahren schon lebe ich immer irgendwo in einem Zwischenraum. Man richtet sich nicht wirklich ein, lebt zur Untermiete, ist temporaer angestellt. Wenn ich Honig kaufen will, rechne ich zuerst aus, ob es sich noch lohnt - kann ich ihn bis zur Abreise aufessen? Will ich Kleider kaufen, sehe ich wieder davon ab, weil ich bereits an den vollen Koffer denke, mit dem ich bald wieder zum Flughafen gehen werde. Spontan Freundinnen in der Nachbarstadt treffen? Aehm nein, ich spare Geld..

Dasselbe in Redding.. es ist mein Zuhause, aber auch nicht. Ich fuehle mich daheim, aber es ist nicht Heimat. Temporaer, voruebergehend, fuer eine Zeit.

Unzaehlige Male habe ich diesen Sommer gesagt: "Wenn ich dann mal wieder richtig hier lebe, sollte ich das oefters tun / werde ich dem nachgehen / das machen / kann ich wieder ein Sozialleben fuehren / etc.". Vielleicht ist diese Haltung nur die zweitbeste. Vielleicht sollte ich ueberall und immer so leben, als waere es richtig und fuer immer. Aber dann tut der Abschied noch mehr weh.

Es waren die zwei besten Jahre meines Lebens, und das dritte wird mich garantiert nicht enttaeuschen. Trotzdem ist dann mal gut mit dem aus dem Koffer leben, mit dem Wochenaufenthalterin sein, mit dem so halb hier und dann wieder weg.

Freitag, Juli 13, 2012

5 Tage, 5 Pässe, 1 Alp, und ein Huhn ohne Kopf

Klavierkonzert eines der besten Pianisten Italiens, in einer Kirche von 1343.
Pass 1 von 5
Alphütte im Engadin - hier war ich doch schon einmal
Weil Ernestyna einmal eine Kuh ohne Kopf in den Bergen fand, hier ein Huhn ohne Kopf, ebenfalls in den Bergen gefunden.
Zuhause geographisch und im Herzen. Ooooohhhhhh....
Wunderschöne fünf Tage habe ich hinter mir - per Autostop ins Berner Oberland (zwei Autos, eines davon mit 3 jungen Männern, insgesamt 20min Wartezeit), dann mit der Freundin über zwei Pässe den Ferien-Gotthardstau vermeiden. Mit unseren Freunden entdeckten wir ein kleines Tal im Tessin und genossen ein Klavierkonzert in einer uralten roten Kirche, die hinter Ruinen aus dem 12. Jahrhundert versteckt war. Am nächsten Tag Baden in einem eiskalten kleinen Fluss, bei einem Wasserfall. Weiter ging es nach Locarno, wo wir meine Tante besuchten und die Kunstausstellung von Sibe+Muck genossen.

Dann wieder über zwei Pässe, diesmal mit dem besten Mann der Welt, und ins Engadin, wo wir die vierte Landessprache, rumantsch, hörten. Wir entschieden uns aber, für den anderthalbstündigen Marsch auf die 2000müM. Alp ausschliesslich die dritte Landessprache, italienisch, zu sprechen. Oben war dann englisch die Hauptkommunikation, aufgrund uns und einem Besucher aus dem Ausland. Wir überlebten die Nacht in einem Gewitter, bei dem die Alphütte regelrecht vom Donner geschüttelt wurde (!).  Die einzige Person, die ungestört durchschlief, war die anderthalbjährige Tochter der Alphirten.

Tags darauf dreieinhalb Stunden Fahrt ins Emmental. Dort schauten wir den unglaublichen Film Father of Lights, predigten zu Schafen und stellten Kühen Fragen, welche durch Blinzeln beantwortet wurden.

Jetzt wieder zurück an die Arbeit. Es war sooooooo schön!!!

Freitag, Juni 22, 2012

Autostoprekord, schon wieder

Zum ersten Mal mit meinem Freund zusammen trampen. Wir sind in Bern eingeladen und zu spät dran. Also sagen wir, zur Abfahrtsstelle laufend (20min), "Jesus, bitte gib uns ein Auto, das in die Nähe unseres Ziels fährt". Wir erreichen die Autostrasseneinfahrt, halten den Daumen raus, und 10 Sekunden später hält ein Auto an. Wir fahren los, die Fahrerin, eine angehende Hebamme, fragt uns, wo in Bern wir hinmüssen. Ich sage ihr unsere Wunsch-Ausfahrt. Sie so: "Ostring? Da muss ich auch raus, ich wohne an der und der Strasse". Ich so: "Diese Strasse? Da müssen wir hin! Nummer W". Sie ruft: "W? Ich wohne an Z" ---- ihr Hauseingang ist zwei Häuser weiter als der, zu dem wir müssen. Als wir ankommen, parkt sie vor einer Holzofenbäckerei, die nur zweimal im Monat auf hat. Gerade jetzt hat sie noch etwa 10 Minuten lang geöffnet. Wir kaufen herrliche Bröter und sind pünktlich zu Gast.

Sonntag, Mai 20, 2012

Von PST zu MEZ

Morgen Sonnenfinsternis! Dann drei Tage Wohnung suchen, Packen, Putzen.
Ausserdem studiere ich gerade am Schlachtplan gegen Jetlag herum. Ich konsultierte verschiedenste Websites, und mein Plan ist nun, früh ins Bett zu gehen und früh aufzustehen, mich die nächsten Tage viel zu bewegen, homöopatische No-Jet-Lag Tabletten zu kaufen, und jeden Tag zu deklarieren: Mein Körper kann sich gut umstellen.

Ich lebte nun schon zum zweiten Mal während neun Monaten in Kalifornien. Ich kann mich in Fahrenheit ausdrücken (ab 85 ist gut, 90 ist super, ab 100 wird es auch für mich schwierig), bekunde hingegen Mühe zu wissen, wie sich 22 Grad Celsius anfühlen. Ich schreibe das Datum "5-19-12" anstatt "19.5.12", und finde es ganz normal. Ich schreibe 1 wie ein I. Ich kann immer problemloser mit Quarters und den restlichen Münzen umgehen (68 cent? 2 Quarters, 1 Dime, 1 Nickel, 3 Pennies), und finde Schweizer Münzen ungewöhnlich gross.

Es wird schön sein, wieder in der Heimat zu sein. Ich werde es merken, wenn ich dort bin. Aber die letzten Monate wurde mir Redding zum Zuhause. Und es wird nicht nur eine Abreise sein, sondern ein Verabschieden von der herrlichen, schweren Hitze, von den Wildgänsen, die frühmorgens laut rufend im Tiefflug über unser Haus fliegen, von den Kolibris, die vor unsern Fenstern Futter suchen, von Circonflexe, meinem Velo, vom Red Fox, unserem Autöchen, vom Kater Phantom, vom Trader Joes, vom homeschoolen jeden Donnerstag. Und hier sind noch nicht mal alle Menschen hier erwähnt! Wobei die meisten schon abgereist sind.. bis auf meine wenigen amerikanischen Freundinnen, die aber sehr nahe an meinem Herzen sind.

Gleichzeitig kann ich die Ankunft in Bern auch kaum erwarten. Offensichtlich natürlich, weil damit meine Fernbeziehung für den Sommer das "Fern" verliert. Und dann ist dort meine Familie, und sind meine Schweizer FreundInnen. Und Ovoglace und Aareschwimmen.