Samstag, Januar 31, 2015

Umständlich in anderen Umständen rumstehen

Während ich dies schreibe, kaue ich leicht angewidert an Kartoffelstock herum, obwohl ich mega hungrig bin. Seit über einem Monat sind essen und trinken eine grosse, tägliche Herausforderung. Grosse Abneigung bis hin zu Brechreiz beim blossen Gedanken an Nahrungsmittel und Gerichte - oder auch nur Wasser. Dies zu schreiben kostet mich Überwindung, weil es sich schon wieder um Essen dreht.

Ich bin schwanger. Wie kann ich einen Blogeintrag schreiben, ohne dies zu erwähnen? Schliesslich drehen sich meine Gedanken jetzt fast ausschliesslich um Themen, die mit Schwangerschaft zu tun haben. Natürlich bin ich total happy über die Schwangerschaft. Nichtsdestotrotz muss ich sagen, dass die letzten Wochen schwierig zu ertragen waren. Müdigkeit, Schlappheit und Schwindel sind ja noch nachvollziehbar - schliesslich baut mein Körper in rasendem Tempo einen Menschen und lässt ihn wachsen! -(Gestern beim Einschlafen überkam mich eine solche demütige Dankbarkeit, dass ich eine Frau sein darf! Was für ein Privileg, das Bauen und Heranwachsen eines neuen Menschen beherbergen und bewirten zu können und zu dürfen!)-  Aber Übelkeit?? Es gibt diverse Erklärungen, genau weiss man es aber nicht. Anscheinend ist es aber ein gutes Zeichen, weil mein Körper auf etwas "Fremdes" reagiere und lerne, damit umzugehen. Eine andere Erklärung ist, dass bis zur 16. Woche fleissig an der Plazenta gearbeitet wird. Nachdem die mal ganz ihre Arbeit aufnehme, soll die Übelkeit bei den allermeisten Frauen weggehen - manchmal von einem Tag auf den andern, mal schon in der 12. Woche, oder eben erst in der 16. Bei manchen bleibt sie die ganze Schwangerschaft, aber solche Gedanken weise ich entschieden weg.

Stichwort Gedanken wegweisen. So eine Frühschwangerschaft ist ja das beste Übungsfeld dazu. Man muss sich das mal vorstellen: Der positive Schwangerschaftstest, die grosse Freude! Die engsten Freundinnen werden sofort informiert. Ich rechne den vermutlichen Entbindungstermin aus und suche online nach Infos zur aktuellen Schwangerschaftswoche. Dann folgt irgendwann der erste Arztbesuch (Hausarzt). Er als erstes auf meine Bemerkung, dass ich übrigens kürzlich einen positiven Ss-Test gehabt habe: "Und das ist gut für Sie? Wollen Sie austragen?" (das erinnert mich gerade an eine andere Episode, als ich ins Unispital anrief, und zwar eine Nummer für "Soziale Beratung bei emotionalen,...,finanziellen Herausforderungen durch eine Schwangerschaft". Ich rief dort an, weil ich spezifische Fragen zu Mutterschutz und Arbeit/Kündigung hatte, und mich auch finanziell herausgefordert fühlte mit der Schwangerschaft. Ich schilderte meine Fragen. Als allererstes wurde ich gefragt, ob ich austragen wolle. Ich bejahte. "Dann sind Sie hier falsch. Wir beraten nur Frauen, die einen Abbruch in Betracht ziehen. Hmm, ich weiss gar nicht, an welche Stelle ich Sie verweisen könnte?"  - Das ist wirklich passiert!!!!!!). Zurück zu meinem Hausarzt und seiner Frage, ob ich austragen wolle. Ich kann das ja noch verstehen, weil seine tägliche Realität offensichtlich so aussieht, dass nicht alle glücklich über eine Schwangerschaft sind. Aber dann sagt er: "Behalten Sie es am besten noch für sich, denn ein Drittel aller Schwangerschaften enden in einer Fehlgeburt". Dies mag ja auch eine von ihm oft erlebte Realität sein. Aber wirklich? Da kann man sich ja direkt vorstellen, wie ich aus der Praxis rausgehe...... Es brauchte im Anschluss einigen Aufwand, nicht mit Angst zu partnern. Ich kann noch so deklarieren und Hände auflegen und das reiskorngrosse Mini-Leben segnen mit Schutz und Gesundheit - wenn ich das aus Angst heraus tue, suche ich besser mal die Gegenwart und den Frieden Gottes auf.

Also hab ich grad EXTRA vielen Leuten von der Schwangerschaft erzählt. Vor Monaten hatte ich mal ein Buch namens "Pregnancy in His Presence" gelesen, und die Autorin machte eine Aussage, die mich beeindruckte. Sie lautete etwa so: "Jedesmal, wenn du jemandem sagst 'ich bin schwanger', sprichst du damit gerade Leben in die Schwangerschaft hinein, bestätigst sie".

Meistens konnte ich den Frieden und Fokus behalten. Das Menschlein ist hier, es ist gekommen, um zu leben und um zu bleiben. Das Herz schlägt. Gott kenn schon jeden Tag seines zukünftigen Lebens. Im Himmel gibt es keine Fehlgeburt. Ich bin versetzt an himmlische Örter; das Reich Gottes ist nahe herbeigekommen und in Reichweite, also reiche ich tief hinein und rieche daran.

Nach vielen Wochen hatte ich das erste Mal den Mut, diesen Fehlgeburtsstatistiken nachzuforschen. Viel fand ich bis jetzt nicht, aber man kann auf gar keinen Fall einfach so kategorisch sagen "jede 3. Ss endet schlecht" !!!

Darum schreibe ich jetzt auch extra vor der 12. Woche diesen Blogeintrag :-)   Ich bin gerade Ende der 10. Woche. Anscheinend. Nach meinen Berechnungen wäre ich 10 Tage weiter. Ich weiss nämlich genau, in welchem 3-Tages-Zeitraum der Eisprung gewesen sein muss. Aber beim ersten Ultraschall wurde das kleine Himbeerchen vermessen (1,5cm) und gemäss Ärztin war ich dann plötzlich erst bei Woche 7+5, anstatt wie von mir berechnet 9+irgendwas. Es ist mir ein Rätsel. Naja, egal, jedenfalls hörte ich bei dieser Gelegenheit den Herzschlag dieses mini-Lebens!! 1,5cm gross und solch einen Herzschlag! Schnell und kräftig. Ich kann wirklich sagen, dass das in etwa der bewegendste Moment meines Lebens war, vergleichbar höchstens mit Momenten, in denen Gottes Gegenwart extrem stark wahrnehmbar ist.

Dieser Blogeintrag wird ewig lang, aber schliesslich muss ich ja all die bloglosen Wochen aufholen..

Das mit der Übelkeit ist auch so ein Ding. Leute beteten zwar für mich, dass die Übelkeit weggeht, aber ganz unter uns: Ich hielt mich krampfhaft an ihr fest und wollte nicht, dass sie geht. Es ist komisch. Die Übelkeit ist eins meiner einzigen Zeichen, dass ich schwanger bin. Vom Baby spüre ich noch lange nichts. Einen Bauch habe ich noch nicht wirklich und wenn, dann vor allem, weil meine Darmtätigkeit arg reduziert ist durch die Hormone, und ich einfach gebläht bin. Zweitens ist ja die Übelkeit ein gutes Zeichen - statistisch gesehen haben Frauen mit Schwangerschaftsübelkeit weniger Fehlgeburten. Hmmmmmm - vertraue ich der Übelkeit mehr, als ich Gott vertraue, oder meinem Körper, oder dem, was ich meine, zu glauben? Predige ich Wein und trinke Wasser? Intensiv hab ich in den vergangenen Tagen darüber nachsinniert, wieder angestossen von einem wunderbaren kleinen Büchlein namens "Supernatural Childbirth" (oh ja - ich habe noch viele mehr solche Bücher auf Lager!). Ich hab mich also gestern Abend in einer meiner vielen Stunden auf der Toilette (eben, eingeschränkte Darmtätigkeit) mal am Riemen gerissen und mich zu ein paar klaren Gedanken durchgerungen - schwierig, wenn man sich nonstop ELEND fühlt... man wird total passiv-depressiv.. - und sprach dann tatsächlich über mir aus, im Glauben - klein, aber vorhanden-, dass es mir nicht schlecht sein muss, so dass mein Baby gesund und munter weiterwächst.

Jetzt beginnt ja dann sowieso die 11. Woche, und es sollte bessern. Wir werden's sehen. Schön wärs!

Morgen werd ich 32. Ich versuche jetzt mal, einen Kuchen zu backen.

Donnerstag, Januar 08, 2015

Katzen haben sicher nie Halsschmerzen

Heute Morgen sagte mir mein Mann, er habe Halsweh. Ich wollte ihm einen guten Ratschlag geben und fragte ihn auf englisch: "Wie sagt man dem auf italienisch (*gurgelndes Geräusch*)??" - er antwortet mit einem Ausdruck auf italienisch und fragte, warum? Ich erwiderte: "Mach das mit Salzwasser, das hilft total". Nach einigen Sekunden Stille dreht er sich um und ruft, ahaaa, du meinst gurgeln?? Ich dachte, du meinst Schnurren wie eine Katze!

Sonntag, Januar 04, 2015

Wintergedanken

Winter war jeweils super, wenn ich warm angezogen in tiefem Schnee spielen oder später spazieren konnte. Man blieb warm durch Bewegung, hatte all die wasserdichten Stiefel und Hosen, hatte Zeit, baute Iglus und Schneemänner und überall waren kleinere und grössere Hügel, die man auf Schlitten / Skiern / Plastiksäcken runterrutschen konnte.

Fast forward 20 Jahre. Matsch in der Stadt. Bräunliche salzige Masse überall. Es schneit, mit wässrigen Fäden durchmischt. Winterjacke ist uncool, Winterschuhe sind uncool; ich schaue mich um: Alle anderen Frauen laufen mit schicken Stiefeletten herum, einer Bluse und darüber evtl. eine leichte Herbstjacke. Ich krieg schon Rückenschmerzen von meiner verkrampften Haltung, die ich der Kälte wegen unbewusst eingenommen habe.

Solange ich nicht wieder aufs Land ziehe, bin ich definitiv für den Sommer gemacht. Immerhin war der Schnee schön anzuschauen, und die Tage werden wieder länger.