Mittwoch, Juni 27, 2007

Willkommen, Semesterende!

Damit ich das Jahr auch gebührend abschliessen kann, schaue ich nochmal zurück, suche meine Prozesse, beleuchte sie und schreibe alles auf. Daneben steige ich in meine Papierberge und suche nach Texten, die meinen Prozess belegen, um sie ebenfalls in das Evaluationsdossier einzufügen. Bekanntlich habe ich ja diesen Frühsommer versehentlich meine sämtlichen jemals auf meinem Powerbook geschriebenen Texte GELÖSCHT, so dass mir nur die Ausdrucke bleiben und die Erleichterung, so viele Altpapierabfuhrdaten verpasst zu haben.
Meinen Arbeitsplatz möchte ich niemandem vorenthalten:

Dienstag, Juni 26, 2007

Tu m'passes le Aahöiel?

Le Jura! Vor mir das Seeland, Mittelland, die Alpen, der Neuenburger- und der Genfersee, eine Aussicht bis ins Unterwallis hinein, und vorne dran Judith, hinter mir das Val de Travers, das Tal, aus dem der Absinth herkommt, und noch weiter hinten La France!

Meine Klasse, oder zumindest der Grossteil davon, verschanzte sich ein Wochenende lang auf einem alten Bauernhof auf über 1'200m, es war kalt und gab Sonnenbrand auf der Nase, Grillbratwürste und selbstgebackene Güetzi, Bier und äh, Bier, eine echte Soundanlage und barfuss tanzen auf der Wiese, Wanderung auf den Chasseron (irgendwoher muss der oben beschriebene Ausblick ja kommen), Diskussionen über unsere Arbeitsweise ("also ich schreib eigentlich nie" - "ich auch nicht"), eine Schaukel in der Scheune, und selbstverständlich interlinguare Kommunikation: Tu me passes le Aahöiel?

Mittwoch, Juni 20, 2007

Gedanken über das Hupen


Ich wohne an einer viel befahrenen - und seit der Bahnhofplatzsperrung noch viel mehr befahreren - Hauptstrasse, ausserdem praktisch neben einer Kreuzung mit Ampeln, Fussgängerinseln, Bus- und Postautohaltestellen. Letztere befinden sich direkt unterhalb unseres Küchenfensters. Da ich die meiste Arbeit für mein Studium zuhause erledigen kann, bin ich tagsüber oft am Puls dieser Verkehrsschlagader.

Was poetisch klingt, zeigt sich für mich vor allem in Geräuschen wie Gasgeben, Abbremsen, wieder Gasgeben und - dies der Grund für diesen Eintrag - Hupen. Ich frage mich, warum eigentlich so viel gehupt werden muss. Die Autofahrer, die an meinem Haus vorbei Auto fahren, hupen frühmorgens, hupen tagsüber und hupen sogar spätnachts. Ein Hupen in besonderen Gefahrenmomenten sei niemandem verwehrt und dient schlussendlich allen. Allerdings mache ich an dieser meiner Wohnlage die Beobachtung, dass die meisten AutofahrER ein lockeres Händchen haben, wenn es darum geht, mal kurz oder lang auf die Hupe zu hauen, wenn sie genervt sind von anderen Verkehrsteilnehmern.

Nun, die meisten modernen Autos sind gut ausgestattet und so konstruiert, dass man innen sitzend vom Lärm ausserhalb der Karosserie bestens abgeschottet ist. Man muss ja nicht mal mehr das Fenster öffnen für Luft oder Abkühlung, dafür gibt es ja eine Klimaanlage, die übrigens auch nur gegen aussen Lärm absondert. Wie dem auch sei, anscheinend ist den AutofahrERn nicht wirklich bewusst, welchen Krach ihr Hupen eigentlich macht. Ich zucke jedesmal ein wenig zusammen, was im normalen Alltag recht häufig vorkommt und zu Stosszeiten sowie bei Grossanlässen in der Stadt noch mehr. Wegen allem wird gehupt. Wenn einer nicht sofort bei Gelb anfährt, wenn jemand beim abbiegen verwirrt ist und zögert, aus Versehen oder wegen Ortsunkundigkeit jemandem vielleicht ein kleines bisschen Vortritt wegnimmt oder zu langsam durchbraust.

Ich als leidenschaftliche Velofahrerin verhalte mich da völlig ruhig und still. Viel anderes bleibt mir auch nicht übrig. Würde ich klingeln, wäre das erstens lächerlich, und zweitens lebensgefährlich, weil ich ja zum Klingeln den Lenker weniger gut halten könnte, was bei meiner Fahrweise - und vor allem der Fahrweise der Autofahrerinnen und -fahrer - verheerend sein kann. Mir als Velofahrerin wird wirklich häufig der Vortritt genommen. Dies vor allem von am Steuer von teuren Büntinen sitzenden Männern, wie ich aus total objektiven und empirischen Untersuchungen weiss.

In letzter Zeit habe ich begonnen, mich auch als gleichberechtigte Verkehrsteilnehmerin aufzuführen. So bin ich auch schon einem Autofahrer, der mich hupend überholt hat (weil ich mehr als 5 cm Abstand zum Randstein hatte), hinterhergefahren und habe an einer roten Ampel neben ihm gehalten um ihn zu fragen, was er eigentlich für ein Problem hatte. Da wurde aus dem hupenden Macho ganz schnell ein hihi-junge-Dame-ich-wollte-doch-nur-flirten-Pascha.

Bis ich irgendwann in die polnische Wildnis ziehe, überlege ich mir halt weiterhin 43x täglich, warum um alles in der Welt denn jetzt eigentlich schon wieder gehupt wird.

Montag, Juni 18, 2007

Mitteilungen, die die Welt braucht

Während der letzten halben Stunde - oder waren es 3/4? - habe ich eine sms geschrieben! Ich möchte sie euch nicht vorenthalten (natürlich ist es nicht möglich, hier mit den echten polnischen Buchstaben zu schreiben):

Dziekuje, bylo bardzo dobre. Tylko przeziebienie idiotyczny! Jestem nie beznadziejny. Co pani robisz czwartek? Spotkamy sie po poludniu miedzy 13.00 a 16.00.

Die Übersetzung würde wohl ungefähr so lauten: Danke, sehr gut! Nur Erkältung blödsinnig! Ich bin nicht hoffnungslos. Was machst du Donnerstag? Treffen wir uns zwischen 13.00 und 16.00.

Ich möchte an dieser Stelle dem Langenscheidt Universal-Wörterbuch Polnisch danken und anmerken, dass auch ich mich jetzt mal langsam an die Arbeit mache. Besten Dank fürs durchlesen.

Samstag, Juni 16, 2007

Gemeinsam sind wir stark

Nach einer Nacht mit meinen Freunden (s.Foto) und dementsprechend wenig Schlaf am Mittag eine Sitzdusche mit Jill Scott, jetzt ein kurzer Abstecher in die Stadt, danach Arbeiten, und eigentlich wollte ich ja noch an die Drum'n'Bass im Dachstock, aber vielleicht kehr ich auch wieder zu obigem Bild zurück.

Mittwoch, Juni 13, 2007

hötörnöt

In letzter Zeit überlege ich mir immer wieder, was eigentlich alles so unter die zehn besten Erfindungen der Menschheit gehört. Ich möchte aber auf eine definitive Rangliste verzichten, ich bin ja auch erst 24 und des Weltranglisterlens nicht würdig. Was aber meiner Meinung nach bestimmt auf die Liste gehört, ist:

- Der Innenhof
- Der Fenstersims
- Das Fahrrad
- Der Drum and Bass
- Die Sonnenbrille
- Das Bier

Montag, Juni 11, 2007

Schon wieder der 11.6.

Heute vor vier Jahren wurde in Huntsville TX Kia Johnson hingerichtet. Er konnte beweisen, dass er unschuldig war, aber in dem "Rechts"system, das in Texas und den USA allgemein herrscht, kann man beweisen so lange man will. Es hört eh kein Richter oder Gouverneur zu, solange man nicht top Anwälte hat, die gegen die Mühlen der Justiz ankämpfen können. Eine Verurteilung geht sehr schnell. Ist man zum Zeitpunkt der Verurteilung als Unschuldiger sowieso davon überzeugt, dass sich alles eh klären wird und man eh freikommt, man hat ja nichts gemacht, dann gibt man auch nicht sein gesamtes Erspartes Geld aus für einen Anwalt. Zudem man vom Gefängnis aus sich nicht so mir nichts dir nichts erkundigen kann, wo denn jetzt ein wirklich guter Anwalt ist. Kia wurde von der Polizei von San Antonio verhaftet. Auch in San Antonio werden die Sheriffs, also quasi die Polizeipräsidenten, vom Volk gewählt. Wer eine hohe Erfolgsquote vorweisen kann, wird logischerweise auch eher wiedergewählt. Eine hohe Erfolgsquote macht sich halt besser wenn es heisst: Von 100 Verbrechen haben wir 95 Täter gefasst. Würde es heissen: Von 100 Verbrechen haben wir 45 Täter gefasst, dafür sind wir absolut sicher, dass diese Täter auch wirklich die Täter sind - der Sheriff würde bestimmt nicht wiedergewählt. Wie schon im wilden Westen, den wir vornehmlich aus Lucky Lukes kennen, ist eine schöne Fassade im Vordergrund, und man bewegt sich auch nur im Vordergrund, als guter Bürger.

Ich schaue die Fotos von heute vor 4 Jahren an und kann nicht glauben, dass das alles wirklich so passiert ist. Leider leider sind schon Unzählige mehr tot, viele davon wurden vom Staat erstickt für ein Verbrechen, mit dem sie nicht im Geringsten etwas zu tun haben.

Und das ist nur Amerika. Sprechen wir nicht von China, Liberia, ..................

Donnerstag, Juni 07, 2007

Warten lohnt sich. Faulheit manchmal auch.

Irgendwann gegen Ende dieses Winters kam der grosse La-Redoute-Katalog Frühling/Sommer 2007. Ich hab alles intensiv studiert und mir auch gleich neue Kleidung zum Arbeiten bestellt. Das heisst, den Bestellschein ausgefüllt.

Von da an war er mein treuer Begleiter. Zuerst machte er es sich in meiner Tasche gemütlich, kam mit zur Schule und zur Arbeit, bestieg mit mir Züge, kam mit zur Post, wo ich Einzahlungen machte, und wieder mit mir nach Hause. Irgendwann wechselte er auf das kleine Möbel neben meiner Zimmertür, wo er mir immer zum Abschied zuwinkte, wenn ich nach draussen ging. Und wenn ich heimkam, begrüsste er mich erfreut. Nach und nach kamen immer mehr Briefe von La Redoute, die mir alle tolle Angebote machten, wenn ich jetzt grad sofort bestellen würde, mir Prozente in Aussicht stellten und schöne Prämien wie Taschen oder ein Früchte-Trocknungs-Set. Auch diese Zettel und Briefe landeten auf, unter oder neben dem Bestellschein.

Es wurde Sommer. Heute hatte ich schon wieder Post dieses ausserordentlich netten Versandhauses. 30 Franken Abzug des Totals meiner Bestellung, sofern ich innerhalb der nächsten zwei Wochen bestellte! Ich hatte den Brief mit der Absicht, ihn "später" zu bearbeiten, schon an die Stelle, die ich den "grossen St.La Redoute Gipfel" getauft hatte, gelegt, als meine Schwester mich beiläufig fragte, ob ich eigentlich die Bestellung von damals, im Frühfrühling, jemals abgeschickt hätte. Sie hatte nämlich auch noch ein paar Sachen auf den Bestellschein geschrieben.

Nun war es Zeit, den Berg zu besteigen. Meine Schwester füllte den neuen Bestellschein aus, zog die 30 Franken ab, ich frankierte das Ganze (A-Post; wenn schon, denn schon), und lief höchstpersönlich sofort zur Post, wo ich ihn dem Briefkasten übergab.

Mittwoch, Juni 06, 2007

I try to understand this

Keiner hat was davon gewusst. Niemand merkt was. Niemand sagt was.
Da gibt es Kinderprostitution auch in der Schweiz, in einem Schweizer Dorf reicht ein Vater seine Tochter herum, für Geld und Gefälligkeiten. Einer lässt seinen Kumpel seine Tochter vergewaltigen, damit er mit dem Sportwagen des Kumpels rumfahren kann. Ist passiert! Und niemand merkt nichts!
Einer vergewaltigt seine Freundin, erzählt es seinem besten Freund in einem Nebensatz. Der beste Freund schweigt und spricht weder ihn noch die Freundin jemals darauf an. Was passiert in seinem Kopf, damit er einfach schweigen kann, als ob nichts wäre? Was läuft ab in den Köpfen der Nachbaren, was für Erklärungen für das, was nicht passiert sein KANN, legen sie sich bereit?
Am 3. November 1943 ist eine hundert Meter lange, sechs Meter breite und drei Meter tiefe Grube fertig geschaufelt. KZ-Häftlinge müssen sich reinlegen, eng beieinander. Einer nach dem andern wird erschossen, danach müssen sich die nächsten auf die Leichen legen, und so weiter, bis die Grube voll ist. Hundert Männer sind die Schiessenden. Was läuft ab in den Köpfen dieser Männer? Nach dem Krieg weiss niemand nichts, niemand hat nichts gemacht, nichts gemerkt, nichts gewusst. Was sehen wir heute nicht, was wissen wir heute nicht, wofür wir in einigen Jahrzehnten angeklagt werden?
Im Mittelmeer ertrinken fast täglich Dutzende von afrikanischen Flüchtlingen. In einer normalen Tageszeitung lese ich, dass 27 Flüchtlinge, deren Boot gekentert ist, vor der Küste eines EU-Staates DREI Tage und DREI Nächte im Wasser treiben, sich an ein Fischernetz festklammernd. Es dauert nicht so lange, weil sie erst dann gefunden werden. Nein, es dauert so lange, weil die lokalen Politiker und Verantwortlichen sich drei Tage lang darum streiten, ob die Flüchtlinge irgendwo an Land gezogen werden dürfen, und wo. Ein französisches Fischerboot zieht 23 ertrunkene Flüchtlinge an Bord und darf danach in keinen Hafen einfahren!! Nicht mal mit Leichen!
Russland, Tschetschenien, USA, Guantanamo, Huntsville, Nigeria, Liberia, Brasilien, China, Nordkorea, Thailand, Myanmar.
Was hätten denn die Leute damals tun sollen? Was hätten sie denn tun sollen, die, die vielleicht schon was gemerkt haben? Was soll man denn tun?
Ich glaube es ist wichtig, sich mal Zeit zu nehmen um solche Fragen in seinem Kopf etwas bewegen zu lassen.

Montag, Juni 04, 2007

Bitte bitte, gern geschehen

Hab gerade einen Text geschrieben, was wäre, wenn ich Gott wäre. Und bin froh, bin ich es nicht. Ihr könnt alle auch froh sein darüber.

Sonntag, Juni 03, 2007

Grenzen entdecken ohne Grenzerfahrung


Wenn die Grenzen zwischen den Tagen und den Tageszeiten verschwimmen, Schlafen höchstens 4 Stunden am Stück möglich ist und kaum mehr im eigenen Bett, oder nicht einmal in einem Bett, komm ich spätestens nach einer Woche in einen Zustand, in dem ich nur noch in einem Dämmerzustand funktioniere. Da bin ich doch wirkich froh, ist heute Sonntag, hat meine Chefin meine heutige Schicht übernommen und kann ich heute einfach mal normal abends in mein, ich wiederhole, in mein Bett liegen, auf meinen Kissen schlafen und muss erst wieder am nächsten Morgen aufstehen.


Das Einweihungsfest des Literaturinstituts war super! Ich war zwar an keiner Lesung der "Stars", dafür an 2, 3 kleineren, hab viele Leute getroffen und interessante Gespräche geführt, und konnte wieder mal länger Französisch sprechen. Ausserdem bekam ich ein wunderschönes Geschenk von Andrea. Und hatte Erfolgserlebnisse beim meistern von technischen Schwierigkeiten. Ausserdem bot mir ErnestYna super Obdach und ein bequemes+warmes Bett, vor dem wir uns in Minitischfussball massen. Es steht zurzeit 1:1 und ausserdem fest, dass ich die Serie für mich entscheiden werde.