Dienstag, Februar 23, 2010

Lieber Zahnfleisch weg und dafür Fleisch am Knochen

Gesegnet sollen sie sein, die die Kunst der Anästhesie weiterentwickelt haben! So ist ein Zahnarztbesuch in unseren Breitengraden gar nicht mehr schlimm. Da wird munter Zahnfleisch in grossen Stücken weggelasert, 3/4tel eines Zahns wird rausgenommen und alles abgeschliffen, dann wird die Baustelle mit Kunststoff zugepflastert und verschraubt, und wenn die Nerven wieder erwachen, ist alles gar nicht mehr so schlimm. Ausser vielleicht die Rechnung. Aber die würde bei einem Implantat (ein solches wurde mir in Aussicht gestellt vor 10 Tagen) weitaus horrender aussehen.

Le printemps est arrivé!! Eine Stunde lang draussen an der Sonne sitzen und die intellekterfüllte WOZ lesen: Von A wie Afghanistankrieg über den Klimawandel, Nordindien und Hooligans bis zu Z wie die Steueroase AppenZell. Wie gut tut es, fundierte Artikel zu lesen.

Montag, Februar 22, 2010

Kellnern mit Jesus

Man nehme einen 52-jährigen Franzosen, der geschieden ist und seit Jahren (Jahrzehnten?) ein Alkoholproblem hat. Er ist völlig abgelöscht und sagt Sachen wie "ich habe keine Träume mehr" oder "ich bin nicht mehr auf der Suche". Natürlich hat er das Gefühl, er wisse wie das Leben läuft. Ist ja verständlich. Er kommt zwei-, dreimal pro Woche vorbei und bestellt zwei, drei Gläser "vom billigsten Wein, bitte". Dann macht er den Serviceangestellten Komplimente und führt Gespräche mit uns, während wir irgendwie daneben noch arbeiten müssen. Die Gespräche sind aber durchaus interessant und er wirkt dann auch gar nicht besoffen.
Nun nehme man eine Serviceangestellte die gerade den halben Nachmittag in den Armen von Jesus gelegen hat und sich fühlt, als könne ihr nichts mehr passieren weil alles so supergut ist in den Armen von Jesus. Die Serviceangestellte arbeitet an diesem Abend allein und gibt dem Franzosen alle paar Minuten wieder eine Antwort, weil ja auch noch andere Gäste da sind. Er sagt etwas von "du hast so etwas Spezielles an dir, ich weiss nicht, was es ist. Was ist dein Sternzeichen?" und sie denkt einerseits "bla bla, das sagt er wohl zu jeder", andererseits könnte er auch die Gegenwart Gottes spüren. Und als sie ihm ein Glas Wein bringt, beginnt er zu weinen! Das hat er noch nie getan. Irgendwann sagt sie ihm, dass das einzig spezielle in ihrem Leben ist, dass sie von Gott gerettet worden sei und seine Liebe spüre. Da kehrt das ganze und der Franzose beginnt agressiv und kalt beinahe zu schreien. Dann beruhigt er sich wieder und verbringt eine Stunde damit, "ich kann das nicht glauben!!!!" zu sagen oder "27 Jahre jung und glaubt an einen Gott!!!". Dann wiederholt er noch mehrmals Sätze wie "du bist auf dem falschen Weg" und "du täuschst dich. Es gibt keinen Gott".
Es tut mir ja leid, aber wenn ich sein und mein Leben vergleiche, dann bin ich lieber auf dem "falschen Weg". Und wenn man vier Stunden zuvor am eigenen Körper gespürt hat, wie das ist, in den Armen von Jesus zu liegen, dann ist "es gibt keinen Gott" auch ein amüsanter Satz. Hehe.

Warnung aus Erfahrung

Letzte Nacht träumte ich, dass die Polizei mir auf den Fersen ist, weil sie herausgefunden habe dass ich die Bank überfallen habe. Es fühlte sich schrecklich an. Ich bereute es zutiefst aber wusste nicht, was ich jetzt tun soll: Mich stellen und ins Gefängnis gehen? Am liebsten wollte ich ja das Geld zurückzahlen. Aber ich hatte es bereits ausgegeben.
Ich träumte nicht, ich hätte eine Bank überfallen. Sondern im Traum wusste ich, dass ich in Wirklichkeit eine Bank überfallen hatte, und nun träumte ich, dass die Polizei mir auf der Spur ist.
Zum Glück erwachte ich dann. Ich überlegte mir minutenlang (!) ob ich nun eine Bank überfallen habe oder nicht. Noch jetzt bin ich mir unsicher, weil der Traum so real war. Aber ich kann mich nicht erinnern. Überfallt keine Bank! Es lohnt sich nicht!

Mittwoch, Februar 17, 2010

Berlin-Biel

05 Uhr 50.. beladen stapfe ich durch Schnee und über Eis und durch Dunkelheit.. Um 6 Uhr sitze ich in der U-Bahn, um 07 Uhr bin ich an der Berliner Stadtgrenze angelangt und warte auf den Regiozug. Um halb 8 komme ich in Michendorf an und die orange glühende Sonne geht gerade auf. Nach einer halben Stunde Fussmarsch hieve ich eine metallene Emergency-Tür auf, quetsche mich durch die Lücke und befinde mich mitten zwischen Lastwagen aus aller Welt (naja, ok, Russland, Polen, Ukraine,..) auf einer Raststätte auf dem Berliner Ring. Ich laufe zum Ende der Raststätte und stelle mich in die Sonne. Alle zwei Minuten fährt ein Auto vorbei.

Das dritte hält: Ein Anfangdreissiger am Steuer und neben ihm eine junge Frau. Sie fahren nach Frankfurt! Bäm! Und nach kürzester Zeit stelle ich fest, dass er vermutlich 220km/h als seine Standardgeschwindigkeit sieht. Wenn das so weitergeht, kann ich vor dem Nachhausekommen noch einen Abstecher nach Südfrankreich machen? -Sie sind sehr nett und die Frau wird in Frankfurt den Zug nehmen nach Freiburg, weil der Fahrer in einer anderen Stadt wohnt. Oberhalb Frankfurt steige ich aus, und die Frau beschliesst spontan, mit mir mitzutrampen. Ist das nicht cool? Es ist erst Mittag, und ich hab schon mehr als die Hälfte der Strecke hinter mir! Ah yeah.

Nach kurzer Zeit haben wir schon ein Auto, das uns zu einer Raststätte oberhalb von Karlsruhe fährt. Ein sehr netter junger Filmemacher.

Und dann: Es beginnt zu regnen. Regen!! Wir stehen im Pflotsch und k-e-i-n Auto bewegt sich vom Parkplatz auf uns zu. Die Tankstelle ist verwaist. Nach 45 Min hält endlich ein Auto an. Am Steuer eine Frau und daneben ein junger Tramper mit farbiger Wollmütze. Er stellt komische Fragen und auf unsere Fragen antwortet er mit langer Verzögerung. Meine spontane Begleiterin und ich werfen uns stirnrunzelnd vielsagende Blicke zu. Bei der nächsten Raststätte müssen wir schon wieder raus. Die rosa Wollmütze auch. Und wer steht an der Tankstelle? Circa drei Autos und drei weitere TramperInnen!

Nun sind wir zu sechst im Regen und alle müssen in dieselbe Richtung. Die Wollmütze fängt an, uns zu erklären, wie man Autostop macht. Was für Sätze man sagt und was wir alles falsch gemacht haben beim Ansprechen einer Person vorhin. Meine Begleiterin raunt mir zu: Lass uns abhauen von hier. Schnell laufen wir ans andere Ende der Raststätte. Wir sprechen ein Mutter-Sohn Paar an und widerwillig - so scheint es - nehmen sie uns mit. Sie transportieren einen Weinbergtraktor und fahren deshalb nur 85km/h. Meine Begleiterin fährt mit ihnen mit bis kurz vor Freiburg, ich springe auf der übernächsten Raststätte raus und bin wieder allein.

Phu. Keine weiteren TramperInnen zu sehen.. Noch zwei Raststätten trennen mich von der Schweiz, von Pratteln. Es gibt niemanden den oder die ich ansprechen könnte. Also Leitplanke und Daumen. Lustig, auf diversen Raststätten im Schnee an den exakt gleichen Stellen stehen, an denen ich im letzten Sommer zusammen mit Ernestyna an der Sonne geschwitzt hatte. Meine Füsse sind nass, es k.. mich an und ich wünsche mir ein warmes Auto mit jemandem normalen drin. Et voilà: Ein wunderschöner alter Opel mit AG-Kennzeichen hält an, und darin sitzt ein hübscher symphatischer junger Mann. Und er ist auch noch Krankenpfleger. Nun kann mir nichts mehr passieren. Das Beste ist: Damit der Motor nicht überhitzt, muss die Heizung auf vollen Touren laufen. Alle zehn Kilometer reisse ich mir einen weiteren Pullover vom Leibe (ich trug viele...).

Die Grenze! Und kaum befinden wir uns auf Schweizerboden, hört der Regen auf und die untergehende Sonne kommt hinter den Wolken hervor. Kein Witz! In Pratteln steige ich aus, und während nebenan ein LKW in den Stein fährt, bei dem ich normalerweise auf dieser Raststätte stehe und trampe (wieder kein Witz!), spreche ich zwei, drei tankende FahrerInnen an. Einer dieser Männer sagt, er könne mich schon mitnehmen nach Bern, aber er müsse vorher noch schnell zur Arbeit fahren und sein Stundenblatt ausfüllen. Wo denn diese Arbeit sei, frage ich? Nun..... es ist ein Ort namens Egerk_____, und da Ernestyna und ich diese wunderbare Ortschaft bereits ausführlich kennenlernen durften, und da einer meiner Fahrer dort einmal beinahe erschossen wurde (!), beschliesse ich, weiterzufragen. Der nächste, den ich frage, fährt nach Lausanne und nimmt mich mit. Er ist Kommunikationstrainer und die Fahrt ist sehr spannend. Und extra wegen mir fährt er nicht via Bern sondern via Biel nach Hause. Um 18 Uhr 30 komme ich in Biel an. yippieh!

Montag, Februar 15, 2010

Bern-Berlin

6.45 Uhr an der Auffahrt Ostring. Es ist dunkel und der Halteplatz voller Schnee/Eis.. Ich denke "Warum habe ich nicht abgesagt!! Was tue ich überhaupt hier? Mann!".

Nach 15 Minuten nimmt mich eine Frau mit für ca. 3km, bis zur Raststätte Grauholz. Dort nach wenigen Minuten mit einem netten Mann bis zur Raststätte Deitingen. Dann warte ich wieder ca. eine Viertelstunde in der Eiseskälte, hüpfend und singend: I don´t have to worry about a thing, cause my dad´s name is King. Dann hält ein Mini-Auto an, vollgestopft, aber ich darf trotzdem mich auch noch reinquetschen. Der Fahrer ist Amerikaner und es stellt sich bald heraus, dass er Jesus liebt und als ich in Pratteln aussteige sagt er, er werde den ganzen Tag für mich beten, für meine Reise. Nice. Ich brauche einen Kaffee. Dann das obligate Gratispinkeln.

Dann spreche ich einen Mann an. Er fährt bis oberhalb Frankfurt und KLAR nimmt er mich mit, er fragt ob ich genug zu trinken habe, ob ich die Heizung wärmer will, ob ich den Sitz verstellen will, ob es mir bequem ist, etc. Er ist Koch aus Deutschland und hat kürzlich auf Internet mein Restaurant entdeckt und gedacht, dass er da gerne mal essen möchte. Lustig!

Einige Stunden später steige ich auf der Raststätte Wetterau aus und esse ein Sandwich. Dann spreche ich drei Leute an. Beim dritten steige ich ein. Er fährt bis nach Fulda. Wieder eine super Strecke! Er ist sehr sehr nett! Ein Lastwagenfahrer der gerade in Marokko war und in einer Woche nach Russland fährt. Seine grosse Liebe, ein mini Chihuahua, ist auch dabei und kläfft mich ab und zu an.

Kurz vor Fulda auf der Raststätte steige ich aus, spreche eine Frau an und danach einen Mann, und schon sitze ich im Auto nach Berlin!! Unterwegs halten wir an und der Fahrer lädt mich auf Kaffee und Kuchen ein. Dann fährt er mich nach Berlin ins Zentrum und schon bin ich da.

Yeah!! OK, wir müssen los.

Hauptstaedte und Hauptsachen

I still don't understand, but what matters is that God is good.

Der Zahnarzt war nett und es dauerte laenger, einen Termin zu bekommen, als dann dort zu sein. Ein Roentgen, viel viel viel Leim oder so etwas aehnliches, und am Schluss sagte der Zahnarzt: Ich druecke Ihnen die Daumen und hoffe fest, dass das 3 Tage haelt. Well, well.. Wenn ich zurueckkomme wird der Zahn hoechstwahrscheinlich nicht mehr zu retten sein und das Implantat wird eine Summe kosten und wird gemacht werden muessen, wenn ich nicht auch noch weitere Zaehne verlieren will.

Aber wer spricht schon ueber Zaehne. Es ist nervig und bloed, aber nicht schlimm.

Jetzt sollte ich schlafen aber ich bin ganz aufgekratzt. Gott ist so gut, dass ich einfach nur weinen koennte vor Glueck. Aber dann tu ich es doch nicht, weil sonst die Traenen festfrieren wuerden. So kalt ist es draussen. Das ist auch der Grund, warum ich bald in ein Auto steigen werde und dann immer schnell in ein anderes und in ein anderes, bis ich in Berlin aussteige.
Zum Glueck wohnen meine Freunde nur 5 Steinwuerfe von der Autobahnauffahrt entfernt. Boa noite!

Sonntag, Februar 14, 2010

Zahnkrater

Morgen wollte ich frueh frueh nach Remscheid trampen. Gestern Abend hab ich ein Stueck weiches Brot gegessen und es hat krack gemacht. Ein kleines Stueckchen Zahn ist abgebrochen, bzw es gab einen Riss und ich glaube auch, die Plombe ist weg. Heute Abend haben einige Leute gebetet und ich hatte schon die Hoffnung, mich auch unter die Gluecklichen einzureihen, die einen Goldzahn besitzen. Vorhin putzte ich meine Zaehne und man ahnt das Unheil schon: Der ganze halbe Zahn, also die ganze Haelfte, ist abgebrochen! Bis nach oben ins Zahnfleisch hinein: Weg.

Ich verstehe es nicht. Remscheid, ade! Notfallzahnarzt, hallo!

Samstag, Februar 13, 2010

Der Nachttisch einer dipl.Schrftst., haha

Das 2209-Foto von unten ist ja von der Radiosendung in der die erste Frage an mich lautete:
"Was (a Büecher) ligt im Momänt bi öich ufem Nachttischli?". Meine Antwort ging so: "UI!! eeeehm... Es lige extrem viu Büecher uf mim Nachttischli und i chume gar nie drzue se z läse.. ehm..." während dieser Frage schwitzte ich Blut und das Foto oben zeigt, warum mir nicht einfach auf die Schnelle Buchtitel einfielen, die ich auf diese Frage hätte nennen können, insbesondere da ich als "Schriftstellerin" (haha) interviewt wurde. "Häutungen" von Verena Stefan (liegt hinten), ein fantastisches Werk, wenn es auch eine brutale Abrechnung mit Männern ist, hätte ich gut nennen könne.. aber das viel mir for lauter Ferunsicherung gar nicht ein.

Donnerstag, Februar 11, 2010

Angst vor 2012? Ich freue mich auf 2209!

Was mich am meisten beschäftigt oder sogar fast in Dauerbeschlag nimmt zurzeit, gedanklich und gefühlsmässig, das kann ich hier nicht schreiben. Es bleiben nur Belanglosigkeiten, wie zum Beispiel: Wie bereite ich mich auf die Kälte vor, die mich beim trampen nach Berlin erwartet? Es gibt da die Möglichkeit, jeden Morgen kalt zu duschen und so meinen Körper abzuhärten. Verworfen. Dann gibt es die Möglichkeit, jeden Tag ausgiebig Sport zu machen und so meinen Kreislauf richtig in Schwung zu bringen. Aber nein, dann nehme ich nur ab und mit weniger Fett dringt die Kälte NOCH mehr durch. Also essen, essen und noch mehr Kleider tragen. Zum Beispiel die Handschuhe, die ein netter Besucher heute extra für mich liegengelassen hat...

Nach Redding war unser Küchenboden (links: so wie's immer war) neu beklebt. Ich habe noch nicht rausgefunden, für was das prophetisch steht. Aber wenn ich eine Katze wäre, würde ich definitiv auf der rechten Seite essen wollen.


Ich höre ja immer wieder "Was?? Du hast ein 90er Bett?? Wie kannst du denn darin schlafen? Ich kann prima darin schlafen, sogar wenn unser Sofa=Katzenbett von einer Besucherin besetzt ist und mir als Liegefläche noch das bleibt:


Ob es die Welt 2209 überhaupt noch geben wird? Egal, dann werde ich Party im Himmel feiern, bsoffe wi nie!

Freitag, Februar 05, 2010

Warm oder kalt

Es schneite waagrecht am Dienstag. Eine Freundin ist im Herbst mit ihrem Freund zusammen in einen Bauwagen umgezogen, oben im Jura, und die haben nachts -12° IM Wagen. In unserem über-100-jährigen Häuschen funktioniert die Heizung noch tadellos, obwohl sie so alt ist, dass der Kontrolleur gar nicht mehr vorbeikommt, weil sie sowieso jeden Moment für immer den Gasgeist aufgeben könnte. Es schneit und schneit und schneit, es ist herrlich.
Ich habe ein Lammfell zum Geburtstag geschenkt bekommen; das beste Geschenk ever!!! So liege ich Tag für Tag auf dem Fell und lese Kevin Dedmon "Unlocking Heaven", 2.Samuel "David und Salomo", Andrew Murray "Humility", Paulus "Hebräerbrief" und Banning Liebscher "Jesus Culture".
Seit Redding träume ich fast jede Nacht und mag mich im Gegensatz zu früher auch noch an den Traum erinnern, und er ist auch noch voller Symbole. Wunderbar.

Obwohl ich jetzt arbeiten müsste wie wild hab ich mir 4 Tage freigenommen und werde bald einen kleinen Hitchhiking-Trip in den Norden machen: Bern-Remscheid (zur europaweit fast einzigen Première von Furious Love), Leverkusen-Berlin, 1 Tag Berlin mit Sylwia, Berlin-Biel. Yippieh!!!