Montag, März 30, 2009

Kontinentswechsel! Bald!

Am Samstag gehts los auf eine gut 2000km lange Reise. Heute hab ich probegepackt, und bin positiv überrascht, wie leicht mein Rucksack ist. Die subjektive Wahrnehmung des Gewichts wird sich bestimmt noch ändern.. aber immerhin. Für eine 12-Tagesreise inklusive zweimal 2000km trampen inklusive übernachten bin ich unter anderem ausgerüstet mit:

- Isomatte
- Schlafsack
- Plane
- Stirnlampe
- Taschenmesser
- Gutem Kartenmaterial der ganzen Strecke
- Pfefferspray (illegal in F? ES? Marokko?)
- Spanischsprachführer
- Arabischsprachführer
- 1.Hilfe-Set
- Warnweste
- Schnelltrocknendem Microfasertuch
- Guter Wind-/Regenjacke
- Feldstecher
- Fotoapparat
- Ausgiebigem Gebetscovering
- Heft und Stift
- meinem Kissen, welches mich schon seit ca. 20 Jahren begleitet und schon mit mir in den USA war
- Guter Laune (haha, das war doch immer auf den von Lehrerinnen und Lehrern verteilten Packlisten für Schullager..)

Was brauche ich sonst noch? Was nicht?

Mittwoch, März 25, 2009

Masse vernichtet ausser Masse verzichtet

Unser Wirtschaftssystem ist eine Massenvernichtungswaffe. Unser Wirtschaftssystem erzwingt als Gegenleistung für Kredite an arme Länder fallende Zollschranken für unsere Güter. Was dazu führt, dass in 3.Welt-Ländern die Landwirtschaft und Wirtschaft an den Rand gedrängt, an die Wand gestellt wird, während unsere Wirtschaftsgüter auf weltweiten Märkten gekauft werden und uns damit reich machen.

Unsere Banken bieten den durch Korruption, Veruntreuung, Drogen-, Waffen- und Menschenhandel erbeuteten Geldern ein sicheres Zuhause, weswegen den bestohlenen Menschen in den Herkunftsländern nicht nur Steuergelder fehlen, welche unter anderem ein Gesundheits- und Bildungswesen finanzieren könnten, sondern es wird ihnen auch noch das letzte genommen, was sie haben: Chancen und Perspektiven.

Unsere Politik ermöglicht solches Bankenwesen, ermöglicht ein solches Wirtschaftssystem. Unsere Politik wird beeinflusst, wenn nicht sogar bestimmt von Vertretern der Banken, der Wirtschaft und der Pharmazie - alle bestehen sie aus Verwaltungsräten, in denen Politiker sitzen, alle sitzen sie auf Geld, das Kampagnen und Studien finanziert, und alle haben sie ein viel stärkeres Interesse, sich selbst zu erhalten, als Menschen ausserhalb ihrer Welt leben zu lassen. Sie lassen sie höchstens arbeiten oder existieren.

Unsere Politik wird bestimmt von der Gesellschaft, welche wiederum ich und du und er und sie sind. Wir sind die wahre Massenvernichtungswaffe, welche Millionen von Menschen an Hunger und heilbaren Krankheiten sterben lässt. Wir sind die Massenvernichtungswaffe, denn wir bilden die Vernichtungswaffe der Masse, welche Menschen ohne Perspektive aufs offene Meer hinaus treibt, wo sie jedes Jahr zu tausenden in dem Wasser ertrinken, in welchem wir in den Sommerferien baden und schnorcheln.

Jeder Schritt, den ich mache, rettet ein Menschenleben oder tötet eines. Nur ich kann über die Schritte, die ich mache, bestimmen; wenn jede und jeder in der Masse denkt, gibt es keine Masse mehr, gibt es keine Vernichtungswaffe der Masse mehr.

Freitag, März 20, 2009

Wie im Himmel, so auf Erden

Mein heutiges Mittagessen: Haferflocken, Amaranth gepoppt, Hirseflocken, Honig, Leinsaat, Sesam, Dinkel gepoppt, Amaranthflakes, Buchweizen, Weizenkeime, Tsampa, eine Orange, Naturejoghurt, Milch.

Alles bio und fair gehandelt bzw. vom Käser aus der Nachbarschaft.

Nicht im Bild: Die Tafel Schokolade, bio+fairtrade

Abenteuer in der Spundstund.

Nachdem ich den Film "La Forteresse" gesehen und anschliessend drei Stunden lang zutiefst aufgewühlt mein Notizbuch vollgeschrieben habe, wollte ich hier einen Eintrag zu der Schuld schreiben, die wir als heutige europäische Gesellschaft, sofern es eine solche gibt, auf uns zu laden scheinen. Und über Verantwortung. Ich lass es jetzt sein und schreibe stattdessen meine Bachelorarbeit darüber. Der Film ist übrigens äusserst empfehlenswert, wenn nicht sogar ein Muss!
Wenn ich von der Arbeit nach Hause fahre, muss ich immer als erstes durch ein Nadelöhr, welches die Kurve einer engen, abfallenden Strasse ist, wo zwei Autos nicht aneinander vorbeikommen. Schon Auto und Velo ist schwierig, es muss nur einer ein bisschen weiter links fahren und - - Heute will ich also grad in diese Kurve reinfahren, bergab, als ich sehe, dass nach der Kurve Ambulanz und Polizei stehen. Ein Auto am Strassenrand, es war offensichtlich im Begriff, hügelaufwärts in die Kurve zu fahren. Die Autofahrerin sitzt mit schockiertem Gesichtsausdruck neben dem Auto an der Mauer, eine Polizistin daneben. Auf der gegenüberliegenden Strassenseite liegt ein Velo am Boden, daneben die Fahrerin, halb liegend, halb an der Hausmauer lehnend, neben ihr die Ambulanzbesatzung. Ich fahre vorsichtig durch die Mitte und bin froh, dass erstens noch späte Gäste gekommen sind und dass ich zweitens schon seit über einem halben Jahr einen Velohelm trage...
Da ich die Heimreise unbeschadet überstanden habe, fahre ich am Zuhause vorbei und weiter, auf eine Lärmquelle zu, die ich schon am andern Ende der Stadt wahrgenommen hatte. Endlich, kurz nach der Stadtgrenze, stosse ich auf eine Baustelle für die neue Autobahn. Ich frage einen der Arbeiter, was sie da machen. Spundwände, sagt er, für die Notbrücke. Spundwände... beruhigt fahre ich wieder nach Hause und lese noch ein Kapitel in meinem Arabisch-Schnellkurs.

Donnerstag, März 12, 2009

Reisiger Mittwoch

Mittwochmorgen, zehn vor 9. Ich verpasse den Zug nach Bern. Der nächste fährt in einer halben Stunde. Deshalb zügig zur Autobahnauffahrt laufen (knapp 5 Minuten), wo ich mir eine knappe Viertelstunde Zeit gebe, bevor ich wieder zum Bahnhof laufen würde um den nächsten Zug zu nehmen. Doch bereits nach wenigen Minuten hält ein LKW. Bern? Bern! Wir fahren los, doch bald stellt sich heraus, dass er wenige Kilometer vor Bern, auf der Raststätte Grauholz, eine halbe Stunde Pause machen will. Obwohl ich als Tramperin eigentlich keinen wunderbar erfüllten Zeitplan erwarten kann, bitte ich den Fahrer, in Schönbühl rauszufahren und mich dort aussteigen zu lassen. An der ersten roten Ampel springe ich raus und laufe die paar Meter zur Auffahrt zurück, während der arme Fahrer irgendwo einen Platz zum wenden suchen muss.. Noch bevor er wieder auf der Autobahn ist, bin ich es schon - das dritte Auto hält und fährt nach Bern! Drei Minuten, bevor der nächste Zug in Bern ankommen würde, bin ich dort.

Auto abholen, Fahrt nach Zürich Flughafen. Zehnstöckiges Parkhaus. Ich suche ganze 4 Stockwerke, bei denen ein "Frei" grün leuchtet, nach einem Parkplatz ab.. Zuoberst finde ich endlich einen. Flug von Sao Paulo suchen und finden, Auto wieder finden (Tipp: Merke dir wo du parkiert hast!!), mit übervollem Auto zurück nach Bern fahren.

Zug nach Biel. Mentorat.

Abends um halb Sieben wieder an der Autostrasse nach Bern stehen. Nach 10 Minuten einen Fahrer direkt nach Bern haben. Jesusfreaks Abend.

Um 22 Uhr wieder im Zug nach Biel sitzen.

Sonntag, März 08, 2009

Beifluss

Vor ein paar Wochen hat Gott mir ganz lieb und mit dem Zaunpfahl winkend geraten "bei Fuss". Ich, alle Nebengeräusche mithörend, hab verstanden "Bleifuss!"

Shut the f** up or give me some beer

"Gö nume a Parties wüu mer dr Usgang sueche" rappt Knackeboul in einem Lied. Gestern war ich zum ersten Mal seit Ewigkeiten wieder mal an einer Party, "im Ausgang". Es lief sogar HipHop, ein Konzert von Rappern, die sich zu "positive HipHop" zählen.
Meistens mache ich Sachen entweder richtig oder gar nicht, oder zumindest schwebt mir dieses Ideal vor. So bin ich immer wieder erstaunt, an Konzerten und Parties festzustellen dass ein Grossteil der Besucherinnen und Besucher weder zuhören noch tanzen. Sie bezahlen Eintritt und konsumieren fleissig, aber versuchen dann schreiend eine oberflächliche Unterhaltung zu führen, deren Verständlichkeit mit steigendem Alkoholpegel abnimmt.

Wenn ich Eintritt bezahle, dann will ich hören was der Rapper rappt, und vor allem will ich tanzen. Das tat ich auch. Meine Begleitung jedoch wurde leider nach kurzer Zeit sehr müde und ging nach Hause. Ich blieb noch eine Weile und versuchte zu tanzen. Es hätte auch ganz nett bleiben können, doch der Vorgruppen-Rapper aus Brooklyn ging zum Afterparty-DJ hoch, schnappte sich ein Mikrofon und schrie Dinge wie "Throw your hands up motherfuckers", "get the fuck up", "move, move" durch die Anlage. Das ging ja noch, aber er versuchte auch noch jedes Lied das gespielt wurde mitzurappen, so dass ich von der eigentlichen Musik kaum mehr etwas verstand. Nachdem ich eine Stunde lang überlegte, ob ich meine Bierflasche gezielt auf ihn werfen soll, dann aber Angst vor der Reaktion der Securities hatte, ging ich nach Hause.

15.- Eintritt, ein mittelmässiges Konzert, eine verdorbene Afterparty, ein bisschen tanzen, zwei Bier... Entweder spar ich mir das nächste Mal das Geld, oder aber ich gebe gleich viel mehr Geld aus und geniesse volltrunken jede noch so schlechte Party.

Samstag, März 07, 2009

Perfekter Tag?!

Aufstehen und feststellen, dass die Sonne von einem herrlich blauen Himmel runterscheint, während der Jurahang noch verschneit ist. Den Zug problemlos erwischen. Dann während knapp zwei Stunden auf dem Bahnhofplatz für Leute beten, die krank sind, Schmerzen oder sonst ein Problem haben. Zum Beispiel eine ca. 55-jährige Frau, die wegen eines Unfalls verschobene Lendenwirbel hat - sprich: Schmerzen. Nach dem Gebet stellen wir ihr die Frage, wie es ihr jetzt geht. "0" wäre keine Veränderung zu vorher, "10" wäre Schmerz komplett weg. Sie bewegt sich ein wenig und sagt dann verblüfft "sicher 7-8!!!". Hammer! Natürlich gab es auch Gebete, wo nicht grad sichtbare Heilung eingetreten ist. Aber die Leute waren immer berührt. Schön, wenn man Menschen einfach Gutes tun kann. Kein mühsames aufdringliches Evangelisieren, einfach da sein, Schnittstelle zum Himmel sein zu können für einen Moment. Zu jemandem vom Team nach Hause laufen, unterwegs Leute die an Krücken gehen ansprechen und für sie beten können, Besserung der Schmerzen erleben. Dann Essen mit dem ganzen Team, mit stundenlangen Gesprächen über Heilung, Identität, unsere bisherigen Lebensgeschichten und dazu Tee und Schokolade. Beim Verabschieden noch kurz gegenseitig für unsere kurzsichtigen Augen beten, ganz selbstverständlich. Zu zweit zum Bahnhof laufen, unterwegs ein ausgehängtes Papier sehen, wo nach einem vermissten Mädchen gesucht wird. Anhalten und zusammen für diese junge Frau beten. Dann wieder nach Biel, schnell in mein kleines Hotel einen Suze Tonic trinken gehen und den andern beim arbeiten zuschauen. Nach Hause, bisschen aufräumen und Dokufilm schauen. Später in die Coupole in den Sonntag hinein tanzen.

Mittwoch, März 04, 2009

Weiter leben

Es ist schwierig damit umzugehen, nicht die ganze Welt retten zu können. Zeitverschwendung, so kommt es mir vor, alles Zeitverschwendung. Und dann doch nicht: Jede Minute zählt! Hier noch eine gute Tat, da ein Beitrag, vielleicht ist morgen alles vorbei? Aber dazwischen kommen hunderte von Tagen, an denen ich um mich selbst kreise, ich habe doch nur mich. Ich kreise, aber wenn ich sehe, muss ich hingehen. Ich kann doch nicht, wenn ich im Bus sitze und im Vorbeifahren sehe wie einer geprügelt wird, einfach weiterfahren und die Landschaft betrachten? Dann muss ich den Bus anhalten und zurück, hin, hin, hin. Im übertragenen Sinn.
Ein Leben auf einer Welt, welche eigentlich überschaubar ist, und bereits lebe ich über ein Vierteljahrhundert, es drängt mich, bereits nimmt mein Handlungszeitraum ab.
Ich lebe weiter mein Leben, aber bald lebe ich mein Leben weiter!