Der Sommer ist ja ausgebrochen. Dementsprechend verändert sich auch der Mittagsservice, und man muss einfach dran sein, dran sein, dran sein. Das Telefon läutete zwei Stunden lang durch, zwei Stunden lang liessen wir es läuten, nachdem ich es um 12.05 noch kurz beantwortet hatte, weil ich dachte, vielleicht will ja noch jemand reservieren (wir hatte noch einen freien Tisch). Aber nein. Am anderen Ende hiess es: "Ja, hallloooo?!?! Hier ist X.Y. aus Dööitschland, und ich hätte da mal ne Fraaaage" - "äh, ja?" - "Hätten Sie vielleicht noch ein Doppelzimmer frei für am Samstag?" (Wir sind seit Wochen ausgebucht) - "Ich muss Sie enttäuschen, nein" - "Ach so, schaaaaade. Hmm. Tja. Also, dann auf Wiederhören". Danach liess ich das Telefonläuten Telefonläuten sein und kümmerte mich ums Servieren und Abräumen der Speisen und Getränke.
Und wie das so ist, wenn man zu zweit ist und 35 Gäste hat, draussen im Garten und drinnen auf zwei Räume verteilt, gibt man sein bestes und es ist trotzdem nicht gut genug. So sehr ich auch am 5er Tisch drinnen den Damen Rotwein nachschenken will, immer läutet gleichzeitig grad die Küche und heisse Teller müssen schnellstmöglich nach draussen getragen werden - am besten noch zuhinterst in den Garten. Und dann auf dem Rückweg - diesmal aber wirklich zu den Damen - laufe ich an drei Tischen vorbei, die leer gegessen haben und mich um einen Espresso und die Rechnung bitten; sie müssen wieder arbeiten gehen. Und dann, als ich endlich verschwitzt zu den Damen hetze, haben sie schon selbst nachgeschenkt... Jedenfalls bestellen sie dann auch noch Dessert und Espresso - aber bitte den Espresso ZUM Dessert!! Und zwar NUR ZUM Dessert, sonst will ich keinen!
Ich lege also die Dessertbestellung zusammen mit drei anderen in die Küche, und bereite hinter der Bar schon mal die Unterteller, Kaffeerahm und Zucker vor, und decke den Frauen das Dessertbesteck. So kann ich, wenn die Küche läutet, nur noch das Süsse servieren und dann gleich die Espressi rauslassen. Während ich wohlgemerkt 30 andere Leute, die dasselbe wollen oder zahlen müssen, warten lasse. Die Küche läutet, 7 Desserts stehen bereit, meine Kollegin bringt vier davon zu den Damen, während ich die Espressi in die Tässchen laufen lassen. Und ja, man ahnt es: Eine der Frauen ist so nervös, dass ihr Espresso nicht zeitgleich MIT dem Dessertschälchen vor sie hingestellt wird, dass sie bei meiner Kollegin "ich nehm noch einen Espresso dazu" bestellt. Zum Glück merken wir es beide. Ich bin ein bisschen eingeschnappt, ehrlich, bringe ich doch keine 10 Sekunden später den Espresso zu ihr! Und so kann ich es nicht lassen, nach einer halben Minute nochmal zur Frau zu gehen und zu fragen "entschuldigung, Sie haben bei meiner Kollegin nochmal einen Espresso bestellt; möchten Sie wirklich zwei?".
... ups ... vielleicht nicht das unkindischste Verhalten, aber ich fühlte mich danach besser.
Apropos unkindisch. Zugfahren ist manchmal bereichernd, belustigend, berührend, oder aber nervig. Zum Beispiel, wenn schon morgens um 5.30 Uhr jemand soo laut Musik hört - schon mit Kopfhörern, aber das nützt nichts - und zwar erst noch irgendwas ganz nerviges um diese Uhrzeit, wie Heavy Metal oder AggroRap (frauenfeindlich) oder geschmacklosen Techno - dass ich dazu gezwungen bin, selbst auch Musik zu hören, obwohl ich sonst einfach gern noch den Morgen geniessen möchte. Oder aber Zug fahrende Teenagergruppen. Wie heute: Drei Teenager in einem Abteil. Keine Ahnung, warum die so laut reden müssen. Dazu furzen und rülpsen sie noch regelmässig laut. Und spielen irgendwelche "lustige" Videos von ihren Handys ab, auch in einer Lautstärke, dass es jeder im ganzen Zug mitbekommt. Bloss, dass ich nicht irgendwo im "ganzen Zug" sitze, sondern direkt hinter ihnen. Vier lange Stationsabstände lang werweise ich hin und her, ob ich was sagen soll, oder nicht. Und wenn ja, was. Und falls sie in irgendeiner frechen Art reagieren, wie ich mich dann verhalte. Als ich mich endlich dazu durchringe, sie vielleicht einfach nett zu bitten, die Videos leiser zu stellen, steigen sie aus. AAAAAAAHHHHHHHHHHHH!!!!!!!!
Zum Abschluss noch was schönes, das auch mit Zugfahren zu tun hat. Meistens komme ich mit dem 18-Uhr Zug von der Arbeit nach Hause. Aus diesem Zug steigt auch immer eine dunkelhäutige Frau aus, die dann immer oben an der Treppe von ihrem etwa dreijährigen dunkelhäutigen Sohn und ihrem weissen Mann erwartet wird. Der Sohn freut sich immer soooooooooooooo fest, als habe er sie ein halbes Jahr lang nicht gesehen. Der Mann freut sich auch immer. Und die Frau sieht zwar müde aus, scheint sich aber auch richtig zu freuen. Diese Szene bringt mich jedesmal zum Lächeln und macht mich ganz froh. Und nun das beste: Diese Familie ist in unser Haus eingezogen! In die unterste Wohnung. Und da wir direkt neben dem Bahnhof wohnen, sah ich heute Sohn und Vater am Fenster kleben, als die Mutter und ich zum Hauseingang liefen, und kaum war die Haustür auf, standen die beiden auch schon in ihrer Wohnungstür und strahlten um die Wette. Einfach herrlich. Bloss schade, dass ich in zwei Monaten wegziehe. Aber bis dahin werde ich die Szenerie bestimmt noch häufig geniessen dürfen.
1 Kommentar:
haha das mit dem Espresso finde ich super Schlomi! :)
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