Montag, November 03, 2014

Zuhause, dekonstruiert, und blinder Fleck, rekonstruiert

An meinem 25. Geburtstag zog ich in eine mir nun so lieb gewordene kleine Stadt an einem See, weil ich bereits dort arbeitete, und oft nach einer Abendschicht keinen Zug mehr nach Haus hatte. Auch als ich später dreimal für neun Monate in die USA ging, kehrte ich doch immer wieder zurück. Vergangenes Wochenende kam der Moment, an dem ich wegzog. Nur weil ich immer noch dort arbeite, ertrage ich es.

Nun habe ich bereits zwei Nächte hier, auf der anderen Seite von Bern, in Richtung Berner Alpen, geschlafen, und zwar erstaunlich gut. Es ist schön ruhig hier! Wir haben nun extrem viel weniger Platz, dafür wohnen wir mit lieben Menschen zusammen.

Etwa so schnell ging der Umzug - dank der Hilfe meiner und seiner Familie:

Heute in der Schule sprachen wir über die Wahrnehmung. Wird ein Raum erst dann zum Raum, wenn ich mit meinem Leib - der ja räumlich ist - mich darin bewege? Wenn ich das Glas neben mir nicht wahrnehme, dann ist es gar nicht da, für mich. Dort, wo die Sehnerven die Netzhaut verlassen, gibt es keine Rezeptoren. Dass heisst, dass jeder Mensch etwa in der Mitte des Blickfeldes einen buchstäblich blinden Fleck hat. Bloss sehen wir den nicht, weil unser Gehirn blitzschnell den fehlenden Ausschnitt aufgrund der Informationen darum herum rekonstruiert. Wahnsinnig.
Was bedeutet dies für mich? Ist das, was ich wahrnehme, auch wirklich das, was da ist?

Nach dieser Vorlesung ging ich ganz anders durch den Bahnhof und nach Hause.

2 Kommentare:

die Vorgärtnerin hat gesagt…

über Raum nachzudenken ist beim Umzug (und davor beim Wohnungaussuchen und messen) (und hinterher beim einräumen) sicher ein gutes Thema.
Warst du raumgreifend?

Anonym hat gesagt…

Sehr gute Fragen! Super formuliert. Danke. M