Ich bin nun 31-jährig und habe keine Berufsausbildung. Als es darum ging, sich dafür zu entscheiden, war ich in einer schwierigen Lebensphase, voller Unsicherheiten, Identitätskrisen, gleichzeitig voller Idealismus und grosser Träume. Irgendwie schaffte ich das Gymnasium. Und dann ergab das eine das andere.
Heute bin ich plötzlich eine erwachsene Frau, so scheint es. Ich trage zwar lauter gepunktete Kleider - sogar mein Badeanzug ist gepunktet. Doch kürzlich las ich die Frage einer 25-jährigen Frau, ob sie als Erwachsene noch gepunktete Badeanzüge tragen darf. Mir schoss der Gedanke durch den Kopf: "Bin ich auch erwachsen?", als ich daraufhin realisierte, dass dem wohl so ist. Wobei... ist man nicht erst ab 45 erwachsen? Oder ab füfefüfzgi? Anyway, das Darübernachdenken stürzte mich kurz in eine frühzeitige Midlifecrisis. Denn passend zum Thema beschäftige ich mich sowieso schon die ganze Zeit mit Themen wie "wenn ich noch Kinder will - wie früh sollten wir anfangen zu probieren?", "sollte ich nicht doch noch einen Berufsabschluss machen? Aber welchen? Und dann dauert das 3-5 Jahre??".
Ich bin nicht mehr 20. Zum Glück. Aber ich habe auch andere Bedürfnisse ans Leben. Luxusbedürfnisse, klar. Doch wenn ich wählen kann, dann bin ich extremst dankbar für meine Arbeitsstelle, in der ich Verantwortung trage und in der mir vertraut wird. Ich bin ungelernte Serviceangestellte und darf so viel mitprägen, mitdenken, mitgestalten. Wow. Ich darf am Morgen die erste sein, die aufschliesst, und am Abend die letzte, die abschliesst.
Aber dieser Job ist nicht gerade in der Ecke, in der meine Familie, meine Freundinnen und Freunde leben. Ich liebe die Stadt, in der wir wohnen: Die Zweisprachigkeit, der Gemüsemarkt um die Ecke, der grosse und schöne Bioladen drei Gehminuten von hier, der See, die kulturelle Vielfalt und Kreativität. Dennoch merke ich, dass eine Entscheidung vor mir steht, der ich mich früher oder später stellen werden muss: Welchen Stellenwert gebe ich Freundschaften, Familie? Es ist so einfach, sich zu entfremden voneinander, wenn man sich wochenlang nicht sieht, weil man so busy ist im Arbeitsalltag. Kann ich mir vorstellen, meinen geliebten Job aufzugeben und wegzuziehen, ins Unbekannte? Als eine 31-jährige Frau ohne Berufsbildung und mit nicht viel mehr Erfahrung als die einer Serviceaushilfe eine neue Stelle zu suchen in der Hauptstadt oder darum herum? Ich, die ich als tendenziell eher Introvertierte (ich bin etwa gerade halb/halb, aber eher intro..) am liebsten mein vertrautes Umfeld habe..? Aber dafür hätten wir mehr Beziehung, mehr Familie, mehr Zusammenleben.
Wenn ich etwas erreichen will, Träume leben will, dann ist Risiko wohl unumgänglich. Ich kann nur etwas neues ergreifen, wenn ich Altes loslasse. Ein Auto, das nicht fährt, kann auch nicht gesteuert werden....... All diese Dinge sagte ich einer Freundin, als sie sich überlegte, ihren Job zu künden für etwas Neues. Nun hat sie tatsächlich gekündet, noch ohne eine neue Stelle gefunden zu haben. Mutig oder unweise? Bill Johnson sagte, manchmal kommt Menschenfurcht als Weisheit getarnt daher.. Ich kann gut mein Leben lang als Serviceaushilfe arbeiten. Aber ist das meine Berufung? Doch wenn ich reduziere oder aufhöre, wie bezahlen wir dann unsere Rechnungen? Und wann kommt der Moment, wo wir noch die Kinder bekommen können, an deren Namen wir schon herumdenken?
So bin ich am daran herumdenken, und erfahre in den nächsten zwei Wochen, ob ich für den Master aufgenommen werde (schon wieder Kunst.. nichts "richtiges", hahaha, aber auch meine einzige Option für einen Master). Danach wird sich einiges entscheiden müssen... Wohnort, Job,.. Oh Lord!!
Gut dass ich weiss, dass Gott bis jetzt immer treu war, und Er ist ja derselbe morgen, wie er gestern war und heute ist... Gut dass in der Bibel steht, dass wir von Herrlichkeit zu Herrlichkeit gehen.
1 Kommentar:
so ischs
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