Dienstag, Oktober 02, 2012

Verlobung geht nur in Beziehung, und Beziehungen rocken meine Welt

Wenn man den schönsten Besuch aus der Schweiz bekommt und dazu noch einen Ring von ihm, dann kommt man nicht mehr wirklich zum Blog schreiben. Aber dafür einen Haufen Inspiration.
 
Zwei Wochen sich ausgiebig mit Beziehung auseinandersetzen. Überhaupt auch schon vorher, da wir jetzt zu viert in einer Zweizimmerwohnung leben und uns noch nicht alle wirklich kennen. Das Zimmer zu teilen ist einfacher, als ich es erwartet hätte. Bis auf den Schlaf. Meine Zimmergenossin hat einen supertiefen Schlaf, ich hingegen kann am Morgen detailliert Auskunft geben, wann der Hund auf der anderen Hügelseite gebellt hat, über was die Nachbaren auf dem Balkon stritten (und von wann bis wann), was für einen Weckerklingelton die Nachbaren unter uns haben, und wie häufig die Polizei vorbeifuhr. OK, es ist vielleicht ein bisschen übertrieben. Aber ich wache auf, vor allem dann, wenn meine Zimmernachbarin nach mir schlafen geht und/oder früher aufsteht. Oder noch ein sms bekommt, wenn ich schon schlafe. ABER man gewöhnt sich daran, an die Geräusche; sie werden einem vertraut, sie sinken ins Untergeschoss der Wahrnehmung.

Einen Beziehungskurs machen, der auch Ehevorbereitungskurs der Bethel Church ist. Der Kursleiter sagt in der ersten Stunde "Mein Ziel ist es, dass sich möglichst viele von euch wieder trennen". Das klingt harsch und nicht lieb, aber tatsächlich heiraten 6 von 10 teilnehmenden Paaren nach dem Kurs nicht. 4 trennen sich und zwei warten ab. Der Kurs ist etwas vom Besten, was ich je gemacht habe. Ich lerne über den Unterschied von "powerful" und "powerless", schreibe nach einem einfachen Modell meine Lebensvision, komme ins Nachdenken über "7 Säulen von gesunden Beziehungen" und das Erlernen von Liebessprachen, lerne über Konfliktmanagement und Kommunikation. Ausserdem machten wir den prepare&enrich test und hatten super Resultate, und dennoch stundenlange Gespräche darüber im Anschluss an die Auswertung mit unserer Kursleiterin.

Und hier noch die Geschichte unserer Verlobung:
Da wir schon seit einiger Zeit wussten, dass wir heiraten wollen, erwartete ich, dass ein Antrag in den zwei Wochen des Zusammenseins kommen würde. Aber wie? Wann? Wo? Wie würde ich reagieren, würde ich bereit sein? Die richtigen Kleider tragen? Reagieren, wie man sollte? Ich meine damit nicht, dass ich nicht wusste, ob ich Ja sagen sollte - das war schon seit Januar keine Frage mehr - aber ich hatte mir wohl einen Druck auferlegt, vom Hören anderer Geschichten und von Filmen. Ich teilte meine Unsicherheiten mit, und der beste Mann nahm mir jeden Druck weg und sagte, ich solle einfach mich selbst sein. Wir gingen am Mittwochabend in den DTR (Defining the Relationship) Kurs und nahmen noch meine Mitbewohnerin mit zu Bethel. Als wir ankamen, sagte sie mir, sie brauche keinen Ride nach Hause, sie könne mit jemand anderem mitfahren. Das fand ich verdächtig.... Der Kurs endete um 20.15 Uhr, ich war völlig aufgewühlt und unsicher darüber, ob ich wirklich so "powerful" bin, wie ich es sein wollte. Wir liefen zum Auto, und Gianni fragte, ob wir noch zum Fluss spazierengehen wollten. Es war bereits dunkel, und noch nie hatte er so etwas vorgeschlagen. Nun wusste ich, dass es wahrscheinlich soweit war... Wir fuhren zur berühmten Sundial Bridge, und als wir parkten, nahm er seine Tasche mit auf den Spaziergang. Äusserst ungewöhnlich für einen Mann! Ich liess mir nichts anmerken, aber ich wurde mit jedem Schritt nervöser und nervöser. Gianni sagte: "Lass uns hier lang gehen" - ein schmaler Weg, der in den stockfinsteren Wald führte. Ich warf ein: "dort ist NICHTS", aber er meinte, wir sollen es trotzdem probieren. Ich hielt mich an ihm fest, aus Nervosität und weil es stockfinster war. Er schaute immer wieder nach links ins Gebüsch und schien etwas zu suchen (was ich später erfuhr: Er hatte den Platz vorher per googlemaps ausgecheckt, war aber noch nie dortgewesen). Gerade, als er kurz davor war, umzukehren, sah ich etwas ähnliches wie eine Bank im Mondlicht. Erleichtert steuerte er darauf zu. Es waren ein Tisch mit eingebautem Schachfeld, sowie zwei Steinbänke dort. Wir setzten uns hin. Vor uns der Sacramentoriver, im spärlichen Licht der Sundial Bridge. Über uns der Sternenhimmel. Es war perfekt. Ich sagte nichts. Gianni fragte: "Weisst du, warum wir hier sind?" - Ich: "Ja.." - Er: "Willst du mich heiraten?" - Ich: "YES!" - Er: "oh, warte".. und dann kniete er sich vor mir hin und fragte noch einmal, und ich sagte noch einmal Ja, worauf er mir die Schachtel mit dem Ring gab, aber ich war so zutiefst berührt, dass ich ihn nur umarmte und es mir ganz schwindlig wurde. Ich konnte nicht mehr sprechen. Er fragte mich irgendwann, ob ich nicht den Ring sehen wollte. Oh ja, natürlich!! Bloss war es stockdunkel. Im Licht unserer Handys sah ich immerhin, dass es genau die Art Ring war, die ich am liebsten habe: Nicht einen grossen Stein obendrauf, sondern einen kleinen Diamanten in den Weissgoldring eingearbeitet. Dann sagte er mir all die wunderschönen Dinge, warum er mich heiraten wolle. Ich weinte ein bisschen. Dann mussten wir pressieren, weil er einen Tisch im besten Restaurant der Stadt reserviert hatte, direkt am Fluss. Bevor wir zurückgingen, jubelte ich laut in die Nacht hinein. Bei der Sundial Bridge sassen vier ältere Personen. Ich war so oberglücklich, dass ich ihnen zurief: "I just got engaged!!!!!". Ihre Begeisterung hielt sich in Grenzen. Eine der vier Personen murmelte mürrisch: "Congratulations". Hahaha. Wir mussten lachen und freuten uns umso mehr. Das Essen war super, bloss konnte ich weder lesen noch reden, weil ich so positiv durcheinander war. Die Rettung war eine Schulkollegin, die auch dort auf der Terrasse ist. Sie ist eine wirklich leidenschaftliche Person, und so drückte sie mich und freute sich derart stark, dass ich wieder zu funktionieren begann. Nach dem Cocktail und Essen fuhren wir nach Hause, wo noch ein Dessert, Schaumwein und liebe FreundInnen auf uns warteten. Einfach perfekt.
Und als ich am nächsten Morgen aufwachte, war tatsächlich ein Ring an meinem Ringfinger!!!!!!!

3 Kommentare:

Der schönsten Besuch aus der Schweiz hat gesagt…

Like!!!!

die Vorgärtnerin hat gesagt…

Gianni heißt er also, aha... ich wollte es ja längst mal erfragen.
na, Congratulations!

ich leike das auch.

cee hat gesagt…

Danke, Frau Vorgarten!