Mittwoch, Juni 03, 2015

Auf Pünktlichkeit abfahrende Gäste und pünktliche Fahrgäste

Der Sommer ist ja ausgebrochen. Dementsprechend verändert sich auch der Mittagsservice, und man muss einfach dran sein, dran sein, dran sein. Das Telefon läutete zwei Stunden lang durch, zwei Stunden lang liessen wir es läuten, nachdem ich es um 12.05 noch kurz beantwortet hatte, weil ich dachte, vielleicht will ja noch jemand reservieren (wir hatte noch einen freien Tisch). Aber nein. Am anderen Ende hiess es: "Ja, hallloooo?!?! Hier ist X.Y. aus Dööitschland, und ich hätte da mal ne Fraaaage" - "äh, ja?" - "Hätten Sie vielleicht noch ein Doppelzimmer frei für am Samstag?" (Wir sind seit Wochen ausgebucht) - "Ich muss Sie enttäuschen, nein" - "Ach so, schaaaaade. Hmm. Tja. Also, dann auf Wiederhören".  Danach liess ich das Telefonläuten Telefonläuten sein und kümmerte mich ums Servieren und Abräumen der Speisen und Getränke.

Und wie das so ist, wenn man zu zweit ist und 35 Gäste hat, draussen im Garten und drinnen auf zwei Räume verteilt, gibt man sein bestes und es ist trotzdem nicht gut genug. So sehr ich auch am 5er Tisch drinnen den Damen Rotwein nachschenken will, immer läutet gleichzeitig grad die Küche und heisse Teller müssen schnellstmöglich nach draussen getragen werden - am besten noch zuhinterst in den Garten. Und dann auf dem Rückweg - diesmal aber wirklich zu den Damen - laufe ich an drei Tischen vorbei, die leer gegessen haben und mich um einen Espresso und die Rechnung bitten; sie müssen wieder arbeiten gehen. Und dann, als ich endlich verschwitzt zu den Damen hetze, haben sie schon selbst nachgeschenkt... Jedenfalls bestellen sie dann auch noch Dessert und Espresso - aber bitte den Espresso ZUM Dessert!! Und zwar NUR ZUM Dessert, sonst will ich keinen!
Ich lege also die Dessertbestellung zusammen mit drei anderen in die Küche, und bereite hinter der Bar schon mal die Unterteller, Kaffeerahm und Zucker vor, und decke den Frauen das Dessertbesteck. So kann ich, wenn die Küche läutet, nur noch das Süsse servieren und dann gleich die Espressi rauslassen. Während ich wohlgemerkt 30 andere Leute, die dasselbe wollen oder zahlen müssen, warten lasse. Die Küche läutet, 7 Desserts stehen bereit, meine Kollegin bringt vier davon zu den Damen, während ich die Espressi in die Tässchen laufen lassen. Und ja, man ahnt es: Eine der Frauen ist so nervös, dass ihr Espresso nicht zeitgleich MIT dem Dessertschälchen vor sie hingestellt wird, dass sie bei meiner Kollegin "ich nehm noch einen Espresso dazu" bestellt. Zum Glück merken wir es beide. Ich bin ein bisschen eingeschnappt, ehrlich, bringe ich doch keine 10 Sekunden später den Espresso zu ihr! Und so kann ich es nicht lassen, nach einer halben Minute nochmal zur Frau zu gehen und zu fragen "entschuldigung, Sie haben bei meiner Kollegin nochmal einen Espresso bestellt; möchten Sie wirklich zwei?".

... ups ... vielleicht nicht das unkindischste Verhalten, aber ich fühlte mich danach besser.

Apropos unkindisch. Zugfahren ist manchmal bereichernd, belustigend, berührend, oder aber nervig. Zum Beispiel, wenn schon morgens um 5.30 Uhr jemand soo laut Musik hört - schon mit Kopfhörern, aber das nützt nichts - und zwar erst noch irgendwas ganz nerviges um diese Uhrzeit, wie Heavy Metal oder AggroRap (frauenfeindlich) oder geschmacklosen Techno - dass ich dazu gezwungen bin, selbst auch Musik zu hören, obwohl ich sonst einfach gern noch den Morgen geniessen möchte. Oder aber Zug fahrende Teenagergruppen. Wie heute: Drei Teenager in einem Abteil. Keine Ahnung, warum die so laut reden müssen. Dazu furzen und rülpsen sie noch regelmässig laut. Und spielen irgendwelche "lustige" Videos von ihren Handys ab, auch in einer Lautstärke, dass es jeder im ganzen Zug mitbekommt. Bloss, dass ich nicht irgendwo im "ganzen Zug" sitze, sondern direkt hinter ihnen. Vier lange Stationsabstände lang werweise ich hin und her, ob ich was sagen soll, oder nicht. Und wenn ja, was. Und falls sie in irgendeiner frechen Art reagieren, wie ich mich dann verhalte. Als ich mich endlich dazu durchringe, sie vielleicht einfach nett zu bitten, die Videos leiser zu stellen, steigen sie aus. AAAAAAAHHHHHHHHHHHH!!!!!!!!

Zum Abschluss noch was schönes, das auch mit Zugfahren zu tun hat. Meistens komme ich mit dem 18-Uhr Zug von der Arbeit nach Hause. Aus diesem Zug steigt auch immer eine dunkelhäutige Frau aus, die dann immer oben an der Treppe von ihrem etwa dreijährigen dunkelhäutigen Sohn und ihrem weissen Mann erwartet wird. Der Sohn freut sich immer soooooooooooooo fest, als habe er sie ein halbes Jahr lang nicht gesehen. Der Mann freut sich auch immer. Und die Frau sieht zwar müde aus, scheint sich aber auch richtig zu freuen. Diese Szene bringt mich jedesmal zum Lächeln und macht mich ganz froh. Und nun das beste: Diese Familie ist in unser Haus eingezogen! In die unterste Wohnung. Und da wir direkt neben dem Bahnhof wohnen, sah ich heute Sohn und Vater am Fenster kleben, als die Mutter und ich zum Hauseingang liefen, und kaum war die Haustür auf, standen die beiden auch schon in ihrer Wohnungstür und strahlten um die Wette. Einfach herrlich. Bloss schade, dass ich in zwei Monaten wegziehe. Aber bis dahin werde ich die Szenerie bestimmt noch häufig geniessen dürfen.

Donnerstag, Mai 07, 2015

Fallen in Zürich

Heute war ich an einer Lesung in Zürich. Lydia Davis. Ich kannte sie überhaupt nicht, aber war sofort hin und weg von ihr als Person und von ihrem Schreiben. Da ich aber morgen Abgabetermin habe und ausserdem abends schnell müde bin und die Reise von Zürich bis nach Hause doch noch dauert, hatte ich schon im Voraus ein Sparbillet gekauft. So musste ich früher raus, und mit mir zwei andere. Wir hatten uns geschickt in der Nähe der Tür platziert.

Zwei Minuten, bevor wir unseren stillen Abgang geplant hatten, stand plötzlich eine Frau in der Mitte des Raumes auf, lief schnell nach vorne und öffnete die Tür, ohne auch nur zu probieren, leise zu sein. Die Frau verschwand aus meinem Blickfeld, die Tür aber öffnete sich vollständig und schlug gegen den Kassentisch, der draussen stand. Man hörte einen dumpfen Knall und Plastikbecher auf den Boden fallen. Die vorderste Reihe blickte mit erschrockenem Gesicht und teils mit der Hand vor den offenen Mund gedrückt zur Tür hinaus. Die Schriftstellerin hatte das Gesicht verzogen und biss sich auf die Unterlippe. Die Organisatorin stürzte hinaus. Hinter ihr der Mann der Frau, und er sagte "es ist ihr schlecht geworden". Die Tür schloss sich.

Wir waren alle still, und die auf der Bühne - der Moderator, die Autorin und die Schauspielerin, die die Texte auf deutsch las - wussten nicht, was machen. Da stand noch einmal ein Mann auf und eilte nach draussen. Vielleicht war er Arzt. Eine Zuschauerin rief in schlechtem englisch der Autorin zu, das sei jetzt wieder so eine Geschichte aus dem Leben, die sie, die Autorin, nun schreiben könne. Miss Davis verstand es akkustisch und wegen dem starken Akzent nicht, so dass die Frau es dreimal wiederholen musste, bevor sie dann sagte "sorry, it's a bad joke". Ein paar Leute lachten verschämt. Die Schauspielerin begann, weiterzulesen.

Und genau das war der Moment, in dem wir wirklich gehen mussten, wollten wir den Zug nicht verpassen. Einen dooferen Moment, um unauffällig rauszuschleichen, hätten wir uns nicht aussuchen können. Ich spürte die Blicke des ganzen Saales inkl. Bühne in meinem Rücken. Draussen lag die Frau auf einem Sofa, die Beine hochgelegt, bei Bewusstsein. Wir rannten still die Treppe hinunter, drei Stockwerke, bevor wir draussen die Anspannung bei Lachen und mehrfachem lautem Aufpusten loswurden. Dann erwischten wir den Zug und alles wurde gut.

Übrigens war auch ich heute in Zürich umgefallen. Ich war im Tram, hatte keine Ahnung, wo genau ich war, irgendwo auf einem Hügel. Ich wusste nur, dass ich bei der nächsten Haltestelle aussteigen musste. Das Tram war voll, ich sass und ass einen Apfel, vor mir standen Studenten und sprachen italienisch zusammen. Das Tram fuhr um die Kurve und die Haltestelle kam plötzlich in Sicht, ja, sie war schon da. Schnell stand ich auf, wollte zur Tür, die Studenten sahen das nicht und standen im Weg, das Tram stoppte abprupt, ich musste nach hinten ausweichen, aber hinter mir war ein Treppenabsatz - - - - - dieser Moment folgte, wo man in Schräglage ist und weiss, jetzt falle ich dann grad und ich kann nichts mehr machen. Dazu kam noch, dass ich unbedingt aussteigen wollte, dass ich nicht vor Publikum fallen wollte, dass ich bereits Rückenschmerzen hatte, dass ich das Baby im Bauch beschützen wollte, dass mein Computer im Rucksack war... - BÄM! War ich auf meinem Rücken bzw. Rucksack und Rücken gelandet, mitten im Tram, das nun angehalten hatte und dessen Türen sich bereits wieder am schliessen waren. Ich rappelte mich auf, so gut es ging, die Studenten hatten sich erschrocken umgedreht, ich sagte "Sorry!", ging zur Tür hinaus, biss in meinen Apfel als ob nichts passiert wäre, und sah mein Anschluss-Tram davonfahren. Mein Rücken schmerzte extrem und ich sah mich schon mit Blutungen auf der Notfallstation enden. Aber nur kurz. Dann erholte ich mich wieder.

Zürich und ich. Werden wir wohl jemals Freundinnen? Vor zwei Jahren hatte ich einen bösen Skateboard-Unfall gehabt in dieser Stadt, auch vor Publikum.... Naja, besser als an einer Lesung ohnmächtig zu werden.

Samstag, Mai 02, 2015

Alles illegal

Kennst du das? Du hörst jemanden etwas sagen und bist dir dann nicht sicher, ob du dich jetzt grob verhört hast, oder ob die Person das wirklich gerade gesagt hat.

So kürzlich geschehen als ich in ein Einkaufszentrum hineinlief: Vor mir eine Angestellte und eine Kundin, beide halten ein Kosmetikprodukt in den Händen. Gerade, als ich vorbeilaufe, meint die Angestellte zur Kundin: "Also, es ist völlig illegal, welches der beiden Sie nehmen. Vom Geschmack her würd ich sagen...."  -  hat sie das wirklich grad gesagt? Illegal statt egal? Ich bin mir SICHER, dass es so passiert ist. Aber das glaubt mir ja keiner...

Herzig auch meine Arbeitskollegin, die noch fleissig am deutsch lernen ist: "Der Schlussel ist bei den Versicherungen" (Sicherungen)

Und mein Schwager, der eine Zeitlang regelmässig davon gesprochen hat, dass er "fröh" sei. Froh vs. fröhlich - ist ja wirklich verwirrlich.

Mein Italienisch steht dem sicher in nichts nach. Schon nur "cugina" (Cousine) und "cucina" (Küche) - ich glaub, ich spreche beides etwa gleich aus, oder immer grad so, dass es das andere heisst.

Wenn man einander gut gesinnt ist und Missverständnisse mit Humor nehmen kann, dann sind eigentlich alle Sprachbarrieren illegal.

Donnerstag, April 30, 2015

Vorbereiten vs. Loslassen, oder Vorbereiten = Loslassen (Ängste loslassen)

Nun hat die 24. Schwangerschaftswoche angefangen. Schon die letzte Woche des 6. Monats. Ich spüre das Baby immer stärker und immer häufiger. Noch ist es ein eher angenehmes Zappeln und stupsen - ich habe schon von anderen gehört, dass es später sogar schmerzhaft werden kann. Ein Babybauch existiert und manchmal spüre ich ihn stark (Treppenlaufen, auf den Zug rennen), aber handkehrum vergesse ich manchmal immer noch völlig, dass ich schwanger bin.

Neun, beziehungsweise zehn Monate Schwangerschaft sind eigentlich eine lange Zeit. Fast ein Jahr... Und nun bin ich schon gut über der Halbzeit..


Nachdem ich auf sozialen Medien dieses Foto von all meinen Schwangerschafts-, Geburts- und Eltern-Büchern veröffentlichte, hörte ich von verschiedenen Seiten, ich solle vor allem auf meinen Körper hören und nicht so sehr mit dem Kopf wollen (= lesen). Hmm.. ich verstehe diese Einwände, finde es aber schade, wenn mir aufgrund eines Fotos unterstellt wird, ich würde Dinge kontrollieren wollen. Anyway. Sorry. Das musste raus.

Es geht mir nicht darum, perfekt vorbereitet zu sein. Sondern darum, gut informiert zu sein, und zwar von der Seite, die Schwangerschaft und Geburt nicht als Risiko und potentiell gefährlich ("man weiss nie, was passieren kann") ansieht, sondern als natürlich und gut von der Natur eingerichtet. Ja, Tiere lesen keine Bücher und gebären trotzdem problemlos, aber die hören auch nicht von allen Seiten Horrorstories, so dass sie schon Angst vor der Geburt haben, Jahre bevor sie überhaupt ans schwangerwerden denken....! Alles, was ich über Geburt wusste (bevor ich ein Buch dazu auch nur von weitem angeschaut hatte) war, dass es sich um schier unerträgliche Schmerzen handelt, wo man sterben will oder NIE MEHR ein Kind zeugen, wo man schreit und meistens eine Leitung ins Rückenmark gelegt haben will, damit die Schmerzen weggenommen werden. Jetzt, nach einiger Lektüre, weiss ich, dass hauptsächlich Angst und Stress Schmerzen verursacht, da Angst und Stress den Körper verkrampfen lassen, und versuch mal, verkrampft und gestresst schon nur eine Nummer 2 auf dem WC rauszulassen, geschweige denn ein Kind zu gebären! Das hängt übrigens beides zusammen, ist derselbe Schliessmuskel. Es ist vielleicht TMI (too much information), aber eine Atem- und Entspannungstechnik, die ich in einem Buch gelernt habe, übe ich schon jetzt auf dem Klo, und es ist also erstaunlich!!!!, wie man von mühsam zu ohne Aufwand gelangen kann, bloss durch atmen und sich etwas vorstellen.

Ich bin mir sehr wohl bewusst, dass eine Geburt sich wahrscheinlich viel anders anfühlen wird, als ich es mir vorstelle, und auch, dass es Schmerzen - auch schlimme - geben kann. Aber ich bin enorm froh, auf eine Geburt zugehen zu können im Wissen, dass ich das kann - ich wurde dazu geschaffen!

Mittwoch, April 22, 2015

So Gott will und wir leben / oder: Gott will - wir leben / oder: Wir leben - Gott will

Gottes Wille
Der Wille Gottes
So Gott will
Inscha'allah

So grob gibt es wohl zwei Richtungen, was den Willen Gottes angeht:
- Gott gab uns einen freien Willen, und so egal es ihm ist, ob wir nun Falafel oder Curry essen, genau so hat er auch keine Meinung dazu, wen ich heirate, welchen Beruf ich wähle, in welche Gemeinde (und ob) ich gehe, was ich mit meinem Geld mache, etc.  Das wichtige ist die Herzensverbindung, sein Herz ist sein Wille: Güte, Barmherzigkeit, Grosszügigkeit, Heiligkeit,...
- Gott weiss, was das beste für mich ist, darum hat er auch eine Meinung dazu, ob ich das blaue oder das rote Auto kaufen soll, ob ich in diese oder jene Wohnung ziehe, ob ich ein Studium anfange oder weiterjobbe, ob ich jetzt schwanger werden soll oder noch warten (oder gar nicht schwanger werden soll), etc. ...und, in manchen Kreisen: ob ich krank oder gesund sein soll, leben oder sterben soll.

Als ich frustriert war, als es nicht gleich im ersten Zyklus klappte mit schwanger werden, hörte ich einige Male, dass Gott schon wisse, wann der beste Zeitpunkt sei für eine Schwangerschaft. Hmmm. Dann bräuchte man auch nicht mehr verhüten.

Ich persönlich glaube an einen freien Willen des Menschen, der sich für das entscheidet, was sich richtig anfühlt, was sich auch in der Bibel - im Leben von Jesus zum Beispiel - wiederspiegelt, was mit Gottes Wort übereinstimmt. Den Rest finde ich relativ egal. Soll ich jetzt nach Redding fliegen oder das Geld für die Armen spenden? Tja, das sind so Fragen... aber ich glaube nicht, dass Gott in einem solchen Fall eine Meinung dazu hätte im Sinne von "kein Amerika. Spenden" oder umgekehrt.

Oder Fehlgeburten. "Es sollte wohl nicht sein". "Es war nur ein Engel, der uns kurz hallo sagen gekommen ist". "Es war wohl etwas mit der DNA nicht gut, darum ist es besser so", undsoweiterundsofort. Ich: undsofortweiter. Nein. Gott, der perfekte Gott, nach dessen Ebenbild wir (auch alle Embryos) geschaffen sind, richtet seine Schöpfung doch nicht so ein, dass ein Drittel aller befruchteten Eizellen DNA-technisch nicht gut ausgebildet sind und nach 3, 7, 12 Wochen absterben? "Ach, wir haben's mal versucht", würde Gott im Himmel dann sagen, "eines der nächsten Male klappt's sicher". Hallo? Ich kann und will das einfach nicht glauben. Klar war etwas mit der DNA nicht gut und das Kind nicht lebensfähig, aber das würde doch niemals der Wille Gottes sein!

Anderes Thema: Wir haben genug Probleme und können nicht Milliarden ausgeben, um Schleppern quasi in die Hände zu spielen, damit die seeuntüchtige Boote vollstopfen und wir die Leute dann retten. Zudem können wir ja auch nicht alle aufnehmen, wo würden wir den ganz Afrika bei uns unterbringen können, und überhaupt, Jobs gibt es ja nicht mal für uns genug. - - - Heisst das, dass es dementsprechend auch die beste Entscheidung ist, keine Resourcen zu organisieren, um Menschenleben im Mittelmeer zu retten? Was wäre jetzt Gottes Wille hier? Natürlich ist das Problem Komplex und die Ursachen woanders (hmm, ja, nochmal ein anderes Thema, ich fange jetzt lieber nicht an), aber ganz konkret stehen unsere Regierungen (von uns gewählt und an der Macht gehalten) vor der Entscheidung: Leben retten oder nicht. Um jeden Preis oder nicht. Da ist für mich der Wille, das Herz Gottes, klar. Sternenklar. Sonnenklar. Und dementsprechend auch meine Meinung.

Anyway, es ist ein riesiges Thema. Und es schliessen sich Subthemen daran an, zum Beispiel "Gebet". Wie bete ich, wenn es Gott relativ egal ist, was ich jetzt konkret mache? Wie bete ich, wenn ich an himmlischen Örtern sitze und unbeschränkten Zugang zum Kühlschrank habe? Bei mir wurde es dann fast so, dass ich fast gar nicht mehr betete, weil ich verzweifelte, langweilige Gebete so leid war. Zum Glück gibt es auch andere Formen. Mit Gottes Herz in Verbindung kommen ist dann meist schon das Gebet, finde ich. Oder auch nur den Psalm einer Person lesen, die vor tausenden Jahren mit Gottes Herz in Verbindung gekommen ist. Daraus lese ich dann manchmal auch wieder Seinen Willen ab. Was zu einer Entscheidung meinerseits führt.

Samstag, April 18, 2015

Wieder und noch einmal in den Ausgang (Ausgehen)

Gestern waren Gianni und ich am Konzert der neuseeländischen Künstlerin Brooke Fraser. Und das kam so:
Vor einigen Wochen sahen wir, dass sie in Bern spielen würde. Wir freuten uns riesig, bemerkten aber auch den Eintrittspreis: 33.- im Vorverkauf, 36.- an der Abendkasse.. Huch. (für meinen Mann weniger ein Problem als für mich). Wir schrieben es mal in unsere Agenda und liessen die Zeit vergehen. Am Donnerstagabend sah ich, dass das Konzert am nächsten Tag wäre, wusste aber auch um unsere Finanzen und dass wir gerne diesen Sommer noch ein letztes Mal zusammen in die Ferien gehen würden, bevor das Baby kommt. Darum liess ich innerlich das Konzert los... in dem Moment hatte ich das Gefühl, dass der Heilige Geist mir sagt: "Ihr könnt imfall an das Konzert gehen". Ich war nicht wirklich überrascht, dass Er das sagen würde, beachtete es aber nicht weiter und vergass es schnell wieder, ohne es Gianni erzählt zu haben.

Am Freitagvormittag schrieb mir Gianni eine sms, ob ich nun an das Konzert gehen möchte oder nicht. Ich schrieb zurück, es wäre ja schon schön, aber auch etwas teuer..... er fand dann, komm, wir gehen dennoch. Dann begann meine Arbeitsschicht und ich schaute erst wieder am späten Nachmittag auf mein Handy. Dort warteten diverse sms auf mich, im Sinne von: "Im Radio haben sie gerade gesagt, dass sie 2 Tickets für Brooke Fraser verlosen" - - - "Mein Arbeitskollege hat für mich angerufen" - - - "Wir haben gewonnen!!!!! Wir haben zwei Tickets für heute Abend!!".  Da fiel mir dann auch wieder ein, was der Heilige Geist mir am Abend zuvor gesagt hatte, und musste schmunzeln. Das war ja wiedermal typisch. Er schafft es immer wieder, mich zu überraschen!!!!

Dazu kam dann noch, dass Gianni ein Auto für uns organisierte und ich sofort dachte "oh nein, Auto! Parkplatzsuche ohne Ende!" aber sofort spürte, dass Gott sagt, er habe auch einen Parkplatz für uns. Ok, ein bisschen widerwillig und undankbar, obwohl ich sehr dankbar war, aber vielleicht weisst du was ich meine, fuhren wir mit dem Auto nach Bern. Ich glaube, es war mehr das Ding, dass ich manchmal das Bedürfnis habe, Recht zu haben. Auch wenn es noch so blöd ist. Und wenn ich denke, dass Autos prinzipiell blöd sind, da sie die Umwelt verschmutzen und die Strassen verstopfen, und dass es keine Parkplätze gäbe, dann wäre es ja "blöd", wenn wir einfach gemütlich vor die Hütte fahren und parkieren könnten. Dann wären meine negativen Voraussagen nicht eingetroffen. So schlimm!!!!!! Anyway. Trotzdem war ich froh, nicht mehr durch den Bahnhof zu müssen und auf einen Bus warten etc. Wir begannen also, einen Parkplatz zu suchen. Wie ich gedacht hatte: Alles voll, voll, voll, und X andere Autos suchend am herumkurven. Ich sagte aber nichts, da ich ja von Gott gehört hatte.... nach einiger Zeit konnte ich es aber nicht lassen... "vielleicht habe ich falsch gehört.." .... "mit dem öffentlichen Verkehr wären wir schon längst dort" .... (ui ui ui). Und schlussendlich: "Ich glaube, ich habe falsch gehört" (wobei mich das erstaunen würde). Und just da biegen wir um die Kurve und was sehen wir? Einen freien Parkplatz, und zwar sage und schreibe nur genau 5 Autos vom Konzertlokal entfernt!!! Näher würde es fast nicht gehen! Es war sogar ein Parkplatz am Ende der Reihe, so dass sogar das einparken ein Kinderspiel war. Einfach perfekt!

Das Konzert war super. Ich kannte die Sängerin eigentlich gar nicht wirklich, und war dann umso beeindruckter von ihr. Sie hatte es nicht nötig, tiefe Ausschnitte und kurze Kleider zu tragen. Sie war einfach sich, frei, stark, wunderschön, selbstbewusst. Und sie war schwanger, hatte etwa denselben Bauch wie ich. Einmal musste sie während einer Ansage sich kurz vom Mikrofon wegdrehen  - "excuse me" - und rülpsen. Herrlich.


Da sie auch Christin ist (aber nicht in dem Sinn "christliche Musik" macht), waren wir natürlich gespannt, ob wir Leute aus unserer Gemeinde treffen würden. Und tatsächlich. Schlussendlich waren wir ein ganzes Grüppchen. Das halbe ICF war auch da und wohl auch viele andere Glaubensgeschwister..  

Im Anschluss taten wir noch etwas, was in den letzten Jahren total untypisch für mich geworden war: Wir gingen mit einer Gruppe von Leuten, die wir dort getroffen hatten (wir kannten nur eine), und die alle etwa 8-10 Jahre jünger waren als ich, ein Bier trinken. Also wir waren die einzigen, die Bier tranken, alkoholfrei natürlich. Anyway, es wurde spät, ziemlich spät, und dann mussten wir auch noch durch den strömenden Regen zum Auto laufen und hatten auf der Heimfahrt einen Disput über Verkehrsregeln, aber nichtsdestotrotz war es toll, wieder mal so einen Abend erlebt zu haben. Ich schätze es gleich viel mehr, jetzt wo ich weiss, dass wir das mit dem Baby wohl nicht mehr so bald machen werden können....

Brooke's neues Album "Brutal Romantic" kann nur empfehlen, oder natürlich auch ihre älteren Sachen. 12 Franken auf itunes. Lohnt sich auf jeden Fall.

Freitag, April 10, 2015

Früh nach Hause, spät ins Bett

Es gibt Menschen, die geniessen einen Anlass, ein Treffen, eine Unterhaltung,.... in vollen Zügen, und dann geht es weiter mit dem Leben. Mir geht es manchmal auch so. Meistens aber geniesse ich einen Anlass, ein Treffen, eine Unterhaltung..... und denke gleichzeitig schon "wenn ich nicht in 10 Minuten den Zug nehme, bin ich zu spät zuhause, um noch 8 Stunden schlafen zu können". Oder so ähnlich. Und gehe dann. Ist das langweilig? Normal ab 30? Erwachsen? Ängstlich? Egal. Ich lebe irgendwie lieber so.

Dann bin ich zuhause, habe schön eine Stunde Zeit, um mich Bettbereit zu machen, und setze mich noch hurti vor den Computer. Ans iphone. Checke dies. Und das. Und nochmal dies. Nichts neues. Nochmal das. Auch nichts neues. Also zurück zu diesem. Oha, etwas neues, wenn auch nicht aufregend. Ich schaue auf die Uhr. Eine Stunde um.

Gute Nacht!