Mittwoch, Juli 30, 2014

Fast leer ≠ genug voll

Es wird einem nie langweilig.

Nach dem verhältnismässig billigen Kauf unseres Töffs gaben wir ein vielfaches davon aus für die passende Kleidung. Wir hatten Kleider ausgeliehen/geschenkt bekommen, aber alles so XL-Sachen für uns zwei, die wir ja erst grad 7-10kg abgenommen haben... Das wäre kein Problem, aber die Schoner in den Kleidern sitzen dann nicht dort, wo sie sollten. Und wenn man so im Regen über die Autobahn brettert, realisiert man schon, dass das anders ist als im Auto... ohne irgendwelchen Schutz, wenn man fallen würde oder angefahren... Darum entschieden wir uns, viel Geld zu investieren in einen Helm, der auch sitzt, und eben weitere Schutzkleidung. Die können wir schliesslich ein Leben lang behalten.

Was wir aber noch brauchten, waren Seitentaschen. Uns wurde ein Laden angegeben, der in 10 Minuten Fahrt erreichbar ist und in einer halben Stunde schliessen würde... Ich hatte noch keine Schutzhose, weil die erst noch bestellt werden muss, aber für 10min würde das schon gehen... nichts wie hin. Kaum angekommen sahen wir, dass dort Betriebsferien sind... hmm... wir wussten aber noch von einem anderen Laden, der eine halbe Stunde entfernt in der Nähe von Bern ist, und der noch länger geöffnet ist... sollen wir hin? Auch ohne meine Motorradhose? Ja ok, machen wir.  Schliesslich haben wir die nächsten paar Wochen kaum mehr gemeinsame freie Tage. Wir nehmen aber nicht die Autobahn, sondern fahren über Land.

Natürlich verfuhren wir uns. Anstatt in einer halben Stunde, kamen wir nach einer Stunde Fahrt an... Das mit den Seitentaschen wurde leider nichts, dafür kauften wir eine Aktions-Tanktasche - also für vorne auf dem Tank, zwischen Fahrer und Lenkrad.

Es war inzwischen 20 Uhr, und Regenwolken zogen auf. Wir prüften, ob wir noch Benzin haben, und sahen, dass es noch hat. Wie lange es reicht, wussten wir noch nicht, wir haben ja noch kaum Erfahrungswerte. Der Vorbesitzer sagte uns, ein Tank reiche für 180km.... seit dem letzten Tanken waren wir 80km gefahren. Aber der Tank war schon ziemlich leer... wir beschlossen, auf der Rückfahrt sicherheitshalber irgendwo tanken zu gehen...

Wiederum wollten wir auf Hauptstrassen zurück, aber um die Stadt Bern zu umfahren beschlossen wir, für diesen Abschnitt die Autobahn zu benutzen. Ich in Jeans, und meine Leuchtweste hatte ich auch nicht dabei wie sonst immer wenn es regnerisch/dunkel wird... man ahnt, was jetzt kommt:

Mitten auf der Autobahn, auf der linken Überholspur, begann das Motorrad zu stottern und der Motor stellte bald ganz ab.... Pannenlicht gibt's ja nicht.... hinter uns brausen Autos und Lastwagen heran..... wir so "ähm.... mal irgendwie auf den Pannenstreifen rollen?!".... unversehrt kamen wir dort an, phu... was könnte das Problem sein???? Ein Schaden? Oder doch nicht etwa....... ...Benzin???? Es musste fast das Benzin sein...

Glück im Unglück: Wir befanden uns in der Nähe einer Ausfahrt, am Stadtrand. Es hatte zwar weit und breit keine Tankstelle, aber ich beschloss, mal loszulaufen, während Gianni beim Töff blieb.. Da wir keine FreundInnen mit Auto haben, wollte ich gerade einen Bekannten mit Auto anrufen (mit praktisch leerem Akku), ob er mich eventuell abholen könnte, und genau da hielt ein Auto neben mir an mit zwei Engeln: "Brauchst du Hilfe?"  - "äh ja, kennt ihr grad eine Tankstelle in der Nähe?" - ...sie sagten mir, ich solle einsteigen, und fuhren durch die halbe Stadt zu einer Tankstelle, die auch noch einen geöffneten Shop hatte, so dass ich auch einen Kanister kaufen konnte. Es hatte noch genau EINEN Kanister!!!! Mit zittrigen Händen füllte ich die 5 Liter rettendes Benzin hinein, ging mit zitternden Händen bezahlen (ich konnte kaum den Pin-Code meiner Karte eingeben, so sehr zitterte ich), und dann fuhren die zwei Frauen doch tatsächlich aus der Stadt heraus, um auf die Autobahn zu gelangen, so dass sie kurz darauf direkt vor unserem Motorrad halten konnten.

Wir füllten etwa 3 Liter Benzin in den Tank, die andern 2 Liter flossen daneben (das Verhältnis war wohl etwas besser, fühlte sich aber so an), und dann kam die Stunde der Wahrheit: .........und der Motor sprang an!!!!!!!!!!!!!!!!

Wir verabschiedeten unsere Retterinnen, fuhren los, und nahmen gleich die nächste Abfahrt, um volltanken zu gehen. Es begann zu regnen und es war dunkel. Ich kaufte somit auch eine Leuchtweste, und wir entschieden uns für die Autobahn: Wir wollten nur noch nach Hause. Im Regen fuhren wir die 30-40min nach Hause, ich in Jeans, aber egal, nur nach Hause.

Uff.. alles gut gegangen. Jetzt kennen wir wenigstens das Limit unseres Tanks.

Sonntag, Juli 27, 2014

Motorradreise durch die Schweiz

Wie die Jungfrau zum Kind kamen wir zu einem Motorrad. Mitten während des Abendmahls im Gottesdienst. Nur war das Motorrad ziemlich weit weg, und der ganze Papierkram musste auch noch erledigt werden. Gestern war es dann soweit. Am Morgen fuhren wir mit dem Zug in die Ostschweiz, kamen am Mittag an, und nach dem Bezahlen und einer Testrunde fuhren wir los. Es schiffte. Es regnete in Strömen. Es regnete wie aus Kübeln. Es regnete stark.


Ich war in Redding mal bei meinem Mitbewohner hintendrauf mitgefahren, aber hatte ansonsten keine wirkliche Motorraderfahrung. Gianni hatte zwar den Ausweis, war aber noch nie eine so grosse Maschine gefahren... Ich hielt mich fest an ihm, was bedeutete, dass bei jeder Gangschaltung, jedem Bremsen, und jedem Gasgeben mein Helm in seinen Helm hineinknallte. Also etwa alle 2 Sekunden.

Wir hatten Motorradkleidung von Bekannten geliehen/geschenkt bekommen, und diese vorher nicht mehr imprägniert, nein, warum auch..... hmpf. Auch hatten wir noch keine Töffschuhe. Nach dem ersten Kilometer war Gianni, vorne am Lenkrad sitzend, durchnässt. Meine Schuhe und Handschuhe waren getränkt. Nach einer Stunde sahen wir ein Einkaufszentrum: Unsere Rettung! Wir kauften Socken und fragten an der Kasse für vier kleine Plastiksäcke: Füsse trocknen, Socken an, Plastiksack darüber, und ab in die nassen Schuhe. Ich glaube, solche Tricks lernte ich auf dem Freakstock Festival... Für etwa 100km hielt es ganz gut. Ausserdem kaufte ich mir so Handschuhe, die man zum Abwaschen oder Putzen anzieht. Damit in meine durchnässten Handschuhe....

Weiter gings nach Winterthur, die vegane Haupstadt der Schweiz. Zuerst gingen wir veganen Döner Kebap essen, anschliessend in einem anderen Stadtteil vegane Brownies und sonstige Backwaren; es war herrlich.

Dann galt es ernst: Kurz nach Winterthur intensivierte sich der Regen massiv! Ich betete inständig, gebot dem Regen, bat darum, die Sonne sehen zu können, was zu diesem Zeitpunkt total utopisch schien. Wir fuhren vorsichtig, nur auf Haupstrassen, durch Käffer hindurch in einer Region, in der wir noch nie gewesen waren. Schliesslich liess der Regen nach und hörte zwischendurch fast auf. Unsere Füsse waren wieder nass und auch sonst einiges... Es war nun schon 18 Uhr. Unsere Rettung nahte in Form eines Altersheims: Plötzlich war da ein Schild an der Strasse: Café offen. Sofort deutete ich Gianni, dort einzubiegen. Der Parkplatz war bis auf zwei, drei Autos, leer, und ein Koch schaute uns aus dem Fenster nach. Wir wateten in den Eingangsbereich: Ahhh, Wärme! Trockenheit! Und sahen, dass das Café seit einer Stunde geschlossen war.... In einiger Entfernung sassen vier alte Frauen und beäugten uns.... aber grad um die Ecke waren Toiletten!!! Ein Geschenk Gottes!


Und wieder raus auf die Strasse... Inzwischen waren wir irgendwo im Kanton Aargau unterwegs, fuhren der hier riesigen Aare entlang, wieder im Regen, frierend, nass. Dann kam Aarau. Wir folgen den Schildern nach Olten, bis wir plötzlich ein "Bern"-Schild entdeckten, und dem folgten. Etwa 20 Minuten später waren wir plötzlich wieder im Stadtzentrum, wo wir uns schon zuvor verfahren hatten.... Nach einigen Runden mehr entschieden wir uns, diesmal den Richtungsangaben für "Luzern" zu folgen. Endlich schafften wir es aus der Stadt hinaus und lernten wunderschöne kleine Aargauer Dörfer kennen. Und plötzlich war da eine helle runde Scheibe zwischen den Wolken - die Sonne! Noch verdeckt durch grau, aber schon erkennbar als Sonne. Ich dankte Gott.

Inzwischen probierte ich mal aus, mich hinten am Sitz an extra Griffen festzuhalten. Ausserdem erfand ich Lieder und betete mal für dieses, mal für jenes.

Nach 6 Stunden Fahrt, als es schon fast am eindunkeln war, entschieden wir uns, uns nun auf die Autobahn zu wagen. Wir wollten nur noch nach Hause. Um mich motiviert zu halten, malte ich mir in meinen Gedanken aus, wie sich das heisse Bad zuhause anfühlen würde.

Die Autobahn war brutal: Bei 80km/h war der Gegenwind heftig! Zudem wir nun wirklich komplett durchnässt waren... Aber irgendwann kam unsere Ausfahrt, und ich reckte jubelnd meine Faust in die Luft. Nur noch durch das Stadtzentrum, zweimal abbiegen, und hinein in unser verheissenes Haus.

Das heisse Bad wurde dann nicht mehr Realität. Wir schafften es knapp noch, alles auszuziehen und aufzuhängen, Pizza zu bestellen, und fielen nach dem Essen erschöpft, aber glücklich, ins Bett.

Morgen wird das Fahrzeug noch geprüft, mein Lernfahrausweis kommt hoffentlich auch bald an, und dann gehen wir uns bessere Kleidung kaufen (oder Imprägnierspray) und fahren wieder los.

Mittwoch, Juli 09, 2014

TraumGebetRaum, Lachen und Weinen

Ich liebe es, zu beten, und trotzdem tue ich es fast nie. Natürlich bin ich ständig in Kontakt und Austausch mit Gott, einfach so "richtige" Gebetszeiten habe ich nicht mehr. Früher dachte ich, man muss sich einfach überwinden, das einbauen, früher aufstehen, es einplanen. Ist vielleicht auch so. Aber ich weiss es nicht. Ich merke, je langsamer und gedankenvoller ich etwas angehe, umso längerfristiger bleibt es dann. Auch hier gibt es natürlich keine Regel.

Ich glaube nicht an Leistung aus Schuldgefühl heraus. Es funktioniert, natürlich. Und es kann helfen, Freude bringen und ein Erfolgsgefühl. Aber es gibt einen besseren Weg. Ja, manchmal wird man wachgerüttelt, aufgewühlt, angefeuert, inspiriert. Aber manchmal muss etwas wachsen, und das passiert oft unter der Erde, im Winter, wenn nichts spriesst und blüht.

In mir dreht es sich um Frieden, um das Vater unser. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Heute morgen erwachte ich aus dem Traum, in dem Krieg herrschte und eine Familie auseinandergerissen wurde, und ich war mittendrin und schrie, nein, nein, trennt euch nicht auf, bleibt zusammen. Es war ein Traum und ich durfte daraus erwachen, mich an meinem Mann festhalten, bis es mir dämmerte, dass ich in meiner sicheren Schweiz lebe und Krieg hier unwahrscheinlich ist, aber in grossen Teilen der Welt ist mein Traum Alltag. Wir haben die Hoffnung, die Gott ist, sagte mein Mann. Aber wir sind Gottes Hände und Füsse, und was tue ich den ganzen Tag? Mich um meine Belanglosigkeiten sorgen, erwiderte ich, und Tränen strömten endlos über mein Gesicht, so dass ich kaum mehr reden konnte.

Aber ich bin im Besitz der Waffe des Gebets. Ich liebe den Begriff Waffe nicht, es muss einen anderen Ausdruck geben für das, was Gebet ist. Natürlich verstehe ich unter Gebet nicht, dass ich Gott anflehe, er möge Frieden bringen. Dazu fällt mir ein Cartoon ein, den ich mal auf Internet sah. Dort sitzt ein junger Mann auf einer Parkbank, neben ihm ist Jesus. Der junge Mann so: Jesus, warum um alles in der Welt lässt du all diese Kriege und das Elend zu? Jesus so: Lustig, genau das wollte ich gerade dich fragen.

Wir können mit Gott partnern. Er hat die Pläne und die Lösungen. Ich kann ihn fragen, was ich genau beten, freisetzen, aussprechen und tun soll.

Einmal sah ich den "Lach-Raum" im Himmel. Der Himmel ist ja riesig, der Lach-Raum hingegen war winzig klein mit einer kleinen Tür, einfach so ein Raum im All. Ich öffnete die Tür und innen war es vollgepackt mit Engeln, und die waren alle am Lachen. Es war SOOOOO lustig!!! Ich wollte nichts mehr, als mich auch noch hineinquetschen.

Ein anderes Mal war ich in einer Klasse über Soziale Gerechtigkeit, und wir hatten per Skype Unterricht von einer Pastorin und NGO-Leiterin. Sie erzählte uns, dass Gott ihr mal seinen "weeping room" gezeigt hat. Dort, wo Er hineingeht, und überall hat es Fenster, durch die er das ganze Elend der Welt sieht. Dort weint er dann. Soweit ich mich erinnere sagte sie, wir können die Welt nicht ändern, wenn wir nicht auch mal in diesen weeping room gehen. Ich dachte, niemals will ich dort hinein. Lieber in den laughing room, den ich schon kannte. Heute, zwei Jahre später, habe ich ein kleines bisschen weeping room erfahren, und es war schön, obwohl es schlimm war. Es hat mich die Liebe und das Herz Gottes erfahren lassen. Es hat mich feurig gemacht, zu beten, so dass ganze Kriegsgebiete in Lachgebiete verwandelt werden, irgendwann, irgendwann.

Ich will mich berühren lassen, ich lasse mich berühren, ich weine, ich schaue hin, und dann suche ich den Ort, wo Gottes Gegenwart ist, gerade hier, gerade bei mir, warte, bis ich mir seiner Gegenwart bewusst werde, sein Friede, seine Worte... die ich dann bete.

Freitag, Juni 20, 2014

1.Mose 1 - Veganerin

Seit wenigen Tagen habe ich ein neues Projekt. Oder ein Ventil. Eine Plattform.

Da ich mich bekanntlich mit Gesundheit und Ernährung befasse, las ich einige Blogs über Veganismus und dergleichen (Rohkost z.B.). Immer wieder stolperte ich dabei über Bemerkungen gegen den christlichen Glauben oder über atheistische Zitate. Und fast am meisten Unverständnis bekam ich von Christen zu spüren. Dabei ist für mich mein Glaube und meine Beziehung zu Gott der wichtigste Grund, warum ich meine Ernährung umstellte auf pflanzliche Kost.

Darum habe ich nun einen zweiten Blog: www.genesisonevegan.com (auf deutsch).

Alle Interessierten sind herzlich eingeladen, sich den Blog anzuschauen!

Donnerstag, Juni 19, 2014

HSP - Ausrede oder Erklärung?

Vor ein paar Wochen sagte mir jemand, ich solle doch öfters mal an den See oder Freunde in anderen Städten besuchen. Ich erwiderte, das würde ich prinzipiell gern, aber ich könne einfach nicht, Zeit- und Energiemässig. Die Person meinte daraufhin, sie frage sich, ob ich wirklich nicht könne, oder ob ich mich nicht einfach überwinden bzw. entscheiden müsse dafür...

Vor ein paar Jahren hatte ich ab und zu grosse Zusammenbrüche und konnte daraufhin nicht mal mehr das Haus verlassen, um einkaufen zu gehen. Ich hatte schon nur Angst, vom Bett aufzustehen. Ich zeichnete damals, wie ich mich fühlte: Mein Kopf mit einem riesigen Trichter obendrauf, in den tausende von Eindrücken fliessen und fliegen, die dann in meinen Kopf rein gehen. Viel viel mehr, als ich umgehen kann damit.

Inzwischen weiss ich dank Freundinnen, dass ich auch zu dem Fünftel der Menschen gehöre, die weniger Filter haben und viel mehr wahrnehmen als andere. HSP. Hochsensible Personen. Das hat nichts damit zu tun, dass man liebevoller, verletzlicher oder besser als andere Menschen wäre, oder dass man das als Entschuldigung braucht, um wie ein rohes Ei (oder wie Seidentofu) behandelt zu werden. Aber es ist so, dass HSP deutlich mehr wahrnehmen als viele andere. Dies können Gerüche sein, die intensiver sind als für andere. Geräusche, die für andere normal sind, sind für HSP störend und ablenkend. Und so weiter.

Und so ist mein happy place zuhause, und zwar wenn ich ganz alleine zuhause bin, so sehr ich meinen Mann liebe. Ich habe dann keine Musik, habe die Fenster geschlossen, denke nach oder schreibe, und AAAAHHHHHH kann endlich durchatmen und auftanken.

Da ich gleichzeitig auch ein soziales Wesen bin und Menschen liebe, ist es nicht so, dass ich leide, wenn ich um Menschen herum bin. Im Gegenteil - ich liebe es!! Aber ich kenne mich inzwischen Gott sei dank besser, und weiss, dass es mir längerfristig besser geht, wenn ich pro Woche nicht mehr als 1-2 Sachen nebst der Arbeit einplane. Zu oft schon dachte ich "ach, überwinde dich einfach! Sei jetzt nicht so! Wenn du mal dort bist, wird es schon gut sein" und zahlte hinterher einen Preis dafür.

Darum kann ich jetz auch endlich den Kommentar dieser Person verarbeiten und ich weiss, ich muss mich nicht rechtfertigen; ich lebe nach bestem Wissen und Gewissen, wachse und entwickle mich stetig weiter, mit Hilfe vom Heiligen Geist, und mit Geduld und Hilfe meines Mannes, meiner Familie und meiner FreundInnen.

Und dann gebe ich Vollgas. Erholt lebt es sich so viel besser!

Montag, Juni 16, 2014

Gäste im Haus und Gäste im Garten

Wirklich? Einen ganzen Monat lang nicht gebloggt???

So geht das. Wir erhielten Besuch von lieben Freunden aus Polen. Sie wollten zwei Tage bleiben und in dieser Zeit ihr Auto flicken, denn irgendetwas kleines verursachte ein Geräusch. Schlussendlich war es etwas sehr grosses, und ausserdem kamen die Festtage Auffahrt und Pfingsten dazwischen, was die Lieferung der Ersatzteile aus dem Ausland noch weiter verzögerte.. So hatten wir zwei Wochen lang Besuch, daneben lief die Sommersaison voll an, und über Pfingsten kam auch noch ein Teil von Gianni's Familie zu uns... Und das alles mit mir, die ich am liebsten Tage alleine zuhause verbringe und fast nur so erholen und auftanken - und bloggen - kann.....

Die letzten zwei Wochen also voll der Sommerbetrieb. Alles draussen im Garten, ausgebucht, Tische doppelt und teils dreifach belegt pro Abend,... Ich liebe es, so zu arbeiten, aber man spürt es in den Beinen, oh, wie man es in den Beinen spürt!! Und im Kopf! So oft hatte ich die Situation, dass ich nur noch auf den Boden liegen und weinen wollte in den vergangenen Tagen, während der Arbeit. Aber immer gilt die Wahrheit "Jeder Abend geht irgendwie vorbei".

Eine Herausforderung ist hauptsächlich die mentale Einstellung. Wenn wir 39 Gäste haben und 35 davon waren absolut zufrieden: Warum soll ich mich von den 4 anderne so stressen lassen? Manchmal ist es schon ungerecht: Da rennen wir wie wild den halben Abend, und grad wo wir denken, jetzt haben wir das Gröbste geschafft, und grad wo die Küche schliessen will, kommt jemand um 21.40 Uhr angeschlendert und fragt, ob sie nicht noch Fisch essen können bei uns? Sie würden sich SOOOOO freuen!!! Obwohl niemand von uns mehr mag, am wenigsten der Koch, nehmen wir sie noch und setzen sie an einen Tisch, der gerade erst frei geworden ist. Eine halbe Stunde später räumen wir die Teller ab und auf dem einen liegt der Fisch praktisch unberührt noch da. Es sei "langweilig" gewesen und sie seien "enttäuscht". Ah ja?? Und das, nachdem wir Abend für Abend lauter schwärmende Gäste verabschieden? Hmm... die hätten wir auch besser nicht mehr angenommen...

...oder der Herr, der allergisch ist auf gluten, laktose, Sellerie und Erdbeeren. Wir geben uns extrem Mühe, im grössen Stress, rennen extra in den Keller um glutenfreies Brot zu holen, stellen die Karte um, bieten verschiedenste Optionen und stellen sicher, dass alles reibungslos funktioniert. Er bestellt den teuersten Wein, und es ist eigentlich eine sympatische Begegnung. Als zweitletzter Tisch gehen sie, ohne auch nur einen Rappen Trinkgeld zu hinterlassen. Waren wir so schlecht? Machten wir etwas falsch? Oder hat er es einfach vergessen?

Ich bin gern sehr freundlich und warm an den Tischen, so dass sich die Gäste wohlfühlen. Manchmal jedoch, im Stress, kommen auch andere Seiten zum Vorschein... zum Beispiel wenn ich mehrere Tische gleichzeitig habe, zuhinterst im Garten, und ich in der linken Hand das Servicetablett mit 3 Litern Wasser und 7 Gläsern balanciere, und rechts noch eine Suppe und ein Körbchen Brot trage. Es ist klar ersichtlich, dass viel zu tun ist: Viele Gäste überall, und meine Hände sind voller Ware, die ich an verschiedenen Tischen ablade. Ich stelle das Brot auf einen Tisch, der soeben die Suppe erhalten hat. "Unsere Getränke haben Sie nicht vergessen, gell?", fragt die Dame. Ich habe ihre Getränke schon bereitgestellt, muss nur noch zurückrennen, sie holen gehen. Ich gebe leicht genervt zurück: "Nein, vergessen nicht, aber ich habe auch nur zwei Hände!". Ups. Sofort bereue ich den Tonfall und die Wortwahl und bin den Rest des Mittagsservices ausgesprochen freundlich zu ihnen....

Morgen Frühstücksschicht, Pause, Mittagsservice, Pause, Abendservice. Ich gehe jetzt besser mal schlafen.

Mittwoch, Mai 14, 2014

Von der Kunst, trotz und mit oder auch wegen Kindern Kunst zu machen.

Ich wurde in den Masterstudiengang aufgenommen!!!

Wie schon verschiedentlich erwähnt, ging meiner Bewerbung für den MA eine lange Zeit des Abwägens voraus: Wäre es nicht vernünftig, einen richtigen Berufsabschluss / ein vernünftiges Studium zu machen? Was, wenn wir in den nächsten Jahren Kinder kriegen und beide als Aushilfen im Stundenlohn arbeiten? Ist es überhaupt ok, auf die Karte "Schreiben" zu setzen, oder gilt das höchstens als Hobby?

Ich informierte mich konkret über verschiedene alternative Möglichkeiten: Von Hebamme über Internationale Beziehungen, Dolmetscherin und Ernährungsberaterin bis hin zum Wirtepatent prüfte ich allerlei Optionen eingehend, sehr eingehend sogar.

Alle diese Wege würde ich gerne beschreiten und in einem dieser Berufsfelder arbeiten. Aber am meisten lebendig werde ich, wenn ich schreibe, vorlese, oder Rap-Auftritte habe.

Nun war ich heute an einer Diskussionsrunde meiner früheren und zukünftigen Hochschule, zum Thema Vereinbarkeit von künstlerischer Berufstätigkeit und Familie. Es sprachen zum Beispiel ein aktueller Bachelorstudent (Literarisches Schreiben), der seine heute 8-jährige Tochter grösstenteils alleine aufgezogen hat. Und eine 34-jährige Frau, die mit mir zusammen den Bachelor abgeschlossen hat, und die damals eine 8-jährige Tochter hat und heute, wo diese Tochter 15 ist, noch einen siebenmonatigen Sohn hat. Sie arbeitet als freischaffende Autorin. Ausserdem war eine Gleichstellungsbeauftragte anwesend und eine Vertreterin einer Anlaufstelle für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Wie man erahnen kann, waren die anderthalb Stunden äusserst spannend! Und ich fühle, dass ich mutig in die nächsten Jahre gehen kann, mit Studium, mit dem Schreiben, mit einem Mann, der Musiker ist, und mit schwanger werden und Kinder haben.

Obwohl wir so gern möchten, werden wir noch nicht grad loslegen mit Babies, aber es tut gut zu wissen, dass ich wirklich nicht mit Angst partnern muss, und dass es viele andere in ähnlichen Situationen gibt, die öffentlich sagen: Hey, es geht durchaus! Alles kostet immer einen Preis, aber das ist auch ohne Kinder so.