Freitag, Juli 13, 2012

5 Tage, 5 Pässe, 1 Alp, und ein Huhn ohne Kopf

Klavierkonzert eines der besten Pianisten Italiens, in einer Kirche von 1343.
Pass 1 von 5
Alphütte im Engadin - hier war ich doch schon einmal
Weil Ernestyna einmal eine Kuh ohne Kopf in den Bergen fand, hier ein Huhn ohne Kopf, ebenfalls in den Bergen gefunden.
Zuhause geographisch und im Herzen. Ooooohhhhhh....
Wunderschöne fünf Tage habe ich hinter mir - per Autostop ins Berner Oberland (zwei Autos, eines davon mit 3 jungen Männern, insgesamt 20min Wartezeit), dann mit der Freundin über zwei Pässe den Ferien-Gotthardstau vermeiden. Mit unseren Freunden entdeckten wir ein kleines Tal im Tessin und genossen ein Klavierkonzert in einer uralten roten Kirche, die hinter Ruinen aus dem 12. Jahrhundert versteckt war. Am nächsten Tag Baden in einem eiskalten kleinen Fluss, bei einem Wasserfall. Weiter ging es nach Locarno, wo wir meine Tante besuchten und die Kunstausstellung von Sibe+Muck genossen.

Dann wieder über zwei Pässe, diesmal mit dem besten Mann der Welt, und ins Engadin, wo wir die vierte Landessprache, rumantsch, hörten. Wir entschieden uns aber, für den anderthalbstündigen Marsch auf die 2000müM. Alp ausschliesslich die dritte Landessprache, italienisch, zu sprechen. Oben war dann englisch die Hauptkommunikation, aufgrund uns und einem Besucher aus dem Ausland. Wir überlebten die Nacht in einem Gewitter, bei dem die Alphütte regelrecht vom Donner geschüttelt wurde (!).  Die einzige Person, die ungestört durchschlief, war die anderthalbjährige Tochter der Alphirten.

Tags darauf dreieinhalb Stunden Fahrt ins Emmental. Dort schauten wir den unglaublichen Film Father of Lights, predigten zu Schafen und stellten Kühen Fragen, welche durch Blinzeln beantwortet wurden.

Jetzt wieder zurück an die Arbeit. Es war sooooooo schön!!!

Freitag, Juli 06, 2012

Pfefferminze und Motilium

Mein Traum von letzter Nacht: Ich bin in einer Arztpraxis, und mir wurde soeben Blut genommen. Eine Ärztin kommt hinein und sagt: Sie haben ein hb von 0,0. Ich: Aber ich nehme täglich Eisentabletten! Sie: Das nützt gar nichts, Sie müssen Pfefferminztee trinken, viel Pfefferminztee.

Ich stand auf und trank einen Liter Pfefferminztee. Und schluckte damit meine tägliche Eisentablette.

Gestern funktionierte ich nur noch, indem ich in meiner Pause zur Apotheke runter rannte. Während ich Stunden später versuchte, einzuschlafen, wurde mir vieles klar. Es ist emotional vieles zu bewältigen, was zu Verspannungen im Körper führt, welche wiederum zu Schmerzen führen, was mir negative Gefühle gibt, welche wiederum Stress auslösen. Am Schluss komme ich gar nicht mehr runter, besonders, wenn ich Arbeitstage habe, die nur 15minütige Pausen zulassen. Anyway. Noch heute, dann kommt hoffentlich etwas Ruhe in meine Tage und Nächte..

Mittwoch, Juli 04, 2012

Arbeitstag mit Schicksalen...

Haha, ich hatte ja bereits Angst, zuwenig arbeiten zu können. Jetzt kann ich mich der Arbeit kaum erwehren.

Gestern Abend reservierte jemand telefonisch ein Zimmer. Später checkte das Paar dann bei mir ein. Sie hatten Mühe, zu reden und zu laufen, schienen auf Drogen zu sein.. Die Frau war schwanger, und zwar schon im 8.Monat. Heute Morgen arbeitete ich wieder. Beim Frühstück schilderten sie mir ihre Probleme - das Baby, keine wirkliche Wohnung, immer nur eine Wohnmöglichkeit für ein paar Tage, zwischendurch Hotel,... sie wankten, fielen zeitweise fast um, und aus dem (rauchfreien) Zimmer stank es nach Rauch... Sie bezahlten (uff) und reisten ab. Meine Chefin und ich gingen schnurstracks ins Zimmer. Intensiver Rauchgestank, und ein Brandloch im Duvet, und in die Matraze hinein! Glück, dass das Haus über Nacht nicht abgebrannt ist...!!! Die zwei sind davon, den Schaden tragen wir. Die nächsten Gäste, die ich ein paar Stunden danach eincheckte, wollten verständlicherweise nicht in dieses Zimmer; es stank noch zu sehr. Zum Glück hatte ich grad noch ein freies Zimmer, das wir zwar normalerweise 80.- teurer vermieten, weil es so viel grösser ist... Hmmm.. was macht man da? Es ist einfach nur traurig... schissdroge.

Donnerstag, Juni 28, 2012

Nur Auferstandene können Geld ausgeben

Passend zum letzten Beitrag geschah heute folgendes: Am Mittag bestellten zwei Gäste eine ganze Flasche Rotwein. Dies kommt um diese Tageszeit, mitten im Sommer, äusserst selten vor. Umso mehr freute ich mich auf die heutige Umsatzsteigerung. Wir hatten sehr viel zu tun, rannten hin und her, kassierten ein, brachten neue Getränke, servierten Essen, räumten ab. Als wir dann völlig verschwitzt endlich selber essen durften, wollten die zwei "Wein-Gäste" zahlen. Ich kontrollierte kurz die Rechnung darauf, ob alle Aperos getippt waren - waren sie - und kassierte ein. Die Gäste zogen davon. Später merkte ich, dass ich die Flasche Wein nicht getippt hatte.... das kostete mich fast eine Arbeitsstunde an Lohn.. ich nervte mich über mich, denn schon einmal hatte ich einen blöden Fehler gemacht, der mich kostete.. Nach einer halben Stunde oder so nervte ich mich immer noch, aber wollte mal darüber hinwegkommen. Da hörte ich Jesus sagen: "Ich zahle imfall". "Ja, haha", erwiderte ich, "nein ist schon gut, ist ja mein Fehler". Gleichzeitig wusste ich natürlich, dass ja eh all "mein" Geld durch Gottes Versorgungskanäle zu mir gelangt. Jesus doppelte nach: "Ich zahle für alle deine Fehler"... hmm.. das machte Sinn.. Ich musste schmunzeln. Ich lief deutlich besser gelaunt hinter die Bar, um abzuwaschen. Da sagte Er: "Und sowieso... wie kannst du zahlen..? Du existierst ja gar nicht mehr! -hahaha!!" - Ich musste ebenfalls laut lachen. Das war nämlich ein insider, weil ich gerade kürzlich einen super Artikel über Römer 6-9 gelesen hatte. Good one, Jesus!

Dienstag, Juni 26, 2012

Reichtum im Kopf, Reichtum in den Händen

Seit einigen Jahren schon arbeite ich entweder nur teilzeit, um mehr Zeit daneben zu haben, oder ich spare möglichst jeden Franken, um z.B. in den USA zu studieren. Das ist ein konstantes "kein Geld haben". Oder nicht? Wie ist denn das mit Gott als meinem übergrosszügigen Versorger? Was ist der Armutsgeist, oder Waisengeist? Ich lerne immer mehr, von diesem "ich habe zuwenig"-Denken wegzukommen. Wann immer es schmerzt, Geld weggeben. Ha! Oder voller Freude Geld weggeben, und voller Freude Geld ausgeben.
Wenn ich im Bioladen um die Ecke einkaufe anstatt im Supermarkt, ist das dann Luxus, den ich mir nicht leisten sollte, oder ist es das normale Leben als Gottestochter? Wann immer mir in den letzten Jahren das Geld ausging, kam völlig überraschend neues rein. Ich will vernünftig mit dem Geld umgehen, es gut verwalten, aber ich will auch unvernünftig sein und mehr spenden, als theoretisch drinliegen würde. Ich hörte einmal "wenn du dir überlegst, ob du die 4.- in die Kollekte tun sollst, oder ob du dir damit einen Latte kaufst, dann hast du einen zu kleinen Gott" (John Crowder). Oder Georgian Banov, der mir so überzeugend die "eat all the cheese you want"-Botschaft vermittelte. Wer von den Wenigverdienern kennt das nicht: Du gehst einkaufen, und läufst am Regal mit dem Käse vorbei. Es hat all die wunderbaren, herrlich aussehenden Käse, und dann nimmst du den billigsten Normalokäse. Nun habe ich gelernt, und kaufe mir ab und zu einen Käse, egal was hinten auf der Etikette aufgedruckt ist..!

Anyway. Es ist ja meine Wahl, ob ich jetzt im Ich-kann-mir-alles-kaufen-Luxus lebe, oder ob es mein Luxus ist, jetzt sparsam zu leben und dafür dann neun Monate an der BSSM sein zu können. Aber ich will trotzdem nicht ständig in der "ich habe zuwenig"-Mentalität sein.

So auch mit Autostop. Zugfahren ist toll, aber mit dem Geld, mit dem ich im Monat schon nur nach Bern in den Gottesdienst fahre, kann ich in Redding einen Monat lang leben... oder so. Also ermöglicht mir Autostop, monatelang in Redding zu leben, und trotzdem nach Bern in den Gottesdienst gehen zu können. Oder habe ich jetzt einen zu kleinen Gott? Ich beschloss, den Zug zu nehmen, wenn ich mich nicht nach Autostop fühle, oder natürlich wenn es spät ist oder in Strömen regnet etc. Und glücklicherweise macht mir Autostop ja Spass.

Zum Beispiel am Sonntag, als ich ins Berner Oberland meinen Freund und andere FreundInnen besuchen ging. 15 Minuten Wartezeit in Biel, dann nahmen mich zwei junge Kurden mit bis zur Raststätte Grauholz. Dort wieder etwa 15 Minuten Warten, bis mich eine junge Deutsche auflud. Sie musste eigentlich nach Interlaken, aber fuhr dann für mich einen etwa einstündigen Umweg...!! Yes yes yes!

Zurück nahm ich dann den Zug. Und kaufte mir eine kalte Schoggi am Kiosk. Bäm.

Freitag, Juni 22, 2012

Autostoprekord, schon wieder

Zum ersten Mal mit meinem Freund zusammen trampen. Wir sind in Bern eingeladen und zu spät dran. Also sagen wir, zur Abfahrtsstelle laufend (20min), "Jesus, bitte gib uns ein Auto, das in die Nähe unseres Ziels fährt". Wir erreichen die Autostrasseneinfahrt, halten den Daumen raus, und 10 Sekunden später hält ein Auto an. Wir fahren los, die Fahrerin, eine angehende Hebamme, fragt uns, wo in Bern wir hinmüssen. Ich sage ihr unsere Wunsch-Ausfahrt. Sie so: "Ostring? Da muss ich auch raus, ich wohne an der und der Strasse". Ich so: "Diese Strasse? Da müssen wir hin! Nummer W". Sie ruft: "W? Ich wohne an Z" ---- ihr Hauseingang ist zwei Häuser weiter als der, zu dem wir müssen. Als wir ankommen, parkt sie vor einer Holzofenbäckerei, die nur zweimal im Monat auf hat. Gerade jetzt hat sie noch etwa 10 Minuten lang geöffnet. Wir kaufen herrliche Bröter und sind pünktlich zu Gast.

Donnerstag, Juni 07, 2012

Lebensqualität, offline

wow... nun bin ich doch schon fast zwei Wochen in der Schweiz. Wieder im Seeland, ohne Internet, und das wifi meines Laptops scheint auch nicht zu funktionieren, bzw. ich finde nicht heraus, was das Problem ist. Henuh. Der Koch lässt mich kurz seinen Computer benutzen. Ich arbeite wieder im Service, aber da es gerade regnet, braucht es mich nicht mehr heute.

Was für eine Lebensqualität hier! Ich kann zu Fuss zur Arbeit gehen. Auf den Strassen trifft man Leute. Ich kann zu Fuss einkaufen gehen, erst noch in verschiedenste Läden. Ich arbeite nun schon seit sechs Jahren im schönsten Ort weit und breit. Und wenn ich frei habe, kann ich den besten Mann den ich je kennengelernt habe im schönsten Landesteil besuchen gehen, dort in einem hundertjährigen Steinhaus, hoch über der Magadinoebene, selbstgemachten Limoncello trinken und dazu Toast mit Gemüsetatar geniessen.