Seit einigen Jahren schon arbeite ich entweder nur teilzeit, um mehr Zeit daneben zu haben, oder ich spare möglichst jeden Franken, um z.B. in den USA zu studieren. Das ist ein konstantes "kein Geld haben". Oder nicht? Wie ist denn das mit Gott als meinem übergrosszügigen Versorger? Was ist der Armutsgeist, oder Waisengeist? Ich lerne immer mehr, von diesem "ich habe zuwenig"-Denken wegzukommen. Wann immer es schmerzt, Geld weggeben. Ha! Oder voller Freude Geld weggeben, und voller Freude Geld ausgeben.
Wenn ich im Bioladen um die Ecke einkaufe anstatt im Supermarkt, ist das dann Luxus, den ich mir nicht leisten sollte, oder ist es das normale Leben als Gottestochter? Wann immer mir in den letzten Jahren das Geld ausging, kam völlig überraschend neues rein. Ich will vernünftig mit dem Geld umgehen, es gut verwalten, aber ich will auch unvernünftig sein und mehr spenden, als theoretisch drinliegen würde. Ich hörte einmal "wenn du dir überlegst, ob du die 4.- in die Kollekte tun sollst, oder ob du dir damit einen Latte kaufst, dann hast du einen zu kleinen Gott" (John Crowder). Oder Georgian Banov, der mir so überzeugend die "eat all the cheese you want"-Botschaft vermittelte. Wer von den Wenigverdienern kennt das nicht: Du gehst einkaufen, und läufst am Regal mit dem Käse vorbei. Es hat all die wunderbaren, herrlich aussehenden Käse, und dann nimmst du den billigsten Normalokäse. Nun habe ich gelernt, und kaufe mir ab und zu einen Käse, egal was hinten auf der Etikette aufgedruckt ist..!
Anyway. Es ist ja meine Wahl, ob ich jetzt im Ich-kann-mir-alles-kaufen-Luxus lebe, oder ob es mein Luxus ist, jetzt sparsam zu leben und dafür dann neun Monate an der BSSM sein zu können. Aber ich will trotzdem nicht ständig in der "ich habe zuwenig"-Mentalität sein.
So auch mit Autostop. Zugfahren ist toll, aber mit dem Geld, mit dem ich im Monat schon nur nach Bern in den Gottesdienst fahre, kann ich in Redding einen Monat lang leben... oder so. Also ermöglicht mir Autostop, monatelang in Redding zu leben, und trotzdem nach Bern in den Gottesdienst gehen zu können. Oder habe ich jetzt einen zu kleinen Gott? Ich beschloss, den Zug zu nehmen, wenn ich mich nicht nach Autostop fühle, oder natürlich wenn es spät ist oder in Strömen regnet etc. Und glücklicherweise macht mir Autostop ja Spass.
Zum Beispiel am Sonntag, als ich ins Berner Oberland meinen Freund und andere FreundInnen besuchen ging. 15 Minuten Wartezeit in Biel, dann nahmen mich zwei junge Kurden mit bis zur Raststätte Grauholz. Dort wieder etwa 15 Minuten Warten, bis mich eine junge Deutsche auflud. Sie musste eigentlich nach Interlaken, aber fuhr dann für mich einen etwa einstündigen Umweg...!! Yes yes yes!
Zurück nahm ich dann den Zug. Und kaufte mir eine kalte Schoggi am Kiosk. Bäm.